Friedrich-Wilhelm-Gymnasium (Trier)
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
| Friedrich-Wilhelm-Gymnasium | |
|---|---|
| Typ | Gymnasium |
| Gründung | 1561 |
| Ort | Trier |
| Bundesland | Rheinland-Pfalz |
| Staat | Deutschland |
| Koordinaten | 49° 44′ 51,6″ N, 6° 38′ 38,7″ O49.7476583333336.6440833333333Koordinaten: 49° 44′ 51,6″ N, 6° 38′ 38,7″ O |
| Träger | Stadt Trier |
| Schüler | 900 |
| Lehrer | 74 |
| Leitung | OStD Dr. Harald Heim |
| Website | www.fwg-trier.de |
Das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium (FWG) in Trier ist eine weiterführende Schule in Trier. Es gehört zu den ältesten Gymnasien in Deutschland.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Geschichte
Das Gymnasium wurde im Jahr 1561 als Jesuitenschule unter dem Namen Collegium Trinitas („Dreifaltigkeitskolleg“) gegründet. Die Jesuiten waren auch Träger der alten Trierer Universität. Seit 1614 fand der Unterricht in dem Gebäude neben der Trierer Jesuitenkirche statt, das heute das Priesterseminar beherbergt. Die Jesuiten trugen die Schule bis zur Aufhebung des Jesuitenordens im Jahr 1773. Ab diesem Datum übernahm der Erzbischof und Kurfürst von Trier das Gymnasium.
Nach dem Zusammenbruch des Trierer Kurstaates in den Revolutionskriegen wurde Trier 1794 von französischen Truppen besetzt. 1801 wurde es zur Hauptstadt des französischen Départements Sarre. Die bisher kurfürstliche Schule wurde als französische École centrale, später als Collège fortgeführt. Nach der Niederlage Napoleons I. und der Eingliederung Triers in die preußische Provinz Großherzogtum Niederrhein (ab 1822: Rheinprovinz) wurde aus dem Collège ein königlich-preußisches Gymnasium. Den offiziellen Namen Königliches Gymnasium erhielt die Schule jedoch erst 1858. Aus Anlass der Gründung des Kaiser-Wilhelm-Gymnasiums (heute Max-Planck-Gymnasium) wurde dem Königlichen Gymnasium 1896 zur besseren Unterscheidung der heutige Name Friedrich-Wilhelm-Gymnasium (nach dem preußischen König Friedrich Wilhelm III.) gegeben.
Im Zweiten Weltkrieg wurde das historische Schulgebäude weitgehend zerstört. Der Unterricht fand daher von 1946 bis 1961 im selbst schwer beschädigten Gebäude der ehemaligen Reichsabtei St. Maximin statt. 1961, zum 400-jährigen Jubiläum der Schule, wurde ein Neubau an der Gabelung der Olewiger Straße und der Spitzmühle bezogen, der bis heute genutzt wird.
[Bearbeiten] Heutiges Profil der Schule
Die Schule hat einen alt- und einen neusprachlichen Zweig. Das besondere Aushängeschild der Schule ist dabei die ab dem Schuljahr 2005/2006 neu eingeführte Klasse "Latein plus", in der die neuen Fünftklässler schon in der fünften Klasse parallel in Englisch und Latein unterrichtet werden. In der 7. und 9. Klasse dürfen dann sogar noch zusätzliche Sprachen gewählt werden. Insgesamt wird für alle Klassen neben Latein und Griechisch auch Englisch, Französisch und Italienisch angeboten.
Die Schule ist mit modernen Unterrichtsräumen, Computerarbeitsplätzen für die Schüler, einer Videokonferenzanlage und einer umfangreichen, neu renovierten Bibliothek ausgestattet. Es existieren auch eine Turnhalle und eine Außensportanlage.
Die Schule nimmt an Partnerschaften und Austauschprogrammen mit Schulen in England (Wycliffe College), Frankreich, Italien, den Niederlanden, Finnland, Luxemburg und Österreich teil.
Im Schuljahr 2005/2006 unterrichteten am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium 62 Lehrer.
Die derzeit einzige Schülerzeitung des FWGs ist "Der Maulwurf". Er erscheint seit 1986, seitdem wurde er aber mehrfach verboten und wieder erlaubt. Zwischendurch existierten auch weitere Schülerzeitungen, die sich aber aufgrund von Finanzierungsproblemen oder dem Abgang der Redakteure nicht halten konnten. "Der Maulwurf" erscheint seit 2005 mit zwei Ausgaben im Jahr.
Beanstandet wird am FWG häufig die alte Ausstattung (teilweise noch die Erstausstattung des jetzigen Gebäudes von 1961) und die ungepflegten Gebäude (einschließlich des euphemistisch "Pavillon" genannten Containers mit vier Unterrichtsräumen). Im Schuljahr 2006/2007 gab es beispielsweise im obersten Stockwerk undichte Stellen, durch die Wasser auf die Flure tropfte. Die Schäden sind mittlerweile größtenteils behoben. Im selben Schuljahr gab es auch mehrere Fahrrad-Diebstähle, weshalb die Fahrrad-Stellplätze seit Sommer 2007 mit einem Gitter umgeben sind. Im Schuljahr 2006/2007 wurden neue Schließfächer im Schulgebäude aufgestellt. Diese werden von der Firma AstraDirekt an die Schüler vermietet. Dieses Vorgehen wird aufgrund einer befürchteten Kommerzialisierung des Schulwesens vielfach kritisiert.
Seit Herbst 2003 wird die Schule erstmals nicht mehr von einem Altphilologen, sondern von dem Physik- und Chemielehrer Herrn Dr. Harald Heim geleitet.
[Bearbeiten] Bekannte Schüler
- Philipp Christoph von Sötern (1567–1652), Kurfürst von Trier in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges
- Johann Nikolaus von Hontheim (1701–1790), Trierer Weihbischof und Verfasser eines papstkritischen Traktates
- Joseph von Hommer (1760–1836), erster Bischof von Trier in der Zeit nach Napoleon
- Viktor Valdenaire (1812-1881), Fabrikant, Gutsbesitzer, Abgeordneter der Preußischen Nationalversammlung und Revolutionär 1848/49, Abitur 1834
- Karl Marx (1818–1883), deutscher Philosoph, Abitur 1835
- Frederick A. Schroeder (1833-1899), deutsch-amerikanischer industrieller und Politiker,ohne Abschluss abgegangen 1848
- Michael Hermesdorff (1833-1885), Domorganist und Dommusikdirektor in Trier, Choralforscher, krankheitsbedingt abgegangen 1851
- Franz Xaver Kraus (1840-1901), deutscher Kirchenhistoriker, Abitur 1858
- Antonius Mönch (1870–1935), Trierer Weihbischof jüdischer Herkunft, Abitur 1891 [1]
- Ernst Thrasolt (1878–1945), katholischer Priester, Mitbegründer der katholischen Jugendbewegung, Abitur 1899
- Ludwig Kaas (1881–1952), katholischer Priester und Politiker der Zentrumspartei, Abitur 1900
- Peter Wust (1884–1940), Philosoph, Abitur 1907
- Oswald von Nell-Breuning (1890–1991), Jesuit, Sozialphilosoph, Abitur 1908
- Jakob Anton Ziegler (1893–1944), katholischer Priester, Abitur 1914, gestorben im KZ Dachau an den Folgen der Haft [2]
- Paul Gibbert (1898–1967), CDU-Politiker und Winzerfunktionär, Abitur 1916
- Bernhard Stein (1904–1993), Bischof von Trier, Abitur 1923
- Klaus Barbie (1913–1991), SS-Führer und verurteilter Nazi-Kriegsverbrecher, Abitur 1934
- Joseph Kardinal Höffner (1906–1987), Erzbischof von Köln und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, Abitur 1926
- Franz Mai (1911–1999), Intendant des Saarländischen Rundfunks, Abitur 1932, Träger des Scheffelpreises
- Willi Laschet (* 1920), Plakatkünstler, machte wohl nicht Abitur
- Guido Groß (* 1925), Lehrer und Heimatforscher
- Christoph Grimm (* 1943), SPD-Politiker, Abiturjahrgang nicht bekannt
- Christoph Böhr (* 1954), CDU-Politiker, Abitur 1972
- Michael Matheus (* 1953), Historiker und Direktor des Deutschen Historischen Instituts in Rom (DHI Rom)
- Michael Schmidt-Salomon (* 1967), Philosoph, Abitur 1987
- Julia Malik (* 1976), Schauspielerin (u.a. Verliebt in Berlin), Abitur 1996
[Bearbeiten] Weingut Friedrich-Wilhelm-Gymnasium
Schon 1570, kurz nach der Gründung des Collegium Trinitas, wurde die Schule von dem Trierer Erzbischof und Kurfürsten Jakob III. von Eltz zur Finanzierung ihres Betriebs mit einem großen Stiftungsvermögen ausgestattet. Dazu gehörten umfangreiche Weinanbauflächen. Die Weinberge blieben durch alle Wechselfälle der Geschichte im Besitz des Gymnasiums. Auch der Neubau des Schulgebäudes von 1961 wurde durch Erträge des Stiftungsvermögens finanziert. Im Jahr 2004 wurden die Weinberge an die Bischöflichen Weingüter in Trier verkauft. Es werden jedoch weiterhin Weine unter der Bezeichnung „Weingut Friedrich-Wilhelms-Gymnasium“ produziert und verkauft.
Die Weinberge des Weinguts Friedrich-Wilhelm-Gymnasium gehören zu den Lagen Bernkasteler Badstube, Falkensteiner Hofberg, Falkensteiner Regent, Graacher Dompropst, Graacher Himmelreich, Neumagener Rosengärtchen, Mehringer Goldkupp, Oberemmeler Rosenberg, Ockfener Scharzberg, Trittenheimer Apotheke und Zeltinger Himmelreich (alle im Weinbaugebiet Mosel). Zum weit überwiegenden Teil werden Rieslingweine produziert.
[Bearbeiten] Quellen
[Bearbeiten] Literatur
- Königliches Friedrich Wilhelms-Gymnasium zu Trier 1563 - 1913. Festschrift zur Feier des 350jährigen Jubiläums der Anstalt am 6. bis 8. Oktober 1913. Lintz, Trier 1913
- Guido Gross: „Zur Geschichte des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums“. In: Jakob Schwall (Hrsg.): 400 Jahre Friedrich-Wilhelm-Gymnasium Trier, Trier 1961, S. 7–74.

