FC Wacker München

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FC Wacker München
Vereinsemblem des FC Wacker München
Voller Name Fußball-Club Wacker München e. V.
Ort München
Gegründet 1. Dezember 1907
Vereinsfarben blau-schwarz
Stadion Bezirkssportanlage Demleitnerstraße
Plätze n.b.
Homepage www.fc-wacker-muenchen.de
Liga Kreisklasse München 4
2013/14 14. Platz (Kreisliga München 2)

Der FC Wacker München ist ein im Stadtviertel Sendling beheimateter Fußballverein, der lange Zeit – wenn auch meist mit Abstand – die Nummer drei im Münchener Fußball war, inzwischen aber von untergeordneter Bedeutung ist. In der Glanzzeit des Vereins in den 1920er Jahren spielte der FC Wacker zwei Mal im Halbfinale der Deutschen Meisterschaft. Die in den 1990er Jahren erfolgreiche Frauenfußball-Mannschaft löste sich 1999 vom Verein und machte sich als FFC Wacker München selbständig.

Geschichte[Bearbeiten]

1903–1920: Gründung und erste Jahre[Bearbeiten]

Der Verein wurde 1903 im Münchner Stadtteil Laim als FC Isaria gegründet, und hieß zwischenzeitliche FC Wittelsbach und FC München-Laim. 1908 trat er dem Radsportclub Monachia bei und „firmierte“ danach offiziell als Fußball-Abteilung Wacker 1903 des SC Monachia.[1] Zur Spielzeit 1913/14 traten die Fußballer der Turnerschaft 1886 München bei und starteten als Fußballabteilung Turnerschaft Wacker 1886 München. 1917 machte die Fußballabteilung sich schließlich als FC Wacker wieder selbständig.[2]

Erster Star der Blausterne war der österreichische Nationaltorwart Karl Pekarna, der 1905, als er für den Rangers FC in Glasgow spielte, als schottischer Torwart des Jahres geehrt wurde. Er spielte von 1907 bis 1908 beim Verein.

1920–1933: Die Goldenen 1920er-Jahre[Bearbeiten]

Die 1920er Jahre sollten zur „Goldenen Zeit“ des FC Wacker werden. Es begann mit dem ersten großen Erfolg der Vereinsgeschichte, der Südbayerischen Meisterschaft 1921. Eng Verbunden mit den Erfolgen in diesem Jahrzehnt ist der ungarische Nationalspieler Alfréd „Spezi“ Schaffer, 1918 und 1919 europäischer Rekordtorschütze[3] und allgemein als der erste Fußballstar des Kontinents angesehen, der von 1921 bis 1922 beim Verein spielte und mit diesem 1922 in Frankfurt die Süddeutsche Meisterschaft durch einen 2:1-Finalsieg nach Verlängerung gegen Borussia Neunkirchen gewann und durch einen 5:0 Viertelfinalsieg in Karlsruhe über Arminia Bielefeld bis ins Halbfinale der Deutschen Meisterschaft vordrang. Dieses ging allerdings, ebenfalls in Frankfurt, gegen den Hamburger SV klar mit 0:4 verloren. Zur Mannschaft des FC Wacker gehörten hier unter anderem auch die Nationalspieler Heinrich Altvater, Albert Eschenlohr und Eugen Kling.

In den 1920er Jahren traten noch weitere prominente Spieler mit dem blauen Stern auf der Brust an. Herauszuheben sind hier der ungarische Nationalspieler Péter Szabó, Edward Hanney, der 1912 mit England bei den Olympischen Spielen 1912 in Stockholm die Goldmedaille gewann, sowie die deutschen Nationalspieler Willy Falk und Josef Weber.

Im Juni 1926 war der FC Wacker Gast einer Stadtauswahl von Dortmund beim Eröffnungsspiel des dortigen Stadions Rote Erde – in dem Borussia Dortmund bis zur Einweihung des Westfalenstadions 1974 große Erfolge feiern sollte – und gewann mit 11:1.

Nachdem Alfréd Schaffer seine Spielerkarriere beendete war der FC Wacker 1927 eine seiner ersten Trainerstationen. Er führte die Mannschaft erneut, diesmal durch ein 1:0 nach Verlängerung in München über den Dresdner SC und einen 4:1-Sieg in Berlin über Tennis Borussia ins Halbfinale der deutschen Meisterschaft. In Leipzig musste Wacker aber nach einer 1:2-Niederlage gegen die von deren Vereinslegende Hanne Sobek angeführte Mannschaft von Hertha BSC die Meisterschaftshoffnungen begraben.

1933–1945: Wacker in der Gauliga[Bearbeiten]

1933 wurde der deutsche Fußball umorganisiert und an die Stelle der zuletzt 55 regionalen ersten Klassen traten 16 Gauligen. Der FC Wacker qualifizierte sich für die Gauliga Bayern, in der je nach Saison 10 bis 12 Vereine um die Bayerische Gaumeisterschaft und damit die Teilnahme an der Deutschen Meisterschaftsendrunde spielten. Wacker konnte sich hier aber nie besonders hervortun und war zum Saisonschluss meist im Tabellenkeller zu finden. Wacker stieg nach der fünften Saison 1937/38 schließlich als Vorletzter ab, trotz des 1934 vom FC Bayern gekommenen Nationalspielers Sigmund Haringer. Nach dem Abstieg blieb er noch ein Jahr bei den Blausternen und beendete seine Laufbahn beim 1. FC Nürnberg.

Damit begannen auch die Jahre des Zweiten Weltkriegs. Ernst Poertgen, Starstürmer des Abonnementsmeisters jener Ära, des FC Schalke 04, wurde mit der Wehrmacht in München stationiert und spielte in bis zu seiner Gefangennahme durch die US-Amerikaner 1942 beim FC Wacker. Mit ihm gelang 1940 der Wiederaufstieg, doch bis zum Kriegsende kam der FC Wacker nicht über Mittelmaß hinaus. In dieser Zeit trat auch der ebenfalls kriegsbedingt in München stationierte spätere Meistertrainer Hennes Weisweiler für den FC Wacker an.

1945 bis heute: Von der Oberliga zum Beinahe-Untergang[Bearbeiten]

Nach dem Krieg fand der FC Wacker Aufnahme in die zweitklassige Landesliga Bayern von wo ihm 1947 der Aufstieg in die weiland erstklassige Oberliga Süd gelang. Dabei half der Verteidiger Hans Bauer, der 1954 als Bayern-Spieler mit der deutschen Nationalmannschaft Weltmeister werden sollte. Doch auch er konnte den umgehenden Wiederabstieg nicht verhindern. Die große Zeit des FC Wacker war damit vorbei. Der Verein, der bis zu diesem Zeitpunkt fast immer erstklassig war, sollte nie wieder in der höchsten Spielklasse antreten.

1950 qualifizierte sich der FC Wacker für die 2. Oberliga Süd, einer neuen auf dem Vertragsspieler-Status aufgebauten zweithöchsten Spielklasse, die an die Stelle der Landesligen trat. Dort konnte sich der Verein, mit einjähriger Unterbrechung, bis 1954 halten. Bis 1980 spielte der Verein in der seinerzeit drittklassigen Bayernliga. In den Spielzeiten 1964/65, 1970/71 und 1972/73 spielten die Sendlinger jeweils eine Saison in der zweitklassigen Regionalliga Süd. 1975 qualifizierte sich der FC Wacker als Bayernligameister erneut für den Aufstieg, verzichtete aber aus finanziellen Gründen.

Unter Trainer Karl Mai, einem Weltmeister von 1954, drang der FC Wacker 1968 in das Finale der Deutsche Amateurmeisterschaft vor, unterlag im in Bochum abgehaltenen Finale aber dem VfB Marathon Remscheid nach Verlängerung mit 3:5. Prominente Spieler waren hier der vormalige Spielführer des FC Bayern, der Abwehrspieler Adolf „Adi“ Kunstwadl, der 18-fache Amateurnationalspieler Horst Pohl. Alfred Fackler, der auch sieben Jahre Präsident des Vereins und später Vizepräsident und Ehrenpräsident des Bayerischen Fußballverbands wurde[4], fungierte in jener Zeit als Technischer Direktor der Blausterne.

1980 stieg der FC Wacker erstmals in die vierte Spielklasse ab, konnte aber nach zwei Spielzeiten in die Bayernliga zurückkehren. In den folgenden Jahren lavierte der Verein zwischen dritter und vierter Liga. Zwischen 1992 und 1994 führten drei Abstiege in Serie den Verein in die sechste Spielklasse. 1994 kam es zum finanziellen Zusammenbruch des Vereins und der zeitweiligen Einstellung des Spielbetriebes. Mitglieder der Vereinsführung wurden wegen Unregelmäßigkeiten strafrechtlich zur Verantwortung gezogen.

1995 erfolgte ein Neubeginn des Verein in der A-Klasse, der niedrigsten Spielklasse. Seit 2005 gilt der Verein als Vorzeigemodell für Vielfalt und soziale Integration in Bayern. Im April 2012 besuchte UEFA-Präsident Michel Platini, FC Bayern-Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge, Paul Breitner, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des FC Bayern, Karl Hopfner und eine Delegation des FC Barcelona den Verein im legendären Kessel, wie das Wacker-Stadion seit jeher genannt wird, um dieses Erfolgsmodell anzuerkennen. Nach einem Abstieg in die A-Klasse 2009 wurde Trainer Bernd Klemm verpflichtet. 2010 erfolgte der Aufstieg in die Kreisklasse. Die neugegründete 2. Mannschaft stieg 2011 in die B-Klasse und 2013 in die A- Klasse auf. Die 3. Mannschaft stieg 2013 in die B-Klasse auf. Bernd Klemm stieg ebenfalls 2013 mit der 1. Mannschaft in die Kreisliga auf. 2014 stieg man als Tabellenletzter allerdings sofort wieder ab.

Bekannte Spieler und Trainer[Bearbeiten]

Aus den Reihen des FC Wacker München kamen mehrere deutsche Nationalspieler wie Heinrich Altvater, Georg Ertl, Willy Falk, Josef Weber und die Amateur-Nationalspieler Wilhelm Zott, Horst Pohl, Sebastian Metzger und Werner Rosenbaum (der gleichzeitig auch Hockey-Nationalspieler beim HC Wacker München war). Der bekannteste war Sigmund Haringer, der von 1931 bis 1934 elf Länderspiele bestritt, dann zum FC Bayern München wechselte und dort bis 1937 weitere vier Einsätze im Nationaltrikot hatte.

Der spätere Nationalspieler Dietmar Hamann begann genauso wie sein Bruder Matthias Hamann seine Karriere beim FC Wacker München, außerdem spielten die Bundesligaspieler Thomas Meggle und Necat Aygün während ihrer Jugendzeit für den Verein.

Spieler[Bearbeiten]

Die folgenden Spieler spielten während ihrer Zeit beim FC Wacker in der Nationalmannschaft:

Weitere bekannte Spieler:

Trainer[Bearbeiten]

Stadion[Bearbeiten]

Der FC Wacker München hatte verschiedene Spielstätten, die bekannteste war am Wackerplatz. In der Oberliga Süd spielte der Verein im Stadion an der Grünwalder Straße. Von 1963 bis 1972 spielte Wacker im Dantestadion. Heute trägt der Verein seine Heimspiele in der Bezirkssportanlage Demleitnerstraße aus, die an der Stelle des ehemaligen Wackerstadions errichtet wurde, das in München wegen seiner Form unter dem Namen „Kessel“ bekannt ist.

Erfolge[Bearbeiten]

  • Halbfinale in der Endrunde zur Deutschen Meisterschaft: 1922, 1928
  • Süddeutscher Meister: 1922
  • Deutsche Amateurmeisterschaft: Finalist 1968
  • Meister Amateurliga Bayern (später Bayernliga): 1946, 1958 (Südstaffel), 1964, 1970, 1972, 1975

Spielklassen und Platzierungen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Spiel der SpVgg Greuther Fürth – A-Klasse Ostkreis: Wacker München – SpVgg Fürth 2:7 (1:3) – So., 23. Oktober 1910 greuther-fuerth.de
  2. Spiel der SpVgg Greuther Fürth – Ostkreis-Liga: SpVgg Fürth – Wacker München 10:1 (7:0) – So., 14. September 1913 greuther-fuerth.de
  3. Alan Brown: European Topscorers before 1967/68, Rec.Sport.Soccer Statistics Foundation, 10. September 2005
  4. Herzlichen Glückwunsch, Alfred Fackler, Bayerischer Fußball-Verband, 23. November 2010

Weblinks[Bearbeiten]

48.11491944444411.542041666667Koordinaten: 48° 6′ 54″ N, 11° 32′ 31″ O