Hans Pischner

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Hans Pischner begrüßt Franz Konwitschny 1961 auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld.

Hans Pischner (* 20. Februar 1914 in Breslau) ist ein deutscher Cembalist und Musikwissenschaftler.

Biographie[Bearbeiten]

Hans Pischner war der Sohn eines Breslauer Klavierstimmers. Er studierte Klavier bei Bronisław von Poźniak und Cembalo bei Gertrud Wertheim, sowie Musikwissenschaft an der Schlesischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Breslau. Von 1933 bis 1939 war er als Musiklehrer und Konzertsolist tätig. Nach dem Kriegsdienst und sowjetischer Gefangenschaft unterrichtete er ab 1946 an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar, deren stellvertretender Direktor er 1947 wurde. 1948 ernannte man ihn zum Professor. Von 1950 bis 1954 hatte Pischner die Funktion des Leiters der Hauptabteilung Musik im Staatlichen Komitee für Rundfunk der DDR. Danach ging er ins Ministerium für Kultur, zunächst von 1954 bis 1956 als Leiter der Hauptabteilung Musik und von 1956 bis 1963 als stellvertretender Minister für Kultur unter Johannes R. Becher, Alexander Abusch bzw. Hans Bentzien. Von 1963 bis 1984 war Hans Pischner Intendant der Staatsoper Unter den Linden in Berlin. Von 1970 bis 1978 war er Vizepräsident der Akademie der Künste der DDR. In den Jahren 1977 bis 1990 leitete er als Präsident den Kulturbund der DDR. Außerdem war er von 1975 bis 1990 Vorsitzender der gesamtdeutschen Neuen Bachgesellschaft, Sitz Leipzig. Mitglied des ZK der SED war er von 1981 bis 1989. Hans Pischner hat es immer verstanden, neben seinen beruflichen Aufgaben auch Zeit für das Cembalo zu finden, öffentlich zu konzertieren und zahlreiche Schallplattenaufnahmen einzuspielen. Von 1995 bis 2008 war er Ehrenpräsident der Internationalen Gesellschaft zur Förderung junger Bühnenkünstler „BühnenReif“ (ISSA) und Gründungsmitglied des Kuratoriums der Elblandfestspiele Wittenberge (D / Land Brandenburg). 2007 wurde er zum ersten Ehrenmitglied der Europäischen Kulturwerkstatt (EKW) mit Sitz in Berlin/Wien berufen. Im Dezember 2011 wurde er zum Ehrenmitglied des Richard-Wagner-Verbandes Berlin-Brandenburg ernannt.[1]

Bedeutung[Bearbeiten]

Hans Pischner gehört zu den bedeutenden Persönlichkeiten im deutschen Musikleben. Sowohl als Leiter staatlicher Einrichtungen wie auch als ausübender Künstler hat er sich einen Namen gemacht, der international geachtet ist. Als Intendant der Staatsoper Unter den Linden Berlin erreichte er trotz vieler Risiken und kulturpolitischer Widerstände, dass sein Haus mit dem anspruchsvollen Spielplan und dem außerordentlich homogenen Ensemble weltweites Ansehen gewann. Die Staatskapelle entwickelte sich wieder zu einem der führenden europäischen Orchester. Pischner hat es verstanden, damals aufstrebende Solisten wie etwa Peter Schreier, Theo Adam, Anna Tomowa-Sintow oder Siegfried Vogel zu internationalen Opernstars zu machen, die über Jahrzehnte erfolgreich waren. Die Uraufführungen der Opern „Einstein“, „Leonce und Lena“ und „Lancelot“ von Paul Dessau setzte Hans Pischner entgegen zahlreichen Widerständen aus dem Partei- und Staatsapparat durch, und unter der Regie von Ruth Berghaus, der Ehefrau Dessaus, wurden sie zu Glanzpunkten im Musikleben. Als geschickter Diplomat und erfahrener Musikexperte hatte er die Fähigkeit, manche Doktrin zu entkräften und die häufigen Animositäten von Kulturfunktionären gegenüber westlichen Einflüssen zu widerlegen. Hans Pischner hatte den Österreicher Otmar Suitner als Generalmusikdirektor an sein Haus geholt, einen Dirigenten von außerordentlichem Format, erfahren auf dem internationalen Parkett und ausgestattet mit soliden handwerklichen Fähigkeiten. Auch die Verpflichtung von Erhard Fischer als Chefregisseur der Staatsoper erwies sich als weitsichtig, da dieser einen gemäßigten Gegenpol zum Musiktheaterstil der Komischen Oper Berlin vertrat und dennoch als ehemaliger Mitstreiter von Regisseuren wie Joachim Herz mit gewandtem Regiehandwerk sowohl Klassiker als auch Uraufführungen der Pischner-Zeit zum Erfolg brachte. Als Cembalist ist Pischner seit Jahrzehnten in allen Konzertsälen der Welt ein gern gesehener Gast. Sein virtuoses Spiel ist auf zahlreichen Schallplatten dokumentiert, so unter anderem gemeinsam mit seinem Freund David Oistrach. Sein Hauptinteresse galt stets den Werken Johann Sebastian Bachs und Georg Friedrich Händels, aber auch dem zeitgenössischen Schaffen.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten]

  • Musik und Revolution, 1948
  • Streiter für eine nationale deutsche Musik, 1953
  • Musik in China, 1955
  • Die Harmonielehre Jean Philipp Rameaus, 1963
  • Premieren eines Lebens, Autobiographie, 1986
  • Tasten, Taten, Träume. Musik und Politik zwischen Utopie und Realität. Autobiographie. Henschel Verlag 2006. ISBN 3-89487-538-0

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.wagnerverband-berlin.de/ehrenmit.htm

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hans Pischner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorgänger Amt Nachfolger
Max Burghardt Präsident des Kulturbundes der DDR
1977–1990
---