Friedrich Stoltze

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Friedrich Stoltze

Friedrich Stoltze (* 21. November 1816 in Frankfurt am Main; † 28. März 1891 ebenda) war ein deutscher Dichter und Schriftsteller, der vor allem durch seine Gedichte in Frankfurter Mundart bekannt wurde. Außerdem war er Verleger und Herausgeber der „Frankfurter Latern“ und betätigte sich als Journalist.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Elternhaus[Bearbeiten]

Das Geburtshaus von Friedrich Stoltze, Im Rebstock 4, um 1897
(Fotografie von Carl Friedrich Fay)
Gedenktafel in der Braubachstraße

Stoltzes Vater war der Gastwirt Friedrich Christian Stoltze (1783–1833). Er stammte aus Hörla im Fürstentum Waldeck und kam 1800 nach Frankfurt am Main, wo er zunächst als Kellner im Württemberger Hof arbeitete. 1808 heiratete er die Bürgerstochter Anna Maria Rottmann (1789–1869) und erwarb das Frankfurter Bürgerrecht. Zunächst noch im Geschäft seines Schwiegervaters tätig, der das Gasthaus Zur goldenen Spitze in der Mausgasse führte, wurde er 1813 Pächter des Gasthofs Zum Rebstock zu Füßen des Domturms. Es galt als Treffpunkt liberal gesinnter Bürger. Im nordöstlichen der insgesamt sechs eigenständigen Häuser der Hofanlage am Südende der Kruggasse, dem Haus Im Rebstock 4, erblickte Friedrich Stoltze 1816 als das siebte Kind seiner Eltern das Licht der Welt. An den Abbruch seines Geburtshauses 1904 zugunsten des Baus der Braubachstraße erinnert bis heute eine Gedenktafel am früheren Hauptzollamt in ebendieser Straße.[Anm. 1]

Von Friedrichs älteren Geschwistern starben vier Brüder bereits kurz nach der Geburt, seine Schwester Sabine 1819 mit neun Jahren. Zu seiner älteren Schwester Annett (1813–1840) entwickelte er eine innige Beziehung. Daß ich zu em Dichter bin warn, hat mei Schwester zu verantworte! Ich wäsch mei Händ in Unschuld.[1] Besonders prägte ihn aber sein Großvater Friedrich Rottmann, der aus Neckarbischofsheim[2] nach Frankfurt gekommen war und sich dort zu einem Frankfurter Patrioten entwickelt hatte. In seiner Erzählung Von Frankfurts Macht und Größe setzte Friedrich Stoltze ihm ein literarisches Denkmal: Wenn aaner die größte Sticker uff sei Vatterstadt gehalte hat, so ist des mei Großvatter gewese...Un von all dene Geschichte un weise Lehre kimmt's aach her, daß ich so e gelunge Frankforter Kind warn bin un Leib un Lewe uff mei Vatterstadt halt.[3]

Stoltze erhielt eine gute Erziehung, unter anderem durch Friedrich Karl Ludwig Textor, einen Neffen Johann Wolfgang Goethes, dessen 1794 entstandenes Lustspiel Der Prorector als frühestes erhaltenes Theaterstück in Frankfurter Mundart gilt. Später schrieb Stoltze, dass er sich in der Familie zur mundartsprechenden Frankfurter Fraktion rechnete, bestehend aus seiner Mutter und ihm, während die Waldecker Fraktion, sein Vater und seine Schwester, Hochdeutsch sprachen.

Einen großen Einfluss übte auf Stoltze der aufgeklärte Pfarrer und Schulreformer Anton Kirchner aus, der ihn in der Katharinenkirche getauft hatte und ihn 1830 als Konfirmanden unterrichtete. In jenem Jahr entstanden Stoltzes Geistliche Gedichte, aber auch die ersten Naturgedichte, die unter dem Einfluss der Jugendpoesie Goethes standen.

Weniger gut verstand er sich mit dem streng pietistischen Rektor Gottfried Vömel, der zu dieser Zeit das Städtische Gymnasium leitete, welches auch Stoltze besuchte. Seine Naturgedichte tat Vömel als Abscheuliche Spinozerei ab, woraufhin sein Vater ihm alle weiteren poetischen Versuche untersagte.

Schon früh lernte Stoltze die liberalen und demokratischen Bewegungen des Vormärz kennen. Der Rebstock wurde um 1830 zur Zuflucht für Exilpolen. Miterlebte Hausdurchsuchungen und Verhaftungen prägten den jungen Friedrich Stoltze. Später schrieb er dazu: Das Gasthaus zum Rewestock stand in kääner ganz besonnere Gnad bei unsere allerhöchste republikanische Herrschafte un meim Vatter sei Name stand mit rother Dinte un hinne un vorne e blau Notabene im schwarze Bollizeibuch. Des Gasthaus zum Rewestock war nämlich ää von de Hauptkneipe der damalige Frankfurter Demagoge.[1]

Sein Vater nahm ihn 1832 zum Hambacher Fest mit, wo er Kontakt zu Ludwig Börne bekam, dessen liberale Gedanken ihn beeinflussten. Seine Schwester Annett wurde nach dem Frankfurter Wachensturm vom 3. April 1833 wegen der Teilnahme am Begräbnis eines gefallenen Aufständischen zu einer Geldbuße und wegen versuchter Gefangenenbefreiung des inhaftierten Burschenschafters Heinrich Eimer zu einer vierwöchigen Haftstrafe verurteilt, die sie jedoch erst nach der Entbindung von ihrem unehelichen Sohn Friedrich Philipp am 12. Dezember 1834 antreten musste.

Dichter und Schriftsteller[Bearbeiten]

Das bis zum Zweiten Weltkrieg auf dem Hühnermarkt stehende Stoltze-Denkmal befindet sich heute hinter der Katharinenkirche

Stoltze sollte zunächst einen kaufmännischen Beruf lernen und war 1831 zu dem Frankfurter Kaufmann Melchior in die Lehre gekommen, der sein Kontor im Haus zum rothen Männchen am Fahrtor führte. Im selben Haus wohnte Marianne von Willemer, die sein poetisches Talent förderte und ihn bewegen wollte, die ungeliebte Lehre aufzugeben. Nach dem Tod seines Vaters im November 1833 wurde Stoltze zwar frei in seinen Entscheidungen, allerdings verschlechterten sich die finanziellen Verhältnisse der Familie. Seine Mutter konnte die Gastwirtschaft und den damit verbundenen Mineralwasserhandel nur noch kurze Zeit halten. 1834 verpachtete sie den Rebstock und zog Anfang 1837 mit ihren Kindern zunächst in die Schnurgasse, später nach Bornheim.

Friedrich setzte seine unterbrochene Kaufmannsausbildung 1838 bis 1840 in Paris und Lyon fort. Sein 1838 in Lyon entstandenes Bundeslied der Deutschen in Lyon wurde von Felix Mendelssohn Bartholdy vertont. Nach seiner Rückkehr nach Frankfurt 1841 erschien sein erster Gedichtband. Der Frankfurter Kaufmann Marquard Georg Seufferheld engagierte ihn daraufhin als Hauslehrer. Seufferheld wollte das pädagogische Konzept des Kindergartens in Frankfurt einführen und schickte Stoltze deshalb für zwei Jahre zum Studium zu Friedrich Fröbel nach Bad Blankenburg und Keilhau, 1844 an die Universität Jena.

Aus seinem 1837 begonnenen Liebesverhältnis mit der Frankfurter Bürgerstochter Maria Christina Retting (1816–1843) entstammte sein 1842 in Mainz unehelich geborener Sohn Carl Adolph Retting. Das Kind wurde heimlich geboren und wuchs bei Pflegeeltern in Enkheim auf, weil Christinas Vater die Verbindung mit dem demokratisch gesinnten Dichter strikt ablehnte. Maria Christina Retting, die er schwärmerisch Lyda nannte, starb am 21. August 1843 in Frankfurt, während Stoltze in Blankenburg war. Wie bleich sind nun die Sterne, Wie meine Augen trüb'! Es ist in weiter Ferne Gestorben mir mein Lieb schrieb Stoltze. Nach dem Tod seiner Mutter kam Carl Adolph zu seiner Großmutter Anna Maria Rottmann in Pflege. Erst 1864, nachdem die bürgerliche Existenz seines Vaters gesichert war, konnte Carl Adolph Retting den Namen seines Vaters annehmen. Unter dem Namen Adolf Stoltze wurde er ein bekannter Theaterdichter.

Nach seiner Rückkehr nach Frankfurt 1845 wurde Stoltze zeitweise Vorleser des Frankfurter Bankiers Amschel Mayer von Rothschild. Als Gelegenheitsdichter für die gehobene Frankfurter Gesellschaft hatte er Zugang zu einflussreichen Kreisen, der ihn in der Öffentlichkeit bekannt machte und ihm Einnahmen verschaffte, unter anderem als Theaterlibrettist. 1845 lernte er im Katholischen Montagskränzchen, einem deutschkatholischen Zirkel, die Steindeckertochter Marie Messenzehl (* 23. Juni 1826, † 4. August 1884) kennen, die er Mary nannte. Das katholische Mädchen und der nach eigener Wahrnehmung lutherische Dickschädel verstießen unbekümmert gegen jegliche Konvention. Am 31. August 1846 wurde ihr unehelicher Sohn Friedrich Richard geboren, der allerdings noch im selben Jahr verstarb. Am 16. April 1848 kam der zweite Sohn Heinrich zur Welt. Am 15. November 1848 erwarb er das Frankfurter Bürgerrecht, das ein bestimmtes Vermögen voraussetzte.

Als das Paar am 10. April 1849 in der Katharinenkirche heiratete, war Mary zum dritten Mal schwanger. Die Trauung war die erste mit dem Segen der evangelischen Kirche geschlossene Mischehe in Frankfurt. Stoltze schrieb dazu später spöttisch: Ein Pfarrer hat uns zwar getraut, Doch luth'risch-diabolisch, Und Gott war nicht davon erbaut, Denn Gott ist streng katholisch. Und was mich ganz besonders beugt, Denn es verdiente Hiebe: Die Kinder all, die wir erzeugt, Sind Kinder, ach, der Liebe! Bis 1861 bekam das Paar 11 Kinder, von denen vier als Kleinkinder starben.

An der Deutschen Revolution 1848 und der Frankfurter Nationalversammlung nahm er lebhaften Anteil. Am 18. September 1848 kam es zu den Septemberunruhen, bei denen die Abgeordneten Felix von Lichnowsky und Hans von Auerswald vor dem Friedberger Tor von Aufständischen ermordet wurden. Nach schweren Barrikadenkämpfen wurde der Ausnahmezustand verhängt. Einen Tag später verhaftete ein Wachposten an der Konstablerwache Stoltze und den ihn begleitenden Komponisten Heinrich Neeb. Die beiden hatten sich wegen ihrer Turnerhüte verdächtig gemacht. Erst nach einem polizeilichen Verhör kamen die beiden wieder auf freien Fuß.

Das Scheitern der Reichsverfassung und der Kaiserdeputation im April 1849 wurde für Stoltze zu einer schweren Enttäuschung. Nach dem Ausbruch des Aufstandes in der Pfalz folgte er seinem Freund und späteren Partner Ernst Schalck, um als Kriegsberichterstatter von dort zu berichten. Im Sommer 1849 kehrte er nach Frankfurt zurück. Sein Plan, eine eigene Zeitung zu gründen, ließ sich jedoch zunächst nicht verwirklichen, und auch die Herausgabe seiner inzwischen zahlreichen Gedichte verzögerte sich. Als Nikolaus Hadermann im Dezember 1849 das Volksblatt für Rhein und Main gründete, wurde Stoltze bald ein eifriger Mitarbeiter. Ende 1850 bereitete er zusammen mit dem Verleger Karl Knatz die Herausgabe eines Frankfurter Sonntagsblattes vor, von dem jedoch nur eine einzige Nummer (am 1. Januar 1851) erschien.

Da der restaurative Zeitgeist den Aufbau einer politischen Zeitung behinderte, verlegte sich Stoltze auf seine humoristischen und mundartlichen Fähigkeiten. In der Fastnachtszeit 1852, am 3. Februar, veröffentlichte er die erste Ausgabe seiner Frankfurter Krebbel- und Warme Broedscher Zeitung. Gleich am ersten Tag wurden 10.000 Exemplare verkauft, das Stück zu 12 Kreuzer.

Bis 1879 erschienen in unregelmäßigen Abständen insgesamt 44 Nummern, hauptsächlich mit Glossen zum Zeitgeschehen in der Freien Stadt Frankfurt und in Deutschland. Die Frankfurter Behörden zeigten sich dabei tolerant, nicht aber die Frankfurter Nachbarstaaten Hessen und Kurhessen, in denen er bald steckbrieflich gesucht wurde, so dass er nur innerhalb der Grenzen der Freien Stadt Frankfurt sicher war. 1859 entging er bei einem Kuraufenthalt im nassauischen Königstein im Taunus nur knapp der Verhaftung, da zwischen Nassau und Hessen ein Auslieferungsabkommen bestand. In seiner Erzählung Die Flucht von Königstein beschrieb er diesen Vorfall.

Die Frankfurter Latern[Bearbeiten]

Familiengrabstätte von Friedrich Stoltze auf dem Hauptfriedhof Frankfurt am Main, Gewann J 306

1860 gründete er nach dem Vorbild des Berliner Kladderadatsch die freiheitlich-demokratisch orientierte Wochenzeitung Frankfurter Latern. In seinen satirischen Texten, die von Schalck, Albert Hendschel und zeitweise auch von Wilhelm Busch illustriert wurden, nahm er das aktuelle Geschehen aufs Korn und verschonte auch hochgestellte Persönlichkeiten nicht. Typisch für die Latern waren die Hampelmanniaden, Geschichten um den typischen Frankfurter Kleinbürger Hampelmann, und die Dialoge zwischen Millerche und dem Berjerkapitän. Alle diese Figuren waren den Lustspielen von Carl Malß entnommen.

Die Latern erreichte bald hohe Auflagen, wurde aber außerhalb Frankfurts wegen ihrer häufig antipreußischen Haltung von der Zensur verfolgt. Nach der preußischen Annexion der Stadt wurde am 21. Juli 1866 das Redaktionsbüro besetzt und Stoltze musste aus dem besetzten Frankfurt fliehen. Nach Aufenthalten in der Schweiz und Stuttgart kam er nach einer Amnestie wieder in seine Heimatstadt zurück und nahm bereits am 1. Januar 1867 die Arbeit mit seiner neuen Zeitung „Der wahre Jacob“ wieder auf. Sein bereits aus der „Latern“ bekannte (fiktive) Personal behielt er bei: Herrn Hampelmann, Millerche und Bejerkcapitän legt Stoltze die kritischen Texte in den Mund. Ab 30. Juli erschien „Der wahre Jacob” mit dem Untertitel Ridentem dicere verum (Lächelnd die Wahrheit sagen), doch konnten innerhalb fünf Jahren nur 32 Ausgaben die preußische Zensur passieren. Unterstützung erfuhr Stoltze von den preußenkritischen Bürgern Frankfurts, die vorher bereits die „Frankfurter Latern“ abonniert hatten und nun den „Wahren Jacob“ kauften. Ab 1. Januar 1872 konnte „Die Frankfurter Latern” wieder regelmäßig - und bis zu Stoltzes Tod - erscheinen.

Stoltzes Grab befindet sich auf dem Frankfurter Hauptfriedhof. N 50° 08' 02.8" E 008° 41' 26.6"

Die Familie[Bearbeiten]

Sein unehelicher Sohn Carl Adolph aus der Verbindung mit Christine Retting wuchs nach dem Tod der Mutter bei seiner Großmutter Anna Maria Stoltze auf. Erst mit 22 Jahren konnte er 1864 den Namen seines Vaters annehmen; unter dem Namen Adolf Stoltze wurde er ein berühmter Bühnendichter in seiner Vaterstadt. Unter anderem schuf er den Schwank Alt-Frankfurt, in dem er der Gesellschaft der Freien Stadt ein Denkmal setzte. Er starb hochbetagt am 19. April 1933 in Frankfurt.

Aus Friedrich Stoltzes Ehe mit Mary Messenzehl entstammten folgende Kinder:

  • Friedrich Richard (* 31. August 1846, † 6. November 1846)
  • Heinrich (* 16. April 1848, † 6. September 1872 in Scott City, Missouri). Heinrich wanderte 1868 nach Amerika aus. Er arbeitete zunächst auf einer Farm in der Nähe von Cleveland, zog dann als Gelegenheitsarbeiter über 150 Meilen zu Fuß nach St. Louis. Dort pachtete er 1871 eine 80 Acres große Farm von Lisette Dick, mit deren Nichte er sich verlobte. Er wollte dort Zuckerrohr anbauen und Hühner züchten, starb aber bald schon bald darauf an einem Lungenleiden.
  • Christian Ernst, * 24. Mai 1849, † 23. November 1849. Friedrich Stoltze schrieb: Hätt'st bei uns bleiben sollen, uns Glück und Trost zu sein, hast aber werden wollen ein liebes Engelein.
  • Lyda (* 20. Juli 1850, † 27. Januar 1930). Die älteste Tochter war nach dem Kosenamen von Stoltzes erster Geliebter benannt. Sie hatte, wie ihre jüngeren Schwestern, eine sehr enge Beziehung zu ihrem Vater und blieb zeitlebens unverheiratet. Lyda wurde Lehrerin in Lüttich und später Privatlehrerin bei der Familie Guaita.
  • Christian (* 1851, † 24. Dezember 1854)
  • Ferdinand (* 14. Oktober 1853, † Dezember 1853)
  • Laura (* 28. Mai 1855, † 5. September 1945). Die zweite Tochter war möglicherweise nach Laura Sigismund benannt, mit der Stoltze nach dem Tod seiner Geliebten und vor der Rückkehr nach Frankfurt eine kurze Beziehung unterhielt. Gemeinsam mit ihrer Schwester Molly sichtete und ordnete Laura den Nachlass ihres Vaters Friedrich Stoltze und überlieferte ihn der Frankfurter Stadtbibliothek und dem Historischen Museum.
  • Molly (* 1856, † 10. Januar 1910). Als einzige Tochter verheiratete sie sich, und zwar 1886 mit dem Franz Schreiber (1850–1901), der als Redakteur für die Frankfurter Latern und für die Kleine Presse arbeitete. Ihre Söhne Friedrich und Eduard waren Stoltzes einzige Enkel aus der Ehe mit Mary, es gab jedoch weitere, die Kinder seines o.a. außerehelichen Sohnes Adolf Stoltze.
  • Alice (* 24. Januar 1858, † 1926)
  • Hermann (* 17. Januar 1860 in Königstein im Taunus, † 1899 in Tübingen) wurde kurz vor Stoltzes überstürzter Flucht aus Königstein geboren. Er entwickelte sich zum Sorgenkind unter Stoltzes Söhnen, der ihm seine Unzuverlässigkeit vorhielt. Er neigte zum Alkoholismus und brach mehrere Lehren ab, bis er schließlich eine Ausbildung als Landschaftsgärtner in Hanau abschloss. 1883 zog er nach London, um sich dort selbständig zu machen. Später besserte sich das Verhältnis zum Vater wieder, zumal sich auch bei Hermann der berufliche Erfolg einstellte. Er starb als Obergärtner in Tübingen.
  • Friedrich (* 6. Juni 1861, † 16. März 1880 in Fluntern, Zürich). Friedrich war Stoltzes Lieblingssohn. Er besuchte die Musterschule in Frankfurt und studierte Mathematik in Karlsruhe und Zürich. Er galt als außerordentlich begabt, starb aber schon kurz nach dem Beginn seines Studiums an Typhus. Sein Tod traf den Vater schwer. Er schrieb zwei Monate später: Nicht alle sind tot, deren Hügel sich hebt! Wir lieben, und was wir geliebet, das lebt. Das lebt, bis uns selber das Leben zerrinnt. Nicht alle sind tot, die begraben sind. Diese Worte stehen auch auf Stoltzes Grabstein auf dem Frankfurter Hauptfriedhof eingemeißelt.

Wohnungen[Bearbeiten]

Die Familie Stoltze bewohnte im Laufe der Zeit zahlreiche Wohnungen in Frankfurt. Nach dem Wegzug aus dem Rebstock wohnte er mit seiner verwitweten Mutter zunächst in der Schnurgasse, später in Bornheim und in der Schäfergasse. Nach seiner Rückkehr aus Thüringen nahm er sich zunächst eine Dachwohnung in der Tollgasse (heute Börsenstraße), dann in der Großen Friedberger Straße.

Nach der Hochzeit mit Mary Messenzehl wohnte die Familie in der Große Bockenheimer Straße, später in der Papageigasse und in der Klostergasse, wo 1852 die erste Krebbelzeitung erschien. In den 1850er Jahren zog die Familie hinaus in den damals noch ländlichen Röderbergweg, später wohnte sie wieder in der Stadt: Am Schaumainkai, im Bornwiesenweg, an der Pfingstweide und im Sandweg.

Nach seiner Rückkehr aus dem Exil 1866 fand er für ein JahrUnterkunft im Zickwolffschen Landhaus auf dem Mühlberg, das ihm der Frankfurter Bankier Heinrich Bernhard Rosenthal zur Verfügung stellte. Schon ein Jahr später zog er in den Bäckerweg, 1869 in die Unterlindau 10 und schließlich 1873 auf Vermittlung des Barons Rothschild in das Stoltzehäuschen im Grüneburgweg 128. Das klassizistische Gartenhaus der Rothschilds wurde 1930 für den Bau des I.G.-Farben-Hauses abgerissen.

Frankfurt-Gedicht[Bearbeiten]

Sein bekanntestes Gedicht Frankfurt erschien 1880[4], um die Besucher des fünften Deutschen Turnfestes in Frankfurt zu begrüßen. Es ist ein Loblied auf die Vaterstadt, das gerade wegen seines unverkennbar ironischen Untertons bis heute das beliebteste Frankfurt-Gedicht geblieben ist. Vor allem seine Anfangszeilen werden häufig zitiert:

„Es is kaa Stadt uff der weite Welt,
die so merr wie mei Frankfort gefällt,
un es will merr net in mein Kopp enei:
wie kann nor e Mensch net von Frankfort sei!“

Preise und Auszeichnungen nach Stoltze[Bearbeiten]

  • Seit 1985 verleiht die Vereinigung Frankfurter Latern, die an Stoltzes gleichnamiges Hauptwerk erinnert, den Laternenpreis an Persönlichkeiten, die sich in der Tradition des Frankfurter Mundartautors, Journalisten und Satirikers Friedrich Stoltze auf ganz unterschiedliche Weise verdient gemacht haben. Unter anderem wurden der Regisseur Wolfgang Kaus und der Schauspieler Hans Zürn geehrt, die „die Arbeit der Stoltze-Vereinigung unterstützt und akustisch ergänzt haben. Mit Ihren Stoltze-Programmen und Revuen haben Sie Stoltzes Werke hörbar gemacht und vom Staub zwischen zwei Buchdeckeln befreit.“
  • Das Frankfurter Mundart-Rezitations-Theater REZI*BABBEL mit dem Rezitator Mario Gesiarz bietet ein umfangreiches Repertoire von unterschiedlichen Programmen und Texten sowohl des Humoristen, als auch des herausragenden politischen Satirikers F. Stoltze.
  • Der Frankfurter Bürger Johannes Lueg stiftete den Friedrich Stoltze Preis, der seit 1978 alle zwei Jahre von der Stadt Frankfurt an Personen verliehen wird, die sich um das kulturelle Erbe der Stadt besonders verdient machten. Unter den Preisträgern des Stoltze-Preises waren bisher unter anderem Liesel Christ, Lia Wöhr, Johann Philipp von Bethmann, Jutta W. Thomasius und Robert Gernhardt.

Museum[Bearbeiten]

Stoltze-Museum

Im Stoltze-Museum der Frankfurter Sparkasse in Frankfurt am Main (Töngesgasse 34–36) finden sich Bilddokumente, Texte und Möbel aus seinem Nachlass und dem seines Sohnes Adolf Stoltze.

  • Im Jahre 2010 wurde anlässlich des 150. Jahrestages der Latern im Museum eine Ausstellung mit dem Titel Und sie brennt doch! gezeigt.
  • Es folgte im gleichen Jahr eine Ausstellung über die beiden letzten Jahre der Frankfurter Latern, bevor sie am 25. März 1893 eingestellt wurde.
  • 2013 folgte eine Ausstellung über Heinrich Keller (1816–1884), den Frankfurter Verleger Stoltzes.[5]

Literatur[Bearbeiten]

Zu Lebzeiten erschienene Werkausgaben[Bearbeiten]

  • Gedichte in hochdeutscher Mundart, Verlag Heinrich Keller, Frankfurt am Main 1862
  • Gedichte in Frankfurter Mundart in zwei Bänden, Verlag Heinrich Keller, Frankfurt am Main 1865/1871
  • Gedichte in Frankfurter und hochdeutscher Mundart, Verlag Heinrich Keller, Frankfurt am Main 1871
  • Novellen und Erzählungen in Frankfurter Mundart, (Zwei Bände), Verlag Heinrich Keller, Frankfurt am Main 1880/1885

Spätere Ausgaben[Bearbeiten]

  • Gesammelte Werke, 5 Bände, Verlag Heinrich Keller, Frankfurt am Main 1892ff.
  • Vermischte Schriften, Verlag Heinrich Keller, Frankfurt am Main 1896
  • Fritz Grebenstein (Hrsg.): Friedrich Stoltze, Werke in Frankfurter Mundart, Verlag Waldemar Kramer, Frankfurt am Main, 4. Auflage 1990, ISBN 3-7829-0394-3.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wikisource: Friedrich Stoltze – Quellen und Volltexte
 Commons: Friedrich Stoltze – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. a b Friedrich Stoltze, Der rothe Schornsteinfeger
  2. Hessische Familienkunde, Band 25, Heft 6, Sp. 379. Nach Proelß stammte Rottmann aus Neckarsteinach, nach Grebenstein aus Neckargemünd.
  3. Friedrich Stoltze, Werke in Frankfurter Mundart, Verlag Waldemar Kramer, Frankfurt am Main 1961
  4. Vollständiger Text bei Wikisource
  5. Die Gedanken sind frei, brauchen aber auch einen Verleger in FAZ vom 9. April 2013, Seite 38
  1. Das Schild ist dahingehend ungenau, als es eines Hauses mit der alten Litera-Bezeichnung L87 gedenkt, das es so nicht gab. Tatsächlich gab es nur die Häuser L87a und L87b, entsprechend Im Rebstock 4 und (dem diagonal gegenüberliegenden) Im Rebstock 5; vgl. hierzu: Friedrich Krug: Die Hausnummern zu Frankfurt am Main, in einer vergleichenden Uebersicht der neuen mit den alten, und umgekehrt, zusammgestellt. Georg Friedrich Krug's Verlags-Buchhandlung, Frankfurt am Main 1850, S. 135.