Eve of Destruction

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Eve of Destruction von Barry McGuire aus dem Jahre 1965 ist der Titel eines der erfolgreichsten Protestsongs aller Zeiten, der trotz teilweiser Radiozensur als Millionenseller ein breites Publikum fand und zum Nummer-1-Hit in den USA aufstieg.

Entstehungsgeschichte[Bearbeiten]

P. F. Sloan war seit 1963 zusammen mit seinem Autoren-Partner Steve Barri Mitglied des Surf-Duos The Fantastic Baggys, für das er eine Vielzahl von Surf-Songs verfasste; außerdem war Sloans Falsett-Stimme prädestiniert für Surf-Songs. Im Februar 1965 erschien deren letzte Single It Was I / Alone on the Beach (Imperial #66072). Sloan wurde ab Mitte 1964 auf die Musik Bob Dylans aufmerksam, die im Folk- und Protestgenre die Pop-Hitparaden erreichen konnte. Inspiriert durch Dylans A Hard Rain’s A-Gonna Fall (veröffentlicht auf der am 27. März 1962 erschienenen LP The Freewheelin’ Bob Dylan) und die Dylan-LP Bringin’ It All Back Home (erschienen am 22. März 1965), komponierte Sloan den Titel Eve of Destruction etwa ab Juni 1964 neben vier weiteren Songs, die jedoch zunächst alle unveröffentlicht blieben. Zu dieser Zeit traf Sloan den Produzenten Lou Adler. Zur gleichen Zeit hatte sich der raustimmige Barry McGuire von der Folk-Truppe New Christy Minstrels getrennt und traf – beinahe zeitgleich – im Juni 1964 ebenfalls den Schallplattenproduzenten Lou Adler, der von Sloans neuen Kompositionen erfahren hatte.

Adler plante gerade die Gründung einer neuen Plattenfirma mit dem Namen Dunhill Records. Erste Single im Katalog war Shelley Fabares mit My Prayer / Pretty Please (Dunhill #4001), die im Juni 1965 veröffentlicht wurde. McGuire hatte zuvor im Mai 1965 einen Plattenvertrag beim jungen Dunhill-Label erhalten. Das regionale Label schloss sodann einen Vertriebsvertrag mit ABC-Paramount Records, um sich den nationalen Vertrieb seiner Platten zu sichern.

Produktion[Bearbeiten]

Aufgenommen am frühen Donnerstagmorgen des 15. Juli 1965 als vierter Titel[1], klang Barry McGuires Stimme bereits rau, heiser und müde, zumal lediglich noch 30 Minuten Studiozeit verblieben. Produzent Adler hatte für gute Studiomusiker gesorgt, denn Thomas „Tommy“ Tedesco (Gitarre), Larry Knechtel / Joe Osborn (Bass) und Hal Blaine (Schlagzeug) gehörten zu The Wrecking Crew, die bei vielen Hits zur professionellen Instrumentation beigetragen hatten. P. F. Sloan spielte zusätzlich Gitarre und Mundharmonika. Den Song prägen lediglich vier Akkorde und ein eingängiger Mundharmonika-Riff, wobei Adler das Tempo noch halbiert hatte. Da die Studiozeit abgelaufen war, stand von Eve of Destruction lediglich eine Rohfassung als Take zur Verfügung. Hierauf sind noch Produktionsfehler enthalten, etwa die „ahhs“ von McGuire, als er Textpassagen nicht lesen konnte und ein zu schneller Schnitt im Übergang zur Schlusspassage.

Veröffentlichung[Bearbeiten]

Barry McGuire - Eve of Destruction

Dunhill-Vizepräsident und Mitgründer Jay Lasker brachte dieses Take ungeachtet seiner technischen Mängel am frühen Morgen zur Radiostation KFWB in Los Angeles, die es sofort spielte. Die enorme Resonanz zwang Dunhill Records zur Eile, für die Abmischung eines technisch einwandfreien Masterbandes verblieb keine Zeit. Als A-Seite wählte der Produzent What's Exactly The Matter With Me (ebenfalls von Sloan komponiert), Eve of Destruction wurde auf die B-Seite verbannt und am 21. Juli 1965 als Dunhill #4009 veröffentlicht. Produzent Lou Adler hatte zunächst die Befürchtung, dass die Single wegen der inhaltlich kritischen B-Seite im Radio nicht gespielt würde[2]. Nach seiner Veröffentlichung wird er vom Billboard-Magazin zunächst als regionaler Hit eingestuft[3]. Tatsächlich weigerten sich einige Radiostationen und die BBC, die Platte mit der regierungskritischen B-Seite wegen der thematisierten Suizidgedanken zu spielen[4].

Das verhinderte jedoch nicht den enormen kommerziellen Erfolg. Der Song mit der Endzeit-Stimmung gelangte am 21. August 1965 in die Pop-Charts, wo er am 25. September 1965 für eine Woche an Rang eins notierte.[5] Gefördert durch intensives Airplay von Piratensendern, verkaufte sich der Song weltweit sechs Millionen Mal.[6]

Am 12. August 1965 brachte Sloan bei Dunhill Records eine von Steve Barri produzierte LP unter dem Titel Songs of Our Times (#50004) mit 12 Eigenkompositionen heraus, die auch die Titel Eve of Destruction und Take Me For What I’m Worth enthielt. Sie erschien numerisch nach McGuires LP Eve of Destruction (#50003; September 1965). Ganz anders als die von Strand, Sonne und Mädchen handelnde Surf-Musik zeigte Sloan hierbei eine tiefe soziale Bewusstheit, beeinflusst durch Bob Dylan oder Pete Seeger.

Text[Bearbeiten]

Der Titel des Lieds (dt. „Vorabend [d.h. kurz vor] der Vernichtung“) weist auf die verzweifelte, resigniert-zornige Endzeitstimmung hin, die den gesamten Text durchzieht. Konkret werden in den vier Strophen folgende Missstände bzw. Zeitphänomene thematisiert und kritisiert:

Der apokalyptische Song stellt inhaltlich eine triviale Kopie von A Hard Rain’s A-Gonna Fall von Bob Dylan (1963) dar. Auch beeinflusst durch das Kennedy-Attentat, prangert er verschiedene amerikanische und weltweite politische/soziale Situationen an und wird dadurch zu einer unverdeckten Kritik an der US-Regierung. Buchautor B. Lee Cooper[7] kategorisiert Eve of Destruction als „Zynismus gegen Personen von sozialem oder politischem Rang“. Insgesamt gehört der Song wegen seiner düsteren und negativen Einstellung zu den Problemen der Welt zur Kategorie der Dystopien.

Wirkung[Bearbeiten]

Durch die Komposition Eve of Destruction wandten sich alle Kontakte im etablierten Popmusik-Geschäft vom Komponisten Phil F. Sloan wegen des problematischen Inhalts ab, angefangen bei Musikverlagen über Plattenfirmen bis zu den aktuellen Folk-Interpreten. Einzig Bob Dylan und Judy Collins hielten zu ihm. Zudem war nur Lou Adlers Musikverlag Trousdale Music bereit, die Verlagsrechte zu übernehmen, ebenso wie Adlers Dunhill Records die Produktion und den Vertrieb durchführten. Trotz dieser Isolation schrieb Sloan zwischen 1965 und 1967 insgesamt 150 Titel, von denen 45 die Hitparaden erreichten.

Das Lied stieß nach seiner Veröffentlichung bei vielen Amerikanern auf ablehnende, sogar feindselige Reaktionen, da sie es mitten im Kalten Krieg und zu Beginn der US-Intervention im Vietnam-Krieg als eine unpatriotische Stellungnahme auffassten. Offenbar legte das FBI in den 60ern sogar eine Akte über McGuire an. Viele Radiostationen in den USA und Großbritannien boykottierten Eve, andere sendeten es nur im Doppelpack mit dem Gegen-Song der Spokesmen, Dawn of Correction. McGuire selbst betrachtete seinen großen Hit nicht als Protestlied, sondern als „diagnosis of the human condition“ (eine Diagnose der menschlichen Situation).[8]

Auch wenn der Song mittlerweile nicht mehr so polarisiert wie damals, verfehlt er auch heute seine Wirkung nicht, da viele der angesprochenen Probleme – Nahostkonflikt, wahlunmündige Kriegsteilnehmer (Stichwort: Kindersoldaten), atomare Bedrohung (durch neue Nuklearmächte), Diskriminierung von Minderheiten und bürgerliche Doppelmoral – immer noch aktuell sind. Die in dem Song durchweg zu spürende Mischung aus zorniger, verzweifelter und resignativer Stimmung sowie die volksliedhaft-einfache Melodieführung haben Eve of Destruction zu einer der wichtigsten Protest-Hymnen der Love-and-Peace-Generation werden lassen.

Die nach dem Lied benannte Modifikation Eve of Destruction[9] für die PC-Spiele der Battlefield-Reihe behandelt ebenfalls das Thema Vietnamkrieg.

2012 verwendete die Künstlerin Susan Hiller Eve of Destruction als Hauptlied für ihr akustisch-optisches Kunstwerk „Protestsongs“ auf der dOCUMENTA (13).

Coverversionen[Bearbeiten]

  • Die Turtles brachten auf ihrem im September 1965 erschienenen Album It Ain’t Me Babe als erste eine Coverversion heraus.
  • Die Band The Dickies veröffentlichte auf ihrem 1979 erschienenen Album The Incredible Shrinking Dickies eine Coverversionen von Eve of Destruction.
  • Die Band Red Rockers veröffentlichte 1984 auf ihrem Album Schizoprenic Circus ebenfalls eine Coverversion von Eve of Destruction.
  • Auf der CD Philharmania Vol.1 covert Lemmy Kilmister, der Sänger und Bassist von Motörhead Eve of Destruction zusammen mit dem „The Royal Philharmonic Orchestra“. Die CD erschien im November 1998 bei Stella Music (No. 559 618-22).
  • D.O.A. coverten Eve of Destruction 2004 auf ihrem Album Live Free or Die.
  • Die Klaus Renft Combo veröffentlichte 2008 auf ihrem Album Abschied Und Weitergehn eine deutsche Variante unter dem Titel Nie auf ein Schlachtfeld. Eine weitere deutsche Interpretation lieferte Hans Hartz unter dem Titel Die weißen Tauben fliegen wieder.
  • Billy Idol veröffentlichte 2008 ebenfalls eine Version des Liedes, welche nur auf MySpace als Stream zu hören war.
  • The Pretty Thingscoverten "Eve Of Destruction" 1999 auf ihrer CD "Rage Before Beauty".
  • Juliane Werding "Ein morscher Baum trägt keine guten Früchte" von ihrer CD "In tiefer Trauer" 1972

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. nach McGuire wurde er donnerstags nach Mitternacht aufgenommen und am darauf folgenden Montag, dem 19. Juli 1965, im Radio gespielt, also war der 15. Juli 1965 das Aufnahmedatum
  2. Interview mit Lou Adler im Melody Maker vom 5. Februar 1972, S. 43
  3. Billboard-Magazin vom 14. August 1965, Seite 48
  4. Peter Blecha, Taboo Tunes - A History of Banned Bands & Censored Songs, 2004
  5. Fred Bronson, The Billboard Book of Number One Hits. 3. überarbeitete und erweiterte Aufl. New York City, New York: Billboard Publications, 1992, S. 183
  6. Joseph Murrells, Million Selling Records, 1985, S. 210
  7. B. Lee Cooper, Popular Music Perspectives: Ideas, Themes, And Patterns in Contemporary Lyrics, 1991, S. 183
  8. Barry McGuire: FAQ auf Barry McGuires Homepage
  9. About EoD-Mod