Filmhochschule
Eine Filmhochschule ist eine Einrichtung zur beruflichen Ausbildung für Film- und Fernsehschaffende wie Drehbuchautoren, Filmkomponisten, Kameraleute, Produzenten, Regisseure, Schnittmeister, Szenenbildner und Tonmeister.
In Deutschland sind die anerkannten Filmhochschulen eigenständige Institutionen und haben zumeist den Status einer Kunsthochschule, einige haben davon abweichend abweichend die Rechtsform einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung. In dem Begriff "Filmhochschule" sind die Medien Film (Kino) und Fernsehen sowie weitere audiovisuelle Medien überwiegend mit eingeschlossen. Eine eindeutige typologische Abgrenzung ist daher nicht einfach.[1]
Im Ausland variiert der rechtliche Status von Filmhochschulen und vergleichbaren Bildungseinrichtungen. Im anglo-amerikanischen Ausland sind Filmhochschulen oder Kunsthochschulen meist als Fakultäten in große Universitäten integriert. In Italien und Frankreich existieren die Filmhochschulen als eigenständige Einrichtungen.
Weltweit sind anerkannte Filmhochschulen im internationalen Filmhochschulverband CILECT (Centre International de Liaison des Ecoles de Cinéma et de Télévision) organisiert.[2]
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Historisches
Im Deutschen wurde der Begriff "Filmhochschule" geprägt durch den Philologen und Filmreformer Dr. Franz Pauli, der 1920 in Berlin die "Deutsche Filmhochschule" gründen wollte. Sein Plan scheiterte jedoch an der fehlenden Finanzierung durch die preußischen und Reichsministerien und die mangelnde Unterstützung durch die deutsche Filmwirtschaft. Von 1921 bis 1934 existierte in München die "Deutsche Filmschule", die den Status einer staatlich anerkannten Höheren Fachschule hatte.[3] Die erste Filmhochschule weltweit ist das 1919 in der Sowjetunion gegründete Institut für Kinematographie (WGIK) in Moskau. Das WGIK war allerdings von 1919 bis in die späten 20er Jahre vor allem eine Filmschauspielschule (von denen es damals sehr viele in allen Ländern gab). Erst 1932 wurde das Fach Regie eingerichtet, so dass man ab dann von einer Filmhochschule im heutigen Sinne sprechen kann. Ebenfalls 1919 wurde an der Columbia University in New York ein Filmstudiengang gegründet, der zum Modell für den amerikanischen Weg der akademischen Filmausbildung wurde. 1943 wurde in Paris das Institut des hautes études cinématographiques (IDHEC) gegründet. 1948 folgte die Gründung der Filmhochschule Łódź.
Die erste deutsche, tatsächlich realisierte staatliche Filmhochschule ist die 1938 eröffnete Deutsche Filmakademie Babelsberg. Maßgeblicher Initiator war Joseph Goebbels. Die Deutsche Filmakademie wurde jedoch kurz nach Beginn des Zweiten Weltskriegs bereits wieder geschlossen. Sie bildete bis 1944 noch eingeschränkt Filmtechniker, vor allem Filmvorführer, aus. 1954 wurde hier nach dem Vorbild des sowjetischen WGIK in der DDR die Hochschule für Film und Fernsehen 'Konrad Wolf', Potsdam-Babelsberg eröffnet. Ein Vorläufer auf dem Gebiet der Hochschulausbildung im Bereich Film war die 1919 eröffnete, Staatliche Deutsche Fachschule für Optik und Photo-Technik zu Berlin, die 1950 in Staatliche Fachschule für Optik und Fototechnik Berlin umbenannt wurde.
Die in Frankreich im Jahr 1984 gegründete Ecole Nationale Supérieure des métiers de l'image et du son (La fémis) ist die größte und bedeutendste Filmhochschule in Frankreich und gilt als Nachfolger des IDHEC.
Die beiden ersten westdeutschen Filmhochschulen wurden Mitte der 60er Jahre unter dem Einfluss des Autorenfilms jener Jahre und des aufkommenden Fernsehens gegründet. 1966 wurde mit der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin die erste privatrechtliche, städtische Filmhochschule in der Bundesrepublik Deutschland eröffnet. Ein Jahr später nahm die staatliche Hochschule für Fernsehen und Film München den Lehrbetrieb auf. Vorläufer in der westdeutschen Filmausbildung waren das von Eberhard Hauff initiierte Deutsche Institut für Film und Fernsehen (DIFF) in München, die 1949 gegründete Ausbildungsstätte von Wolfgang Kaskeline in Berlin sowie das von Alexander Kluge, Edgar Reitz und Detten Schleiermacher initiierte Institut für Filmgestaltung an der Hochschule für Gestaltung Ulm, das 1989 geschlossen wurde.[4] 1991 wurde in Ludwigsburg die Filmakademie Baden-Württemberg in der Rechtsform einer GmbH in Landesträgerschaft gegründet. Weitere Filmhochschulen in Deutschland sind die Kunsthochschule für Medien Köln mit ihrer Abteilung Film/Fernsehen, die Internationale Filmschule Köln und die Hamburg Media School.
[Bearbeiten] Aus- und Weiterbildung
Die Studiendauer hängt vom Fach und der jeweiligen Hochschule ab und beträgt meist 6–8 Semester. Das Studium wird in der Regel mit einem Bachelor- oder einem Diplom- bzw. Mastergrad abgeschlossen, das an Kunst- und Filmhochschule in Deutschland nach wie vor stark verbreitet ist. Darüber hinaus kann an einigen Filmhochschulen der Mastergrad erworben werden und es werden Aufbau-, Ergänzungs- oder Zusatzstudien sowie Meisterschülerstudien und Meisterklassen angeboten.
[Bearbeiten] Zugangsbedingungen
In der Aufnahmeprüfung muss eine filmspezifische künstlerische Befähigung und teils bereits Praxiserfahrung nachgewiesen werden. An Filmhochschulen in Deutschland gehört, in einigen Fällen, zur formalen Voraussetzung die allgemeine oder fachgebundene Hochschulreife bzw. die allgemeine oder fachgebundene Fachhochschulreife. Bestimmte Schulen jedoch, so z. B. die dffb Berlin oder die HFF München, verlangen mindestens die mittlere Reife und eine abgeschlossene Berufsausbildung.
[Bearbeiten] Filmhochschulen
[Bearbeiten] Australien
CILECT-Mitglieder:
[Bearbeiten] Dänemark
[Bearbeiten] Deutschland
CILECT-Mitglieder:
- Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin, Berlin
- Filmakademie Baden-Württemberg, Ludwigsburg
- Hamburg Media School, Hamburg
- Hochschule für Fernsehen und Film München, München
- Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“, Potsdam-Babelsberg
- Internationale Filmschule Köln, Köln
- Kunsthochschule für Medien Köln, Köln
[Bearbeiten] Frankreich
CILECT-Mitglieder:
- La fémis – Ecole nationale supérieure des métiers de l'image et du son, Paris
- VARAN, Atelier de Réalisation Cinématographique
- École Supérieure d’Audiovisuel der Universität Toulouse II, Toulouse
- Le Conservatoire Libre du Cinéma Francais
CILECT-Kandidat:
Sonstige:
[Bearbeiten] Großbritannien
CILECT-Mitglieder:
- National Film and Television School, Beaconsfield
- Northern Film School at Leeds Metropolitan University, Leeds
- London Film School, London
- University of Westminster, London
- Screen Academy Scotland, Edinburgh Napier University, Edinburgh, Scotland
[Bearbeiten] Indien
[Bearbeiten] Israel
- Sam Spiegel Film and Television School, Jerusalem
[Bearbeiten] Italien
[Bearbeiten] Kanada
- Vancouver Film School, Vancouver
[Bearbeiten] Kuba
- Escuela Internacional de Cine y Television, San Antonio de los Baños
[Bearbeiten] Neuseeland
- New Zealand Film and Television School, Wellington
- South Seas Film & Television School, Auckland
- Unitec School of Performing and Screen Arts, Auckland
[Bearbeiten] Niederlande
- Nederlandse Film en Televisie Academie, Amsterdam
[Bearbeiten] Österreich
CILECT-Mitglied:
[Bearbeiten] Polen
- Staatliche Hochschule für Film, Fernsehen und Theater Łódź (Państwowa Wyższa Szkoła Filmowa, Telewizyjna i Teatralna im. Leona Schillera w Łodzi, kurz: PWSFTviT)
[Bearbeiten] Russland
[Bearbeiten] Schweiz
CILECT-Mitglieder:
- Ecole cantonale d’art de Lausanne
- Haute école d’art et design, Genf
- Zürcher Hochschule der Künste, Zürich
[Bearbeiten] Serbien
- Fakultet dramskih umetnosti Beograd (Faculty of dramatic arts Belgrade)
Sonstige:
- International Academy of Broadcasting
- F+F Schule für Kunst und Mediendesign, Zürich
- KAF – Klasse autodidaktischer FilmerInnen, Zürich
[Bearbeiten] Slowenien
CILECT-Mitglied:
[Bearbeiten] Tschechien
[Bearbeiten] USA
CILECT-Mitglieder:
- American Film Institute
- American University, School of Communication, Film and Media Arts Division
- Boston University, College of Communication
- California Institute of the Arts, Valencia (Kalifornien)
- Chapman University, School of Film & TV
- Columbia University, New York
- Florida State University, Tallahassee
- Loyola Marymount University, School of Film and Television
- New York University, Tisch School of the Arts
- North Carolina School of the Arts
- Stanford University, Documentary Film and Video Program
- University of California, Los Angeles, School of Theater, Film and Television
- University Film and Video Association
- University of Southern California, School of Cinema and Television
[Bearbeiten] Siehe auch
- Hochschulen für Darstellende Kunst: Musikhochschule, Hochschule für Schauspielkunst
- Hochschulen für Angewandte Kunst: Hochschule für Gestaltung
- Hochschulen für Bildende Kunst: Liste von Hochschulen für Bildende Kunst
- Liste akademischer Grade (Deutschland)
[Bearbeiten] Quellen
- ↑ Peter C. Slansky: Filmhochschulen in Deutschland. Geschichte - Typologie - Architektur. edition text + kritik, München, 2011. ISBN 978-3-86916-116-7
- ↑ Liste der CILECT Mitglieder
- ↑ Peter C. Slansky: Filmhochschulen in Deutschland. Geschichte - Typologie - Architektur. edition text + kritik, München, 2011. ISBN 978-3-86916-116-7
- ↑ Klaus Eder, Alexander Kluge: Ulmer Dramaturgien. Reibungsverluste. Carl Hanser Verlag, München, Wien 1980. ISBN 3-446-13009-8
[Bearbeiten] Weblinks
- http://www.cilect.org Centre International de Liaison des Ecoles de Cinéma et de Télévision
- http://www.etk-muenchen.de/sixcms/detail.php?id=212005&template=neu_werke_default_film