Dieter Stein (Journalist)

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Dieter Stein (2009)

Dieter Stein (* 15. Juni 1967 in Ingolstadt) ist ein deutscher Publizist und Chefredakteur der Wochenzeitung Junge Freiheit und gilt als Vertreter der Neuen Rechten.[1][2]

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Herkunft und Studium[Bearbeiten]

Dieter Stein wurde 1967 als Sohn eines Berufsoffiziers (Oberstleutnant) und Militärhistorikers in Ingolstadt geboren.[3] Er wuchs in Bayern und Baden-Württemberg auf. Im Juli 1988 trat er beim Panzeraufklärungsbataillon 3 in Lüneburg seinen Wehrdienst an.[4] Von 1989 bis 1994 war er Student der Politik- und Geschichtswissenschaften an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg. Dort wurde er Mitglied der Freiburger Hochschulgilde Balmung (Deutsche Gildenschaft). Stein ist verheiratet und hat vier Kinder.

Parteipolitische Aktivitäten und frühe Publizistik[Bearbeiten]

Seine parteipolitische Tätigkeit begann Stein in der Jungen Union (JU), 1984 trat er den Republikanern (REP) bei.[5] Als sich 1985 mit einer Abspaltung von den Republikanern die Freiheitliche Volkspartei (FVP) unter Führung von Franz Handlos bildete, wurde er dort Mitglied.[5] Zu dieser Zeit war Stein Abiturient. Thomas Peiffer, der Stein im Rahmen seiner Forschungsarbeit interviewte stellte den weiteren Werdegang wie folgt dar: „Nach dem Niedergang der FVP verlässt er die Partei 1987 und wendet sich erneut den in dieser Zeit erfolgreichen REP zu, knüpft aber auch Kontakte zum etablierten Konservatismus und neonazistischen Spektrum.“[6] Von November 1986 bis November 1987 wurde Stein im Impressum der rechtsextremen Zeitschrift Freie Umschau als freier Mitarbeiter geführt. Die Herausgeber der Freien Umschau stammten aus dem Umfeld der 1982 gegründeten und 1983 aufgelösten Deutschen Arbeiter Jugend (DAJ). Im Oktober 1989 wurde Stein an der Uni Freiburg zum Vorsitzenden des „Republikanischen Hochschulverbandes“ (RHV) gewählt. Laut Stefan Kubon verließ Stein 1990 die Republikaner und gilt seitdem als parteilos.[7]

In einer 2007 veröffentlichten Pressemitteilung der Jungen Freiheit distanzierte sich Stein von der Wochenzeitung Zur Zeit (mit der die JF bis dahin kooperierte) wegen Kontakten des Zur Zeit-Herausgebers Andreas Mölzer zur NPD[8][9] und bezeichnete die NPD als „politischen Gegner“.[9][8]

Junge Freiheit[Bearbeiten]

1986 gründete Stein in Freiburg im Breisgau als Schüler die Zeitung Junge Freiheit, deren Chefredakteur er seither ist. 1990 gründete er die Junge Freiheit Verlag GmbH, deren geschäftsführender Gesellschafter er seitdem ist. Die Junge Freiheit erscheint als Wochenzeitung seit 1994 in Potsdam, seit 1996 in Berlin. Sie blieb nach dem 1. August 1999 bei der deutschen Rechtschreibung des 20. Jahrhunderts.[10] Dieter Stein lehnt die neue Rechtschreibung ebenfalls ab.[11] Nach eigener langjähriger Verortung als rechtskonservativ und nach dem Junge-Freiheit-Urteil des Bundesverfassungsgerichtes (BVerfG) zur Erwähnung in den Berichten des Verfassungsschutzes Nordrhein-Westfalen von 1994 bis 2005 unter der Rubrik Rechtsextremismus bezeichnete Stein die Junge Freiheit in einem Interview des Jahres 2006 nunmehr als „liberal-konservatives“ Medium.

Förderstiftung Konservative Bildung und Forschung[Bearbeiten]

2007 wurde Stein zum Vorsitzenden des Stiftungsrats der gemeinnützigen Förderstiftung Konservative Bildung und Forschung (FKBF) gewählt, die im Jahr 2000 von dem rechtskonservativen Publizisten Caspar von Schrenck-Notzing gegründet worden war.[12] Auf Initiative Steins wurde 2008 die Bibliothek Schrenck-Notzings nach Berlin überführt, deren 20.000 Bände den Grundstock für die 2011 eingeweihte und am 23. November 2012 eröffnete Bibliothek des Konservatismus darstellen..[13]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • als Hrsg.: Der Streit um Martin Walser. Beiträge und Interviews von Eckhard Henscheid, Joachim Kaiser, Heimo Schwilk, Martin Walser, Günther Zehm u. a. Edition JF, Berlin 2002, ISBN 3-929886-13-8.
  • als Hrsg.: Über den Tag hinaus. Festschrift für Günter Zehm. Berlin 2003, ISBN 3-929886-16-2.
  • als Hrsg.: Die Tragödie des Westens. Beiträge und Interviews aus der Jungen Freiheit nach dem 11. September 2001. Edition JF, Berlin 2003, ISBN 3-929886-10-3.
  • als Hrsg.: Rettet die deutsche Sprache. Beiträge, Interviews und Materialien zum Kampf gegen Rechtschreibreform und Anglizismen. Edition JF, Reihe Dokumentation, Band 9, Berlin 2004, ISBN 3-929886-21-9.
  • als Hrsg.: Ein Leben für Deutschland. Gedenkschrift für Wolfgang Venohr 1925–2005. Edition JF, Berlin 2005, ISBN 3-929886-24-3.
  • Phantom „Neue Rechte“. Die Geschichte eines politischen Begriffs und sein Missbrauch durch den Verfassungsschutz. Edition JF, Reihe Dokumentation, Band 10, Berlin 2005, ISBN 3-929886-22-7.
  • als Hrsg.: Helden der Nation. Beiträge und Interviews zum 20. Juli 1944. Edition JF, Berlin 2008, ISBN 978-3-929886-27-6.
  • Für eine neue Nation. Nachdenken über Deutschland. Edition JF, Berlin 2014, ISBN 978-3-929886-43-6.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thomas Pfeiffer: Die Neue Rechte in Deutschland. S. 63.
  2. Steffen Kailitz: Politischer Extremismus in der Bundesrepublik Deutschland. VS-Verlag, 2004, S. 86.
  3. Dieter Stein: Als mein Vater seine Sprache verlor. In: Junge Freiheit. 4. Oktober 2012.
  4. Dieter Stein: Initiation im Löschteich. In: Junge Freiheit. 22. April 2011.
  5. a b Alexander Schmidt, Moritz Schwarz: Diese „Zeitung soll ein freies Forum sein“. In: Junge Freiheit. 21. Januar 2000.
  6. Thomas Pfeiffer, „Medien einer neuen sozialen Bewegung von rechts“, Dissertation Universität Bochum, 2000, S. 187 Online einsehbar. Seine Darstellung, Stein habe seinerzeit „Kontakte zu Neonazis gepflegt“, stützte Pfeiffer auf den Umstand, dass neben Stein auch Autoren wie Steffen Hupka oder Michael Krämer Beiträge für die Freie Umschau verfasst hatten.
  7. Stefan Kubon: Die bundesdeutsche Zeitung „Junge Freiheit“ und das Erbe der „Konservativen Revolution“ der Weimarer Republik. Eine Untersuchung zur Erfassung der Kontinuität „konservativ-revolutionärer“ politischer Ideen. Dissertation 2005. Ergon 2006, S. 47.
  8. a b http://www.endstation-rechts.de/index.php?option=com_k2&view=item&id=2754 (abgerufen am 1. September 2010)
  9. a b http://www.jf-archiv.de/archiv07/200739092167.htm (abgerufen am 1. September 2010)
  10. Im Impressum der JF heißt es seit dem 20. August 1999: „Die Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT hält sich an die traditionelle deutsche Rechtschreibung, wie sie bis zum 1. August 1999 gültig war.“
  11. Dieter Stein: Der große Schiffbruch. Das Scheitern der Rechtschreibreform als Symbol der deutschen Krise. In: Junge Freiheit. Nr. 34 vom 13. August 2004, S. 1. Wiederabdruck in: Dieter Stein (Hrsg.): Rettet die deutsche Sprache. Beiträge, Interviews und Materialien zum Kampf gegen Rechtschreibreform und Anglizismen. EDITION JF, Berlin 2004, S. 42–47.
  12. Internetseite der FKBF: http://www.fkbf.de/ueber-die-fkbf-stiftung.html
  13. Zur Bibliothek des Konservatismus auf der FKBF-Seite: http://www.fkbf.de/projekte-der-fkbf/die-bibliothek-des-konservatismus.html