Helmut Lang

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Selbstporträt 2007

Helmut Lang (* 10. März 1956 in Wien) ist ein österreichischer Modedesigner, der in den 1990er Jahren mit minimalistisch-avantgardistischer Damen- und Herrenmode im oberen Preissegment weltweite Bekanntheit erlangte und bis heute zu den wichtigsten internationalen Modeschöpfern dieser Zeit zählt.

Die von Lang 1986 gegründete Modemarke Helmut Lang war von 1999 bis 2006 im Besitz von Prada und gehört seither als Helmut Lang New York LLC einem japanischen Textilkonzern. Seit 2005 wird das Modelabel ohne Lang geführt, welcher sich seither als Künstler betätigt.

Werdegang und Unternehmensgeschichte[Bearbeiten]

Der aus dem 22. Wiener Gemeindebezirk (Bezirksteil Kaisermühlen) stammende Helmut Lang eröffnete mit 23 Jahren als Autodidakt seine erste Mode-Boutique (Bou Bou Lang) in Wien. Wegen des großen Erfolges im Rahmen einer Wien-Ausstellung 1986 im Centre Pompidou in Paris fand seine erste Laufsteg-Modenschau für Damenmode noch im selben Jahr in Paris statt. In diesem Jahr gründete er das nach ihm benannte Mode-Unternehmen. Seine schlicht-nüchterne, tragbare Mode stand im krassen Gegensatz zu den extravaganten Entwürfen der damaligen Pariser Modegrößen, wie Thierry Mugler, Claude Montana oder Jean-Paul Gaultier. 1987 kam eine Herren-Kollektion hinzu.

Anfang der 1990er Jahre gelang ihm mit seinen minimalistischen Kreationen aus Kombinationen von High-Tech-Stoffen wie Nylon und Gummi der internationale Durchbruch. Allerdings widerstand er lange, seine Geburtsstadt Wien zu verlassen, wo er zuletzt in der Eßlinggasse 5 im ersten Bezirk lebte. Mitte der 1990er Jahre unterrichtete Lang als Professor der Modeklasse an der Universität für angewandte Kunst Wien. Bis Ende der 1990er Jahre zeigte Lang seine Kreationen während der Modewochen in Paris.

Lang siedelte schließlich 1998 nach New York über und wurde im April 2000 als erster nicht-amerikanischer Modeschaffender in den Council of Fashion Designers of America (CFDA) aufgenommen, von welchem er 1996 den International Award erhalten hatte und 2000 als bester Herrenmode-Designer (der Verleihung blieb er fern) ausgezeichnet wurde.[1] In dieser Zeit präsentierte Lang seine Mode bei den Modewochen in New York. Nachdem Lang seine Kollektionen in New York Mitte 1998 kurzerhand zeitlich vor den Schauen in Mailand und Paris präsentiert hatte und der Modedesigner Calvin Klein als erster seinem Beispiel gefolgt war, wurde die New York Fashion Week, welche bis dahin immer nach den Schauen in Mailand und Paris stattgefunden hatte, 1999 permanent sechs Wochen vorverlegt und leitet seither im jährlichen Modekalender die internationalen Modenschauen ein.[2] Werbeanzeigen für Helmut Lang wurden, ungewöhnlicherweise, in der Zeitschrift National Geographic geschaltet und auf den Dächern von New Yorker Taxen platziert.[3]

Charakteristisch für Langs hochpreisige, puristische Mode waren Trend-unabhängige, zeitlose Entwürfe, eng geschnittene, schwarze Anzüge, der vorherrschende Einsatz der Farben schwarz, beige und weiß, die unkonventionelle Gegenüberstellung von hochwertigen Stoffen mit High-Tech-Materialien oder auch Latex und PVC, sowie Applikationen aus Canvas-Stoffbändern. Für seinen dekonstruktivistischen Stil und seine intellektuellen Entwürfe wurde Lang mit den japanischen Avantgardisten Rei Kawakubo und Yohji Yamamoto verglichen.[4] Lang war für Kreative und Intellektuelle der „Vater der Coolness“ und sicherte sich bei seinen Anhängern einen gewissen Kult-Status.[5][6] Die Marke Helmut Lang bestand aus einer Damen- und einer Herrenlinie, welche bei Modenschauen in einer Show zusammen präsentiert wurden. Für eine kurze Zeit gab es die Helmut Lang Jeans Zweitlinie sowie Unterwäsche von Helmut Lang. Zwischen 2000 und 2002 wurden in Zusammenarbeit mit Procter & Gamble drei Parfüms – zunächst Helmut Lang (Damen), Helmut Lang Pour Homme (Herren) und später Helmut Lang Cuiron (Herren) – lanciert, deren Produktion nach dem Verkauf des Unternehmens eingestellt wurde. Die ersten beiden Düfte wurden auf Drängen Langs produziert, obwohl der Hersteller Lang von diesen Duftkompositionen abgeraten hatte.[7] In New York war ab 2000 eine eigene Helmut Lang Parfümerie betrieben worden.

Lang verkaufte 1999 zunächst 51 % seines Unternehmens an die Prada-Gruppe und, nach turbulenten Jahren, schließlich im Oktober 2004 auch den Rest seiner Anteile. 2002 hatte Prada die Präsentation der Kollektionen nach Paris zurückgeholt. Im Frühjahr 2005 schied Lang aus dem Unternehmen aus. Es gab Helmut Lang Boutiquen in Wien, München, Mailand, Paris, Tokio, Hong Kong und New York. Nach dem Verkauf der Marke Helmut Lang wurden diese Läden sukzessive geschlossen.

2009 erhielt Lang das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst. Lang lebt derzeit in seinem Haus in Long Island bei New York und betätigt sich als Künstler.

Modemarke Helmut Lang heute[Bearbeiten]

Die Modemarke Helmut Lang wurde 2006 – nach verlustreichen Jahren – von Prada an die US-amerikanisch-japanische Firmengruppe Link Theory Holdings Co. Ltd verkauft, zu welcher auch die Modemarke theory gehört. Link Theory führt die Marke Helmut Lang mit Sitz in New York City seit 2007 mit eigenen Geschäften im gehobenen Preissegment weiter. Lang selbst ist daran nicht beteiligt. Link Theory, Teil der Fast Retailing Gruppe, setzte das Ehepaar Nicole und Michael Colovos, Gründer von Habitual Jeans, als Designer für sowohl die Damen- als auch die Herrenkollektion ein und ernannte 2010 den ehemaligen Issey Miyake Designer Naoki Takizawa, welcher auch sein eigenes Modelabel betreibt, für die Herrenkollektion von Helmut Lang.[8] Die Herrenmode von Helmut Lang wurde allerdings 2010 vorübergehend eingestellt und erst 2014 mit dem New Yorker Designer Alexandre Plokhov neu lanciert. Das Ehepaar Colovos verließ das Unternehmen im Februar 2014. Die Damenmode, inklusive der 2012 ins Leben gerufenen, preisgünstigeren Damen-Zweitlinie Helmut, wird seither von einem internen Designteam konzipiert.[9] Die Damenmode von Helmut Lang wird seit Herbst 2011 nach sechsjähriger Abwesenheit von den Laufstegen wieder bei der New York Fashion Week präsentiert.[10] Zum Stand 2013 unterhielt Link Theory weltweit sieben Helmut Lang Geschäfte in New York City (4x), Los Angeles, London und Tokio.

Helmut Lang als Künstler[Bearbeiten]

Einzelausstellungen[Bearbeiten]

2008

2007

  • Next Ever After, The Journal Gallery. New York.[11]
  • Selective Memory Series, Purple Institute. Paris.[12]

2002–2004

  • Helmut Lang, “Séance de Travail”. Paris.[13]

1998

  • Helmut Lang, S/S 99. online.[14]

1997–2002

  • Helmut Lang, “Séance de Travail”. New York.[15]

1988–1997

  • Helmut Lang, “Séance de Travail”. Paris.[16]

1986

  • Viennese Modernism. Centre National d'Art et de Culture Georges Pompidou, Paris.[17]

Gruppen Ausstellungen[Bearbeiten]

2009

  • INDUSTRIAL LIGHT MAGIC, Goethe Institute, New York.

1998

Kollaborationen[Bearbeiten]

2005

  • VB53. Fondazione Pitti Immagine, Florence.[20]

2001

1999

  • VB38.Galerie Analix Forever, Geneva.[22]

1992

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. CFDA: Past Winners, cfda.com, abgerufen: 1. Oktober 2010
  2. Moment 75: Helmut Lang changes the calendar, wwd.com, 1. November 2010
  3. Helmut Lang und die Zukunft des Minimalismus, parapluie.de, Frühjahr 2001
  4. About: Helmut Lang, slamxhype.com (engl.), abgerufen: 1. Oktober 2010
  5. Helmut Lang als Künstler - Ein Meister der Coolness sieht schwarz, Der Spiegel, 31. August 2008
  6. Helmut Lang, W Magazine, Oktober 2008
  7. Lang to debut scents and shop, WWD (via accessmylibrary.com, engl.), 17. März 2000
  8. Helmut Lang: Naoki Takizawa als neuer Stylist, fashionmag.com, 20. April 2010
  9. Parallele Modewelten, bilanz.ch, 4. Januar 2012
  10. Helmut lang returns to the runway with a Richard Serra–inspired show, nymag.com, 10. September 2011
  11. [1] Silva, Horacio "Now Hanging, Helmut Lang's Artwork", The New York Times, Dezember 2007.
  12. [2], Purple Fashion, Purple Institute, 2007.
  13. Style.com [3], Condenet, 2007.[4][5][6][7][8][9][10]
  14. hl-art"Helmut Lang Bio".
  15. Style.com [11], Condenet, 2007. [12][13][14]
  16. [15][16]
  17. Zahm, Olivier "Langfroid, Artforum International, Oktober 1995.
  18. hl-art"Helmut Lang Bio".
  19. [17]
  20. Lapo Cianchi: Vanessa Beecroft VB5. 2006.
  21. Deitch Projects Vanessa Beecroft VB45. 2006.
  22. Sidonie von Grasenabb: A Space, Not and Ac. Artnet, 8. April 2005.
  23. hl-art "Helmut Lang Bio".