Helmuth Johannes Ludwig von Moltke

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Helmuth Johannes Ludwig von Moltke

Helmuth Johannes Ludwig von Moltke, genannt Moltke der Jüngere (d. J.) (* 23. Mai 1848 in Gersdorf; † 18. Juni 1916 in Berlin) war ein Generaloberst der preußischen Armee und von 1906 bis 14. September 1914 Chef des Großen Generalstabes.

Leben[Bearbeiten]

Helmuth Johannes Ludwig von Moltke stammte aus dem alten mecklenburgischen Adelsgeschlecht Moltke und war der Neffe des Generalfeldmarschalls Helmuth Karl Bernhard von Moltke (Moltke d. Ä.). 1878 heiratete er Eliza von Moltke-Hvitfeldt (20. Mai 1859-29. Mai 1932). Wie seine Frau, die sich durch die Gebete einer Ausüberin der Christlichen Wissenschaft – Frances Thurber Seal – von einer Krankheit geheilt sah, wurde auch Moltke ein Anhänger. Beide hatten nach der Jahrhundertwende auch Kontakt zu Rudolf Steiner, dessen esoterische Schülerin Eliza von Moltke war.[1] Er stand der frühen FKK-Bewegung nahe, war Ehrenpräsident des Berliner Verein für Körperkultur und damit u.a. 1908 Schirmherr eines Maskenballs für Nackte.[2]

Während des Deutsch-Französischen Krieges kämpfte er im Grenadier-Regiment „König Wilhelm I.“ (2. Westpreußisches) Nr. 7. 1880 wurde er Mitglied des Großen Generalstabes und 1882 Adjutant seines Onkels. Von 1902 bis 1904 war er Kommandeur der 1. Division des Gardekorps. 1904 wurde er Generalquartiermeister und 1906 Nachfolger Alfred von Schlieffens als Chef des Großen Generalstabes in Berlin. Seine Ernennung entstand aus dem Wunsch Kaiser Wilhelms II., einen eigenen Moltke zu haben. Zwischen Moltke und Wilhelm II. bestand ein enges Vertrauensverhältnis, das darin gipfelte, dass ihm der Kaiser 1909 den Schwarzen Adler-Orden verlieh.[3] Als von Schlieffen 1906 aus dem Amt ausschied, hinterließ er Moltke eine Denkschrift, welche die Grundzüge des Schlieffen-Plans enthielt. Obwohl Schlieffen als Zivilist mehrfach sein Konzept aktualisierte, ging die eigentliche Ausarbeitung der operativen Feldzugspläne von Moltke aus, welcher, anders als von Schlieffen vorgesehen, den linken Heeresflügel zu Ungunsten des rechten verstärkte.

Wilhelm Filchner benannte 1912 während der zweiten deutschen Antarktisexpedition eine Gruppe von eisfreien Felskliffs in der Antarktis Moltke-Nunataks zu Ehren von Helmuth und seinem Bruder Friedrich von Moltke.

Moltkes Verhalten bei Kriegsausbruch[Bearbeiten]

Bereits bei der „militärpolitischen Besprechung“ mit dem Kaiser am 8. Dezember 1912 habe er mit den Worten „je eher, desto besser“ auf einen Kriegsbeginn gedrängt.[4]Gegen Ende der Julikrise, zum Zeitpunkt höchster politischer Spannung, griff Moltke persönlich in das Geschehen ein. Nachdem Österreich-Ungarn am 28. Juli Serbien den Krieg erklärt hatte, ließ Russland am 28. Juli einen Teil seiner Truppen und am 30. Juli das ganze Heer mobilmachen. In der Nacht vom 30. auf den 31. Juli sandte Moltke nun dem österreichisch-ungarischen Generalstabschef Franz Graf Conrad von Hötzendorf ein Telegramm, in dem er die sofortige Mobilmachung gegen Russland verlangte. Ferner forderte er die Ablehnung der britischen Vermittlungsversuche und versicherte, er werde Italien zur Bündnispflicht zwingen. Ausdrücklich garantierte er die Unterstützung Österreich-Ungarns im Kriegsfall durch Deutschland:

„Für Österreich-Ungarns Erhaltung ist Durchhalten des europäischen Krieges das letzte Mittel. Deutschland geht unbedingt mit.“[5]

Damit überschritt er zwar seine Kompetenzen, bestätigte aber Wien, dass es mit Deutschlands militärischer Unterstützung rechnen konnte. Als nicht entscheidungsbefugter Militär hatte er Österreich-Ungarn gegenüber signalisiert, dass Deutschland seine Bündnispflicht erfüllen werde, ganz gleich, was der andere Partner in Bezug auf Serbien tun sollte. Moltke wird von einigen Forschern deshalb als Kriegstreiber gesehen, der in brutaler Sprache zum Zuge gegen die Russen geblasen habe.

Trotz neuer strategischer Überlegungen erachtete Moltke den Aufmarschplan seines Vorgängers, Alfred von Schlieffen, weiterhin als die richtige strategische Idee. Dementsprechend trieb er die Planungen zu dessen Umsetzung weiter voran. Unter anderem wollte er den Einmarsch in Belgien um eine Woche vorverlegen. Am Morgen des 3. August teilte er Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg mit, dass am nächsten Tag deutsche Truppen in Belgien einmarschieren werden und empfahl, dies der belgischen Regierung bekanntzugeben, jedoch ohne Kriegserklärung, weil er hoffte, es könne mit der belgischen Regierung noch zu einer Verständigung kommen.

Moltkes Kriegsführung[Bearbeiten]

Grab auf dem Invalidenfriedhof, Berlin

Als es schließlich zum Krieg kam, musste Moltke für die Durchführung der militärischen Operationen mit dem Ziel eines Sieges gegen gleich mehrere europäische Mächte naturgemäß entscheidende Verantwortung tragen – eine ungeheure Last, die von ihm deutlich als solche empfunden wurde. So drängte er auf den sofortigen Kriegseintritt der Türkei, die umgehend Russland angreifen und die islamische Welt gegen die Entente aufwiegeln sollte.

Im Verlauf der ersten Kriegswochen brach Moltke nervlich zusammen. Entscheidenden Anteil daran hatte der Kaiser gehabt, der am Vorabend der ersten Kampfhandlungen aufgrund einer unzutreffenden Meldung des deutschen Botschafters in London, nach der die Briten die Neutralität Frankreichs garantierten, wenn Deutschland Belgien unbehelligt ließe, den Abbruch der Militäraktionen gegen Belgien forderte, und der daraufhin die planmäßige Entfaltung der deutschen Kräfte für Stunden gestoppt hatte. Von dem als dilettantisch empfundenen Eingreifen in entscheidender Stunde konnte sich Moltke nie wieder ganz erholen.

Aufgrund schlechter Verbindungen zu den Armeeführern verlor er im September zusehends den Überblick über die operative Lage im Westen. So musste er den Armeeführern freie Hand lassen und billigte nachträglich auch die von der 1. Armee geänderte Vormarschrichtung. Nachdem durch die Klucksche Schwenkung die deutschen Truppen ohnehin nicht mehr auf der Linie des Schlieffen-Plans vorgedrungen waren und östlich von Paris standen, musste er im Verlauf der Marneschlacht den Rückzug anordnen und meldete angeblich dem Kaiser: „Majestät, wir haben den Krieg verloren!“ Die Korrektheit des Ausspruchs ist allerdings zweifelhaft. Bezeichnenderweise begann der überstürzte deutsche Rückzug am 9. September auf Anordnung von Moltkes Abgesandtem Oberstleutnant Richard Hentsch, wofür jedoch Moltke die Verantwortung trug.

Abberufung[Bearbeiten]

Eine weitere Demütigung erfolgte nach der Marneschlacht, als der Kaiser ihn zwar im Amt beließ, de facto aber bereits kaltstellte. Er musste am 14. September 1914 Erich von Falkenhayn im Amt des Chef der Obersten Heeresleitung weichen. Der Führungswechsel blieb vorerst geheim, um das Eingeständnis des Misserfolges zu verschleiern. Vorwürfe wurden ihm gemacht, weil er den Schlieffenplan verwässert habe, sich von der Front zu weit entfernt gehalten habe und Soldaten in den Osten schickte, als sie dort noch nicht, im Westen aber noch für den Angriff benötigt wurden.

Moltke starb 1916 während des Staatsaktes für Generalfeldmarschall Colmar von der Goltz an einem Schlaganfall in Berlin.

Literatur[Bearbeiten]

In seiner Betrachtung der Julikrise kommt Fromkin zu dem Schluss, dass Moltke der Hauptverantwortliche für den Beginn des Ersten Weltkriegs war.
  • Thomas Meyer (Hrsg.): Helmuth von Moltke 1848–1916. Dokumente zu seinem Leben und Wirken. Perseus 1993, ISBN 3-907564-15-4, 2 Bd., 502+368 S.
Band 1 enthält Moltkes Schrift Die Schuld am Kriege.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Helmuth Johannes Ludwig von Moltke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://biographien.kulturimpuls.org/detail.php?&id=1158
  2. Festschrift zum Kostümfest. Berlin: Kraft und Schönheit, 13. Februar 1908, S. 4. vgl. Arnd Krüger: There Goes This Art of Manliness: Naturism and Racial Hygiene in Germany, in: Journal of Sport History18(Spring, 1991), 1, 135 - 158. http://library.la84.org/SportsLibrary/JSH/JSH1991/JSH1801/jsh1801i.pdf
  3. Olaf Jessen: Die Moltkes. 2. Auflage. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-60499-7, S. 270.
  4. G. A. von Müller: Aufzeichnungen über die Aera Wilhelms II. Hrsg. von W. Görlitz (Göttingen, 1965), S. 124 f.
  5. Janusz Piekalkiewicz: Der Erste Weltkrieg, 2007, ISBN 3-8289-0560-9 (S. 28)