Dräxlmaier

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Dräxlmaier Group
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Rechtsform GmbH
Gründung 1958
Sitz Vilsbiburg, Deutschland
Leitung Fritz Dräxlmaier
Mitarbeiter Weltweit ca. 50.000 (2013)[1]
Umsatz 2900 Mio € (2013)[2]
Branche Zulieferer der Automobilindustrie
Website www.draexlmaier.com

Die Dräxlmaier Group ist ein weltweit tätiger Systemlieferant für die Automobilindustrie, spezialisiert auf Interieur, Elektrik- und Elektronikkomponenten[3] sowie Bordnetzsysteme. Die inhabergeführte Unternehmensgruppe beschäftigt rund 50.000 Mitarbeiter an mehr als 60 Standorten in über 20 Ländern.

Allgemein[Bearbeiten]

Die Dräxlmaier Group befindet sich unter den Top 100 Automobilzulieferern.[4] Zum Kundenkreis gehören u.a. Audi, BMW, Bugatti, Cadillac, Daimler, Jaguar, Land Rover, Lamborghini, Porsche und Volkswagen.[5] Das Unternehmen hat seinen Sitz im niederbayerischen Vilsbiburg. Zum Produktportfolio gehören Interieur (Cockpits, Mittelkonsolen, Türverkleidungen) und Elektrik/Elektronikbauteile (Kabelbäume für PKW). Die Holding-Geschäftsführung obliegt Fritz Dräxlmaier, Karl Gadesmann, Karl Wallner, Franz Haslinger und Roland Polte.

Produkte und Leistungen[Bearbeiten]

Die Produktpalette des Automobilzulieferers Dräxlmaier Group erstreckt sich über die gesamte Entwicklung und Integration von Gesamtinterieurs und Elektrik/Elektronik-Architektur unter Einsatz moderner EMV-Berechnungen und Simulationen über Produktions- und Funktionsabsicherungsverfahren, bis hin zur Verarbeitung von Leder und Edelhölzern für die Interieurverkleidung. Bemerkenswerte internationale Produktumsetzungen waren z.B. das Gesamtinterieur für den Mercedes-Benz SL, das FIS-Türmodul für den BMW 7er und das Interieur der Luxuslimousine Maybach[6] sowie das Interieur des neuen Porsche Panamera.[7]

Elektrik-/Elektronik-Produkte
Gesamtbordnetzsysteme, KSK (Kundenspezifische Leitungssätze), LWL (Lichtwellen-Leiter), Nachtdesign, Innenraum-/Dach-/Tür-/Sitz-/Haupt-/Audio-/Motor- und Cockpitleitungssätze, Vorsicherungs-konzepte, Powermanagement, Ambientebeleuchtung[8]

Interieur Produkte
Cockpit:
Mit der Entwicklung, Fertigung und Lieferung des kompletten Cockpit-Umfanges für den Mercedes-Benz CLK vollzieht die Dräxlmaier Group schon in der ersten Hälfte der 90er Jahre den Schritt zum Systemlieferanten im Interieurbereich.

Mittelkonsole:
Unter anderem befindet sich dieser Interieurteil in vielen Mercedes-Benz und BMW Baureihen sowie in der inzwischen eingestellten Luxuslimousine Maybach[6] und dem Super-Sportwagen Bugatti Veyron. Die Mittelkonsole für den neuen 7er BMW wird von Dräxlmaier Just-in-Sequence hergestellt und in Dingolfing an das OEM-Band geliefert; ein Großteil der manuellen oder automatischen Getriebe von Mercedes wird mit einem Schalt- oder Wählhebel der Dräxlmaier Group bedient.[9]

Türverkleidung:
Hier finden laut Aussage des Herstellers hochwertige Leder, Hölzer Verwendung sowie weitere Dekormaterialien. Zur Minimierung des Bauteilgewichts (Leichtbautechnik) und mit Blick auf die Nachhaltigkeit (Recyclingfähigkeit) verwendet die Dräxlmaier Group zunehmend Trägermaterialien bei Türverkleidungen aus nachwachsenden Rohstoffen.[10][11]

Funktionsintegrierte Systeme/Module
Die Dräxlmaier Group ist auf Tür-, Cockpit- und Mittelkonsolenmodule spezialisiert. Hier bietet das Unternehmen Funktionsintegration und Modularisierung zur Verarbeitung komplexer Baugruppen für die zunehmende Anzahl von Sonderausstattungen, Nutzung von Plattformen etc. an.[12]

Produktübersicht
Gesamtinterieur, edle Interieur-Komponenten, Cockpit, Dach-/Seitenverkleidungen, Schalt- und Wählhebel, Instrumententafeln, Mittelkonsolen, Türverkleidungen, nachwachsende Rohstoffe, einheitliche Kaschiertechnologie mit variabler Oberflächengestaltung(three-in-one), funktionsintegrierte Module (z.B. Türmodule), High Level Assembly (Cockpit-Modul)[13]

Die Zierteilsparte wurde zum 1. März 2010 an die mutares AG verkauft.[14]

Kritik[Bearbeiten]

In Siliana (Tunesien) produziert Dräxlmaier Kabelbäume für Premiumklassen der deutschen Automobilindustrie. Die 3000 Beschäftigten (überwiegend junge Frauen) erhalten dort einen Monatslohn von nur 125 Euro. [15]

In der mit dem Otto-Brenner-Preis ausgezeichneten Dokumentation „Profit um jeden Preis - Markt ohne Moral“[16] zeigt Ingolf Gritschneder den Kampf der Belegschaft der Firma HIB in Böblingen um die Arbeitsplätze ihres Standorts. Ohne die Mitarbeiter oder den Betriebsrat zu informieren, hatte der Dräxlmaier-Konzern an einem verlängerten Wochenende die Maschinen und Betriebsgeräte des Standorts demontiert. Sie nahmen dabei billigend eine Ordnungswidrigkeit in Kauf, um die Belegschaft des Standortes außerhalb des Kündigungsschutzes entlassen zu können. Obwohl die Löhne der Belegschaft ohne geleistete Arbeit weiter gezahlt wurden, kam es mehrere Monate zu keinem Kontakt zwischen der Geschäftsführung des Dräxlmaier-Konzerns und der Belegschaft am Standort Böblingen.[17]

Daten zur Unternehmensgeschichte[Bearbeiten]

Das Unternehmen wurde im Mai 1958 von Lisa und Fritz Dräxlmaier gegründet, um das Goggomobil der Hans Glas GmbH mit Kabelsätzen auszustatten.[18] Die erste eigene Fabrikhalle wurde 1964 gebaut. Als neuer Kunde konnte 1966 BMW gewonnen werden. 1968 wurden ein eigener Formen- und Werkzeugbau eingerichtet und die erste EDV-Anlage in Betrieb genommen. Audi konnte 1969 als Kunde gewonnen werden, Volkswagen 1971. Die erste Auslandsfertigung wurde 1974 in Tunesien aufgebaut, 1978 wurde der Standort Braunau am Inn in Österreich eröffnet.

1985 wurden die Firmen in Kapitalgesellschaften umgewandelt, dadurch entstanden die Lisa Dräxlmaier GmbH und die Eldra Kunststofftechnik GmbH. Die Expansion in den „ehemaligen Ostblock“ erfolgte 1993 mit Standorten in der damaligen Tschechoslowakei und Rumänien. 1996 wurden die DAA Draexlmaier Automotive of America in Duncan/Spartanburg SC und die DAM Draexlmaier Automotive de Mexico in Reynosa gegründet. Die "Firmengruppe Dräxlmaier" wurde 1997 in „Dräxlmaier Group“ (DRX) umbenannt. 1998 übernahm Dräxlmaier die Firma HIB Holzindustrie Bruchsal GmbH und erweiterte das Portfolio um Zierteile. Neue Standorte wurden 2003 in Shenyang, China, 2005 in San Luis Potosí, Mexiko, 2006 in Japan, 2007 in Bălți, Moldawien und 2008 in Zrenjanin, Serbien eröffnet. 2010 verkaufte Dräxlmaier die Zierteilsparte (HIB = Holzindustrie Bruchsal) an einen Investor, die börsennotierte mutares AG. 2011 war die Dräxlmaier Group als Mitglied des Konsortiums, das den Streetscooter entwickelt hat, zum ersten Mal aktiv auf der IAA vertreten.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Profil der Dräxlmaier Group. URL: http://www.draexlmaier.com/unternehmen.html
  2. Dräxlmaier Group: Zahlen und Fakten. URL: http://www.draexlmaier.com/unternehmen/profil/zahlen-und-fakten.html
  3. [1]
  4. Automobilwoche: Top 100 - Deutsche so stark wie nie zuvor. URL: http://automobilwoche.de/apps/pbcs.dll/article?Date=99999999&Category=REPOSITORY&Lopenr=112300001&Ref=AR&Profile=1007
  5. Kundenkreis der Dräxlmaier Group. URL: http://www.draexlmaier.com/unternehmen/profil/referenzen.html
  6. a b [2]
  7. [3]
  8. [4]
  9. [5]
  10. [6]
  11. [7]
  12. [8]
  13. [9]
  14. [10]
  15. CROSSING BORDERS, 11. Ausgabe, S. 1
  16. 2. Preis : Ingolf Gritschneder gewinnt 2007 den 2. Preis der Otto Brenner Preise
  17. Pressemitteilung Otto Brenner Preis 2007
  18. Meilensteine 1958-1962

48.45388888888912.3425Koordinaten: 48° 27′ 14″ N, 12° 20′ 33″ O