Heinkel He 115

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Heinkel He 115
Heinkel He 115 Finland Air Force.jpg
Heinkel He 115 der finnischen Luftwaffe
Typ: Aufklärungsflugzeug und Torpedobomber
Entwurfsland: Deutsches Reich NSDeutsches Reich (NS-Zeit) Deutsches Reich
Hersteller: Heinkel
Erstflug: August 1937
Indienststellung: 1938
Produktionszeit: 1938 bis 1940
Stückzahl: 223

Die Heinkel He 115 war ein zweimotoriges Wasserflugzeug, das in den 1930er Jahren in Deutschland entwickelt wurde und im Zweiten Weltkrieg zum Einsatz kam.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Entwicklung der Heinkel He 115 begann 1935 nach einer Ausschreibung des RLM über ein Mehrzweckflugzeug als Ersatz für die He 59. Im Gegensatz zu dieser war die He 115 als Eindecker in Tiefdeckerbauweise für drei Besatzungsmitglieder ausgelegt. Der Erstflug fand im August 1937 statt und wurde von Gerhard Nitschke durchgeführt.[1] Nach einem größeren Umbau erhielt die V1 die folgenden Änderungen:

He 115 im Schlepp der Barkasse der „Monte Pascoal“
  • glatte Sperrholzverkleidung der vorderen Rumpfoberseite
  • Entfall der Einstiegsleiter vom Schwimmer zum Rumpf
  • Entfall der Bombenklappe
  • Einbau von neuen VDM-Verstellpropellern
  • Umbau des Seitenruders

Mit dem so zur He 115 V2 modifiziertem Modell erflog Pilot Friedrich Ritz am 20. März 1938 acht Weltrekorde (max. 330 km/h) für unterschiedliche Reichweiten und Beladungen für zweimotorige Wassererflugzeuge auf der Strecke von Laboe über Swinemünde nach Leba und zurück. Der dritte Prototyp hatte mit der weitgehend verglasten Rumpfnase und der langgezogenen Kabine (Spitzname „Treibhaus“) bereits das Aussehen der späteren Serienmodelle, der vierte besaß Schwimmer ohne Drahtverspannungen.

He 115 im Ladegeschirr der „Monte Pascoal“

Um einen neuen Langstreckenrekord aufzustellen, startete am 14. März 1939 Flugkapitän Walter Diele mit zwei Mann Besatzung von der Ribnitzer Bucht mit dem Ziel Rio de Janeiro in Brasilien. Das Flugzeug war mit einer erweiterten Kraftstoffanlage mit einem Fassungsvermögen von 4090 Litern ausgerüstet worden und mit einem Abfluggewicht von 15 t stark überladen. Der Flug führte über Helgoland, den Ärmelkanal, die Biskaya, Kap Finisterre und die Kanaren bis nahe der Kapverden. Wegen Motorschadens durch einen Ölrohrbruch (s. Bild, linkes Triebwerk, Propeller in Segelstellung) musste eine Notwasserung durchgeführt werden. Das Flugzeug wurde durch das Passagier-Motorschiff „Monte Pascoal“ der Hamburg-Süd geborgen und am Ladegeschirr hängend mitgeführt.

Serienfertigung[Bearbeiten]

Die Serienfertigung begann im Dezember 1938 und endete bereits im Juli 1940. Mit den Prototypen wurden insgesamt 223 Flugzeuge bei Heinkel Rostock gebaut. Es erfolgte keine Lizenzproduktion und auch kein weiterer Serienbau nach Juli 1940. 1940/41 wurden mindestens 66 Flugzeuge als Langstreckenflugzeuge umgebaut.

Einsatz[Bearbeiten]

Die Flugzeuge wurden als Aufklärer, Bomber, Torpedoflugzeug und Minenleger eingesetzt, erwiesen sich in den letzten drei Rollen aber als wenig geeignet. Allerdings gelang es Heinkel He 115 der Küstenfliegergruppe 706 am 11. November 1940 zwei Frachtschiffe zu versenken, die im Geleitzug EN 23 vor der ostschottischen Küste fuhren.[2] Nachdem die entsprechenden Kampfaufgaben im Verlauf des Krieges auf Landflugzeuge (Do 17, He 111, Ju 88) übertragen worden waren, wurden die He 115-Staffeln nach und nach umgerüstet. Im April 1942 befanden sich die letzten zwei Staffeln (1./406, 1./906) in Norwegen, wo sie gegen Nordmeergeleitzüge eingesetzt wurden. 1944 existierte nur noch die 1.(F)/406 in Norwegen als Aufklärungsstaffel mit etwa zehn He 115.

Insgesamt wurden im zweiten Halbjahr 1939 und Anfang 1940 18 Flugzeuge exportiert: zwölf nach Schweden und sechs nach Norwegen. Von den norwegischen Flugzeugen konnten drei während der deutschen Invasion nach Großbritannien entkommen, wo sie von der RAF im Mittelmeerraum und in der Nordsee z. B. zum Transport von Agenten eingesetzt wurden. Eine Maschine fiel der deutschen Luftwaffe in die Hände, eine weitere entkam nach Finnland.

Die He 115 erwies sich auf Grund der Auslegung als Wasserflugzeug und der damit verbundenen geringen Geschwindigkeit als wenig geeignet für den vorgesehen Kampfeinsatz. Konsequenterweise wurde das Flugzeug Mitte 1940 aus dem Bauprogramm und im Anschluss daran auch aus dem Kampfeinsatz genommen.

Bauzahlen[Bearbeiten]

Version Anzahl
Prototypen 3
A 13
B 122
C 67
Export 18
Summe 223

Quellen: [3], [4]

Technische Beschreibung[Bearbeiten]

Hochseefähiges Aufklärungs- und Torpedoflugzeug in Ganzmetallbauweise; freitragender Mitteldecker in zweiholmiger Schalenbauweise mit abgestrebtem Normalleitwerk; spindelförmiger Rumpf mit ovalem Querschnitt, Seitenflosse großflächig, Höhenflosse mit großer Flügelspannweite; Ganzmetallschwimmer einstufig und gekielt, ausrüstbar mit Schneekufen.

Versionen[Bearbeiten]

  • He 115 A-1: erste Serienausführung (zusätzlich MG 15 in Rumpfnase)[5], ab Januar 1939
  • He 115 A-2: Exportausführung für Schweden (10)[6] und Norwegen (6), veränderte Funkausrüstung und Bewaffnung (Colt Browning und M/22)
  • He 115 B-1/R1: Aufklärer mit zwei Rb-Kameras
  • He 115 B-1/R2: eine Außenstation für SC- oder SD 500-Bombe
  • He 115 B-1/R3: Ausrüstung mit zwei magnetischen Luftminen LMA III
  • He 115 B-2: Ausführung mit Skiern für Einsätze am Nordkap
  • He 115 C-1: stärkere Bewaffnung: je zwei 7,92-mm-MG 15 und MG 17 sowie einen starre, vorwärtsfeuernde 15-mm-Kanone MG 151 im Bug[7]
  • He 115 C-2: Ausführung mit Stahlskiern
  • He 115 C-3: Ausführung für Seeminenlegeinsätze vor der englischen Küste
  • He 115 C-4: Torpedobomber für das Eismeer, nur das hintere MG 15 in der Kabine
  • He 115 D: Prototyp mit zwei 1600 PS (1177 kW) BMW-801-A/B-Sternmotoren, fünf MG und vier Mann Besatzung, 1940 getestet
  • He 115 E: wie C-Version, aber verbesserte Bewaffnung und Navigations- und Funkausrüstung

Verbleib[Bearbeiten]

Am 2. Juni 2012 wurde im Hafrsfjord in Südwest-Norwegen eine He 115 (Werknr. 3896) weitgehend intakt geborgen. Es fehlen der Steuerbordmotor und die zwei Schwimmer, die bereits während des Krieges von einem deutschen Bergungsteam entfernt wurden. Die am 28. Dezember 1942 bei einer missglückten Wasserung verlorengegangene Maschine mit den Markierungen 8L+FH, gehörte zur ersten Staffel der Seefernaufklärungsgruppe 906 (bis Februar 1941: Küstenfliegergruppe 906), die in Sola stationiert war. Über eine eventuelle Restaurierung ist derzeit (Juni 2012) noch nicht entschieden, bis dahin werden die Überreste in einem Süsswassertank aufbewahrt.[8]

Technische Daten[Bearbeiten]

Heinkel He 115 C-1
Kenngröße Daten
Länge    17,30 m
Höhe    6,57 m
Spannweite    22,26 m
Flügelfläche    85,76 m²
Leermasse    6861 kg
maximale Startmasse    10.665 kg
Triebwerk    zwei 9-Zylinder-Sternmotoren
BMW 132 K mit je 960 PS (705 kW)
Höchstgeschwindigkeit    288 km/h
Reisegeschwindigkeit    278 km/h
Steiggeschwindigkeit    255 m/min
Reichweite    2785 km
Dienstgipfelhöhe    5170 m
Bewaffnung    je ein bewegliches 7,92-mm-MG 15 in Bug und Heck
eine starre 15-mm-Kanone MG 151 im Bug
zwei 7,92-mm-MG 17 rückwärtsfeuernd in den Motorverkleidungen möglich
Bombenlast    ein Torpedo LTF 5 oder LTF 6 b
eine Mine LMB III oder zwei Minen LMA
drei Bomben SC 250 intern
Besatzung    3

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Volker Koos: Heinkel He 115. In: Klassiker der Luftfahrt Nr. 1/13, S. 14 (lt. Kenneth Munson (Bomber 1939–45, a.a.O., S. 113) fand der Erstflug des Prototyps mit der Kennung D-AEHF bereits 1936 statt)
  2. Jürgen Rohwer, Gerhard Hümmelchen: Chronik des Seekrieges 1939–1945, November 1940, abgerufen am 22. August 2014
  3. Archivalien aus dem Bundesarchiv/Militärarchiv Freiburg, vgl. allerdings Kenneth Munson: Bomber, Patrouillen- und Transportflugzeuge 1939–45, Orell Füssli Verlag, Zürich, 3. Auflage 1977, S. 113 mit stark abweichenden Produktionszahlen
  4. Neitzel, Sönke: Der Einsatz der deutschen Luftwaffe über dem Atlantik und der Nordsee 1939–1945., Bonn 1995
  5. vgl. Kenneth Munson: Bomber, Patrouillen- und Transportflugzeuge 1939–45, Orell Füssli Verlag, Zürich, 3. Auflage 1977, S. 113
  6. Zahlenangabe vgl. Kenneth Munson: Bomber, Patrouillen- und Transportflugzeuge 1939–45, Orell Füssli Verlag, Zürich, 3. Auflage 1977, S. 114
  7. lt. Kenneth Munson: Bomber, Patrouillen- und Transportflugzeuge 1939–45, Orell Füssli Verlag, Zürich, 3. Auflage 1977, S. 114 MG 151 Kaliber 20 mm
  8. Heinkel 115 recovered in Norway, in Aeroplane Monthly, August 2012, S. 6

Literatur[Bearbeiten]

  •  Hans-Jürgen Becker: Die deutsche Luftfahrt – Wasserflugzeuge, Flugboote, Amphibien, Schwimmerflugzeuge. ISBN 3-7637-6106-3.
  •  Jörg M. Hormann<Titel=Flugbuch Atlantik: ISBN 978-3-7688-1973-2.
  •  Kenneth Munson: Bomber, Patrouillen- und Transportflugzeuge 1939–45. 3. Auflage. Orell Füssli, Zürich 1977.

Weblinks[Bearbeiten]