Heiligenberg (Bodenseekreis)

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Wappen Deutschlandkarte
Die Gemeinde Heiligenberg (Bodenseekreis) führt kein Wappen
Heiligenberg (Bodenseekreis)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Heiligenberg (Bodenseekreis) hervorgehoben
47.8208333333339.3125726Koordinaten: 47° 49′ N, 9° 19′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Tübingen
Landkreis: Bodenseekreis
Höhe: 726 m ü. NHN
Fläche: 40,77 km²
Einwohner: 2925 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 72 Einwohner je km²
Postleitzahl: 88633
Vorwahl: 07554
Kfz-Kennzeichen: FN
Gemeindeschlüssel: 08 4 35 020
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Schulstraße 5
88633 Heiligenberg (Bodenseekreis)
Webpräsenz: www.heiligenberg.de
Bürgermeister: Frank Amann
Lage der Gemeinde Heiligenberg im Bodenseekreis
Bodensee Österreich Schweiz Bayern Bermatingen Daisendorf Deggenhausertal Eriskirch Frickingen Friedrichshafen Hagnau am Bodensee Heiligenberg (Bodenseekreis) Immenstaad am Bodensee Kressbronn am Bodensee Langenargen Markdorf Meckenbeuren Meersburg Neukirch (Bodenseekreis) Oberteuringen Owingen Salem (Baden) Sipplingen Stetten (Bodenseekreis) Tettnang Überlingen Überlingen Uhldingen-Mühlhofen Landkreis Konstanz Landkreis Konstanz Landkreis Ravensburg Landkreis SigmaringenKarte
Über dieses Bild

Heiligenberg ist eine Gemeinde im Bodensee-Hinterland, etwa vier Kilometer nördlich von Salem im Bodenseekreis in Baden-Württemberg.

Lage und Klima[Bearbeiten]

Heiligenberg liegt im oberen Linzgau und befindet sich direkt an einer eiszeitlichen Moränenkante, welche den um bis zu 400 Meter höhergelegenen oberen zum unteren Linzgau abgrenzt. Aufgrund seiner Lage bietet Heiligenberg dem Besucher einen außergewöhnlichen Panoramablick auf den Bodensee und die Alpen und gilt daher auch als „Aussichtsterrasse des Bodensees“.

Bedingt durch die Höhe, welche im Gemeindegebiet zwischen 700 und über 800 Metern ü. NN. liegt, herrscht hier bereits Mittelgebirgsklima, welches einen markanten Kontrast zum milden Bodenseeklima des unteren Linzgaus darstellt. Im Sommer gibt es daher im Gegensatz zum Bodenseegebiet weniger schwüle Tage und im Winter sind hier die Schneemengen deutlich höher, weshalb in Heiligenberg und Umgebung auch Wintersport betrieben werden kann.

Durch heilklimatische Bedingungen ist Heiligenberg ein staatlich anerkannter Luftkurort.

Ortsgliederung[Bearbeiten]

Es existieren die Ortsteile Betenbrunn, Echbeck, Röhrenbach, Oberrehna, Unterrehna, Wintersulgen, Hattenweiler sowie Steigen.

Geschichte[Bearbeiten]

Auf Teilen des Gemeindegebietes wurden Besiedelungsspuren aus der Steinzeit gefunden. Christianisiert wurde das Dorf um 600 durch St. Gallus. Es ist unklar, ob der Name Heiligenberg aus dieser Zeit stammt oder schon in vorchristlicher Zeit eine lokale Kultstätte bezeichnete.

Im Jahre 1083 wurde der Ort als Mons Sanctus erstmals urkundlich erwähnt. Im 13. Jahrhundert errichteten die Linzgauer Landgrafen hier eine Burg, die dann Sitz der Grafen von Heiligenberg bzw. Werdenberg-Heiligenberg war. Diese ging 1535 in den Besitz des Fürstenhauses Fürstenberg über und wurde zum prachtvollen Schloss Heiligenberg umgebaut. Es ist bis heute im Besitz dieser Adelsfamilie. Des Weiteren befindet sich auf Heiligenberger Gemarkung der Burgrest Alt-Heiligenberg.

Während des Zweiten Weltkriegs stürzte am 18. März 1944 beim „Winkelhof“ von Betenbrunn[2] ein Consolidated B-24-Bomber („Liberator“) der USAAF ab, nachdem er in Friedrichshafen getroffen worden war.[3][4] Vier Mann der zehnköpfigen Besatzung konnten sich durch Fallschirmabsprünge retten.[5]
Die heutige Gemeinde wurde am 1. Januar 1975 durch Vereinigung der Gemeinden Hattenweiler, Heiligenberg und Wintersulgen neu gebildet.
Heiligenberg ist Sommersitz des Fürsten zu Fürstenberg.[6]

Politik[Bearbeiten]

Heiligenberg hat sich mit den Gemeinden Salem und Frickingen zu einem Gemeindeverwaltungsverband zusammengeschlossen.

Gemeinderat[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 7. Juni 2009 führte zu folgendem Ergebnis (in Klammern die Differenz zur vorigen Wahl 2004):[7]

Bürgerliste 51,5 % (–1,5) 6 Sitze (–1)
CDU 48,5 % (+1,5) 6 Sitze (–1)

Wappen[Bearbeiten]

Wappen der Altgemeinde Heiligenberg

Die Gemeinde verfügt über kein amtliches Wappen. Die Neuverleihung eines Wappens, das nach dem Wunsch der Gemeinde Elemente der Wappen aller Altgemeinden als Oberwappen enthalten sollte, wurde vom zuständigen Hauptstaatsarchiv Stuttgart nicht genehmigt, da Gemeindewappen üblicherweise keine derartigen Oberwappen (wie sie etwa im Großen Landeswappen Baden-Württembergs enthalten sind) aufweisen.

Die Gemeinde verwendet daher das Wappen der „Altgemeinde“ Heiligenberg vor der Gebietsreform, das auf dem Wappen der Grafen von Heiligenberg basiert. Blasonierung: In Silber ein schwarzer Stufenschrägbalken (auch Heiligenberger Stiege genannt). Dieses Wappen wird – außergewöhnlich für ein Kommunalwappen – mit Helm und Helmzier verwendet: Auf dem Spangenhelm mit rot-goldenen Decken ein rot bezungter goldener Brackenrumpf.

In den Dienstsiegeln der Gemeinde wird das Wappen des Landes Baden-Württemberg geführt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Die Gemeinde ist mit Buslinien u. a. mit Frickingen, Salem und Überlingen verbunden und gehört dem Bodensee-Oberschwaben Verkehrsverbund (bodo) an.

Heiligenberg besitzt einen Segelflugplatz, den die Fluggemeinschaft Heiligenberg betreut und den Mitglieder der Markdorfer Segelflieger mitbenutzen.[8]

In der Heiligenberger Ortsmitte endet die vierte und beginnt die fünfte Etappe des Jubiläumswegs, ein 111 Kilometer langer Wanderweg, der 1998 zum 25-jährigen Bestehen des Bodenseekreises ausgeschildert wurde. Er führt über sechs Etappen durch das Hinterland des Bodensees von Kressbronn über Neukirch, Meckenbeuren, Markdorf, Heiligenberg und Owingen nach Überlingen.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Das ortsansässige mittelständische produzierende, handwerkliche und Dienstleistungsgewerbe stellt rund 610 Arbeitsplätze. Eine besondere Rolle spielt der Tourismus. Heiligenberg ist staatlich anerkannter Luftkurort.

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

Heiligenberg verfügt über eine eigene Grundschule im Ortsteil Wintersulgen.

Friedhöfe[Bearbeiten]

  • Neben einem regulären Friedhof gibt es in Heiligenberg seit Sommer 2007 einen Friedwald, in dem Naturbestattungen möglich sind.[6]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Klause Egg
Schweizerhaus

Heiligenberg liegt an der Westroute der Oberschwäbischen Barockstraße.

Bauwerke[Bearbeiten]

  • Das Schloss Heiligenberg mit großem Renaissance-Rittersaal, Schlosskapelle und Gruft können besichtigt werden.
  • Das Schweizerhaus ist eine herrschaftliche Sennerei, in der bis zum 20. Jahrhundert Milchwirtschaft betrieben wurde.
  • Die barocke Klause Egg wurde 1256 als Einsiedelei gegründet, 1971 zogen Trappistinnen ein, zwei von ihnen bewohnen die Klause heute noch.[9] Die Jakobsleiter oberhalb der Klause Egg befindet sich etwa einen Kilometer östlich des Schlosses und ist Bestandteil eines Wander- und Spazierweges. Die Leiter besteht aus rund 140 Holzstufen. Sie führt in der Nähe der Klause Egg in den Wald hinauf. In der Klause soll 1361 ein Jacob Löcher gewohnt haben, der die Leiter vermutlich angelegt hat, um die oberen Felder zu bewirtschaften.[10]
  • Die Kapelle St. Wendelin und die Klause St. Benedikt auf den Resten der Burg Ramsberg liegen auf der Gemarkung Hattenweiler, sind aber traditionell stärker mit Großschönach verbunden.
  • Burgstall Leonegg bei Hattenweiler-Katzensteig.

Naturdenkmäler[Bearbeiten]

  • Die rund 130 bis 140 Jahre alte markante Hängebuche in der ehemaligen Kastanienallee beim Schlossvorhof musste Anfang 2009 gefällt werden. Ein vom Haus Fürstenberg und der Fürstlich Fürstenbergischen Forstverwaltung in Auftrag gegebenes Gutachten hatte ergeben, dass der Stamm bis zu 80 Prozent vom Brandkrustenpilz befallen und die Standsicherheit des Baumes nicht mehr gewährleistet war. Nach der Fällung konnte man einen kohlschwarzen, bandförmigen Überzug an der Rinde erkennen, der sich bis ins Stamminnere fortsetze. Er sei ein Zeichen dafür, dass der Baum nicht zu retten war.[11]
  • Die Gerichtslinde ist eine rund 800 Jahre alte Linde auf dem historischen Postplatz. Daneben wurde 1914 der Fürstenbrunnen mit seinen Bronzefiguren aufgestellt. Der Platz ist jährlicher Standort für das „Heiligenberger Lindenfest“.[12]
  • Die Freundschaftshöhle ist eine natürliche Höhle unterhalb des Augustplatz im sogenannten Nagelfluh, einem eiszeitlichen Ablagerungsmaterial, das man vielerorts im Linzgau findet. Wann die Bezeichnung „Freundschaftshöhle“ aufkam, ist nicht bekannt. Vermutlich diente die Freundschaftshöhle seit langer Zeit als Wohnplatz, wie zum Beispiel auch die Höhlen bei Überlingen-Goldbach („Heidenhöhlen“). Belegt ist, dass 1688 bereits eine Art Häuschen in den Felsen gebaut war. Bis 1785 lebte dort der letzte „Hüllelema“ (Höhlenmensch), ein Tagelöhner aus Leustetten mit Namen Hans Georg Sauter, der bei den Fürsten zu Fürstenberg im Dienst stand. Der Kamin ist heute noch zu sehen. Wegen des schlechten Zustands der Wohnung baute er sich dann etwas weiter außerhalb der Höhle eine kleine Hütte.[13]

Sport[Bearbeiten]

Die Gemeinde Heiligenberg bietet mit rund 50 Schneetagen[14] im Winter auf Langlauf- und Abfahrtspisten Gelegenheit für verschiedene Wintersportaktivitäten. So befindet sich in Wintersulgen der Haldenlift mit Flutlicht und der Betenbrunner Lift beim Winkelhof (Betenbrunn). Der Haldenlift wurde in der Saison 1969/70 in Betrieb genommen.[15] Er verfügt über zwei parallel verlaufende Ein-Mann-Schlepplifte mit je 300 Meter Länge.[16] Der Betenbrunner Lift, heute ein Bügellift, wurde vor rund 50 Jahren eröffnet.[15] Betreiber sind jeweils die Grundstückseigentümer.[15] Ebenso befindet sich im so genannten Rankental ein Schlittenhang.[14] Zudem gibt es rund um Heiligenberg ein Loipennetz. Neben zwei klassischen Loipen und zwei Skatingspuren besteht die Möglichkeit eines 500 Meter langen Flutlichtlanglaufs (Klassisch/ Skating) auf den Sportplätzen in Richtung Betenbrunn. Die Rundstrecken führen über eine Länge von vier (Betenbrunner-Loipe) und zehn Kilometern (Heiligenberger-Loipe). Die Einstiege in die Loipen befinden sich beim Rathaus und an den Sportplätzen sowie in Unterbetenbrunn.[17] Weiter ist auch eine Schleife mit einer Länge von einem Kilometer im Bereich der Amalienhöhe präpariert. Die Skiinteressengemeinschaft Salem-Heiligenberg-Pfullendorf (gegründet 1980) unterstützt die Gemeinde darin, die Loipen zu präparieren.[14]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Maria Mathi (* 1889 in Hadamar † 1961 in Heiligenberg), Schriftstellerin. Lebte und arbeitete seit Ende der 30er Jahre bis zu ihrem Tod in Heiligenberg.

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Theo Wieland: Zeitreise zurück in die Nacht des 18. März 1944. Absturz eines B-24-Bombers vor 65 Jahren: Großneffe eines Besatzungsmitglieds besucht Gedenkstätte in Heiligenberg. In: Südkurier vom 30. Dezember 2009
  3. Otmar Gotterbarm: Luftkrieg am Bodensee. Der Bomberabsturz von Heiligenberg-Wintersulgen vom 18. März 1944, in: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung, 129. Jg. 2011, S. 291 (Digitalisat)
  4. Otmar Gotterbarm: Als die Feinde vom Himmel fielen: Der 18. März 1944 zwischen Federsee und Alb. Zeitgut Verlag, 1. Auflage. Oktober 2003, ISBN 3-933336-50-3.
  5. Cornelia Hoyer: Nur vier Soldaten kehrten heim. In: Südkurier vom 24. Juli 2009
  6. a b Wilhelm Leberer: Gute Luft auf über 700 Metern Höhe. In: Südkurier vom 21. Mai 2010
  7. http://www.statistik.baden-wuerttemberg.de/Wahlen/Kommunalwahlen_2009/GTabelle.asp?G=GE435020
  8. Cornelia Hoyer: „Es ist so ruhig da oben“. In: Südkurier vom 12. Mai 2010
  9. Cornelia Hoyer: Geballte Schaffenskraft. In: Südkurier vom 26. Mai 2010
  10. Cornelia Hoyer: Jakobsleiter. In: Südkurier vom 26. Mai 2010
  11. Cornelia Hoyer: Markanter Baum. Hängebuche muss fallen. In: Südkurier vom 5. März 2009
  12. (bc): Heiligenberger Lindenfest. Eine Festmeile rund um die Gerichtslinde. In: Südkurier vom 5. August 2011
  13. Cornelia Hoyer: THW und die Höhle. In: Südkurier vom 26. August 2009
  14. a b c Isabelle Arndt: Loipen sind bestens in Schuss. In: Südkurier vom 20. Dezember 2010
  15. a b c Stefan Hilser: Skilift seit 40 und 50 Jahren in Betrieb – Party bei Familie Senn. Flache Buckel für erste Schwünge. In: Südkurier vom 12. Januar 2010
  16. Skigebiete in unserer Region. In: Schwäbische Zeitung vom 4. Dezember 2010
  17. Heiligenberg. Loipen gespurt und Lifte in Betrieb. In: Südkurier vom 18. Dezember 2010

Literatur[Bearbeiten]

  •  Carl Borromäus Alois Fickler: Heiligenberg in Schwaben. Mit einer Geschichte seiner alten Grafen und des von ihnen beherrschten Linzgaues. Macklot, Karlsruhe 1853 Digitalisat.
  • Theodor Martin: Heiligenberg im Jahre 1891, in: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung, 21. Jg. 1892, S. 214–217 (Digitalisat)
  • Theodor Martin: Heiligenberg im Jahre 1892, in: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung, 22. Jg. 1893, S. 123–125 (Digitalisat)
  • Harald Rainer Derschka: Fundmünzen aus der Kapelle St. Wendelin auf dem Ramsberg, Gemeinde Heiligenberg, Bodenseekreis, in: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung, 119. Jg. 2001, S. 185–188 (Digitalisat)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Heiligenberg (Bodenseekreis) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien