Ernst von Salomon

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Ernst von Salomon (* 25. September 1902 in Kiel; † 9. August 1972 in Stöckte, Winsen (Luhe); auch: Ernst Friedrich Karl von Salomon) war ein deutscher Schriftsteller. In der Weimarer Republik war er wiederholt an politischen Verbrechen beteiligt. Später wandelte er sich vom Nationalisten zum Pazifisten. Nach 1945 war er als Drehbuchautor erfolgreich. Sein bekanntestes Werk ist der autobiographische Roman Der Fragebogen (1951), in dem Salomon anhand des 113 Fragen des US-amerikanischen Entnazifizierungs-Fragebogens seine Autobiographie schrieb und die Absurdität dieses Fragebogens darstellt. Salomon ließ „wenig Distanz zu seiner eigenen Geschichte“ erkennen und machte sich mit dem Buch „zum Sprecher derjenigen“, die trotz der Zerstörung Deutschlands und der zahllosen Opfer der nationalsozialistischen Unrechtspolitik „weiterhin deutschnational dachten“. [1]Einem Bonmot Alfred Polgars in seiner Besprechung des Romans von 1951 zu Folge, wurde in dem Roman Salomons „das ungeratene Dritte Reich zurechtgewiesen, wie ein ungeratener Sohn von seinem Vater, dem hierbei der Stolz über den Teufelsjungen im Auge blinkt“.[2] Das Buch hatte eine hohe Auflage.

Leben[Bearbeiten]

Jugend vor und während des Ersten Weltkrieges[Bearbeiten]

Salomons Vater aus der Adelsfamilie von Salomon, ein ehemaliger Offizier, war Polizeibeamter. Ernst von Salomon hatte einen älteren Bruder Bruno und die jüngeren Brüder Horst und Günther. Ab 1913 wurde er in den preußischen Kadettenanstalten in Karlsruhe und in Groß-Lichterfelde, der Hauptkadettenanstalt bei Berlin, erzogen.

Weimarer Republik[Bearbeiten]

1918 meldete er sich zu den regierungstreuen Truppen des Freikorps Maercker. Mit diesem kämpfte er Anfang 1919 während des Spartakusaufstandes in Berlin und nahm an der Sicherung der Weimarer Nationalversammlung teil. 1919 kämpfte er im Freikorps des Hauptmanns Liebermann im Baltikum . Als die Front der Eisernen Division zusammenbrach, flüchteten die Freikorps zurück nach Deutschland. Ernst von Salomon war mehrere Male bei den Kämpfen verwundet worden. Die Truppen kamen gerade recht, um unter Kapitän Ehrhardt am Kapp-Putsch in Berlin teilzunehmen. 1921 hielt sich Salomon mit dem Freikorps Wolf in Oberschlesien auf.

Nach der Auflösung der Freikorps 1920 wurde Salomon Mitglied der Frankfurter Gruppe der auf Beseitigung der Republik ausgerichteten, antisemitischen Organisation Consul, einer klandestinen Nachfolgeorganisation des Freicorps Ehrhardt, unter Friedrich Wilhelm Heinz. Die Organisation Consul wollte die Republik beseitigen . Dass sollte durch die Ermordung von exponierten Personen dieser Demokratie passieren. Dazu zählten vor allem Politiker jüdischer Abstammung, Politiker der demokratischen Parteien der Mitte, Politiker der Linken, Pazifisten und Politiker, die an den Verhandlungen des Versailler Friedens beteiligt waren. So beteiligte sich Salomon auch am „angeblich nicht antisemitisch motivierten Attentat“ auf den Außenminister Walther Rathenau. [3]Rathenau wurde am 24. Juni 1922 auf der Fahrt von seinem Wohnhaus zum Aussenministerium in seinem offenen Wagen aus einem überholenden Auto durch Komplizen Salomons mit Schüssen aus einer Maschinenpistole und durch den Wurf einer Handgranate ermordet. Salomon hatte dazu vor dem Haus Rathenaus gewartet und seinen im Hinterhalt lauernden Komplizen die Abfahrt des Wagens Rathenaus gemeldet. Im Oktober 1922 wurde ein Prozess gegen die Täter vor dem mit dem Republikschutzgesetz neu errichteten „Staatsgerichtshof zum Schutz der Republik“ in Leipzig geführt. Salomon wurde wegen Beihilfe zum Mord zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt.[4]

Noch vor dem Rathenauattentat hatte Salomon an einem versuchten Fememord teilgenommen. Vom 4. auf den 5. März 1922 versuchten die Frankfurter OC-Männer um Karl Tillessen, Kern und Ernst von Salomon den OC-Fahrer, Erwin Wagner, der ihnen bei der Befreiung von Ludwig Dithmar, einem der bei den Leipziger Prozessen verurteilten Kriegsverbrecher, behilflich gewesen war, als vermeintlichen Spitzel in Bad Nauheim umzubringen. Dabei hatten Salomon und seine Mittäter Wagner mit Totschlägern schwer am Kopf verletzt und seinen Körper mit einem Stein beschwert in den See des Kurparks geworfen. Als der noch lebende Wagner versuchte, dem Ertrinken zu entgehen und an Land watete, schossen die Mörder auf ihn. Salomon verhinderte mit einer Armbewegung den tödlichen Treffer, so dass Wagner schwimmend zur anderen Seite des Sees entkam. Salomon hatte sich noch nicht getraut, einen offenen Mord zu begehen.[5]Wagner hatte es nach dem Mordversuch nicht gewagt, diesen der Polizei zu melden. [6] So war die Tat 5 Jahre ungesühnt geblieben.

Der Mordversuch an Wagner wurde 1926 durch eine Zeugenaussage im 1926 errichteten Reichstagsfemeausschuss aufgedeckt. Bezüglich dieser Tat kam es 1927 zu dem „Giessener Fememordprozess“ gegen Heinz, Salomon und einen weiteren OC- Mann, Ernst Casimir Schwing.[7] Salomons Verteidiger war der auf Femesachen und rechtsradikale Attentäter spezialisierte „Staranwalt der Rechtsextremisten Walter Luetgebrune“. [8] Bei dem Prozess zogen alle Zeugen die Aussagen gegen die Angeklagten zurück. Die wiederum schoben alle Schuld auf den bei dem Rathenau- Attentat umgekommenen Erwin Kern. Die Tätigkeit der OC blieb im Dunkeln und Karl Tillesen konnte als Zeuge unwiderlegt behaupten, dass die Feme nicht in Mord, sondern in gesellschaftlicher Ächtung der Opfer bestanden habe. Man habe dem Opfer höchstens eine Abreibung verpassen wollen. Dazu waren die Richter sehr gegen die Republik voreingenommen. So kam es zu milden Urteilen und die Tätigkeit der Organisation Consul wurde nicht aufgeklärt. Salomon wurde wegen Körperverletzung zu dreieinhalb Jahren Gefängnis und Ernst Schwing wegen Beihilfe zum versuchten Totschlage zu eineinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Heinz wurde wegen Mangels an Beweisen freigesprochen. [9] Salomons Strafe wurde mit seiner ersten Verurteilung zusammen auf eine Gesamtdauer von 7 Jahren festgelegt. Später räumte Salomon ein, dass Urteil in Giessen ein Fehlurteil gewesen sei, weil sie wirklich versucht hätten, Wagner zu ermorden. Dass es Ihnen nicht gelungen sei, sei ein "Versager gewesen". [10]Infolge eines Gnadenaktes des Reichspräsidenten Hindenburg wurde Salomon schon im Dezember 1927 aus dem Zuchthaus Marienschloss-Rockenberg auf Bewährung entlassen. Er heiratete danach in Berlin seine Jugendliebe Lieselotte Wölbert, mit der er sich als Häftling im Zuchthaus Striegau 1923 verlobt hatte. Sie gingen nach wenigen Jahren auseinander, blieben aber bis nach 1945 verheiratet.

Nach der Haftentlassung beschäftigte sich Salomon unter anderem mit Geldsammlungen zur Unterstützung inhaftierter Fememörder. Er war mit Walter Schücking in Kiel bekannt. Walter Luetgebrune vermittelte ihm den Kontakt zu Paul Fechter, der am 29. April 1928 im Feuilleton der DAZ Salomons erste größere Arbeit, den Essay „Der erste Tag“ veröffentlichte.[11] Fechter rühmte sich in seiner 1952 neu herausgegebenen „Deutschen Literaturgeschichte“, Salomon literarisch entdeckt zu haben.[12] Die nun erwachte öffentliche Aufmerksamkeit führte zur Aufnahme des Autors in die Kreise der Konservativen Revolution und des Nationalbolschewismus um Friedrich Hielscher, Hartmut Plaas und Arnolt Bronnen. Salomon publizierte fortan Arbeiten in deren Presse.

Menschenauflauf vor dem Reichstag am 1. September 1929

1929 unterstützte Salomon an der Seite seines Bruders Bruno die Landvolkbewegung in Schleswig-Holstein vor Ort zunächst publizistisch. Die Kampfformen der Bauern steigerten sich zu Bombenattentaten, woran sich Salomon mit einem provokatorischen Scheinanschlag auf das Reichstagsgebäude in Berlin beteiligte. Im Keller des Gebäudes explodierte in der Nacht zum 1. September 1929 eine „Höllenmaschine“, ein mit einem „nichtbrisanten, schwarzpulverartigen Sprengstoff“ gefülltes Paket, das Salomon dort mit Walter Muthmann abgelegt hatte. Der Sachschaden war minimal.[13] Die Folge war eine größere Verhaftungsaktion, die nicht nur das nationalkonservative Lager betraf. Salomon konnte keine Tatbeteiligung nachgewiesen werden, und im Dezember ließ man ihn frei. Während der dreimonatigen Untersuchungshaft in Justizvollzugsanstalt Moabit vollendete Salomon auf Anregung von Ernst Rowohlt seinen autobiographischen Romanerstling Die Geächteten, der im Januar 1930 im Rowohlt-Verlag erschien. 1933 folgte im gleichen Verlag Die Kadetten mit einem Bekenntnis zum Preußentum. Beide Bücher waren Erfolge – im Unterschied zum 1932 erschienenen Roman Die Stadt, den Salomon allerdings als sein bestes Werk einschätzte. Der Roman enthält eine autobiografisch gefärbte Schilderung der Rebellion. Dass zur Landvolkbewegung drei bekannte deutsche Schriftsteller, Hans Fallada mit Bauern, Bonzen und Bomben (Berlin, Rowohlt 1931), Salomon mit Die Stadt (Rowohlt, Berlin 1932) und Bodo Uhse mit Söldner und Soldat (Carrefour, Paris 1935), Romane als Augenzeugen geschrieben hatten, ist von der deutschen Literaturforschung bisher „weitgehend unbeachtet geblieben“.[14]

Während des Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten 1933 veröffentlichte Salomon an Büchern den Roman die Kadetten, und danach das Sachbuch Nahe Geschichte. Letzteres war eine Vorveröffentlichung zur Geschichte der Freikorpskämpfer, die 1938 als das Das Buch vom deutschen Freikorpskämpfer erschien. Salomons Veröffentlichungen aus den Jahren vor 1933 erschienen in Neuauflagen oder als Auszüge in der Reihe „Dokumente vom Kampf um die Wiedergeburt der Nation“. Mit all diesen Büchern hatte Salomon im Nationalsozialismus sehr hohe Auflagen. [15] Im April 1933 wurde Salomon zusammen mit Hans Fallada kurzzeitig inhaftiert. Der Vermieter von Fallada hatte beide bei der SA und Polizei denunziert. Er hatte eine ihm hintertragene Äußerung falsch verstanden und zeigte Fallada und Salomon wegen eines geplanten Attentats an. Dabei hatte Fallada nur seinem Dienstmädchen gegenüber davon gesprochen, dass sein Freund Salomon ein Attentäter sei. Durch die Fürsprache alter Freunde kamen sie nach einigen Tagen frei. [16]

Das 1933 aufgesetzte Gelöbnis treuester Gefolgschaft deutscher Schriftsteller gegenüber Hitler unterzeichnete Salomon nicht. Nach der Ermordung Röhms 1934 stand Salomon bei NS-Parteidienststellen im Ruf eines „Strasser-Mannes“, zumal sein emigrierter Bruder Bruno ein bekanntes KPD-Mitglied war.[17]

Salomon war Teil eines Freundeskreises, dessen Mitglieder sich in den gemeinsamen Gesprächen regimekritisch äußerten. Zu diesem Kreis gehörten auch Arvid Harnack und Harro Schulze-Boysen, der später einen Teil der von der Gestapo zusammenfassend als „Rote Kapelle“ bezeichneten Widerstandskreise bildeten. Da seine Lebensgefährtin Ille Gotthelft, die mit ihm als zwanzigjährige Literaturstudentin ein Liebesverhältnis eingegangen war, Jüdin war, zogen sich die Salomons aus diesem Freundeskreis zurück.[18] Ille Gotthelft galt nach den Nürnberger Gesetzen von 1935 sogar als „Volljüdin“. Salomon schützte sie vor der Verfolgung, indem er mit ihr zusammenzog und sie als seine Ehefrau ausgab. Diese unterstützte die Täuschung durch den Verzicht auf eine Ehescheidung. Als Ernst Rowohlt trotz gesetzlicher Verpflichtung seine jüdischen Verlagsmitarbeiter nicht entließ, ging Salomon 1934 ein Scheinarbeitsverhältnis im Verlag ein. Er meldete sich statt eines jüdischen Lektors bei der Reichskulturkammer an. Als später aufflog, dass Rowohlt jüdische Lektoren beschäftigt hatte, zählte das zu den Gründen der Schließung des Verlages und der Emigration Rowohlts im Jahre 1938.

Seit 1936 war Salomon ins Filmgeschäft gewechselt und lebte fortan als Drehbuchautor für Unterhaltungsfilme , aber auch Propagandafilme. So schrieb er das Drehbuch zu dem antidemokratischen, „antienglischen und antisemitischen“ NS-Propagandafilm Carl Peters, der im September 1941 in die Kinos kam.[19]Dazu schrieb er an einen Vertrauten: „… vielmehr bin ich ein ganz korruptes Schwein geworden, das den schäbigen Rest von Seele glatt für die Brosamen verkauft, welche vom reich besetzten Tisch der UFA fallen …“.[20] Trotz seines regimekritischen Freundeskreises trat Salomon am 1. November 1938 in die Partei ein, er erhielt die NSDAP-Mitgliedsnummer 6.738.231.[21] Salomon selbst behauptete zeitlebens, nie Parteimitglied geworden zu sein. Auch seinen gegnerisch eingestellten Freunden in Berliner Künstler- und Intellektuellenkreisen blieb der Parteieintritt verborgen. In ihren Lebenserinnerungen erscheint er als einer der Hauptwortführer[22] und mit dem Drang, unzeitgemäß zu sein.[23] Der Schriftsteller Carl Zuckmayer zählte in seinem 1943/44 im Exil für den OSS verfassten Geheimreport Salomon zu den „nicht ohne weiteres einzuordnenden Sonderfällen“ und hier zu den „positiven“:

„Er meinte es volkommen ehrlich mit seiner Abkehr von nationalistischem Verschwörertum, demagogischem Antisemitismus und völkischem Ressentiment. […] Es ist schon eine ziemliche Charakterleistung, dass er sich nicht von den Nazis zum ‚Helden‘ und Märtyrer machen liess, er hätte sich leicht einen Schlageternimbus verschaffen können, aber er war allerdings durch Freundschaften und Beziehungen zu Intellektuellen für die Nazis verdorben und leise verdächtig. Sein menschliches Niveau war zu gut, um sich ins Nazitum abbiegen zu lassen.“[24]

Salomon war von 1935 bis 1945 Mitglied der Reichskulturkammer. Als der Krieg begann, wurde Salomon vom Militärdienst freigestellt. 1940 legte er sich ein Anwesen in Siegsdorf in Oberbayern zu, wo er mit Ille Gotthelft das Kriegsende erlebte. Von Oktober 1944 bis Mai 1945 war Salomon im örtlichen Volkssturm eingesetzt.[25]

Nachkriegszeit und Lebensabend[Bearbeiten]

Am 11. Juni 1945 wurden Ernst von Salomon und Ille Gotthelft vom CIC wegen Salomons „aktiver Feindschaft gegen die Weimarer Republik und seiner Nähe zur nationalsozialistischen Ideologie“ interniert. [26] Während Gotthelft im März 1946 entlassen wurde, blieb Salomon bis zum 5. September 1946 in Haft. Der Film Carl Peters, zu dem von Salomon das Drehbuch verfasst hat, wurde von den britischen Besatzungsbehörden der Anschuldigung verboten, seine Aufführung setze nationalsozialistische Filmpropaganda fort. In der Bundesrepublik ist der Film noch im Jahre 2014 von der Friedrich Murnau-Stiftung wegen seines rassistischen und volksverhetzenden Inhalts als Vorbehaltsfilm kategorisiert und kann nur zu besonderen Bedingungen gezeigt werden.

1951 veröffentlichte Salomon den Roman Der Fragebogen, in dem er sich autobiographisch den 133 Fragen der „Entnazifizierungsbehörde“ stellte (siehe dazu auch 131er und Persilschein). Der Roman, der Salomons Ablehnung gegenüber dem amerikanischen Projekt „Entnazifizierung“ in plakativ ironischer Weise zum Ausdruck brachte, löste erhitzte Diskussionen aus und wurde zum ersten Bestseller der Bundesrepublik Deutschland. Der Roman wurde 1985 unter der Regie von Rolf Busch, mit Heinz Hoenig in der Rolle des Ernst von Salomon, vom Norddeutschen Rundfunk verfilmt. Das szenische Fernsehspiel schildert die Vernehmung von Salomons vor der Spruchkammer, mit filmischen Rückblenden auf das Leben des Autors.

Zwischen 1954 und 1956 verfasste Salomon die Drehbücher zur Filmtrilogie 08/15 (1954/55) und zu Liane, das Mädchen aus dem Urwald (1956). 1960 folgte mit Das Schicksal des A.D. (Arthur Dietzsch) eine erneute autobiographische Reflexion. 1961 nahm Salomon in Tokio an der Weltkonferenz gegen die Atombombe teil. Er engagierte sich in der aufkommenden Friedensbewegung - im Demokratischen Kulturbund Deutschlands und der Deutschen Friedensunion.[27]

Ernst von Salomon ist der Vater des Filmproduzenten und ehemaligen Spiegel TV-Chefredakteurs Cassian von Salomon.[28]

Bewertungen[Bearbeiten]

Der polnisch-britisch-israelische Historiker für Europäische Geschichte und Geschichte des Antisemitismus Robert Wistrich bezeichnete Salomon „als Vorläufer und Wegbereiter des Dritten Reiches – nicht zuletzt durch seine „moralische Farbenblindheit“, seine Selbstgerechtigkeit und seinen Nihilismus“. Seine Autobiographie Der Fragebogen sei bitter, zynisch und von „absoluter Gleichgültigkeit“ gegenüber den Verbrechen des Zweiten Weltkriegs.[29]

In Frankreich wurde der Fragebogen (Le Questionnaire, 1954) zum ersten deutschen Sensationserfolg nach dem Krieg[30] und machte Salomon zu einem der „seltenen Deutschen“, deren Meinung man zu politischen Debatten gern im Fernsehen einholte. Salomon erschien dem Publikum wegen seiner Vergangenheit und seines „antiamerikanischen Zuges“ faszinierender als die „guten Deutschen, die mit Respekt und Langeweile“ anerkannt wurden.

Die Literaturwissenschaft der DDR zählte 1965 Salomons Fragebogen zu den „antifaschistischen Autobiografien“, und Salomon erschien als „einstiger Nationalist und Freikorpskämpfer, der zum Hitlergegner wurde und später eine Linkswendung vollzog“.[31] Für andere Autoren gilt er als geistiger Wegbereiter des Nationalsozialismus.[32][33]

Bücher[Bearbeiten]

Ernst von Salomon: Der Fragebogen, 157.–181. Tausend, Juli 1952
  • Die Geächteten. Ernst Rowohlt, Berlin 1930. Weitere Auflagen 1933; 1938 25.–54. Tausend, Bertelsmann, Gütersloh; 8. Auflage, 140.–159. Tausend, Bertelsmann, Gütersloh 1943.
  • Die Stadt. Ernst Rowohlt, Berlin 1932.
  • Putsch. Diesterweg, Frankfurt 1933. Entnommen aus Salomon: Die Geächteten. Rowohlt, Berlin. Die Auswahl besorgte Rudolf Ibel. Gesamttitel: Das Reich im Werden, Heft 6.
  • Die Verschwörer. Diesterweg, Frankfurt 1933. Entnommen aus von Salomon: Die Geächteten. Rowohlt Berlin. Die Auswahl besorgte Rudolf Ibel. Gesamttitel: Das Reich im Werden, Heft 7.
  • Die Kadetten. Rowohlt, Berlin 1933. Nachauflagen: 1937 für die Deutsche Buchgemeinschaft; 1940 Bertelsmann, Gütersloh 1940; dritte Auflage Bertelsmann, Gütersloh 1942; fünfte Auflage Bertelsmann, Gütersloh 1943; achte Auflage, Bertelsmann, Gütersloh 1943/1944.
    • Kadetten - eine Auswahl. Schaffstein, Köln 1940. Gesamttitel: Schaffsteins blaue Bändchen; 244
  • Nahe Geschichte. Rowohlt, Berlin 1936.
  • Putsch und Verschwörung - Kämpfe um Deutschland in schwerer Zeit. Diesterweg, Frankfurt a. M. 1938. Entnommen aus von Salomon: Die Geächteten. Rowohlt, Berlin. Ursprünglich zwei Hefte, Putsch und Verschwörung. Jetzt in einem Band als Gesamttitel: Das Reich im Werden, Heft 1.
  • Das Buch vom deutschen Freikorpskämpfer. Hrsg. Ernst von Salomon im Auftrag der Freikorpszeitschrift Der Reiter gen Osten. Limpert Berlin 1938
  • Boche in Frankreich, Rowohlt, Hamburg 1950
  • Der Fragebogen. Rowohlt, Reinbek 1951
  • Das Schicksal des A.D. - ein Mann im Schatten der Geschichte. Ein Bericht. Rowohlt, Reinbek 1960.
  • Die schöne Wilhelmine - Ein Roman aus Preussens galanter Zeit. Rowohlt, Reinbek 1965.
  • Glück in Frankreich, Rowohlt, Reinbek 1966.
  • Deutschland. Städte und Landschaften, aus dem Flugzeug gesehen. Buch und Zeit Verlagsgesellschaft, Köln 1967.
  • Deutschland deine Schleswig-Holsteiner. Rowohlt, Reinbek 1971.
  • Die Kette der tausend Kraniche. Rowohlt, Reinbek 1972.
  • Der tote Preuße. Roman einer Staatsidee. Mit einem Vorwort von Hans Lipinsky-Gottersdorf. Langen-Müller, München 1973.

Filmdrehbücher[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Lemma: Ernst von Salomon - Der Fragebogen. In Torben Fischer, Matthias N. Lorenz (Hrsg.): Lexikon der „Vergangenheitsbewältigung“ in Deutschland. Debatten- und Diskursgeschichte des Nationalsozialismus nach 1945. Transcript-Verlag, Bielefeld 2007, ISBN 978-3-89942-773-8. S. 113ff..
  • Jost Hermand: Ernst von Salomon. Wandlungen eines Nationalrevolutionärs. Leipzig: Verlag der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig/Stuttgart: S. Hirzel, 2002 (= Sitzungsberichte der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig. Philologisch-Historische Klasse, Bd. 137, Heft 5). ISSN 0138-3957
  • Jost Hermand: Salomon, Ernst von. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 22, Duncker & Humblot, Berlin 2005, ISBN 3-428-11203-2, S. 392 f. (Digitalisat).
  • Markus Josef Klein: Ernst von Salomon. Eine politische Biographie. Mit einer vollständigen Bibliographie. Mit einem Vorwort von Armin Mohler. San Casciano Verlag, Limburg an der Lahn 1994, ISBN 3-928906-03-8, Zugleich Hochschuldissertation Kiel 1992. In überarb. Neuaufl. u. d. T. Ernst von Salomon. Revolutionär ohne Utopie. Vorwort von Armin Mohler, San Casciano, Limburg a. d. Lahn, 2002, ISBN 3-928906-16-X
  • Martin Lindner: Leben in der Krise. Zeitromane der Neuen Sachlichkeit und die intellektuelle Mentalität der klassischen Moderne. Mit einer exemplarischen Analyse des Romanwerks von Arnolt Bronnen, Ernst Glaeser, Ernst von Salomon und Ernst Erich Noth. Metzler, Stuttgart 1994.
  • Hans Sarkowicz; Alf Mentzer: Schriftsteller im Nationalsozialismus. Ein Lexikon. Insel, Berlin 2011, ISBN 978-3-458-17504-9. S. 512 ff..
  • Maciej Walkowiak: Ernst von Salomons autobiographische Romane als literarische Selbstgestaltungsstrategien im Kontext der historisch-politischen Semantik. Peter Lang, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-631-56863-7.

Filme[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hans Sarkowicz; Alf Mentzer: Schriftsteller im Nationalsozialismus. Ein Lexikon. Insel, Berlin 2011, ISBN 978-3-458-17504-9. S. 513.
  2. zitiert von Hans Sarkowicz; Alf Mentzer: Schriftsteller im Nationalsozialismus. Ein Lexikon. Insel, Berlin 2011, ISBN 978-3-458-17504-9. S. 513f..
  3. Hans Sarkowicz; Alf Mentzer: Schriftsteller im Nationalsozialismus. Ein Lexikon. Insel, Berlin 2011, ISBN 978-3-458-17504-9. S. 512 ff..
  4. Torben Fischer, Matthias N. Lorenz (Hrsg.): Lexikon der „Vergangenheitsbewältigung“ in Deutschland. Debatten- und Diskursgeschichte des Nationalsozialismus nach 1945. Transcript-Verlag, Bielefeld 2007, ISBN 978-3-89942-773-8, S. 114.
  5. Martin Sabrow: Die verdrängte Verschwörung. Der Rathenau-Mord und die deutsche Gegenrevolution. Fischer, Frankfurt am Main 1999, ISBN 3-596-14302-0, S. 181.
  6. Martin Sabrow: Die verdrängte Verschwörung. Der Rathenau-Mord und die deutsche Gegenrevolution. Fischer, Frankfurt am Main 1999, ISBN 3-596-14302-0, S. 177
  7. Giessener Fememordprozess in dem Landesgeschichtlichen Informationssystem Hessen [1] - Onlinedarstellung eingesehen 28. November 2014.
  8. Rudolf Heydeloff: Staranwalt der Rechtsextremisten Walter Luetgebrune in der Weimarer Republik . In Vierteljahrsheft für Zeitgeschichte 1983, Heft 3. S. 373 -421. Online http://www.ifz-muenchen.de/heftarchiv/1984_3.pdf - eingesehen 29.11.2014.
  9. Martin Sabrow: Die verdrängte Verschwörung. Der Rathenau-Mord und die deutsche Gegenrevolution. Fischer, Frankfurt am Main 1999, ISBN 3-596-14302-0, S. 178.
  10. Ernst von Salomon: Der Fragebogen. Rowohlt, Reinbek 1951, S. 144.
  11. Hierzu Klein (Literaturliste), S. 146f.
  12. Paul Fechter: Geschichte der Deutschen Literatur, Bertelsmann, Gütersloh 1952, S. 584
  13. Zum Hergang und zur Höllenmaschine siehe Ulrich Thürauf (Hrsg.): Schulthess’ Europäischer Geschichtskalender. Neue Folge. Fünfundvierzigster Jahrgang 1929. Der ganzen Reihe 70. Band, C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1931, S. 165; ähnlich Klein, S. 190. Dort auch der Hinweis zum Gutachten der Chemisch-Technischen Reichsanstalt zum nichtbrisanten Sprengstoff.
  14. So Alexander Otto-Morris: „Bauer, wahre dein Recht!“ Landvolkbewegung und Nationalsozialismus 1928/30. In: Arbeitskreis zur Erforschung des Nationalsozialismus in Schleswig-Holstein e. V. (Hrsg.): „Siegeszug in der Nordmark“. Schleswig-Holstein und der Nationalsozialismus 1925–1950. (= Informationen zur Schleswig-Holsteinischen Zeitgeschichte, Heft 50) 2. Auflage. Kiel 2009, S. 68
  15. Hans Sarkowicz; Alf Mentzer: Schriftsteller im Nationalsozialismus. Ein Lexikon. Insel, Berlin 2011, ISBN 978-3-458-17504-9. S. 513.
  16. Jenny Williams: Mehr Leben als eins - Hans Fallada - Biographie". Übersetzt aus dem Englischen von Hans Christian Oeser, Berlin 2011, ISBN 3-351-02532-7, S. 185-188.
  17. Armin Mohler: Die Konservative Revolution in Deutschland 1918–1932. Ein Handbuch. Dritte, um einen Ergänzungsband erweiterte Auflage. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1989, S. 50
  18. Hans Coppi [jun.]: Harro Schulze Boysen – Wege in den Widerstand. Eine biografische Studie, Koblenz 1993, S. 148, 154, 185
  19. Hans Sarkowicz; Alf Mentzer: Schriftsteller im Nationalsozialismus. Ein Lexikon. Insel, Berlin 2011, ISBN 978-3-458-17504-9. S. 513.
  20. Brief an Hans Grimm vom 7. August 1936, zit. nach Markus Josef Klein: Ernst von Salomon. Eine politische Biographie. Mit einer vollständigen Bibliographie. Limburg a.d. Lahn 1994, S. 234
  21. Bernhard Sauer: Schwarze Reichswehr und Fememorde. Eine Milieustudie zum Rechtsradikalismus in der Weimarer Republik. Metropol-Verlag, Berlin 2004, ISBN 3-936411-06-9, S. 99. Sauer weist an dieser Stelle darauf hin, dass die Frage der Mitgliedschaft in der Literatur häufig bestritten wird. Sauer erwähnt hier als Beispiel Robert Wistrichs Wer war wer im Dritten Reich, München 1983.
  22. So Max Tau in Das Land, das ich verlassen mußte. Hoffmann und Campe, Hamburg 1961, S. 239
  23. Axel Eggebrecht in: Der halbe Weg. Zwischenbilanz einer Epoche. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1975, ISBN 3-498-01612-1, S. 295
  24. Carl Zuckmayer: Geheimreport. Deutscher Taschenbuchverlag. München. 2004: S. 108 f.
  25. Jürgen Hillesheim, Elisabeth Michael: Lexikon nationalsozialistischer Dichter. Königshausen & Neumann, Würzburg 1993, ISBN 3-88479-511-2, S. 361.
  26. Richard Herzinger: Ein extremistischer Zuschauer - Ernst von Salomon , konservative Literatur zwischen Tatrhetorik und Resignation. In Zeitschrift für Germanistik Neue Folge 1998, Heft 1, S. 83-96.
  27. ernst-von-salomon.de
  28. Streit um einen Bestseller von 1951. abendblatt.de, abgerufen am 5. Januar 2014
  29. Robert Wistrich: Wer war wer im Dritten Reich. Harnack, München 1983, S. 235 f
  30. François Bondy:Die Rezeption der deutschen Literatur nach 1945 in Frankreich. In: Manfred Durzak (Hrsg.): Die deutsche Literatur der Gegenwart. Aspekte und Tendenzen. Philipp Reclam jun., Stuttgart 1971, S. 415–424, hier S. 418, dort auch das folgende.
  31. Hans-Georg Werner, Werner Feudel, Wolfgang Friedrich, Günter Hartung, Dietrich Sommer, Willi Steinburg: Deutsche Literatur im Überblick. Reclam, Leipzig 1965, S. 295.
  32. Jürgen Hillesheim, Elisabeth Michael: Lexikon nationalsozialistischer Dichter. Königshausen & Neumann, Würzburg 1993, S. 368.
  33. Bernd Lenz, Hans-Jürgen Lüsebrink (Hrsg.): Fremdheitserfahrung und Fremdheitsdarstellung in okzidentalen Kulturen. Theorieansätze, Medien/Textsorten, Diskursformen. Wiss.-Verl. Rothe, Passau 1999, S. 334.