Einhandsegeln

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Einhandsegeln bezeichnet das Segeln eines Bootes mit einer einzigen Person an Bord.

Der Begriff leitet sich vom englischen Ausdruck für Besatzungsmitglied, hand, ab und bezeichnet lediglich die Mannschaftsstärke (vgl. Hand für Koje). Beispielsweise entspricht dem deutschen Kommando „Alle Mann an Deck“ das englische „all hands on deck“.

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste Weltumrundung eines Einhandseglers fand 1895–1898 durch Joshua Slocum statt. Als erste Frau überquerte die Britin Ann Davison 1952/1953 solo den Atlantik. Der Engländer Robin Knox-Johnston führte 1968-1969 erstmals eine Einhand-Weltumsegelung durch, ohne einen Hafen anzulaufen. Die erste Einhandseglerin, die die Welt non-stop umrundete, war 1988 die Australierin Kay Cottee, die in ihrer 11-Meter-Jacht First Lady in 187 Tagen von Sydneys Vorort Watsons Bay um die Erde und zurück in den Hafen von Sydney segelte.

Die Zahl der Weltumsegelungen durch Einhandsegler dürfte inzwischen einige Hundert betragen, wobei keine Institution über solche Reisen Buch führt. Einen regelrechten Boom erlebte das Hochsee-Einhandsegeln durch die Entwicklung leistungsfähiger mechanischer Selbststeueranlagen in den 1970er Jahren.

Der bekannteste deutsche Einhandsegler und zugleich der erste deutsche Einhand-Weltumsegler ist Wilfried Erdmann, der auch als einziger mit derselben Yacht Kathena Nui die Erde in beide Richtungen (also mit den vorherrschenden Windrichtungen und gegen sie) umrundete. Die erste deutsche Frau, die einhand die Welt umsegelte, war Gudrun Calligaro.

Psychische Herausforderungen[Bearbeiten]

Eine mehrtägige, mehrwöchige oder mehrmonatige Fahrt bedeutet eine besondere psychische Belastung für den Segler. Neben dem Alleinsein wird Schlafmangel zur Gefahr: Müdigkeit führt zu verminderter Konzentrations- und Leistungsfähigkeit und Beeinträchtigung der Wahrnehmung bis hin zu hypnagogen Halluzinationen. Frieren, allgemeines Unwohlsein, Antriebslosigkeit und erhöhte Reizbarkeit sind „normale“ Begleiterscheinungen, Depressionen und Angstzustände können die Folge sein.

Anforderungen an das Boot[Bearbeiten]

Viele Einhandsegler versuchen möglichst alle Manöver von einem Platz aus durchzuführen. Daher stellt das Einhandsegeln weitere Anforderungen an Konstruktion und Ausstattung eines Bootes. Häufig werden beispielsweise alle Schoten und Fallen in das Cockpit geführt, damit der Einhandsegler sich beim Hissen, Reffen oder Bergen der Segel nicht weit vom Ruder entfernen muss. Selbststeueranlagen gehören zum Standard.

Risiken[Bearbeiten]

Streng genommen ist Einhandsegeln über mehrere Tage weder mit guter Seemannschaft noch mit internationalem Seerecht vereinbar, da während der Schlafphasen des Skippers keine Wache gehalten wird (kein ständiger Ausguck, keine Funkwache). Moderne Navigationselektronik (Radar, AIS) kann mit entsprechenden Alarmsystemenen zwar vor drohenden Kollisionen warnen, dies gilt jedoch nicht als Ersatz für den menschlichen Ausguck. In der Praxis sind Kollisionen von Einhandseglern mit anderen Schiffen allerdings sehr selten, da diese üblicherweise abseits befahrener Schifffahrtsrouten unterwegs sind. Trotzdem schließen viele Yachtversicherungen einen Versicherungsschutz beim Einhandsegeln explizit aus. Weitere Risiken sind die fehlende Hilfe bei möglichen (z.B. medizinischen) Notfällen, sowie die erhöhte Gefahr eines Mann-Über-Bord-Gehens, da in diesem Fall keine Rettung durch andere Besatzungsmitglieder erfolgen kann.

Rekorde[Bearbeiten]

Den Rekord der schnellsten Einhand-Weltumsegelung einer Frau hält Dame Ellen MacArthur, die 2005 nach nur 71 Tagen nach Ouessant im Nordwesten Frankreichs zurückkehrte. Bis Januar 2008 war das auch Weltbestleistung, dann erst brach sie der Franzose Francis Joyon, der mit 57 Tagen, 13 Stunden und 34 Minuten den aktuellen Rekord aufstellte. Die längste Zeit alleine auf See verbrachte der Australier Jon Sanders, der die Welt dreimal und nonstop in 657 Tagen umrundete.

Wettbewerbe[Bearbeiten]

Im Jahre 1960 wurde erstmals die Transatlantikregatta Observer Singlehanded Transatlantic Race (OSTAR) ausgerichtet, die von Plymouth, Großbritannien, nach Newport, Rhode Island, USA, führte. Dieses Rennen wurde unter verschiedenen Namen bis in die Gegenwart veranstaltet und ist damit die traditionsreichste Regatta für Einhandsegler[1]. Deutsche Teilnehmer an diesem Rennen waren u.a. Claus Hehner (1972: 28. Platz) und Wolfgang Quix, die sich gegen die internationale Konkurrenz allerdings nicht behaupten konnten. Traditionell wird das OSTAR von Franzosen und Engländern dominiert, wobei seit den 1980er Jahren grundsätzlich Mehrrumpfboote die vorderen Plätze belegten.

Als anspruchsvollste Regatta für Einhandsegler gilt die Vendée Globe, die – wie das OSTAR – im vierjährigen Turnus veranstaltet wird.

Bekannte Einhandsegler[Bearbeiten]

Bekannte Einhandsegler sind:


Bei den Einhand-Weltumrundungen hat sich mittlerweile ein Wettbewerb um die jüngste Person mit einer abgeschlossenen Weltumrundung entwickelt. Folgende Segler hatten jeweils zu Abschluss ihrer Umrundung den Altersrekord inne (mit Jahr der Umrundung und Alter beim Abschluss):

Einhand-Weltumsegler nonstop gegen den Wind (von Ost nach West)[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. The Artemis Transat 2008. Abgerufen am 2. August 2010.