Dragoljub Draža Mihailović

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Dragoljub „Draža“ Mihailović im Rang eines Oberst (1937)

Dragoljub „Draža“ Mihailović (serbisch-kyrillisch Драгољуб „Дража“ Михаиловић; * 27. April 1893 in Ivanjica, Königreich Serbien; † 17. Juli 1946 in Belgrad, Föderative Volksrepublik Jugoslawien) war ein General der Jugoslawischen Armee im Vaterland, von 1941 bis 1943 Kriegsminister der königlich-jugoslawischen Exilregierung und ein Führer von Tschetnik-Verbänden während des Zweiten Weltkrieges. Bekannt ist Mihailović auch als Čiča Draža (Onkel Draža), wie er meist von Sympathisanten genannt wird.[1]

Als jugoslawischer Monarchist und serbischer Nationalist strebte Mihailović die Wiedererrichtung des Königreichs Jugoslawien und die Errichtung eines Großjugoslawien mit einem ethnisch reinen Großserbien, das auch Mazedonien, Kosovo, Montenegro, Bosnien, die Herzegowina, Syrmien, das Banat und die Batschka umfassen sollte, an.[2][3]

Vor dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Dragoljub Draža Mihailović diente vor dem Zweiten Weltkrieg im Generalstab der königlich-jugoslawischen Armee. 1939 wurde er zum Oberst degradiert und nach Sarajevo strafversetzt. Der Grund dafür war sein Verteidigungskonzept, das im Widerspruch zur jugoslawischen Militärdoktrin stand. Mihailović hatte die Aufstellung rein serbischer Verbände vorgeschlagen, weil man sich seiner Meinung nach nicht auf die anderen Nationalitäten innerhalb Jugoslawiens verlassen könne. Er bezog sich dabei unter anderem auf die von der Kroatischen Republikanischen Bauernpartei (HRSS, Hrvatska republikanska seljačka stranka) unter Stjepan Radić und den kroatischen Ustascha unter Ante Pavelić propagierte Loslösung vom Königreich Jugoslawien. Bei einem Angriff der Achsenmächte sollten die nördlichen Landesteile geräumt und der Widerstand erst nach einem Rückzug in die Berge, in Form eines Guerilla-Krieges geleistet werden. Eine Verteidigung der Landesgrenzen hielt er für sinnlos.

Der Zweite Weltkrieg[Bearbeiten]

Kriegsbeginn[Bearbeiten]

Als die Achsenmächte 1941 Jugoslawien angriffen, war Mihailović Stabschef für Sarajevo. Er gründete am 13. Mai 1941 die erste jugoslawische Widerstandsbewegung und marschierte mit ungefähr 100 Offizieren und 1.000 Soldaten in die westserbischen Berge um Ravna Gora, weswegen seine Widerstandsbewegung auch als die Ravna-Gora-Bewegung (Ravnogorski pokret) bezeichnet wird. Anders als die kommunistischen Partisanen, die für eine neue sozialistische Ordnung im Nachkriegs-Jugoslawien eintraten, trat Mihailović für die Fortführung des Königreichs Jugoslawien ein, das aber serbisch beherrscht und unter serbischer Führung sein sollte. Die Kroatische Republikanische Bauernpartei unter Stjepan Radić und Ante Pavelićs Ustascha-Bewegung waren der Ansicht, dass Jugoslawien von Serben dominiert wurde, und strebten einen unabhängigen kroatischen Staat unter eigener Führung an. Es gab aber auch slowenische Einheiten, die so genannten Blaugardisten, ein kroatisches Bataillon sowie Bosniaken, die Mihailovićs Bewegung angehörten.

Mihailović sprach sich für den Fall, dass Jugoslawien scheitern sollte, für ein Serbien in den Grenzen vor der Ausrufung Jugoslawiens im Dezember 1918, mit Mazedonien und Montenegro, aus. Kroatien sollte die Grenzen nach dem serbisch-kroatischen Ausgleich (Sporazum Cvetković–Maček) von 1939 bekommen, d. h. neben Kroatien etwa ein Drittel Bosnien-Herzegowinas, genau wie es vor dem Krieg gewesen war. Nachdem ihm das Ausmaß der durch die Ustascha verübten Verbrechen bewusst wurde, kam Mihailović zu der Ansicht, dass Kroatien Gebiete abgenommen werden müssten. So sollten damalige kroatische Gebiete wie folgt verteilt werden: Syrmien die Baranja und die östliche Herzegowina zu Serbien sowie das südliche Dalmatien zu Bosnien. Bosnien sollte dann in einer Volksabstimmung entscheiden, ob es sich Serbien anschließen wolle. Wobei durch die vorangegangen Gebietsverteilung der Ausgang einer solchen Volksabstimmung vorhersehbar wurde, da in Rumpfbosnien die Mehrheit der Bevölkerung serbisch war und daher einem Anschluss Bosniens mit dem nun angehängten südlichen Dalmatien an Serbien zugestimmt hätte. De facto hätte dies die Errichtung eines Großserbien bedeutet, wie es auch von dem serbischen Juristen Stevan Moljević aus Banja Luka, seit 1943 politischer Leiter der Tschetnik-Bewegung und Berater Mihailovićs, gefordert wurde (siehe: Noel Malcolm, Geschichte Bosniens, S. 210 f.).

Nach anfänglicher Zusammenarbeit mit den von Tito geführten Partisanen kam es immer öfter zu Auseinandersetzungen zwischen den beiden Widerstandsbewegungen, die ab 1942 in einer offenen Feindseligkeit endete, in deren Verlauf einige von Mihailovićs Truppen immer offener mit den italienischen und später auch deutschen Besatzern zusammenarbeiteten.

Attentate in Serbien[Bearbeiten]

Karl Kraus beschrieb in Die letzten Tage der Menschheit die antiserbische Stimmung des deutsch-österreichischen Kleinbürgertums anlässlich des Kriegsbeginnes 1914. Im Zweiten Weltkrieg wurde der antiserbische Rassismus weiterentwickelt.

Beginnend mit dem 6. April 1941 verübten Wehrmachteinheiten grausame Massaker in Serbien, darunter die Massaker von Kraljevo und Kragujevac. In Abstimmung mit dem kroatischen Ustascha-Regime schickte die Nazi-Militärführung vornehmlich alte Kader der österreichischen Armee in den Balkanfeldzug. Auch die Truppenbestände der Wehrmacht in Serbien bestanden zu einem Drittel aus Österreichern. In Zagreb residierte der ehemalige k.u.k. General Edmund Glaise von Horstenau. In Serbien kamen auch die Generäle Hinghofer und Dinkelmann sowie der ehemalige k.u.k General Franz Böhme, zum Einsatz, alle ehemalige hohe Offiziere und Generäle der österreichischen Armee. Ihre in enger Kooperation mit kroatischen Ustascha-Einheiten durchgeführten Kampagnen gegen die Serben waren eine Mischung aus „Rache für Sarajewo 1914“ und dem „unbarmherzigen Kampf gegen das jüdisch-bolschewistisch-serbische Verbrechertum“.

Gleichzeitig war Serbien wegen seiner Kupfer-, Nickel-, Zink-, Blei und Silbervorkommen wirtschaftlich interessant. Die Göringsche Vierjahresplanbehörde wollte zudem die Agrarproduktion zugunsten des „Altreiches“ und der Wehrmacht nutzen. Strategisch musste der Balkan als Basis für den Kampf gegen die Sowjetunion gesichert sein. Die Naziführung wollte den Raum nur mit relativ geringen Kräften absichern, weil ein Angriff auf Russland bevorstand. Dabei stellte sich sofort die Frage nach kollaborationsbereiten Kräften und nach einem ideologischen Schmiermittel, um die Kooperationsbereitschaft zu fördern.

Verhältnis zu den Besatzern[Bearbeiten]

Bekanntmachung über Erschießungen von Mihailović-Anhängern (1943)

Auf Befehl Hitlers vom 16. September 1941 übten die deutschen Besatzungstruppen Vergeltung für Kampfhandlungen der aufständischen Mihailović-Tschetniks und Kommunisten. Es galt, für einen getöteten deutschen Soldaten hundert serbische Geiseln zu töten, für jeden verletzten fünfzig. Konnte nicht festgestellt werden, wessen Bewegung für einen Sabotage- oder Terrorakt verantwortlich war, wurden gleich viele Draža-Mihailović-Anhänger und Kommunisten hingerichtet, meist durch Erhängen oder Erschießung.

Nach der Vernichtung der Partisanenhochburg Užice durch eine deutsche Division unter dem Kommando von General Böhme im November 1941 wendeten sich die Besatzer Mihailovićs Bewegung zu. In einem Befehl des Kommandos Südost vom 10. Juli 1942 an General Bader wird angeführt, dass Mihailović „der gefährlichste Gegner“ sei. Seiner Bewegung dürfe kein Raum für Entfaltung zugestanden werden, eine Einigung der Tschetnik-Banden sei unter allen Umständen zu verhindern. Mit der Jagd auf Mihailović war auch „Reichsführer“ Heinrich Himmler befasst. Er ordnete dem Polizeiapparat im Juli 1942 an, den Aufenthaltsort Mihailovićs und seines Stabs ausfindig zu machen, um sie zu vernichten.

Am 7. Dezember 1941 griff die deutsche 342. Infanterie-Division (Wehrmacht) das Hauptquartier der Tschetniks in der Ravna Gora an, tötete 10 Tschetniks und nahm 390 gefangen. Mihailović selbst konnte der Gefangenschaft entkommen. Am gleichen Tag ließ er sich jedoch vom serbischen König Peter II. in London zum Brigadegeneral befördern. Bis Ende des Krieges konnte die Tschetnik-Bewegung keinen Fuß in Serbien mehr fassen. Nur einer kleinen Anzahl seiner Leute gelang es, kleinere Sabotageaktionen auszuführen.[4]

Erst im Sommer 1942 gelang es Mihailović, wieder Einfluss in Montenegro und in der Herzegowina zu gewinnen. Mihailović verweigerte jedoch weiterhin die Sabotageakte gegen die Deutschen und kollaborierte mit den Italienern bis zu deren Kapitulation im Herbt 1943.

Mihailović bei der Beratung mit einigen seiner Männer

Im Sommer und Herbst 1942 kam es in Serbien vermehrt zu Sabotageakten einiger Tschetnik-Truppen auf Eisenbahnstrecken, -brücken und Züge, auch wurden Bewegungen von Zügen an den britischen Geheimdienst gemeldet. Diese Bemühungen sollten Erwin Rommels Afrika-Feldzug behindern, weil die Versorgungsstrecke der Heeresgruppe Afrika durch Jugoslawien und Italien verlief, so dass den Aktionen der Tschetniks eine besondere Bedeutung zukam. Am 8. August 1942 benachrichtigte Draža Mihailović das britische Kommando im Nahen Osten, dass entlang von Eisenbahnstrecken in Serbien Sabotage in einem großen Ausmaß stattfinden werde. Mihailovićs Befehle an einige seiner Kommandanten wurden jedoch von deutschen Abhörspezialisten abgefangen und in einem Bericht gemeldet, mit der Bemerkung, dass General Mihailović mit diesen Befehlen wohl einen endgültigen Standpunkt gegen die Besatzungsmacht bezogen habe.

Die Antwort auf das Verhalten Mihailovićs war unbarmherzig. Am 28. August 1942 wurde der österreichische General Alexander Löhr zum neuen Befehlshaber des Kommandos Südost eingesetzt. In einer großen Verhaftungsaktion wurden zunächst mehrere mutmaßliche Agenten Mihailovićs festgenommen, die in serbischen Behörden arbeiteten. Anschließend begann ein Feldzug gegen Stützpunkte von Mihailovićs JVUO auf Ravna Gora und im Kopaonik-Gebirge. Zu diesem Zweck wurde eigens die 7. SS-Freiwilligen-Gebirgs-Division „Prinz Eugen“ aufgestellt, in der mehrheitlich Volksdeutsche aus dem Banat dienten. Die Division war in den folgenden drei Monaten in Kämpfe gegen Mihailovićs Tschetnik-Verbände verwickelt. Am 12. Oktober 1942 begann der Angriff gegen Stützpunkte der JVUO bei Guča, mit dem Ziel Mihailović gefangen zu nehmen. Doch stellte sich bald heraus, dass er noch vor dem Angriff nach Montenegro geflohen war, so dass die geplante Gefangennahme scheitern musste. Die Tschetnik-Truppen zogen sich vor dem Angriff zurück, während die Zivilbevölkerung den Zorn und die Enttäuschung der Besatzer erlitt.

Die Zivilbevölkerung, die unter der Vergeltung durch die Wehrmacht litt, waren vor allem Juden und Zigeuner. General Böhme ordnete im Herbst 1941 für die deutschen Verluste bei Topola die Erschießung von 2200 Juden an. Zu diesem Zeitpunkt waren in KZs in Serbien 8000 männliche Juden inhaftiert und warteten, "auf Abruf" erschossen zu werden.[4]

Am 7. November 1942 rief Draža Mihailović das serbische Volk zum zivilen Ungehorsam gegen die Besatzer auf. Aus Angst vor Vergeltung folgten dem Aufruf nur wenige. Als Reaktion gab General Bader bekannt, dass auf jeden Akt der Sabotage mit der Erschießung von Geiseln und der Vernichtung von Dörfern entlang der Eisenbahnstrecken geantwortet werde. Außerdem sollten für jeden getöteten oder vermissten Deutschen, Volksdeutschen oder Angehörigen der bulgarischen Besatzungstruppen 50 serbische Geiseln getötet werden. Für jedes getötete Mitglied der serbischen Nedić-Regierung und jeden getöteten serbischen Beamten sollten 100 Geiseln getötet werden.

Am 9. Februar 1943 veröffentlichte das Oberkommando des Heeres ein „Handbuch über die Bewegung Draža Mihailovićs“, in dem Mihailovićs Tschetniks als „großserbische Kampfeinheiten“ charakterisiert wurden, die auf dem Balkan Terror ausübten und unschuldige Kroaten und Bosniaken umbrächten. Laut dem Handbuch umfasste Mihailovićs Anhängerschaft 80 % des serbischen Volkes und hätte eine Kampfstärke von 150.000 Mann. Seine Truppen kannten das Kampfgebiet hervorragend und erfreuten sich einer großen Unterstützung in der Bevölkerung.

Anfang Juli 1943 erfuhr General Bader von der nachrichtdienstlichen Abteilung des deutschen Kommandos in Serbien, dass sich Mihailović in einem Dorf in der Nähe von Čačak aufhalte. Daraufhin organisierte Bader unter strengster Geheimhaltung die „Operation Morgenluft“, an der deutsche und bulgarische Truppen teilnahmen. Im Laufe dieser Operation wurden 11 Tschetniks getötet und 453 gefangen genommen, doch konnte Mihailović erneut entkommen. General Bader brach die Aktion ab und zweifelte am weiteren Erfolg der Suchaktion, weil der Feind durch sein umfassendes Spionage-Netz rechtzeitig vor größeren Suchaktionen gewarnt sei.

Mihailovićs Steckbrief (1942)

Am 20. Juli 1942 ließ General Bader einen Steckbrief veröffentlichen, in dem für Mihailović, tot oder lebendig, 100.000 Reichsmark geboten wurden. Einen Tag später erschien ein fast gleichlautender Steckbrief, mit dem nach Tito gefahndet wurde.

(siehe auch: Tschetniks und die Zusammenarbeit mit den Besatzern im Zweiten Weltkrieg)

Die Zbor-Bewegung unter Dimitrije Ljotić[Bearbeiten]

Die ZBOR-Bewegung unter Dimitrije Ljotić existierte schon vor dem Überfall auf Jugoslawien. Wegen der weitgehenden ideologischen Übereinstimmung mit den deutschen Faschisten stellte sich Ljotić von Anfang an auf die Seite der Okkupanten. In der ersten Kollaborationsregierung unter Milan Aćimović war die Zbor-Bewegung mit zwei Ministern vertreten.

Nach Ausbruch des bewaffneten Aufstandes der kommunistischen Partisanen im August 1941 erhielt die Zbor-Bewegung von der Besatzungsmacht das Recht zur Aufstellung bewaffneter Kräfte. Auf dem Höhepunkt des antifaschistischen bewaffneten Aufstandes im September 1941 waren die Verbände von Ljotić in fünf Bataillonen des sogenannten „Serbischen Freiwilligenkorps“ (SDK) organisiert. Die Bataillone bestanden aus insgesamt 3021 Soldaten und Offizieren.[5]

Die Zbor-Bewegung unter Milan Nedić[Bearbeiten]

Andere Teile der ZBOR-Bewegung wurden in die bewaffneten Formationen der Regierung Nedić eingegliedert. Am 28. August 1941 bildete sich unter Milan Nedić eine Kollaborationsregierung, die bis zur Befreiung Serbiens im Amt bleiben sollte. General Nedić war im alten Jugoslawien Verteidigungsminister und sah sich als „serbischer Petain“. Das Regime konnte fast alle Teile des alten serbischen Staatsapparates für sich nutzen. Besonders die Gendarmen leisteten den Nazis wertvolle Hilfe. Milan Nedić hatte auch Verbindungen zu Oberst Draža Mihailović.

Niedergang[Bearbeiten]

Mihailović versuchte in Übereinstimmung mit der Nedić-Regierung, die Tschetnik-Verbände in Serbien zu legalisieren. Er stellte Nedić einige Einheiten zur Verfügung und wurde von ihm inoffiziell mit Geld, Nahrung und Kleidung unterstützt. Gleichzeitig versuchte Mihailović der britischen Regierung über seine Kanäle zu suggerieren, „er wäre der einzige Widerstandsführer in Serbien“.

Von den Deutschen erwartete Mihailović wegen seiner Verdienste im Kampf gegen die Partisanen geduldet zu werden. Doch die Rechnung ging nicht auf, mit seinem Stab floh er vor einer volksdeutschen SS-Division nach Montenegro. Der jugoslawische Exil-König Peter II. ernannte Mihailović aus London noch am 7. Dezember 1941 zum Brigadegeneral und Führer der „Jugoslawischen Heimatarmee“, was angesichts der massiven militärischen Verluste der Armee des Königreiches Jugoslawien und der vollständigen Besatzung Serbiens eher symbolischen Charakter hatte. Im Sommer 1942 gewann Mihailović in Montenegro und Herzegowina Einfluss auf einige Tschetnik-Verbände. Er vermied fortan Kampfhandlungen und Sabotageakte gegen die Deutschen und kollaborierte teilweise mit den Italienern bis zu deren Kapitulation im Herbst 1943.

Anfang April 1945 unterbreitete der österreichische General Löhr Mihailović das Angebot, ihn über die österreichische Grenze zu bringen, damit er sich den Briten stelle. Mihailović lehnte das Angebot ab und entschloss sich mit etwa 12.000 Mann nach Serbien aufzubrechen, um die kommunistische Regierung zu stürzen. Aber das Vorhaben scheiterte und am 12. Mai 1945 wurden seine Truppen von der jugoslawischen Armee gestellt, rund 9.000 Tschetniks wurden dabei in der Schlacht bei Kalinović getötet. Mihailović selbst konnte ein letztes Mal flüchten.

Mihailović (links) mit weiteren Mitangeklagten bei der Urteilsverkündung

Am 13. März 1946 wurde Mihailović schließlich im serbisch-bosnischen Grenzgebiet vom jugoslawischen Geheimdienst OZNA festgenommen. Nikola Kalabić, einer von Mihailovićs treuesten Kommandanten, hatte Mihailović verraten und als Tschetniks getarnte OZNA-Agenten in dessen Versteck geführt.[6] Während der Haft bat Mihailović darum, dass man ihm seinen Vollbart abrasieren soll. Diesem Wunsch wurde nicht entsprochen, weil man ihn, für den stärkeren Effekt, mit seinem Markenzeichen vor Gericht sehen wollte. Am 10. Juni 1946 wurde der Prozess gegen Mihailović und 24 weitere Mitangeklagte, hauptsächlich wegen Kriegsverbrechen und Kollaboration, vor einem jugoslawischen Militärgericht eröffnet. Aus dem Ausland war Mihailovic der bekannte Jurist Morris Ernst (USA) als Verteidiger angeboten worden. Mihailović lehnte dieses Angebot jedoch ab und sprach seinen Verteidigern und auch dem Gericht das Vertrauen aus. Die Entscheidung im Prozess trat ein, nachdem Mihailović, durch beweiskräftige Dokumente in die Enge getrieben, zugab mit der deutschen Besatzungsmacht zusammengearbeitet zu haben.[7] Am 15. Juli 1946 wurde Mihailović mit neun weiteren Angeklagten zum Tode verurteilt. Mihailovićs Gnadengesuch vom 16. Juli wurde abgelehnt und am 17. Juli 1946 wurde das Urteil in Belgrad durch ein Erschießungskommando vollstreckt. Der Ort der Hinrichtung und die Begräbnisstätte wurden von Gesetzes wegen geheim gehalten.

2005 interviewte die serbische Wochenzeitschrift Danas einen Augenzeugen von Mihailovićs Hinrichtung, den Unteroffizier Ljubo Lazarevski. Dieser war während des Gerichtsprozesses für die Bewachung Mihailovićs und der anderen Angeklagten zuständig und bewachte sie bis zur Übergabe an das Erschießungskommando. Er offenbarte viele Details über den Verlauf des Prozesses bis zur Hinrichtung und er habe die Erschießung sogar heimlich beobachtet. Laut seiner Darstellung wurden Mihailović und die neun anderen zum Tode Verurteilten in einem Waldstück nahe dem ehemaligen Königspalast „Beli Dvor“ (Weißer Hof) erschossen und in vorbereiteten Gruben begraben. Die Behörden ließen das Gebiet später bewachen, ohne den Wachsoldaten den wahren Grund dafür zu nennen.

Stimmen über Mihailović[Bearbeiten]

Serbisches antijüdisches Plakat: Mihailović als Puppe der Alliierten unter der Regie des Judentums

Jugoslawien[Bearbeiten]

Vladimir Dedijer, Titos Biograph und Kampfgefährte gegen die Tschetniks, schrieb in seinen Aufzeichnungen, dass Mihailović die folgenden Ziele verfolgt habe: „das Schaffen eines ethnisch reinen Groß-Jugoslawiens, mit integriertem Großserbien, in den Grenzen von Serbien, Montenegro, Bosnien, Herzegowina, Syrmien, Banat und Bačka“, „das Säubern des Staatsgebietes von allen völkischen Minderheiten und nichtnationalen Elementen“ und „gemeinsame serbisch-montenegrinische und serbisch-slowenische Grenzen, wobei man den Sandžak von muslimischer und Bosnien von muslimischer und kroatischer Bevölkerung säubert“.

Von Machthabern der Kommunistischen Partei Jugoslawiens wurde Mihailovićs Bewegung nicht zuletzt aus politischen und ideologischen Gründen als rückschrittlich, verräterisch und verbrecherisch gebrandmarkt. Dabei bediente man sich auch des während der Zeit der Donaumonarchie entstandenen Stereotyps einer „großserbischen“ fanatisch-nationalistischen Verschwörung, das auch Hitler benutzt hatte. Von jugoslawischen kommunistischen Truppen während des Krieges begangene Verbrechen an Anhängern Mihailovićs (z. B. das „Massaker von Bleiburg“) waren zu jener Zeit dagegen offiziell kein Thema.

Milovan Djilas war in die Vorbereitungen des Prozesses gegen Mihailović kurzzeitig als stellvertretender Innenminister (in Vertretung für Aleksandar Ranković) einbezogen, traf den Ankläger Miloš Minić und verfolgte den Prozessverlauf aufgrund seiner politischen Position auch sonst detailliert. Nach seinem Bruch mit Tito meinte der Dissident Djilas über Mihailović:

Ein Traditionalist, unfähig, die stürmische Zeit zu begreifen, geschweige denn durch sie hindurchzusteuern. Für Draža war das Volk, zumal das serbische, unverbrüchlich religiös und patriotisch, in gutmütiger Weise dem König ergeben und am Kleinbesitz orientiert. Es gab bei ihm und mehr noch in seiner Umgebung Tendenzen zu einer autoritären Rolle des Militärs, aber im Grunde neigte er eher zu bourgeoisem Liberalismus als zur Diktatur. Seine Ergebenheit gegenüber dem König und der Monarchie entstammte mehr seiner Treue zum Eid und zur Tradition als einer ausgereiften politischen wie philosophischen Doktrin. Er hatte auch sonst wenig feste oder klare Ideen; sogar sein Jugoslawentum war inkonsequent und wechselhaft, nicht nur wegen seiner großserbischen Einstellung, sondern auch durch seine eigene Wankelmütigkeit. Obwohl seine Einheiten, zuweilen auf seinen Befehl, Massenverbrechen an der nichtserbischen Bevölkerung verübten und Kommunisten und deren Symphatisanten maßlos, in blinder Wut verfolgten und ausrotteten, galt Draža weder als grausam noch als fanatisch.[8]

USA[Bearbeiten]

Während des Zweiten Weltkriegs retteten Mihailovićs Tschetniks 432 alliierte Piloten, die über Jugoslawien abgeschossen wurden. Die Piloten bekamen eine Unterkunft in den Verstecken der Tschetniks und wurden verpflegt. Dafür verlieh der damalige Präsident der USA Harry S. Truman, am 29. März 1948 Mihailović den Orden Legion of Merit, einen Militärorden der von den USA an Ausländer für „besonders verdienstvolles Verhalten bei der Ausführung herausragender Leistungen für die Vereinigten Staaten“[9] verliehen wird. Die Verleihung wurde bis 1966 geheim gehalten. Eine US-Delegation übergab den Orden 2005 in Belgrad Mihailovićs Tochter.

In einem Schreiben vom 14. Oktober 1942 äußerte sich der damalige US-amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt positiv über Mihailović und lobte seinen beispielhaften Mut, der sich im Widerstandskampf gegen die Besatzer äußere. Roosevelt betrachtete den Kampf Mihailovićs als wichtigen Beitrag zum Endsieg der Alliierten.

Der US-amerikanische General Dwight D. Eisenhower übermittelte 1942 seinem „Waffenkamerad“ Mihailović die besten Wünsche und Grüße der US-amerikanischen Streitkräfte in Europa und den USA.

Aus Sicht der konservativen US-amerikanischen Publizistin Mary Mostert ist Draža Mihailović ein „Held“ des Zweiten Weltkriegs. „Wenige Amerikaner, besonders junge, haben jemals von Mihailović und seinen Männern gehört, die unter hohem Risiko über 500 Amerikanern und 250 Alliierten hinter feindlichen Linien das Leben retteten.“ Dies sei aus politischen Gründen verschleiert worden, weil der britische Premierminister Winston Churchill für die kommunistischen Partisanen unter Tito Partei ergriffen habe. Unter den Geretteten befand sich auch Major Richard Felman. Er sprach 1994 von „der größten Aktion zur Rettung amerikanischer Leben aus feindlichem Gebiet in der Kriegsgeschichte“.

Großbritannien[Bearbeiten]

Anthony Eden, damals Außenminister Großbritanniens, sprach anlässlich des jugoslawischen Nationalfeiertags am 14. September 1942 davon, dass auf dem Gebiet Serbiens eine reguläre jugoslawische Armee unter der Führung des großen Helden General Mihailović gegen den Feind kämpfe.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Mihailovićs posthum verliehener „Legion of Merit“ mit Verleihungstext (1948)

Siehe auch[Bearbeiten]

St.-Sava-Kongress

Sonstiges[Bearbeiten]

1943 erschien ein Comic-Heft mit dem Titel Liberty for the Chetniks (Freiheit für die Tschetniks) aus der Comicreihe Captain Marvel Jr.

Literatur[Bearbeiten]

  • Tilla Durieux: Eine Tür steht offen : Lebenserinnerungen. Berlin-Grunewald 1954 (contra Tschetnik-Bewegung, schildert das von ihr sog. „falsche Spiel“ Mihailovićs).
  • Jozo Tomasevich: War and Revolution in Yugoslavia, 1941-1945: The Chetniks. Stanford University Press, Stanford, Ca. 1975, ISBN 0-8047-0857-6 (ausgewogenes Standardwerk).
  • Lucien Karchmar: Draža Mihailović and the Rise of the Chetnik Movement 1941-1942. 2 Bde. Garland Publishing, New York 1987, ISBN 0-8240-8027-0 (ausgewogenes Standardwerk).
  • Noel Malcolm: Geschichte Bosniens. S.Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1996, ISBN 3-10-029202-2 (ausgewogenes Standardwerk, mit Schwerpunkt auf die Situation in Bosnien).
  • Kosta Nikolić: Istorija ravnogorskog pokreta [Geschichte der Ravna-Gora-Bewegung]. 3. Bde. Belgrad 1999 (pro Tschetnik-Bewegung).
  • Jovan Radovanović: Dragoljub Draža Mihailović u ogledalu istorijskih dokumenata [Dragoljub Draža Mihailović im Spiegel historischer Dokumente]. Belgrad 2004 (contra Tschetnik-Bewegung).
  • Miloslav Samardžić: General Draža Mihailović i opšta istorija četničkog pokreta [General Draža Mihailović und die allgemeine Geschichte der Tschetnik-Bewegung]. 2 Bde. 4. Aufl. Novi pogledi, Kragujevac 2005, ISBN 86-82235-43-9 (pro Tschetnik-Bewegung).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dragoljub Mihailović – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.novosti.rs/vesti/naslovna/aktuelno.293.html:389487-Cica-Draza-stize-u-Beograd-i-Vasington
  2. Holm Sundhaussen: Geschichte Serbiens : 19.-21. Jahrhundert. Böhlau Verlag, Wien u.a. 2007, ISBN 978-3205776604, S. 321.
  3. Michael Portmann/Arnold Suppan: Serbien und Montenegro im Zweiten Weltkrieg. In: Serbien und Montenegro: Raum und Bevölkerung, Geschichte, Sprache und Literatur, Kultur, Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Recht. Österreichisches Ost- und Südosteuropa-Institut. Lit Verlag, Münster 2006, ISBN 3-8258-9539-4 S. 287 f.
  4. a b Walter Manoschek, "Serbien ist judenfrei" Militärische Besatzungspolitik und Judenvernichtung in Serbien 1941/42, Oldenbourg, München. S. 152, mit weiteren Nachweisen. Auch in Serbisch ersch.
  5. BA-MA RW 40/190,8 Lagebericht des Verwaltungsstabes beim Befehlshaber in Serbien 6. Januar 1942
  6. Milovan Djilas: Jahre der Macht : Kräftespiel hinter dem Eisernen Vorhang : Memoiren 1945-1966. Molden, 1983, ISBN 3-88919-008-1, S. 51.
  7. Milovan Djilas: Jahre der Macht : Kräftespiel hinter dem Eisernen Vorhang : Memoiren 1945-1966. Molden, 1983, ISBN 3-88919-008-1, S. 53 f.
  8. Milovan Djilas: Jahre der Macht : Kräftespiel hinter dem Eisernen Vorhang : Memoiren 1945-1966. Molden, 1983, ISBN 3-88919-008-1, S. 52 f.
  9. Frank C. Foster: United States Army Medals, Badges and Insignia. Medals of American Press, 2011, ISBN 9781884452673, S. 127