Doppelgänger

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Doppelgänger (Begriffsklärung) aufgeführt.

Ein Doppelgänger ist eine Person, die einer bestimmten anderen Person im Aussehen so stark ähnelt, dass es zu Verwechslungen ihrer Identität kommen kann.[1][2]

Verwendung[Bearbeiten]

Die Brüder Grimm schreiben zu diesem Begriff in ihrem Deutschen Wörterbuch unter anderem: "doppelgänger, auch wol doppeltgänger, m. jemand von dem man wähnt er könne sich zu gleicher zeit an zwei verschiedenen orten zeigen."[3] Das deutsche Wort „Doppelgänger“ wird auch in vielen anderen Sprachen verwendet, z. B. im Englischen, Französischen, Italienischen, Portugiesischen und Spanischen, aber auch im Thai, Chinesischen und im Russischen, zurückzuführen auf die weltweite Wirkung der deutschen Romantik.

Unterscheidung[Bearbeiten]

In der Natur kommen Doppelgänger in Gestalt eineiiger Zwillinge vor.

Begrifflich zu unterscheiden ist der Doppelgänger vom Double. Während das Double der Versuch einer gezielten Kopie der äußeren Erscheinung eines Menschen (auch unter Zuhilfenahme von Masken etc.) ist, ist ein Doppelgänger ein Mensch, der einem anderen von Natur aus zum Verwechseln ähnlich sieht, so dass es tatsächlich zu Zweifeln an seiner Identität kommen kann (was bei einem Double nicht möglich ist).

  • Politiker und Schauspieler verwenden Doubles gelegentlich aus Sicherheits- und Zeitgründen, so seinerzeit der irakische Diktator Saddam Hussein. Über Doubles weiterer Politiker wird immer wieder spekuliert.
  • Doubles agieren bei Events als Blickfang und „prominente Gäste“ oder in Werbefilmen.
  • Stuntmen spielen als Doubles eines Darstellers körperlich gefährliche Filmszenen.
  • Körperdoubles springen z. B. auch bei Nacktszenen ein.

Film, Literatur, Kunst und Musik[Bearbeiten]

Richard Mansfield in der Doppelrolle als Dr. Jekyll und Mr. Hyde

Das Doppelgängermotiv war ein häufiges Motiv in bildender Kunst und Literatur, besonders der Romantik und der Stummfilmzeit.[4]

Der Doppelgänger wird in der Romantik meist mit dem Verlust der eigenen Identität assoziiert und beschreibt daher eine zentrale Angst der bürgerlichen Gesellschaft. Bekannte frühe Beispiele sind der Roman Siebenkäs (1796) von Jean Paul, der Roman Die Elixiere des Teufels von E. T. A. Hoffmann von 1815/16 sowie das Kunstlied Der Doppelgänger von Franz Schubert von 1828. Mit der Angst vor der Ent-Individualisierung anhand des Doppelgängermotivs befasst sich im 19. Jahrhundert auch die stark autobiografisch gefärbte Erzählung Edgar Allan Poes William Wilson aus dem Jahr 1839.[4] Im Winter 1841/42 entstand das Gedicht Das Spiegelbild von Annette von Droste-Hülshoff, 1842 wurde die berühmte Kriminalerzählung und Milieustudie Die Judenbuche veröffentlicht, 1844 ihr Gedicht Doppeltgänger.[5] 1886 erschien die Kurzgeschichte Ein Doppelgänger von Theodor Storm. Die Novelle Dr. Jekyll und Mr. Hyde von Robert Louis Stevenson aus dem Jahr 1886 sowie Das Bildnis des Dorian Gray von Oscar Wilde von 1890/91 zählen zu den berühmtesten Ausformungen. Am Anfang des 20. Jahrhunderts ist Franz Kafka ein wichtiger Vertreter dieser Thematik. Vom Ende des 20. Jahrhunderts sind der Roman 'Die weiße Festung von Orhan Pamuk aus dem Jahr 1985 zu nennen, die Erzähl-Collage Reisende auf einem Bein (1989) von Herta Müller, wo die traumatisierte Protagonistin Irene auf einem Foto von sich nur eine andere Irene erkennt, sowie Müllers poetologischen Essays mit dem Titel Der Teufel sitzt im Spiegel. Wie Wahrnehmung sich erfindet aus dem Jahr 1991. Auch im Roman Der Doppelgänger von José Saramago aus dem Jahr 2002 steht die Figur thematisch an zentraler Stelle.

In letzter Zeit findet dieses Motiv wieder verstärkt im Film Verwendung: künstlich erzeugte Personen (Androiden), Personen, die ihr Aussehen verändern können (Gestaltwandler), und solche, die in einer Computerwelt leben. In der Vergangenheit besonders häufig im deutschen Expressionismus und Film noir.

Eine intensive Beschäftigung mit Doppelgängermotiven fand auch in der Esoterik, im Spiritismus sowie in der Anthroposophie Rudolf Steiners statt[6], was bedeutende Einflüsse auf die Gedankenwelt der Neoromantik wie der frühen Science Fiction hatte.[4] In der Science Fiction blieb der Ersatz oder die Schaffung eines Gegenübers des Menschen durch einen Roboter in Filmen wie Westworld oder dem sowjetischen Kinderfilm Der elektronische Doppelgänger bis in die Gegenwart ein wichtiges Motiv. Die Sterntagebücher Stanisław Lems thematisieren unter anderem anhand der Waschmaschinentragödie Begegnungen dieser Art.

Das Interesse der Künste am Doppelgängermotiv hat philosophische und psychologische Hintergründe. Es kann hier leicht durch bekannte Phänomene der Realität in die Fantasie übergegangen werden. So lässt sich ein Doppelgänger durch ähnliches Aussehen, ähnliche Angewohnheiten oder etwa eine ähnliche Stimme finden (siehe auch Synchronsprecher). Diese Ähnlichkeiten beeinflussen unsere Wahrnehmung. Ganz leicht werden Emotionen wachgerufen, was wiederum die Aufnahme von Fiktivem erweitert. Philosophisch stellt sich die Frage nach der Einzigartigkeit des Menschen.

Weiteres Vorkommen[Bearbeiten]

  • Das "Ministerium für Staatssicherheit" der DDR ('Stasi') schuf zehntausendfach Doppelgänger zu Spionagezwecken. Sie kopierte die Reisepässe von Westdeutschen, die in oder durch (Transit) die DDR reisten, ließ diese in Fälscherwerkstätten fälschen und montierte Fotos und Unterschriften von Spionen (ähnlichen Alters und ähnlicher Größe) in die gefälschten Dokumente. Das ARD-Fernsehmagazin Kontraste machte diese Praxis Anfang 2012 publik. Sogar die Identität eines Bundestagsabgeordneten wurde gestohlen.[7]
  • In vielen Kulturen und Religionen spielen doppelgängerartige Wesen als Schatten eine wichtige Rolle. In der Form einer Schutzgottheit gilt es als Ebenbild des Menschen in Pflanzen- oder Tiergestalt; Mensch und Gott sind hier stark verbunden. So in der westafrikanischen Religion der Akan und in der mittelamerikanischen Aztekenkultur (Nagual).
  • In der Radiästhesie (auch „Geopathologie“) gilt der Doppelgänger (bioplasmatischer Körper/Fluidalkörper/Ätherkörper) als energetische Erscheinungsform des Menschen, die Krankheiten wahrnimmt, bevor sie messbar werden.
  • Bei der dissoziativen Identitätsstörung (oft mit Schizophrenie verwechselt) bilden sich mehrere Teilpersonen aus einer heraus, wobei der Begriff des Doppelgängers fallen kann.
  • Wer das seltene Capgras-Syndrom hat, glaubt, jemand aus dem engen Familienkreis sei durch einen Doppelgänger ersetzt.
  • In Psychoanalyse und Psychologie ist der Begriff des Doppelgängers meist negativ belegt. Sigmund Freud spricht vom Doppelgänger als dem „verdrängten Anteil im Ich“. C. G. Jung spricht vom „dunklen Doppelgänger“, (vergl. Archetypus).
  • Der Begriff des Doppelgängers wird verstärkt mit dem Begriff des Klonens in Zusammenhang gebracht.
  • Die Verwendung dieses deutschen Begriffs im Englischen ist oft deutlich mit Gefahr und Bedrohung belegt und wird häufig, auch in der Umgangssprache (dann aber oft ironisch gemeint), mit evil twin (dt. der bösartige Zwilling) gleichgesetzt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gerald Bär: Das Motiv des Doppelgängers als Spaltungsphantasie in der Literatur und im deutschen Stummfilm. Editions Rodopi, Amsterdam / New York, NY 2005, ISBN 978-90-420-1874-7.
  • Ingrid Fichtner (Hrsg.): Doppelgänger. Von endlosen Spielarten eines Phänomens. Haupt, Bern / Stuttgart / Wien 1999, ISBN 3-258-06000-2 (= Facetten der Literatur, Band 7).
  • Christof Forderer: Ich-Eklipsen. Doppelgänger in der Literatur seit 1800. Metzler, Stuttgart / Weimar 1999, ISBN 3-476-45209-3.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Knaurs Deutsches Wörterbuch, Lexikographisches Institut München, 1985, Seite 279
  2. zeno.org
  3. urts55.uni-trier.de
  4. a b c Gerald Bär, Das Motiv des Doppelgängers als Spaltungsphantasie in der Literatur und im deutschen Stummfilm, Rodopi, Amsterdam 2005, ISBN
  5. Kommentare der Herausgeber zu Annette von Droste-Hülshoff, Sämtliche Werke in 2 Bänden, Herausgegeben von Bodo Plachta und Winfried Woesler, Deutscher Klassiker Verlag, Frankfurt am Main, 1994, ISBN 3-618-62000-4, ISBN 3-618-62005-5
  6. Der "elektronische Doppelgänger" und die Entwicklung der Computertechnik: Eine Zusammenfassung von Vorträgen gehalten im November 1917, Rudolf Steiner, Herausgeber Andreas Neider, Futurum Verlag, 2012
  7. www.ardmediathek.de

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Doppelgänger – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen