Paul Breitner

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Paul Breitner

Paul Breitner (2011)

Spielerinformationen
Geburtstag 5. September 1951
Geburtsort KolbermoorDeutschland
Größe 176 cm
Position Abwehr / Mittelfeld
Vereine in der Jugend
1957–1961
1961–1970
SV-DJK Kolbermoor
ESV Freilassing
Vereine als Aktiver
Jahre Verein Spiele (Tore)1
1970–1974
1974–1977
1977–1978
1978–1983
FC Bayern München
Real Madrid
Eintracht Braunschweig
FC Bayern München
109 (17)
84 (10)
30 (10)
146 (66)
Nationalmannschaft
1968–1970
1971
1971–1982
DFB-Jugendauswahl
Deutschland U-23
Deutschland
16 0(1)
1 0(0)
48 (10)
1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.

Paul Breitner (* 5. September 1951 in Kolbermoor) ist ein ehemaliger deutscher Fußballnationalspieler.

In seiner aktiven Zeit spielte Breitner für den FC Bayern München, Real Madrid und Eintracht Braunschweig und galt als umstrittener Revoluzzer, der Auslöser sowie Gegenstand zahlreicher Debatten war. Mit der Nationalmannschaft wurde er 1972 Europa- und 1974 Weltmeister.

Im Jahr 2004 wurde er von Pelé auf die Liste der 125 besten noch lebenden Fußballer gesetzt (FIFA 100).

Seit 2007 ist Breitner als Scout für den FC Bayern München tätig.

Jugend[Bearbeiten]

Der einzige Sohn eines Verwaltungsbeamten wuchs im oberbayerischen Freilassing auf und besuchte das Chiemgau-Gymnasium in Traunstein. Während seiner Schulzeit spielte der junge Paul bis zu seinem zehnten Lebensjahr für den SV-DJK Kolbermoor und anschließend für den ESV Freilassing, wo sein Vater Jugendtrainer war. Verbissen, mit großem Ehrgeiz und viel Trainingsfleiß verordnete Breitner sich ein hartes Lern- und Sportprogramm, das ihn 1968 schließlich in den Kader der DFB-Jugendnationalmannschaft beförderte. Bei den dortigen Lehrgängen teilte er sich mit Uli Hoeneß ein Zimmer und aus der Zimmergemeinschaft entwickelte sich eine enge Freundschaft, die beide bis heute miteinander verbindet. Am 22. September 1968 bestritt Breitner in Augsburg bei der 1:4-Niederlage gegen Jugoslawien sein erstes A-Junioren-Länderspiel, dem noch weitere 15 Einsätze folgen sollten. 1970 schloss er das Gymnasium mit dem Abitur ab und begann anschließend ein Studium (Pädagogik, Psychologie, Soziologie) an der Pädagogischen Hochschule in München-Pasing mit dem Berufsziel Sonderschullehrer.

Vereinskarriere[Bearbeiten]

FC Bayern München (1970 bis 1974)[Bearbeiten]

Im März 1970 hatte DFB-Jugendtrainer Udo Lattek das Traineramt beim FC Bayern München übernommen und lockte alsbald seine ehemaligen Schützlinge Uli Hoeneß, Rainer Zobel und Paul Breitner in die Bundesliga. Der 18-jährige Breitner nahm das Angebot an, unterschrieb einen Profivertrag und brach daraufhin sein Studium an der Pädagogischen Hochschule ab. Sein Entschluss sollte sich als richtig erweisen, denn der Nachwuchsspieler schaffte auf Anhieb den Sprung in den Bundesliga-Kader und debütierte am 15. August 1970 (1. Spieltag 1970/71) beim 1:1 gegen den VfB Stuttgart.

Lattek hielt große Stücke auf das Talent aus Oberbayern und machte ihn sofort zur Stammkraft. Er funktionierte Breitner vom Stürmer erfolgreich zum linken Außenverteidiger um. Als glänzender Offensivverteidiger, hart, energisch, reaktionsschnell, konditionsstark und schussfreudig, verkörperte er den Typus eines modernen Abwehrspielers, der sich nicht auf die Defensive beschränkte, sondern auch immer wieder mit Flankenläufen zum Angriffsspiel beitrug. Am Saisonende wurden die Bayern zwar nur Vizemeister, jedoch gewann Breitner mit dem DFB-Pokal (2:1 gegen den 1. FC Köln) seine erste Trophäe. Dies sollte nur der Auftakt zur bisher erfolgreichsten Ära der Bayern sein, die in der Folge zur unangefochtenen deutschen Spitzenmannschaft aufstiegen und 1972, 1973 und 1974 die Meisterschaft holten. Mit Ausnahmekönnern wie Franz Beckenbauer, Sepp Maier, Gerd Müller, Uli Hoeneß und Breitner waren sie Anfang der 1970er Jahre das Nonplusultra des deutschen Fußballs. Doch Breitner sorgte auch neben dem Spielfeld für Furore und pflegte das Image des intellektuellen Revoluzzers, der stets seine Meinung äußerte, und galt deshalb schon zu Beginn seiner Laufbahn als unbequem. Schon rein äußerlich fiel er durch seine lockige Haarpracht, die er im Afro-Look trug, und auch durch seinen struppigen Backenbart auf. Öffentlich gab sich Breitner linksorientiert, posierte medienwirksam mit einer Mao-Bibel und erklärte, ein Verehrer Che Guevaras zu sein. Durch seine politische Haltung und seine Kritik am Verein zog er sich unweigerlich den Unmut des konservativen Vereinspräsidenten Wilhelm Neudecker zu, der seinen Quertreiber 1973 sogar verkaufen wollte. Doch als die Mannschaft dagegen rebellierte, durfte Breitner bleiben und gewann 1974 mit dem Europapokal der Landesmeister (4:0-Sieg im Wiederholungsspiel gegen Atlético Madrid) den wichtigsten europäischen Vereinspokal. Als er nach der gewonnenen Weltmeisterschaft 1974 den FC Bayern Richtung Spanien verließ, äußerte er sich wenig diplomatisch über die Bayern, als er erklärte: "In diesem Scheißverein kann man nicht mal richtig feiern."

Real Madrid (1974 bis 1977)[Bearbeiten]

Nach dem Weltmeisterschafts-Turnier 1974 verkündete Breitner seinen Wechsel zum spanischen Rekordmeister Real Madrid. Dessen neuer Trainer, Miljan Miljanic (während der WM Jugoslawiens Nationaltrainer), war während des Turniers auf den bärenstarken Breitner aufmerksam geworden und wollte ihn unbedingt verpflichten. Der Wechsel zu den Madrilenen, der den Verein rund drei Millionen Mark Ablöse kostete, brachte Breitner in seiner Heimat harsche Kritik ein, da der spanische Diktator Francisco Franco offen die "Königlichen" unterstützte. Doch der selbstbewusste Spieler tat die Kritik mit der lapidaren Bemerkung ab, er wäre auch ins "Griechenland der Obristen gegangen."

Real hatte in der Saison 1973/74 unter Trainer Miguel Muñoz einen indiskutablen achten Platz belegt und die Mannschaft brauchte dringend Veränderungen. Mit eisenhartem Konditionstraining machte Miljanic die Spieler fit und wollte Breitner nicht als Verteidiger einsetzen, sondern schulte ihn zum Mittelfeldspieler um. Gemeinsam mit Günter Netzer, der bereits seit einem Jahr das Real-Trikot trug, bildete Breitner im zentralen Mittelfeld ein starkes Duo, welches das Spiel lenkte und beschleunigte. Die Madrilenen kehrten auf Anhieb in die Erfolgsspur zurück und holten 1975 das Double aus Meisterschaft und Pokal. Mit seinem deutschen Landsmann pflegte Breitner auch außerhalb des Platzes ein gutes Verhältnis; der Junggeselle Netzer nahm teilweise sogar am Familienleben der Breitners teil. 1976 gelang die Titelverteidigung in der Primera División, im Halbfinale des Europapokals der Landesmeister schied man jedoch gegen Bayern München aus. Bei der 0:2-Rückspielniederlage im Münchener Olympiastadion wurde Breitner von den Bayern-Fans gnadenlos ausgepfiffen.

Breitners drittes Jahr (1976/77) in der spanischen Hauptstadt verlief enttäuschend. Real brach ein und landete lediglich auf dem neunten Tabellenplatz – nur vier Punkte vor den Abstiegsrängen – und Miljanic wurde folglich seines Amtes enthoben.

Eintracht Braunschweig (1977/78)[Bearbeiten]

Nach drei Jahren in Spanien wollte Breitners Ehefrau nach Deutschland zurückkehren und auch Paul war nach der schwachen Saison einer Rückkehr in die Heimat nicht abgeneigt. Als sich Breitner nach einem Verein in der Bundesliga umsah, war keiner bereit, die geforderte Ablösesumme von 1,6 Millionen DM zu zahlen – außer Günter Mast. Der schwerreiche Hauptsponsor von Eintracht Braunschweig und Geschäftsführer des Jägermeister-Imperiums stellte die Summe bereit und lotste Breitner mit einem fürstlichen Jahresgehalt von 400.000 Mark zur Eintracht. Doch der Kontrast zwischen dem europäischen Spitzenklub Real Madrid und einem auch national meist als untergeordnet eingestuften Verein galt als zu groß. Dies ging sogar soweit, dass Stadtrundfahrten vor Breitners Villa endeten. Der Weltstar galt als schwer in das Braunschweiger Mannschaftsgefüge, das Allüren nicht akzeptierte, integrierbar. Das Verhältnis zu den Mitspielern galt nach seiner Kritik an den Mannschaftskameraden als belastet, Breitner riss sie nicht mit, sondern ging ihnen bloß auf die Nerven. Auch Trainer Branko Zebec rügte ihn: "Warum verteidigen Sie nicht, Sie waren mal in der Nationalmannschaft Weltklasseverteidiger?" Breitner antwortete: "Jetzt bin ich Spielmacher, für Abwehraufgaben haben wir andere." Inmitten einer solchen Atmosphäre war es nicht verwunderlich, dass es sportlich schlecht lief und die hoch gehandelte Eintracht am Saisonende nur den 13. Tabellenplatz belegte. Trotz seiner zehn Bundesligatore attestierten die Kritiker dem Oberbayern allenfalls eine durchschnittliche Runde. Nach nur einem Jahr deutete sich das Ende von Breitners Engagement an und zum Abschied sagte er seinen Kollegen in der Kabine: "Ich tue euch jetzt den Gefallen und gehe." Trotz aller Widrigkeiten wertet Breitner sein Gastspiel in Niedersachsen heute positiv und meinte, das Jahr hätte ihm dennoch viel gegeben.

FC Bayern München (1978 bis 1983)[Bearbeiten]

Breitner (vorne) im Trikot des FC Bayern

Im Sommer 1978 beendete Breitner das "Missverständnis" Braunschweig und kehrte für 1,75 Millionen Mark zum FC Bayern zurück. Sein langjähriger Freund Uli Hoeneß hatte dem Klub einen lukrativen Sponsoren-Vertrag mit Magirus-Deutz vermittelt, um den kostspieligen Transfer finanzieren zu können. Ende der Siebziger waren die Bayern nicht mehr die Spitzenmannschaft früherer Jahre, sondern nur noch Liga-Mittelmaß und befanden sich gerade in einer Phase des Umbruchs. Mit Franz Beckenbauer hatte der größte Star den Verein verlassen, die Karrieren Sepp Maiers und Gerd Müllers neigten sich dem Ende. Doch der ehrgeizige Breitner und Hoeneß (er wechselte im Mai 1979 ins Management) hatten sich zum Ziel gesetzt, den Erfolg nach München zurückzubringen. Dieses Ziel verfolgten die beiden Freunde über die nächsten Jahre hartnäckig und mit viel Ehrgeiz. Breitner wollte demonstrieren, dass er die Reife und Qualitäten besaß, eine Mannschaft zu Titeln zu führen. Obwohl man am Ende einen befriedigenden vierten Platz belegte, war die Saison 1978/79 von Turbulenzen geprägt. Breitner legte sich mit allen an und stand im Dauerkonflikt mit Trainer Gyula Lóránt, der Anfang 1979 schließlich entlassen wurde; ebenso trat der langjährige Vereinspräsident Wilhelm Neudecker zurück, als ihm die Mannschaft die Gefolgschaft verweigerte.

In der nächsten Saison (1979/80) folgte nach jahrelangem Niedergang die Wiedergeburt des FC Bayern: Der neue Trainer Pál Csernai zerstörte die Cliquenbildung in der Mannschaft und gewann mit Breitner die dominierende Spielerpersönlichkeit für sich, indem er ihm nach Maiers Karriereende die Kapitänsbinde übertrug. Mit Maier und Georg Schwarzenbeck hatten die letzten beiden Spieler aus der großen Ära des Vereins ihre Karrieren beendet (Gerd Müller war in die USA gewechselt) und Breitner schwang sich zum unangefochtenen Kopf der Mannschaft auf. Als Antreiber und Spielgestalter im Mittelfeld bildete er mit Stürmer Karl-Heinz Rummenigge ein kongeniales Duo, das Teile der Boulevardpresse aufgrund seiner Dominanz "Breitnigge" taufte. Breitner versorgte den pfeilschnellen Rummenigge mit langen Pässen, war aber auch selbst sehr torgefährlich (1981: 17 Tore, 1982: 18 Tore). 1980 gewannen die Bayern ihre erste Meisterschaft seit sechs Jahren und verteidigten den Titel ein Jahr später sogar. Nach einer überragenden Saison wählten die Sportjournalisten Breitner zum Fußballer des Jahres und bei der Wahl zu Europas Fußballer des Jahres belegte er hinter Vereinskamerad Rummenigge den zweiten Platz. 1982 holten die Bayern durch ein 4:2 über den 1. FC Nürnberg den DFB-Pokal (Breitner traf per Elfmeter zum zwischenzeitlichen 3:2), scheiterten jedoch beim Sturm auf Europas Fußballthron, da sie das Endspiel des Europapokals der Landesmeister gegen Aston Villa unglücklich mit 0:1 verloren.

Nach einer Saison, die von Verletzungen geprägt war, verabschiedete sich Paul Breitner im Sommer 1983 während einer Asien-Reise mit den Bayern vom Profifußball. Sein letztes Pflichtspiel hatte er am 28. Mai 1983 bei der 0:1-Heimniederlage gegen den FC Schalke 04 bestritten.

Nationalmannschaft[Bearbeiten]

Für die U-23-Nationalmannschaft bestritt Breitner sein einziges Spiel am 11. Juni 1971 gegen Albanien (2:0) und wurde anschließend von Bundestrainer Helmut Schön auf die sogenannte Nordlandreise der A-Nationalmannschaft mitgenommen. Dort debütierte er in Oslo am 22. Juni 1971 beim 7:1-Kantersieg gegen Norwegen und schaffte wie im Verein auf Anhieb den Sprung zum Stammspieler als Linksverteidiger. Wieder an Breitners Seite war Uli Hoeneß und die beiden Shootingstars wurden von der deutschen Presse als "Himmelsstürmer" oder "Zauberlehrlinge" betitelt.

1972 folgte der erste Titel für die BRD seit 18 Jahren. Die Nationalmannschaft wurde nach einem 3:0 über die Sowjetunion Europameister und hatte im Viertelfinale England im weltberühmten Wembley-Stadion mit 3:1 bezwingen können ("Ramba-Zamba-Fußball"). Als Teil der sogenannten Wembley-Elf war Breitner Mitglied der Mannschaft, die gemeinhin als die spielerisch beste deutsche Auswahl aller Zeiten bezeichnet wird.

Weltmeisterschaft 1974[Bearbeiten]

Breitners Elfmeter im WM-Finale 1974

Im Sommer 1974 war die BRD Austragungsland der Fußball-WM und der Druck auf die DFB-Elf war hoch, da die Öffentlichkeit nicht weniger als den Titel erwartete. Schließlich war es Breitner, der mit einem sehenswerten Distanzschuss den wichtigen 1:0-Siegtreffer im ersten Gruppenspiel gegen Chile erzielte. Trotz des Auftaktsieges startete der Gastgeber schwerfällig ins Turnier und qualifizierte sich nach der historischen Niederlage gegen die DDR (0:1) nur als Zweitplatzierter für die Zwischenrunde. Nach dieser peinlichen Niederlage ging ein Ruck durch die Mannschaft und Breitner, obwohl erst 22 Jahre alt, schwang sich neben Kapitän Beckenbauer zum dominierenden Führungsspieler auf. In der Zwischenrunde steigerte Deutschland sich und erreichte souverän das Finale in München (Breitner gelang beim 2:0 über Jugoslawien sein zweiter Turniertreffer). Dort wartete mit den Niederlanden um Superstar Johan Cruyff die beste Mannschaft des Turniers auf die Deutschen. Breitner spielte ein starkes Finale und übernahm Verantwortung, als er in der 25. Minute einen Foulelfmeter zum 1:1-Ausgleich verwandelte, obwohl er nicht als Schütze vorgesehen war. Von der Fachwelt wurde Breitner zu den besten Spielern des Turniers gezählt.

Dauerstreit mit dem DFB (1974 bis 1981)[Bearbeiten]

In den folgenden Jahren wurde Breitner seinem Ruf als Quertreiber und Revoluzzer auch im Nationaldress gerecht. Nach dem Titelgewinn 1974 überwarf er sich mit Bundestrainer Schön und erklärte mit nur 22 Jahren seinen Rücktritt aus der Nationalelf. Der folgende Dauerstreit mit Schön sowie einigen Funktionären des DFB erzeugte nicht wenig Presseaufmerksamkeit. Hinzu kam der Umstand, dass Breitner ins Ausland gewechselt war, und nach negativen Erfahrungen mit Günter Netzer sprach sich der DFB strikt gegen eine Nominierung deutscher Auslandsprofis aus. Eine Ausnahme bildeten die beiden EM-Qualifikationsspiele gegen Bulgarien und Griechenland im Oktober 1975, als Breitner und Netzer nach öffentlichem Druck für die beiden Partien zurückkehrten. Danach sollte es sechs weitere Jahre bis zu einem weiteren Comeback dauern. In dieser Zeit avancierte Breitner u. a. als Kolumnist der Bild-Zeitung zu einem heftigen Kritiker des DFB und der Mannschaft. Trotz aller Schwierigkeiten sprach sich Jupp Derwall mit dem eigenwilligen Breitner aus und holte ihn Anfang des Jahres 1981 in die Nationalmannschaft zurück. Ein Grund dafür ist im missglückten Auftritt der DFB-Elf bei der „Mini-WM“ 1981 in Uruguay zu sehen, wo eine undisziplinierte Elf unter die Räder geraten war. Die Öffentlichkeit forderte die Rückkehr Breitners, der bei den Bayern eine überragende Saison spielte. Derwall wollte Breitner als "starken Mann" und Führungsspieler auf und neben dem Platz integrieren. Am 29. April 1981 gab er gegen Österreich (2:0) in Hamburg sein Comeback in der Nationalmannschaft.

Weltmeisterschaft 1982[Bearbeiten]

Gemeinsam mit seinem kongenialen Partner vom FC Bayern, Karl-Heinz Rummenigge, galt Breitner als Hoffnungsträger für die WM 1982. Die Mannschaft startete nur schwach ins Turnier und verlor ihr erstes Spiel gegen Algerien mit 1:2. Im weiteren Turnierverlauf konnte sich der zuvor blasse Breitner deutlich steigern und bewies im legendären Halbfinale gegen Frankreich, der Nacht von Sevilla, im Elfmeterschießen Nervenstärke, so dass er schließlich zum zweiten Mal in seiner Laufbahn ein WM-Finale erreichte, in dem die deutsche Elf auf Italien traf. Gegen die "Squadra Azzura" war Deutschland allerdings klar unterlegen. Auch Breitner konnte das Spiel nicht entscheidend beeinflussen. Er erzielte lediglich den Ehrentreffer zum 1:3 (83. Minute) und ist damit mit Pelé, Vavá und Zinedine Zidane einer der wenigen Spieler, dem in zwei WM-Endspielen jeweils ein Treffer gelang. Das WM-Finale am 11. Juli 1982 war Breitners endgültig letztes Länderspiel. Nach 48 Einsätzen (10 Tore)[1] erklärte er seinen Rücktritt.

Erfolge & Auszeichnungen[Bearbeiten]

Nationalmannschaft[Bearbeiten]

Vereine[Bearbeiten]

Persönlich[Bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten]

Breitner trat auch als Schauspieler in dem Western Potato-Fritz (1976) und als Kolumnist für die Bild-Zeitung auf. Das Bayerische Fernsehen produzierte 1978 eine sechsteilige Sendereihe mit ihm, „Paul Breitners Fußballmagazin“, in der er mit seinem Team Eintracht Braunschweig und Jugendspielern technische Grundlagen des Spiels und Einblicke in den Alltag eines Fußballprofis präsentierte. Auch publizierte Breitner das anekdotenhafte Buch „Kopfball“. Sein Markenzeichen, den Vollbart, stutzte er sich vor der Weltmeisterschaft 1982 in Spanien im Rahmen einer Werbekampagne für das Rasierwasser Pitralon zu einem Stutzbart und erhielt hierfür von dem Unternehmen 150.000 DM.

Politische Aktivitäten[Bearbeiten]

1972 bot sich Breitner der SPD als Wahlkämpfer an.[2] Später beschwerte er sich, dass politische Aktivität von Spitzensportlern durch Sportfunktionäre und das sportliche Umfeld unterdrückt würde.[3]

Aktivitäten nach dem Rücktritt[Bearbeiten]

Nach seinem Rücktritt vom aktiven Sport tat sich Breitner erneut als ein vehementer Kritiker des deutschen Fußballs hervor; so titulierte er beispielsweise Derwalls Nachfolger als Bundestrainer, Franz Beckenbauer, in seiner Bild-Kolumne als den „Totengräber des deutschen Fußballs“.[4] Nachdem Berti Vogts 1998 als Bundestrainer zurückgetreten war, war Breitner für kurze Zeit von DFB-Präsident Egidius Braun als Vogts’ Nachfolger für die Funktion des Teamchefs der Nationalmannschaft vorgesehen. Doch nahm Braun etwa 17 Stunden nach einer offenbar schon erzielten Übereinkunft wieder Abstand von dieser Möglichkeit, weil – so Braun – Breitner kein Stillschweigen über ein von ihm in dieser Angelegenheit als vertraulich empfundenes Telefongespräch gewahrt und Dritten davon berichtet hatte. Breitner hingegen wollte die eigentliche Ursache für den nebulösen Vorgang darin sehen, dass Braun zwischenzeitlich von kritischen Äußerungen erfahren habe, die er vormals über den DFB und den DFB-Präsidenten selbst ausgesprochen hätte.

Während der Fußball-Weltmeisterschaft 2002 in Japan und Südkorea bildete Breitner zusammen mit Oliver Welke das Moderatoren-Duo für die entsprechende Berichterstattung im privaten TV-Sender Sat.1, deren Qualität häufig bemängelt wurde.

Seit Frühjahr 2007 ist Breitner Berater und Scout, seit der Saison 2009/10 Chefscout des FC Bayern München. In der Öffentlichkeit wurde dies teilweise mit Erstaunen wahrgenommen, da sich das Verhältnis von Bayern-Manager Uli Hoeneß und Breitner, die während ihrer Zeit als Aktive noch enge Freunde waren, zwischenzeitlich deutlich abgekühlt hatte. Nach Breitners Engagement als Berater wird dies allerdings in der öffentlichen Wahrnehmung als ausgestanden betrachtet; man schließt nun auf ein wieder gutes Verhältnis.

Paul Breitner ist Gründungsmitglied der Kindersportstiftung des Abgeordneten Jörn Thießen.

Privatleben[Bearbeiten]

Paul Breitner ist verheiratet und hat drei Kinder (unter anderem Max Breitner, der als Sportjournalist seit 2006 in der Pressestelle des FC Bayern arbeitet). Heute lebt Breitner in Oberpframmern im Landkreis Ebersberg.[5]

Filmografie[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Paul Breitner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Matthias Arnhold: Paul Breitner - International Appearances. Rec.Sport.Soccer Statistics Foundation. 18. April 2004. Abgerufen am 22. November 2012.
  2. Rot und Schwarz. In: Der Spiegel, Heft 43/1972.
  3. Mit der Hälfte verdorben. In: Der Spiegel, Heft 9/1989.
  4. 1990. Süddeutsche Zeitung WM-Bibliothek ISBN 978-3-86615-154-3.
  5. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/paul-breitner-hat-aerger-wegen-seiner-gartenhecke-a-891119.html

Literatur[Bearbeiten]

  • Champions. 100 große Fußballer und ihre Erfolge. Gondrom-Verlag, Bindlach 2004, ISBN 3-8112-2342-9, S. 30 ff.
  • Günter Netzer: Aus der Tiefe des Raumes. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2005, ISBN 3-499-61921-0, S. 101, 135ff., 162, 164.
  • Hardy Grüne: Fußball-WM-Enzyklopädie 1930–2010. Agon-Sportverlag, Kassel 2006, ISBN 3-89784-290-4.
Vorgänger Amt Nachfolger

Karl-Heinz Rummenigge
Deutschlands Fußballer des Jahres
1981

Karlheinz Förster