Heinkel He 116

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Die Heinkel He 116 der Ernst Heinkel Flugzeugwerke war ein viermotoriger Tiefdecker, der für den Postflug über lange Strecken, ggf. auch bis China und Japan eingesetzt werden sollte. Dafür war dann die Überwindung des Pamir-Gebirges und eine entsprechende Höhenleistung erforderlich. Ein späteres Einsatzgebiet war die Kartographierung und Vermessung des deutschen Gebietes.

Konstruktion und Entwicklung[Bearbeiten]

Die Entwicklung startete auf Wunsch der Lufthansa 1936, die damals noch eine Verbindung nach China über Persien und Afghanistan für möglich hielt. Daher sollte die Maschine nicht nur eine möglichst große Reichweite, sondern auch bei hoher Treibstoffzuladung über eine Höhenleistung von 7.600 m verfügen. Dafür geeignete Motoren standen in Deutschland nicht zur Verfügung, allerdings plante Hirth einen Höhenmotor von etwa 500 PS. Die Gebrüder Günter schlugen einen abgewandelten Flügel ihrer Heinkel He 70 Blitz mit vier Motoren vor, der -wie bei der He 70- mit Sperrholz beplankt war. Der neue Rumpf aus Duralumin war dichtgenietet und erhielt dichte Schotten, um im Fall einer Wasserlandung für eine Zeit schwimmfähig zu sein. Dabei dachten die Konstrukteure sicher an die einzige Langstreckenpostlinie der Lufthansa nach Südamerika.

Als der erste Prototyp He 116 V1 1937 fertiggestellt wurde, waren die geplanten Höhenmotoren noch nicht fertig, und der Prototyp erhielt Hirth HM 508C von nur 270 PS Leistung. Trotz dieser geringen Leistung erschien die Maschine geeignet und die Lufthansa begann 1938 mit der Erprobung der V2 D-AJIE Lübeck ex Schlesien und V4 D-ATIO Hamburg. Die Hamburg stürzte am 27. Mai 1938 am Strand von Langeoog bei einem leichtsinnigen Manöver des Piloten ab. Unter den drei Toten befand sich mit dem Oberfunkmaschinisten Karl Kirchhoff einer der erfahrensten Atlantik- und Langstreckenflieger der Lufthansa. Die Lübeck wurde ab dem 21. Oktober bis zum 1. Januar 1939 mindestens viermal auf der Postlinie nach Südamerika zwischen Frankfurt am Main und Las Palmas eingesetzt.[1]

Die Japaner hatten auch Interesse an der Maschine gezeigt und eine der Vorserienmaschinen war auf dem Saharaflug 1938 mit einer japanischen Besatzung eingesetzt worden. V5 J-BAKD Nogi und V6 J-EAKF Tojo wurden im April 1934 in sechs Tagen nach Japan überführt. Die 15.251 km legten sie in 54 Stunden 17 Minuten Flugzeit zurück. Sie wurden anschließend in Mandschukuo eingesetzt.

He 116 R[Bearbeiten]

Der dritte Prototyp V3 wurde zu einer Langstreckenrekordmaschine umgebaut. Der Umbau erstreckte sich auf einen größeren Flügel mit 75,6 m² Fläche und einer Spannweite von 25 Metern sowie erheblich mehr Treibstofftanks im Rumpf. Da für den Rekord keine Höhenleistung benötigt wurde, wurden HM 508H-Motoren mit nur 240 PS Leistung aber günstigeren Verbrauchswerten eingebaut. Da die geringe Startleistung und die hohe Treibstofflast den Start erheblich erschwerten, wurde die in He 116R D-ARFD Rostock umbenannte Maschine mit vier abwerfbaren Startraketen versehen. Beim ersten Versuch riss sich eine der Raketen vorzeitig los und beschädigte den Flügel erheblich. Nach der Reparatur erfolgte der zweite Rekordversuch am 30. Juni 1938. Es wurden 10.000 km auf einem geschlossenen Kurs zwischen Karlshagen und Leba in der Rekordzeit von 46 Stunden 18 Minuten (216 km/h) zurückgelegt.

He 116 B[Bearbeiten]

Obwohl Hirth inzwischen seine Höhenmotor-Entwicklung gestoppt hatte, zeigte die Luftwaffe Interesse an einer Aufklärer-Version. V7 und V8 wurden mit einer vollverglasten Nase versehen, wie sie ähnlich auch die Heinkel He 111 erhielt. Sie wurden 1938 mit positiven Ergebnissen getestet; daraufhin wurden sechs weitere Maschinen bestellt, die als V9 bis V14 bezeichnet wurden. Sie sollten Fernaufklärung außerhalb der Reichweite von Jagdflugzeugen betreiben und man verzichtete auf eine Defensiv-Bewaffnung. Dieses Konzept war bei Kriegsbeginn überholt und man setzte die Maschinen vom Luftdienstkommando 62 in Bad Zwischenahn vor allem für kartographische Aufgaben über Deutschland ein. Für diese Maschinen sind auch eine Vielzahl ziviler Kennungen bekannt.[2]

Technische Daten[Bearbeiten]

Hersteller: Heinkel
Baumuster: He 116
Bauform: Land-Tiefdecker
Bauart: freitragend
Verwendungszweck: Fracht- und Postflug
Motor: 4 × Hirth HM 508J mit je 240 PS (0 m)
Besatzung: 2 Führer, 1 Funker, 1 Navigator
Besondere Merkmale: Einziehfahrwerk
Kenngröße Daten
Abmessungen:
Spannweite 22,00 m
Länge, gr. 13,70 m
Höhe, gr. 3,80 m
Flächeninhalt 62,90 m²
Flächenumriss elliptisch
Flügelstreckung 7,70
Inhalt des Kraftstoffbehälters 2650 l
Inhalt des Schmierstoffbehälters 110 l
Gewichte:
Leergewicht 4220 kg
Zuladung 2826 kg
Fluggewicht 7046 kg
Zuladung/Leergewicht 0,677
Luftschraube:
Bauart Verstellschrauben
Antrieb untersetzt
Kenngröße Daten
Durchmesser 2,25 m
Blattzahl 2
Baustoff Metall
Drehsinn rechts
Schraubenfläche 4 × 3,98 m²
Baustoffe:
Tragwerk Holzgerippe, sperrholzbeplankt
Rumpfwerk Ganzmetall
Leitwerk Holzgerippe, sperrholzbeplankt
Leistungen: (Fluggew. 6000 kg)
Flugdauer b. Sparlstg. (0 m) 15,6 h
Flugweite
:bei Reiseleistung (0 m) 3550 km
:bei Sparleistung (0 m) 4200 km
Kraftstoffverbrauch
:bei Reiseleistung (0 m) 220 l/100 km
:bei Sparleistung (0 m) 165 l/100 km
Kenngröße Daten
Höchstgeschwindigkeit (0 m) 325 km/h
Reisegeschwindigkeit (0 m) 305 km/h
Spargeschwindigkeit (0 m) 270 km/h
Landegeschwindigkeit 105 km/h
Startstrecke 460 m
Landestrecke 310 m
Dienstgipfelhöhe 4700 m
Steigzeiten auf
1000m 5,5 min
2000m 11,0 min
3000m 20,0 min
Steiggeschwindigkeit
in Bodennähe 4,45 m/s
Tragflächenbelastung 113,50 kg/m²
Leistungsbelastung 7,34 kg/PS
Flächenleistung 15,25 PS/m²
Schraubenflächenleistung 68,00 PS/m²

Literatur[Bearbeiten]

  • Graue / Duggan: DEUTSCHE LUFTHANSA, South Atlantic Airmail Service 1934–1939, Zeppelin Study Group, 2000
  • Jörg-M. Hörmann: Flugbuch Atlantik, Deutsche Katapultflüge 1927–1939, Delius Klasing Verlag, 2007
  • Heinz J. Nowarra: Die Deutsche Luftrüstung 1933- 1945 Bd.2, 8ernard & Graefe Verlag, Koblenz 1993

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Heinkel He 116 V1 © EADS
  2. He 116 B © EADS