Ezio Frigerio

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Ezio Frigerio (* 16. Juli 1930 in Erba (CO), Italien) ist ein italienischer Bühnenbildner und Kostümbildner.

Frigerio studierte Architektur am Politecnico in Mailand, außerdem besuchte er die Mailänder Akademie der Schönen Künste (Accademia delle belle arti). Er widmete sich zunächst der Malerei, fuhr zur See, war Werbegrafiker und Buchillustrator, bevor er als Mitarbeiter von Mario Chiari zur Theaterausstattung gelangte. 1956 gestaltete er die Ausstattung für Giorgio Strehlers viel gelobte und jahrzehntelang gezeigte Inszenierung von Carlo Goldonis Der Diener zweier Herren am Mailänder Piccolo Teatro. Ab den späten 1960er Jahren wurde Frigerio als Nachfolger Luciano Damianis der wichtigste Bühnenbildner von Strehler. 1966 entwarf er die Bühne für Strehlers Interpretation von Luigi Pirandellos Die Riesen vom Berge, dem zahlreiche weitere gemeinsame Arbeiten folgten. Auch international war Frigerio von den frühen 1970ern an tätig, so etwa am Wiener Burgtheater oder am Pariser Odéon.

Bei Giuseppe Verdis Simon Boccanegra in Strehlers heftig akklamierter Regie an der Mailänder Scala arbeitete Frigerio 1971 erstmals auch im Bereich der Oper. Zahlreiche weitere Opernprojekte schlossen sich an, vor allem an der Scala, aber auch am Pariser Palais Garnier, der Wiener Staatsoper, der New Yorker Metropolitan Opera, dem Royal Opera House in London oder dem Opernhaus Zürich.

Außer mit Strehler arbeitete Frigerio u. a. auch mit Klaus Michael Grüber, Gerhard Klingenberg, Rudolf Steinboeck, Piero Faggioni, Luca Ronconi, Nuria Espert, Roger Planchon, Eduardo De Filippo, Liliana Cavani, Werner Herzog (Fidelio von Ludwig van Beethoven an der Mailänder Scala) oder Nicolas Joel.

Frigerio war wiederholt für den Film tätig, so etwa 1976 für 1900 von Bernardo Bertolucci, 1990 für Cyrano von Bergerac von Jean-Paul Rappeneau (dafür erhielt der den César für die beste Ausstattung) oder 1996 für Der Unhold von Volker Schlöndorff

Ballett-Bühnenbilder entwarf Frigerio für die Choreographen Rudolf Nurejew, Roland Petit, Marcia Haydée, Juri Grigorowitsch oder Heinz Spoerli.

Seit den 1970ern arbeitet Frigerio mit Franca Squarciapino zusammen, die ihn zunächst als Kostümassistentin unterstützte und später mit Frigerio sowohl beruflich – als Kostümbildnerin – wie auch privat – als seine Lebensgefährtin – ein gemeinsames Team bildete.

Frigerios Stil zeichnet sich dadurch aus, dass er viele Ansätze von Luciano Damiani übernahm und sie seinen eigenen Intentionen anpasste. So etwa finden sich auch bei Frigerio immer wieder der Bretterboden der Commedia dell'arte oder der hell erleuchtete Horizont, allerdings weniger strahlend als bei Damiani. Frigerio tendiert dafür stärker zu massiven, exakt konstruierten Bühnenaufbauten, die oft einen eigenen Raum in der ersten Hälfte der Bühne bilden, um dann manchmal nach hinten Ausblicke in andere Landschaften zu gestatten. Dies war so zumal bei Simon Boccanegra (wo man im Hintergrund ein im Wasser schwimmendes Boot sah; bei Boccanegras Tod wurden die Segel aufgezogen), aber auch 1978 bei Vincenzo Bellinis Norma in Wien (aus dem Tempelinneren blickte man auf einen Sternenhimmel und den Mond) oder 1980 bei Georges Bizets Carmen in Hamburg (ein schlichter, nur durch wenige Elemente jeweils veränderter Raum, dahinter Hausfassaden). Frigerio bezieht auch immer wieder gemalte Elemente ein, die an die italienisch Tradition der Kulissenmalerei erinnern (so bei Richard Strauss' Der Rosenkavalier in Paris, dem er dadurch sowie die Kostümgestaltung eine traumähnliche Atmosphäre verlieh).

Als Kostümbildner legte Frigerio Wert auf die farblichen und stofflichen Qualitäten der ausgesuchten Materialien, die dann unter Umständen weiter bearbeitet wurden. Die von ihm geschaffenen Kostüme fügten sich in der Farbwahl stets in die Bühnenräume ein, sie bedienten sich beim Realismus, waren jedoch stets mit einem Hauch von Künstlichkeit ausgestattet, der sie als theatrale Mittel kenntlich machte.

Arbeiten (Auswahl)[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]