Judi Dench

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Dame Judith „Judi“ Olivia Dench, CH, DBE, FRSA (* 9. Dezember 1934 in York, North Yorkshire, England) ist eine britische Schauspielerin. Sie wirkte in zahlreichen Shakespeare-Inszenierungen mit und war Ensemblemitglied der Royal Shakespeare Company. In den James-Bond-Verfilmungen war Dench von GoldenEye (1995) bis Skyfall (2012) in der Rolle der „M“ zu sehen.

Privatleben[Bearbeiten]

In York geboren, wuchs Judi Dench als jüngstes Kind mit vier weiteren Geschwistern in Tyldesly, Greater Manchester, auf. Ihr Vater Reginald Arthur Dench († 1964) war als Arzt für das lokale Theater tätig. Auch Denchs älterer Bruder arbeitet als Schauspieler. Ihre Mutter, Eleanora Olave Jones, stammte aus Dublin. Judi Dench wurde streng religiös als Quäkerin erzogen; ihr Glaube ist nach ihren eigenen Worten auch heute noch essentiell für ihr Leben und ihre Arbeit.[1]

Judi Dench war seit 1971 mit dem Schauspieler Michael Williams verheiratet, der 2001 an Lungenkrebs verstarb. Die gemeinsame Tochter Tara (genannt Finty Williams) wurde am 24. September 1972 geboren und trat später in die Fußstapfen ihrer Eltern. Im Februar 2012 erklärte Dench in einem Interview, dass sie an einer Makuladegeneration leide, aber ihr Augenlicht deswegen nicht verlieren werde.[2][3]

Karriere[Bearbeiten]

Theater[Bearbeiten]

Dench ist eine vielfach ausgezeichnete Theaterschauspielerin. Sie wurde an der Central School of Speech and Drama in London ausgebildet und spielte anschließend bei der Old Vic Company. Sie ging mit der Royal Shakespeare Company in den Vereinigten Staaten, Kanada und Europa auf Tournee. Ihre Darstellung der „Julia“ in einer Produktion von Romeo und Julia am Old Vic brachte ihr im Alter von 25 Jahren den Durchbruch. Auf der Bühne war sie hauptsächlich in klassischen Stücken zu sehen, zum Beispiel als „Ophelia“ in Hamlet, in der Komödie Maß für Maß oder dem Drama Heinrich V.

1968 erhielt sie als „Sally Bowles“ bei der britischen Erstaufführung des Musicals Cabaret verschiedenen Theaterpreise. Mitte der 1970er Jahre stellte sie ihr komisches Talent in Shakespeares Die Komödie der Irrungen und Viel Lärm um nichts unter Beweis.

Dench sollte eigentlich 1981 die „Grizabella“ in der Uraufführung von Andrew Lloyd Webbers Musical Cats spielen, musste die Rolle jedoch aufgrund einer Verletzung Elaine Paige überlassen.

Für ihr Regiedebüt arbeitete sie mit der Renaissance Theatre Company zusammen und inszenierte für die Spielzeit 1988 Viel Lärm um Nichts mit Kenneth Branagh und Samantha Bond in den Hauptrollen. Es folgten weitere Regiearbeiten wie Macbeth an der Central School of Speech and Drama und Romeo und Julia.

Obwohl die Schauspielerin auch mit Film- und Fernsehauftritten sehr erfolgreich ist, steht sie weiterhin regelmäßig auf der Bühne. In der Spielzeit 2009 war sie im Wyndham’s Theatre in einer Produktion von Yukio Mishimas Madame De Sade zu sehen. 2010 wurde sie in einer Umfrage des britischen Branchenmagazins The Stage auf Platz eins der „besten britischen Theaterschauspieler aller Zeiten“ gewählt.[4]

Fernsehen[Bearbeiten]

Seit den 1960er Jahren ist Dench wiederholt im Fernsehen aufgetreten. Meist handelte es sich dabei um Shakespeare- oder andere Literaturverfilmungen. Ihre Präsenz in solchen Produktionen erntete vielfach das Lob der Kritiker und brachte ihr mehrmals den BAFTA Television Award ein. Weiterhin trat sie langjährig in den Fernsehserien A Fine Romance (1981–1984) und As Time Goes By (1992–2004) auf.

Film[Bearbeiten]

Dench gab 1964 ihr Kinodebüt in dem Film The Third Secret. Seither war sie regelmäßig neben ihrer Arbeit am Theater auch in Kino- und Fernsehfilmen zu sehen. 1968 spielte sie in einer Verfilmung von Ein Sommernachtstraum die „Titania“, die sie bereits auf der Bühne dargestellt hatte. 1974 verkörperte sie im Film Luther dessen Frau Katharina von Bora. Für ihre Rolle in der Verfilmung von Edward Morgan Forsters Roman Zimmer mit Aussicht wurde Dench 1987, wie auch ihre Kollegin Maggie Smith, mit dem British Academy Film Award ausgezeichnet. Es folgten weitere Literaturverfilmungen wie Henry V. oder Hamlet.

In der James-Bond-Reihe ist die Schauspielerin seit 1995 in der Rolle der „M“ zu sehen. 2012 verkörperte sie in Skyfall zum siebten und letzten Mal die Chefin des britischen Geheimdienstes MI6. Im selben Film wird Ralph Fiennes als ihr Nachfolger eingeführt.

Für ihre Darstellung der Königin Victoria in Ihre Majestät Mrs. Brown war Dench 1998 für einen Oscar nominiert, unterlag bei der Verleihung jedoch Helen Hunt. Im darauffolgenden Jahr, bei der Oscarverleihung 1999, war sie dann mit ihrem siebenminütigen Auftritt als „Elisabeth I.“ in Shakespeare in Love erfolgreich.

1999 stand die Schauspielerin mit ihrer Freundin Maggie Smith sowie mit Cher, Lily Tomlin und Joan Plowright für Franco Zeffirelli in Tee mit Mussolini vor der Kamera.

An der Seite von Johnny Depp und Juliette Binoche spielte sie im Film Chocolat – Ein kleiner Biss genügt eine Diabetikerin, die sich gegen den Rat ihrer Tochter die Zeit in der Chocolaterie vertreibt. Mit dem Regisseur Lasse Hallström arbeitete sie in dem Drama Schiffsmeldungen 2001 erneut zusammen.

Im Jahr 2004 spielte Dench, erneut neben Maggie Smith, in Der Duft von Lavendel. Der Film erhielt geteilte Kritiken, die Leistungen der beiden Hauptdarstellerinnen wurden jedoch positiv bewertet. Im selben Jahr war Judi Dench auch als Synchronsprecherin für den Film Die Kühe sind los tätig, die von ihr gesprochene „Mrs. Caloway“ wurde in der deutschen Fassung von Christiane Hörbiger synchronisiert.

Für ihre Rolle der Geschichtslehrerin „Barbara Covett“ in Tagebuch eines Skandals wurde Dench für mehrere Filmpreise nominiert.

Die deutsche Synchronstimme von Judi Dench war bis Mitte 2013 Gisela Fritsch.[5] Nach dem Tod Fritschs im Juli 2013 übernimmt Kerstin de Ahna die Synchronisation Judi Denchs.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Theater[Bearbeiten]

  • 1977: Laurence Olivier Award als „Beste Schauspielerin in einem Revival“ für Macbeth
  • 1980: Evening Standard Award als „Beste Schauspielerin“ für Juno and the Paycock
  • 1982: Evening Standard Award als „Beste Schauspielerin“ für The Importance of Being Earnest und A Kind of Alaska
  • 1982: Critics’ Circle Theatre Award als „Beste Schauspielerin“ für The Importance of Being Earnest und A Kind of Alaska
  • 1984: Laurence Olivier Award als „Beste Schauspielerin ein einem neuen Stück“ für Pack of Lies
  • 1987: Critics’ Circle Theatre Award als „Beste Schauspielerin“ für Antony and Cleopatra
  • 1987: Laurence Olivier Award als „Beste Schauspielerin“ für Antony and Cleopatra
  • 1987: Evening Standard Award als „Beste Schauspielerin“ für Antony and Cleopatra
  • 1996: Laurence Olivier Award als „Beste Schauspielerin in einem Musical oder einer Show“ für A Little Night Music
  • 1996: Laurence Olivier Award als „Beste Schauspielerin“ für Absolute Hell
  • 1997: Critics’ Circle Theatre Award als „Beste Schauspielerin“ für Amy’s View
  • 1999: Tony Award als „Beste Hauptdarstellerin“ für Amy’s View
  • 2004: Laurence Olivier Spezial-Preis für ihre Verdienste um das britische Theater

Film und Fernsehen[Bearbeiten]

Oscar

  • Auszeichnung
1999: Beste Nebendarstellerin (Shakespeare in Love)
  • Nominierungen
1998: Beste Hauptdarstellerin (Ihre Majestät Mrs. Brown)
2001: Beste Nebendarstellerin (Chocolat – Ein kleiner Biss genügt)
2002: Beste Hauptdarstellerin (Iris)
2006: Beste Hauptdarstellerin (Lady Henderson präsentiert)
2007: Beste Hauptdarstellerin (Tagebuch eines Skandals)
2014: Beste Hauptdarstellerin (Philomena)

BAFTA Awards

  • Auszeichnungen
1966: Vielversprechendstes Nachwuchstalent in einer Filmhauptrolle (Die Vier Gerechten)
1968: Beste Fernsehschauspielerin (Talking to a Stranger)
1982: Beste Fernsehschauspielerin (A Fine Romance; BBC2 Playhouse: Going Gently; The Cherry Orchard)
1985: Beste Darbietung der Fernsehunterhaltung (A Fine Romance)
1987: Beste Nebendarstellerin (Zimmer mit Aussicht)
1998: Beste Hauptdarstellerin (Ihre Majestät Mrs. Brown)
1999: Beste Nebendarstellerin (Shakespeare in Love)
2001: Academy Fellowship
2001: Beste Fernsehschauspielerin (The Last of the Blonde Bombshells)
2002: Beste Hauptdarstellerin (Iris)
  • Nominierungen
1980: Beste Fernsehschauspielerin (A Performance of Macbeth; BBC2 Play of the Week: On Giant’s Shoulders; A Village Wooing)
1983: Beste Darbietung der Fernsehunterhaltung (A Fine Romance)
1984: Beste Fernsehschauspielerin (Saigon: Year of the Cat)
1984: Beste Darbietung der Fernsehunterhaltung (A Fine Romance)
1986: Beste Nebendarstellerin (Wetherby)
1988: Beste Nebendarstellerin (Zwischen den Zeilen)
1989: Beste Nebendarstellerin (Eine Handvoll Staub)
1990: Beste Fernsehschauspielerin (Behaving Badly)
1998: Beste komödiantische Darbietung (As Time Goes By)
2001: Beste Nebendarstellerin (Chocolat – Ein kleiner Biss genügt)
2002: Beste Nebendarstellerin (Schiffsmeldungen)
2006: Beste Hauptdarstellerin (Lady Henderson präsentiert)
2007: Beste Hauptdarstellerin (Tagebuch eines Skandals)
2008: Beste Fernsehschauspielerin (Cranford)
2012: Beste Nebendarstellerin (My Week with Marilyn)
2013: Beste Nebendarstellerin (James Bond 007: Skyfall)

Golden Globe Award

  • Auszeichnungen
1998: Beste Hauptdarstellerin – Drama (Ihre Majestät Mrs. Brown)
2001: Beste Hauptdarstellerin – Mini-Serie oder TV-Film (The Last of the Blonde Bombshells)
  • Nominierungen
1999: Beste Nebendarstellerin (Shakespeare in Love)
2001: Beste Nebendarstellerin (Chocolat – Ein kleiner Biss genügt)
2002: Beste Hauptdarstellerin – Drama (Iris)
2006: Beste Hauptdarstellerin – Komödie oder Musical (Lady Henderson präsentiert)
2007: Beste Hauptdarstellerin – Drama (Tagebuch eines Skandals)
2009: Beste Hauptdarstellerin – Mini-Serie oder TV-Film (Cranford)
2011: Beste Hauptdarstellerin – Mini-Serie oder TV-Film (Return to Cranford)
2013: Beste Hauptdarstellerin – Komödie/Musical (Best Exotic Marigold Hotel)
2014: Beste Hauptdarstellerin - Drama (Philomena)

Emmy

  • Nominierungen
2001: Herausragende Hauptdarstellerin in einer Miniserie oder einem Film (The Last of the Blonde Bombshells)
2008: Herausragende Hauptdarstellerin in einer Miniserie oder einem Film (Cranford)
2010: Herausragende Hauptdarstellerin in einer Miniserie oder einem Film (Return to Cranford)

Engagements[Bearbeiten]

Theater[Bearbeiten]

Film und Fernsehen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Judi Dench als Quäkerin The Guardian vom 12. September 2005
  2. Erkrankung der Netzhaut: Judi Dench verliert ihr Augenlicht in Spiegel Online vom 18. Februar 2012
  3. Judi Dench says she isn't going blind ABC-News vom 22. Februar 2012
  4. vgl. Spencer, Charles: The greatest players of all time?. In: The Daily Telegraph, 17. Dezember 2010, S. 25
  5. http://www.synchronkartei.de/index.php?action=show&type=actor&id=105 (letzter Zugriff: 24. Oktober 2010)
  6. vgl. Europäischer Filmpreis für Judi Dench bei fr-online.de (letzter Zugriff: 24. Oktober 2010)
  7. Praemium Imperiale für …. In: Saarbrücker Zeitung (Kultur) vom 12. Juli 2011, S. B4

Literatur[Bearbeiten]

  • John Miller: Judi Dench: With a Crack in Her Voice. The Biography. Weidenfeld & Nicolson, London 1998, ISBN 0-297-81963-1.
  • Judi Dench, John Miller: Scenes from My Life. Weidenfeld & Nicolson, London 2005, ISBN 0-297-84427-X.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Judi Dench – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien