Henry V. (Film)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
Deutscher Titel Henry V.
Originaltitel Henry V
Produktionsland England
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1989
Länge 137 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Kenneth Branagh
Drehbuch Kenneth Branagh
Produktion Bruce Sharman
Musik Patrick Doyle
Kamera Kenneth MacMillan
Schnitt Michael Bradsell
Besetzung

Henry V. ist britisches Filmdrama aus dem Jahr 1989. Die von Kenneth Branagh inszenierte Literaturverfilmung basiert auf dem gleichnamigen Stück von Shakespeare. Branagh spielte auch die Titelrolle. Produziert wurde der Film von Bruce Sharman in Kooperation mit der British Broadcasting Corporation und Renaissance Films. Im deutschsprachigen Raum ist Branaghs Regiearbeit auch unter dem Titel Heinrich V. bekannt.

Handlung[Bearbeiten]

Der Erzbischof von Canterbury und der Bischof von Ely sind in eine Diskussion vertieft, als König Heinrich zu ihnen tritt. Ein Geschenk des französischen Dauphins ist eingetroffen. Es handelt sich um Tennisbälle, was den König empört. Der französische Botschafter wird fortgeschickt. Heinrich bereitet sich vor, den französischen Thron, den er als sein Eigentum betrachtet, zu erobern.

Als Heinrich seine Streitkräfte aushebt, stirbt sein Mentor Falstaff. Bei der Einschiffung der Truppen wird ein Verrat von dreien seiner engsten Gefolgsleute aufgedeckt, wodurch Heinrich das Unternehmen unter einem guten Omen sieht. Die Flotte verlässt den Hafen von Southampton und landet in Frankreich. Der Weg der Truppen zieht sich durch Frankreich bis nach Harfleur. Die Stadt wird von den Engländern belagert. Erst nach einer mitreißenden Ansprache des Königs kann die Stadt eingenommen werden. Heinrich lässt einen englischen Plünderer, einen ehemaligen Zechkumpanen aus seiner Zeit mit Falstaff, hängen, um die Disziplin aufrechtzuerhalten. Danach marschieren die Truppen nach Azincourt. Bevor es zur Schlacht kommt, streicht der König durch das Lager, um zu erfahren, wie die Stimmung seiner Männer ist. Am nächsten Tag hält er unmittelbar vor der Schlacht seine berühmte St. Crispins-Tag-Rede.

Die Schlacht beginnt. Heinrichs Bogenschützen beschießen die Franzosen, die durch den Schlamm auf den Feldern behindert werden. Heinrich lässt seine Reiterschaft vorrücken, um den Vorteil zu nutzen. Der französische Dauphin, von der Attacke überrascht, greift das Camp der Engländer an und tötet alle zurückgebliebenen Männer. Heinrich ist empört und versucht, den französischen Truppenkommandeur zu stellen. Bei dem folgenden Zweikampf mit dem Kommandeur erleidet der König eine Kopfwunde. Der benommene König wird durch einen Schwerthieb auf seine Hand entwaffnet. Trotzdem kann er den Kommandeur töten, indem er ihn mit seinem Panzerhandschuh erschlägt.

Die Schlacht ist gewonnen. König Heinrich zieht an den französischen Hof, um Prinzessin Catherine zu umwerben. König Karl VI. von Frankreich adoptiert Heinrich, und der französische Thron ist nun unter englischer Kontrolle.

Hintergründe[Bearbeiten]

Der optische und darstellerische Ansatz des Films ist sowohl blutiger als auch ambivalenter[1] als in der filmischen Umsetzung des Stückes durch Sir Laurence Olivier aus dem Jahr 1944. Branaghs Umsetzung der Schlacht von Azincourt erinnert an Schlachtszenen des japanischen Regisseurs Akira Kurosawa.[2]

Im Gegensatz zur herkömmlichen Produktionsweise wurden bei Heinrich V. die Szenen in der Reihenfolge gefilmt, in der sie auch im Film kommen.[3]

Weitere Adaptionen des Dramas Heinrich V.[Bearbeiten]

  • Heinrich V. - britischer Kinofilm von Laurence Olivier von 1944
  • Henry V - britischer Fernsehfilm von Peter Watts von 1953
  • Henry V - britischer Fernsehfilm von Lorne Freed und Michael Langham von 1966
  • Henry V - britischer Fernsehfilm von David Giles von 1979
  • Henry V - US-amerikanischer Fernsehfilm von Neal J. Gauger von 2003

Kritiken[Bearbeiten]

„Die wortgetreue Neuverfilmung des gleichnamigen Shakespeare-Dramas, die die Schönheit und Kraft der Sprache beschwört […]. Der aufwendig und detailgetreu inszenierte Film gerät zu einem Plädoyer gegen Aggression und Krieg […]. Besonders durch die opulenten und gleichzeitig bedrückenden Bilder sowie die ausgezeichneten Schauspieler wird der Film zu einem eindrucksvollen Kinoerlebnis, das an Klarheit und Dichte seinesgleichen sucht.“

Lexikon des Internationalen Films[4]

„Heil und Sieg aber, wie immer bei Shakespeare, sind bloß Verschnaufpausen einer Geschichte, die sich in Blut fortwälzt: Branaghs Heldenstück, düster, stürmisch und todesbitter, hat einen Höhepunkt von schrecklicher Pracht.“

Angela Gatterburg: Der Spiegel[2]

„Es ist eins der Wunder von Shakespeares Prosa, dass, wenn sie von Schauspielern vorgetragen wird, die die Bedeutung der Worte erfassen, sie heute verständlich ist wie zur Zeit ihrer Entstehung […] Branagh hat hier einen ziemlichen Film abgeliefert. […] Branagh ist fähig, sich als König zu sehen, und so sehen wir ihn auch.“

Roger Ebert[5]

„Mister Branagh hat eine feine, mitreißende neue englische Verfilmung gedreht […], ein Film, der sich bei Laurence Oliviers Klassiker von 1944 nicht entschuldigen muss. […] mit den hervorragendsten Darstellern.“

Vincent Canby: The New York Times[1]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Academy Awards 1990

  • Oscar in der Kategorie Bestes Kostümdesign für Phyllis Dalton
  • Nominierung in der Kategorie Bester Hauptdarsteller für Kenneth Branagh
  • Nominierung in der Kategorie Bester Regisseur für Kenneth Branagh

BAFTA Award 1990

  • BAFTA Award in der Kategorie Beste Regie für Kenneth Branagh
  • Nominierung in der Kategorie Bester Hauptdarsteller für Kenneth Branagh
  • Nominierung in der Kategorie Beste Kamera für Kenneth MacMillan
  • Nominierung in der Kategorie Bestes Kostümdesign für Phyllis Dalton
  • Nominierung in der Kategorie Bestes Produktionsdesign für Tim Harvey
  • Nominierung in der Kategorie Bester Ton für Campbell Askew, David Crozier und Robin O'Donoghue

Chicago Film Critics Association Awards 1990

  • CFCA Award in der Kategorie Bester ausländischer Film

European Film Awards 1990

  • European Film Award in der Kategorie Bester Hauptdarsteller für Kenneth Branagh
  • European Film Award in der Kategorie Bester Regisseur für Kenneth Branagh
  • European Film Award in der Kategorie Bester junger Film für Kenneth Branagh

Evening Standard British Film Awards 1990

  • Evening Standard British Film Award in der Kategorie Bester Film für Kenneth Branagh

National Board of Review 1989

  • NBR Award in der Kategorie Bester Regisseur für Kenneth Branagh

New York Film Critics Circle Awards 1989

  • NYFCC Award in der Kategorie Bester neuer Regisseur für Kenneth Branagh

Sant Jordi Awards 1991

  • Sant Jordi in der Kategorie Bester ausländischer Hauptdarsteller für Kenneth Branagh

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatVincent Canby: Henry V (1989) – ein bodenständiger „Henry V“ legt Spektakel und Pomp ab. In: The New York Times. 8. November 1989, abgerufen am 23. Juni 2008 (englisch): „Mr. Branagh has made a fine, rousing new English film adaptation […], a movie that need not apologize to Laurence Olivier’s 1944 classic. […] acted by the mostly superlative actors. / complex nature of the ambitious young Henry […] It’s a tougher text than Olivier’s. […] Shakespeare without propaganda“
  2. a b  Angela Gatterburg: Karrierekönig. In: Der Spiegel. Nr. 52, 1990, S. 172b (online).
  3. Dies und das in der Internet Movie Database (englisch)
  4. Henry V. im Lexikon des Internationalen Films
  5. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatRoger Ebert: Henry V. rogerebert.com, 15. Dezember 1989, abgerufen am 23. Juni 2008 (englisch): „One of the wonders of Shakespeare’s prose is that, spoken by actors who understand the meaning of the words, it is almost as comprehensible today as when it was first written. […] Branagh has made quite a film here. […] Branagh is able to see himself as a king, and so we can see him as one.“