Fier

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Fier (Begriffsklärung) aufgeführt.
Fier
Fieri
Fier (Albanien)
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40.72519.557222222222100Koordinaten: 40° 44′ N, 19° 33′ O

Basisdaten
Qark: Fier
Kreis: Fier
Höhe: 100 m ü. A.
Fläche: 78 km²
Einwohner: 55.845 (2011)
Bevölkerungsdichte: 716 Einw./km²
Telefonvorwahl: (+355) 34
Postleitzahl: 9301–9305
Kfz-Kennzeichen: FR
Struktur und Verwaltung (Stand: 2011)
Gemeindeart: Bashkia
Gliederung: 4 Verwaltungseinheiten
Bürgermeister: Baftjar Zeqaj (PS)
Webpräsenz:
Sonstiges
Gründung: 1864

Fier (albanisch auch Fieri) ist eine Stadt in Mittelalbanien. Sie hat 55.845 Einwohner (Stand: 2011)[1] und ist Hauptstadt des gleichnamigen Kreises und Qark.

Die erst etwa 200 Jahre alte Stadt ist ein wichtiger Standort der albanischen Industrie und spielt verkehrstechnisch eine bedeutende Rolle: Hier kreuzen sich nationale Verkehrsadern in Form von Eisenbahnlinien und Straßen bzw. Autobahnen. Als größte Stadt in der landwirtschaftlich genutzten Ebene von Myzeqe – eine der fruchtbarsten Gegenden Albaniens überhaupt – ist Fier Umschlagplatz für vielfältige Produkte aus Landwirtschaft und Viehzucht und nimmt somit auch eine bedeutende Rolle im Primärsektor der Wirtschaft Albaniens ein.

Geographie[Bearbeiten]

Luftaufnahme von Nordosten: Die Großstadt Fier an der Gjanica (oben rechts) mit der südöstlich gelegenen Kleinstadt Patos (links), im Vordergrund die Ölfelder von Marinëz und der Seman (unten rechts).

Fier liegt in der Myzeqe-Ebene, dem bedeutendsten landwirtschaftlichen Anbaugebiet des Landes, etwa 16 km vom Adriatischen Meer entfernt und rund 100 km südlich von Tirana. Die Stadtgemeinde (Bashkia) bedeckt eine Fläche von 78 km². Die größte Ausdehnung beträgt in West-Ost-Richtung 8,1 km und in Nord-Süd-Richtung 10,7 km. Von der rund 78 km² Stadtfläche sind 47,7 % Grünland, 5,4 % Gewässer, 11,9 % machen Verkehrsfläche aus und 34,9 % sind bebaut.

Die Stadt befindet sich im südlichen Teil der Myzeqe-Ebene und wird vom Flüsschen Gjanica durchzogen, das am nördlichen Stadtrand in den Seman, den Zusammenfluss von Devoll und Osum mündet. Südlich von Fier beginnen die Ausläufer des Mallakastra-Hügellands. Die Region von Fier wie auch die gesamte Ebene waren schon immer von Hochwasserkatastrophen betroffen. In den letzten Jahrzehnten wurde jedoch viel in den Hochwasserschutz investiert, sodass die Gefahren minimiert werden konnten.

In der Stadt herrscht Mittelmeerklima mit trockenen, heißen Sommern und regenreichen, milden Wintern und hohen Sonnenstundensummen (Winterregenklima). Die durchschnittliche Niederschlagsmenge beträgt rund 90 mm in den Monaten September bis April und steigt bis zu rund 100 mm an. Die Jahresniederschlagsmenge beträgt im Durchschnitt rund 980-1000 mm. Die langjährige mittlere Jahrestemperatur (ermittelt in den Jahren 1961–1990) beträgt nach Daten der Messstation am Instituti Meteorologjik i Shqipërisë (dt. Meteorologisches Institut von Albanien) 15,2 °C. Der Mittelwert des Jahres 2004 betrug 16,4 °C. Auch 2005 und 2006 waren mit einer Abweichung von +0,5 °C überdurchschnittlich warm. Fier hat durchschnittlich 2800 Sonnenstunden im Jahr.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Stadt wurde im 18. Jahrhundert als Marktort von aromunischen Wanderhirten gegründet. So war sie 1769 noch ein Dorf mit 24 Lehmhäusern.

1864 wurde die moderne Stadt von Kahraman Pascha Vrioni und seinem Sohn Omer Pascha Vrioni gegründet. Sie holten dafür französische Stadtplaner und Architekten nach Fier. Die quadratischen und runden Grundzüge dieses Plans kann man noch heute erkennen. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Steinbogenbrücke über die Gjanica errichtet und die Stadt hatte vier Bezirke: Shkoza, Belik, Kisha und Pasha. 1904 reiste Edith Durham nach Fier und schrieb in einem Bericht, dass in der Stadt überraschenderweise moderne Steingebäude erbaut sind. 1923 wurden in fünf Bezirken 1493 Einwohner gezählt.

In den folgenden Jahren gab es große demographische Veränderungen. Bis Ende des Zweiten Weltkrieges ließen sich viele Migranten aus der Labëria, Çamëria und aus dem Kosovo nieder. Auch aus anderen toskischen Gebieten verzeichnete die Stadt Zuzügler.

Seit den 1930er Jahren wurde in der Region Erdöl gefördert. Die Industrialisierung Albaniens unter den Kommunisten und die Trockenlegung der Myzeqe-Ebene nach dem Zweiten Weltkrieg ließ den Ort zu einer der wichtigsten Städte des Landes werden. Es wurde Industrie angesiedelt, so ein Dampfkraftwerk und eine Düngemittel-Fabrik. 1989 hatte die Stadt rund 45.000 Einwohner.[2]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Moschee im Stadtzentrum

Das historischen Museum in Fier zeigt Funde aus der Region und Nachbildungen. 2005 wurde die neue Moschee im Stadtzentrum eröffnet, eine der größten des Landes.

Zwölf Kilometer westlich von Fier befinden sich die Ruinen der antiken Stadt Apollonia. Das Museum in Apollonia zeigt Fundstücke aus der Ausgrabung. Ungefähr 15 Kilometer nördlich liegt auf einem Hügel beim Dorf Kolonja das bedeutende orthodoxe Kloster Ardenica. 20 Kilometer nordwestlich liegt die 45 km² große Lagune von Karavasta.

Wirtschaft[Bearbeiten]

2007 wurde in der Stadt ein neues Einkaufszentrum der Qendra Tregtare Univers errichtet, das größte in Südalbanien.

Fier liegt im wichtigsten Anbaugebiet Albaniens. Zu den Erzeugnissen zählen Olivenöl, Milch- und Fleischprodukte, Gemüse, Brot, Mehl und verschiedene Getränke.

45% der Angestellten arbeiten bei Privatfirmen, der Rest ist beim Staat und staatlichen Firmen angestellt.[2]

Verkehr[Bearbeiten]

Fier liegt an einer national bedeutenden Verkehrsachse nach Griechenland. Seit wenigen Jahren ist die Strecke von der Hauptstadt Tirana über Durrës bis nach Fier und weiter nach Vlora gänzlich als Autobahn befahrbar (Nationalstraße SH4 und Autobahn A2). Bei Fier zweigt von dieser Strecke die Straße nach Gjirokastra ab, die Hauptachse in den Süden des Landes und nach Griechenland.

Die Albanische Eisenbahn hat in Fier einen Trennungsbahnhof. Die von Durrës kommende Strecke verzweigt hier nach Vlora und zum Erdöl-Zentrum Ballsh.

Politik[Bearbeiten]

Stadtwappen von Fier

Seit 2003 ist Baftjar Zeqaj (PS) der Bürgermeister von Fier (alb. Kryetar bashkie).

Der Stadtrat (alb. Këshilli bashkiak) hat 35 Mitglieder.

Partnerstädte[Bearbeiten]

Sport[Bearbeiten]

Der lokale Fußballverein KF Apolonia Fier pendelt regelmäßig zwischen der höchsten Liga Kategoria Superiore und der zweithöchsten Liga Kategoria e parë. In der Saison 2012/13 gelang der Ligaerhalt als Tabellenletzter nicht.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Klima e R.P. te Shqiperise : tabela, temperatura e ajrit, vol. 1 = Le climat de la Republique Populaire d'Albanie : tableaux, temp'erature de l'air, vol. 1 . Tirane 1968

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Fier – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  INSTAT (Hrsg.): Population and Housing Census in Albania 2011: Preliminary Results. Tirana Dezember 2011 (Online-Version (PDF; 6,0 MB)).
  2. a b Statistics. In: Bashkia Fier. Abgerufen am 25. Januar 2012 (englisch).