European Air Transport Command

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European Air Transport Command
EATC insignia free.png
Wappen des Europäischen Lufttransportkommandos
Aktiv 1. Juli 2010[1] bis heute
Land DeutschlandDeutschland Deutschland
FrankreichFrankreich Frankreich
BelgienBelgien Belgien
NiederlandeNiederlande Niederlande
LuxemburgLuxemburg Luxemburg
SpanienSpanien Spanien
Streitkräfte Bundeswehr Kreuz Black.svg Bundeswehr

Armoiries république française.svg Forces armées françaises
Coats of arms of Belgium Military Forces.svg Armee belge
Embleem-igk.jpg Nederlandse krijgsmacht
Embleme lux.jpg Armée luxembourgeoise
Emblem of the Spanish Armed Forces.svg Fuerzas Armadas Españolas

Teilstreitkraft Bundeswehr Logo Luftwaffe with lettering.svg Luftwaffe

French-roundel.svg Armée de l’air
Ensign of Belgian Air Force.svg Luchtcomponent/Force Aérienne belge
Netherlands roundel.svg Koninklijke Luchtmacht
Embleme.jpg Composante aérienne luxembourgeoise
Emblem of the Spanish Air Force.svg Ejército del Aire

Truppengattung Lufttransport
Typ multinationale Kommandobehörde
Stärke 182
Sitz Vliegbasis Eindhoven
Motto Integrated, Innovative, Effective
Leitung
Commander Generalmajor Christian Badia (Deutschland)[2]
Deputy Commander/Chief of Staff Brigadegeneral Pascal Chiffoleau (Frankreich)[3]

Das European Air Transport Command (EATC) (deutsch: Europäisches Lufttransportkommando) ist eine multinationale Kommandobehörde der französischen, niederländischen, belgischen, deutschen, spanischen und luxemburgischen Luftstreitkräfte in Eindhoven in den Niederlanden. Seine Hauptaufgabe ist die operationelle Führung der Lufttransport- und Luftbetankungskräfte der beteiligten Staaten.

Geschichte[Bearbeiten]

Im November 1999 erklärte der Deutsch-Französische Sicherheitsrat die schrittweise Zusammenführung vorhandener militärischer Lufttransportmittel zum gemeinsamen Ziel. In einem geeigneten multinationalen Rahmen sollte eine gemeinsame Führung etabliert werden, um damit gewinnbringende Synergieeffekte zu erzielen. Diese politische Idee markierte den Ausgangspunkt für das Projekt eines European Air Transport Commands (EATC). Zu diesem Zeitpunkt existierte bereits die European Air Group (EAG) – ein Zusammenschluss von sieben Staaten, welche eine Studie zur Durchführbarkeit der Idee und möglichen Handlungsoptionen durchführen sollte. Diese European Airlift Study kam zu dem Schluss, dass eine erweiterte Kooperation und tiefer gehende Koordination im europäischen Lufttransport dringend zu empfehlen sei[4] und im Hinblick auf das Projekt A400M sogar geboten sei. Sie definierte das Ziel einer gemeinsamen Kommandostruktur sowie verschiedene Entwicklungsstufen.

Die Staaten Belgien, Frankreich, Deutschland, Italien, die Niederlande, Spanien und das Vereinigte Königreich folgten 2001 dieser dringenden Empfehlung und stellten die European Airlift Coordination Cell (EACC) in Eindhoven auf.[5] Norwegen entsandte einen Offizier in einem Partner-Status. Diese Institution blieb zunächst auf die bloße Koordination von Lufttransporteinsätzen der Partnerstaaten beschränkt. Sie bewies jedoch bereits nach kurzer Zeit, dass die Prognosen der Studie stimmten. Sie erzielte eine deutliche Effizienzsteigerung, welche schließlich die Investitionen in das Projekt EACC übertraf. Der Erfolg bewog die Partnerstaaten dazu, die Kompetenzen der EACC weiter auszubauen, um einen noch größeren Effekt erzielen zu können. Dringende Voraussetzung war die grundsätzliche Bereitschaft der Staaten, Teile ihrer Planungs- und Auftragserteilungskompetenzen abzugeben und damit einen wichtigen Schritt hin zu einer noch tiefer gehenden Integration zu gehen.[6]

Deshalb wurde 2004 das EACC in seiner Planungsbefugnis und seinen Kapazitäten für die konzeptionelle Arbeit zum European Airlift Centre (EAC) erweitert. In dieser Dienststelle sollten fortan die Bedingungen für eine zukünftige engere Zusammenarbeit definiert werden, sowie erste Ansätze zur Standardisierung von Vorschriften und Verfahren vorbereitet werden. Der Erfolg dieser grundlegenden Arbeit war jedoch weit schwerer messbar, als die Ressourcenoptimierung der EACC. Die fehlende Personalstärke und fehlender politischer Wille verhinderten eine schnelle Einigung der Partnerstaaten auf den weiterführenden Schritt. Dennoch konnte das EAC erfolgreich EU- als auch NATO-geführte Einsätze unterstützen. Dazu zählten die EU-Operation Artemis in der Demokratischen Republik Kongo von Juni bis September 2003 und die NATO-International Security Assistance Force (ISAF)-Mission in Afghanistan.[7]

Auf dem 7. Deutsch-Französischen Ministerrat (12. Oktober 2006) schließlich, verständigten sich Deutschland und Frankreich darüber, die Aufstellung eines gemeinsamen Kommandos zu initiieren.[8] Belgien sowie die Niederlande schlossen sich kurz darauf dem Vorhaben an. Im Mai 2007 unterzeichneten die vier Staaten ein entsprechendes Konzept zur Aufstellung des European Air Transport Command, auf dessen Grundlage ein multinationaler Aufstellungsstab drei Monate später die Arbeit aufnahm.[9] Dieser Stab schaffte die Voraussetzungen für die Aufstellung des EATC, welche am 1. September 2010 in Eindhoven im Beisein politischer und militärischer Repräsentanten der Partnerstaaten stattfand.[1] Die Beteiligung an diesem europäischen Projekt ist offen für weitere Staaten. Spanien hat derzeit den Status eines aktiven Beobachters [10][11] und wird Mitte 2014 Vollmitglied.

Die volle operative Einsatzfähigkeit (Full Operational Capability) wurde im November 2013 erlangt.

Zu den Einsätzen, die das EATC bisher durchgeführt hat, zählen neben der Evakuierung von Bürgern europäischer Staaten nach dem Erdbeben in Japan 2011 vor allem Einsätze in Libyen:

  • Neo-Operationen (Februar-März 2011): 17 Flüge mit insgesamt 200 Flugstunden, dabei wurden 1.100 Passagiere und 15 Tonnen Fracht befördert;
  • Opération Harmattan der Armee de l'Air (18. – 21. März 2011): 31 Flüge, kumuliert etwa 170 Flugstunden, um 700 Passagiere und 200 Tonnen, vor allem an Hilfsgütern, ins Land zu bringen; sowie
  • Operation Unified Protector (NATO-Einsatz): Bislang fast 3.500 Flugstunden mit 11.000 Passagieren und 3.300 Tonnen Fracht. Zielflughäfen waren vor allem die Einsatzbasen der Kampfflugzeuge, die gegen Libyen eingesetzt wurden. Von den 320 Missionen wurden 72 % von Frankreich, 16 % von Belgien, 8 % von Deutschland und 4 % von den Niederlanden geflogen.[12]

Aufgaben[Bearbeiten]

EATC Peacetime Establishment.jpg

Das europäische Lufttransportkommando hat die Verantwortung für Einsatzplanung und Koordination der etwa 200 Transportflugzeuge der sechs Partnerstaaten. Hierfür stellen die teilnehmenden Staaten ihre Kapazitäten im Bereich Lufttransport mit diversen Flächenflugzeugen – jedoch keinen Hubschraubern – dem EATC zur Verfügung. Besteht bei einem Mitgliedsstaat Bedarf für Lufttransport oder Luftbetankung, meldet er diesen an das EATC, das die entsprechenden Flugzeuge aus dem gemeinsamen Pool einsetzt. Darüber hinaus ist das EATC zuständig für die Planung und Ausführung von Einsätzen, die Sicherstellung der gemeinsamen Ausbildung und der Standardisierung.[13] Das Kommando organisiert seit 2012 auch das European Air Transport Training, das in Saragossa oder Plovdiv stattfindet.

Struktur im Frieden[Bearbeiten]

Das Kommando über das EATC hat grundsätzlich ein Generalmajor (NATO-Rangcode OF-7), sein Stellvertreter ist ein Brigadegeneral (OF-6). Dabei wechselt die Befehlsgewalt zwischen den beiden größten Staaten, Deutschland und Frankreich; ist ein Deutscher mit der Führung beauftragt, wird er von einem französischen General vertreten und umgekehrt.[10]

Diese alternierende Führung findet sich ebenfalls in den beiden Divisions genannten Fachbereichen wieder. So wechselt das Kommando über die Operational Division und die Functional Division zwischen niederländischen und belgischen Stabsoffizieren.[14]

Deutscher Beitrag[Bearbeiten]

Deutschland stellte mit Generalmajor Jochen Both den ersten Kommandeur des EATC. Die deutschen Soldaten, die mit der Aufstellung des EATC ihre Arbeit in Eindhoven aufnahmen, stammen größtenteils vom aufgelösten Lufttransportkommando (LTKdo) in Münster, das zum 31. Dezember 2010 außer Dienst gestellt wurde. Die bis dahin dem LTKdo truppen- und fachdienstlich unterstellten Lufttransportgeschwader sowie die Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung wurden am 30. Juni 2010 zunächst truppendienstlich den Luftwaffendivisionen unterstellt und sollen nach deren Auflösung im Laufe des Jahres 2013 einem der neugeschaffenen Kommandos unterstellt werden.

Der parlamentarische Flugbetrieb, der durch die Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung durchgeführt wird, der Einsatz von Hubschraubern, zum Beispiel für den nationalen Such- und Rettungsdienst, und die im Ausland (z.B. Afghanistan) stationierten Luftfahrzeuge bleiben weiterhin in jeweiliger nationaler Verantwortung.

Flotte/Flugstunden[Bearbeiten]

Das Rückgrat der aktuellen Flotte, auf die das EATC zurückgreifen kann, bilden die C-160 Transall und die C-130 Hercules. Darüber hinaus stehen noch Flugzeuge der Typen CASA CN-235 und Airbus A340 für den reinen Passagiertransport und Airbus A-310 und KDC-10 für Passagiertransport und den Einsatz als Tankflugzeug zur Verfügung. Insgesamt umfasst die Flotte etwa 150 Flugzeuge.[10] In Zukunft sollen vor allem die C-160 Transall und C-130 Hercules vom Airbus A400M abgelöst werden, den alle EATC-Mitglieder mit Ausnahme der Niederlande bestellt haben.

Im Zeitraum 1. Januar 2011 bis 31. Oktober 2011 absolvierten die Flugzeuge des EATC insgesamt 40.559 Flugstunden bei 6.572 Flügen. 650 Patienten wurden bei MedEvac-Einsätzen versorgt und 138 Luftbetankungen durchgeführt. Bei diesen Flügen wurden fast 270.000 Passagiere und 18.600 Tonnen Fracht befördert.

Im Januar 2014 konnte das EATC auf die folgende Flotte zurückgreifen:[12]

Staat Flugzeugtyp Anzahl
Anzahl
Luftfahrzeuge
rein nationale
Kontrolle
BelgienBelgien Belgien Airbus A321 01 00
Lockheed C-130 10 01
Falcon 900 VIP 3 00
EMB-135/145 4 00
DeutschlandDeutschland Deutschland Airbus A310 MRTT 05 00
C-160 Transall 32 01
C-160 Transall ESS[Anm. 1] 16 08
FrankreichFrankreich Frankreich Airbus A310 03 00
Airbus A340 02 00
CASA CN-235 015 12
Lockheed C-130 10 04
C-160 Transall 32 16
NiederlandeNiederlande Niederlande Gulfstream IV 01 00
DC-10 02 00
Lockheed C-130 02 00
McDonnell-Douglas KDC-10 02 00
Total 140 40

Kommandeure[Bearbeiten]

Die Stabsführung wechselt alle zwei Jahre zwischen Deutschland und Frankreich.[15]

Liste der Kommandeure des EATC (Commander EATC):

Name Dienstgrad Nationalität Beginn Ende
Jochen Both[16] Generalmajor   DeutschlandDeutschland    1. September 2010 19. Juli 2012
Pascal Valentin Generalmajor  FrankreichFrankreich   19. Juli 2012[2] 3. Juli 2014 [17]
Christian Badia Generalmajor  DeutschlandDeutschland   3. Juli 2014 2016

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Als C-160 ESS werden die Transall bezeichnet, die mit Täuschkörperwerfern und Radarwarnern ausgestattet sind.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Daniel Vrastil: Indienststellung des Europäischen Lufttransportkommandos in Eindhoven. Luftwaffe.de, 21. September 2011, abgerufen am 12. Februar 2012.
  2. a b EATC Change of Command. European Air Transport Command, 3. Juli 2014, abgerufen am 7. Juli 2014 (englisch).
  3. EATC Change of Command. European Air Transport Command, abgerufen am 3. Juli 2013 (englisch).
  4. Katia Vlachos-Dengler: Carry that weight – Improving European Strategic Airlift Capabilities. Dissertation Pardee RAND Graduate School, Pittsburgh 2007, S. 27.
  5. Jörg Lebert, Oberstleutnant i.G.: Einrichtung eines Europäischen Lufttransportkommandos. Europäische Sicherheit Online, 7. Juli 2001, archiviert vom Original am 30. Oktober 2007, abgerufen am 12. Februar 2012.
  6. Katia Vlachos-Dengler: Carry that weight – Improving European Strategic Airlift Capabilities. Pittsburgh 2007, S. 126–137.
  7. Gunnar Borch hrsg=Norsk Støtte i Utlandet: EACC becomes EAC. 7. Juli 2004, abgerufen am 12. Februar 2012 (englisch).
  8. Europäisches Lufttransportkommando. 7. Deutsch-Französischer Ministerrat (12. Oktober 2006). Internetportal für deutsch-französische Zusammenarbeit, 12. Oktober 2006, abgerufen am 12. Februar 2012.
  9. Philippe Rutz, Colonel (Armeé de l'Air): L’EATC, un pas de géant vers l’harmonisation du transport aérien militaire européen. Seconde Ligne de Défense, 27. Mai 2010, abgerufen am 12. Februar 2012 (französisch, Interview).
  10. a b c Torsten Sandfuchs-Hartwig, Jan Wosnitzka-Koch: EATC – eine "militärische Star Alliance". Luftwaffe.de, 21. September 2011, abgerufen am 12. Februar 2012.
  11. Startsein Europees militair luchttransportcommando. Ministerie van Defensie, 25. Februar 2010, abgerufen am 12. Februar 2012 (niederländisch).
  12. a b Jochen Both, Generalmajor (Luftwaffe): EATC an example for Pooling and Sharing. 29. November 2011, abgerufen am 12. Februar 2012 (pdf; 2,7 MB, englisch, Präsentation vor dem Subcommittee on Security and Defence des Europäischen Parlaments).
  13. EATC führt Transporter und Tanker der Luftwaffe. Flug Revue, 19. Oktober 2010, abgerufen am 14. Februar 2012.
  14. Christian John (Oberstleutnant i.G., BMVg Fü L III 5), Jürgen K.G. Rosenthal (Hardthöhenkurier), Stefan Wilmers (Oberstleutnant, EATC): Der Beitrag der Luftwaffe zum EATC. Der deutsche Weg zur europäischen Integration im Lufttransport. Hardhöhenkurier, abgerufen am 14. Februar 2012.
  15. EATC Change of Command. 12. Juli 2012. Abgerufen am 4. April 2013: „The change of command from German Major General Jochen Both to French Major General Pascal Valentin is being done – on command of the Dutch Air Force Commander and Chairman of the Multinational Air Transport Committee (MATraC), Lieutenant General Alexander Schnitger. [..] The positions either of Commander and Chief of staff rotate as planned every two years between Germany and France“
  16. Jörg Briedigkeit: Bündelung der Fähigkeiten. Interview mit Generalmajor Jochen Both. Luftwaffe.de, 21. September 2011, abgerufen am 12. Februar 2012.
  17. Norbert Thomas: EATC Change of Command. On Thursday 03 July 2014 at 11:00h the European Air Transport Command will conduct a Change of Command (CoC) ceremony at Eindhoven Airbase. eatc-mil.com, 4. Juni 2014, abgerufen am 22. Juni 2014.