Kadett

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Kadett (Begriffsklärung) aufgeführt.
Kadett in Berlin, 1717

Kadett (französisch cadet „Jüngerer“[1]), auch Kadettenschüler, ist eine Bezeichnung für einen Zögling einer militärischen Erziehungsanstalt zur Vorbereitung auf eine mögliche militärische Karriere ggf. als Offizier. In verallgemeinerter Form fand der Begriff europaweit Verbreitung. So war Cadet im 18. Jahrhundert in vielen Ländern eine allgemein übliche und geläufige Bezeichnung für jugendliche oder junge Adlige im Militär.

Frankreich[Bearbeiten]

Ursprünglich nannte man in Frankreich die jüngeren Söhne französischer Adelsfamilien Kadetten. Da in der Regel nur dem ältesten Sohn das Familienerbe zufiel, suchten die nachgeborenen Söhne traditionell ihr Glück in einem geistlichen Amt oder beim Militär.

König Ludwig XIV. fasste die Kadetten in besondere Kompanien zusammen, in denen sie bis zum Erhalt des Offizierspatents als Freiwillige dienten. Den berühmten Gascogner Kadetten setzten Alexandre Dumas in dem Roman Die drei Musketiere und Edmond Rostand in dem Stück Cyrano de Bergerac ein literarisches Denkmal.

Deutschland[Bearbeiten]

DDR-Kadettenschüler in Uniform, 1959

Bei der Deutschen Marine der Bundeswehr heißen die Seeoffizieranwärter im Range eines Unteroffiziers Seekadetten. Im deutschen Sprachraum sind die Begriffe Offizieranwärter (Bundesrepublik Deutschland) bzw. Offiziersanwärter (Österreich) und Aspirant (Schweiz) gebräuchlich.

In der NVA der DDR waren die Begriffe Kadettenschüler, Kursant und Offiziersschüler gebräuchlich.

Österreich-Ungarn[Bearbeiten]

In Österreich-Ungarn trugen die Kadetten der k.u.k. Armee an den Kragenenden die Distinktionsborte der Feldwebel, jedoch goldfarben statt kaisergelb. Hinzu kamen die Distinktionssterne der entsprechend bekleideten Charge, z. B. für den Kadett-Gefreiten ein sechsspitziger Stern aus weißem Tuch (seit 1901: Celluloid) oder drei Sterne für den Kadett-Zugsführer. Bekleidete ein Kadett die Feldwebel-Charge, so legte er zusätzlich das kaisergelbe Feldwebel-Distinktionsbörtchen an, das am oberen Rand des Goldbörtchens zur Hälfte vorzustehen hatte. Den Kadett-Offiziersstellvertreter kennzeichnete das einfache Goldbörtchen, darauf ein silberner Leutnantstern, jedoch plattiert (statt erhaben, wie für Offiziere üblich).

Litauen[Bearbeiten]

In Litauen gibt es General-Povilas-Plechavičius-Kadettenschule, eine allgemeinbildende Mittelschule, in Kaunas.

Russland[Bearbeiten]

Russischer Suworow-Kadett in Berlin (2010)

In Russland haben Kadettenanstalten eine lange Tradition, die bis in die Zarenzeit zurückreicht. Auch in den Jahren der Sowjetunion erfreuten sich diese Bildungseinrichtungen großer Beliebtheit und gelten heute als Eliteschulen. Die Schüler werden allgemein als Kursanten bezeichnet, können aber auch nach dem Namensgeber oder dem Träger der Schule bezeichnet werden, beispielsweise Nachimowschüler oder Suworowschüler. Hier ist der Anteil der Absolventen, der nach dem Abitur einen militärischen Beruf ergreift, relativ hoch.

In Russland gibt es heute noch mehr als 25 Kadettenschulen für Knaben ab Klasse 5 bis zum Abitur, als Vorbereitung für eine künftige militärische Karriere.

USA[Bearbeiten]

In den USA sind noch heute Kadettenanstalten verbreitet. Der Anteil der Absolventen, der nach Abschluss der Schulausbildung tatsächlich den Militärberuf ergreift, ist aber gering.

„Kadetten“ im Sport[Bearbeiten]

Internationale Wintersportwettkämpfe werden in den Altersklassen Kadetten (16–18 Jahre), Junioren (19–20 Jahre), Espoirs (21–23 Jahre) und Senioren (ab 24 Jahre) bestritten (siehe auch Klasseneinteilung im Sport).

Literatur[Bearbeiten]

Hermann Hinterstoisser: Die Adjustierung des k.(u.)k. Heeres 1868 - 1914, Bd 1: Die Infanterie, In: Heide Stöhr (Hrsg.): Österreichische Militärgeschichte. Sonderband 1998. Wien 1998

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zur Etymologie siehe Kadett bei Duden online