Feldwebel

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Heer/ Luftwaffe, Feldwebel
131-Feldwebel.png Luftwaffe-131-Feldwebel.png

Rangabzeichen am Feld- und Kampfanzug

Dienstgradgruppe der Unteroffiziere m. P.
NATO-Rangcode OR-6
Dienstgrad Heer/Luftwaffe Feldwebel
Dienstgrad Marine Bootsmann
Abkürzung (in Listen) Fw (F)
Besoldungsgruppe A7 nach BBesO

Feldwebel (schweizerisch Feldweibel) ist heute in Teilen des deutschsprachigen Raums die Bezeichnung für den niedrigsten Dienstgrad der Dienstgradgruppe der Unteroffiziere mit Portepee bei Heer und Luftstreitkräften. Der NATO-Rangcode ist OR-6 (engl. Other (enlisted) Ranks (OR) [1]), verwandte Ränge sind Wachtmeister (österreichisches Bundesheer, Polizei, historisch Kavallerie) und Bootsmann (Marine). In vielen anderen Sprachen existiert die Bezeichnung Sergeant für einen vergleichbaren Rang.

Etymologie[Bearbeiten]

Das Wort setzt sich aus dem alten Begriff Weibel für Gerichtsdiener (ahd. weibôn 'sich hin und her bewegen')[2] und Feld für Krieg[3] zusammen.

Bundeswehr[Bearbeiten]

Der Feldwebel (Abk.: Fw / in Listen: F) bezeichnet in Deutschland einen Soldaten im niedrigsten Feldwebeldienstgrad bei der Bundeswehr. Bei der Deutschen Marine heißt dieser Dienstgrad Bootsmann. Offiziersanwärter durchlaufen diesen Dienstgrad als Fähnrich (zur See). Soldaten in diesem Dienstgrad können innerhalb der durch die Vorgesetztenverordnung (VorgV) gesetzten Grenzen Mannschaften und Unteroffizieren ohne Portepee Befehle erteilen.

Die Einstellung zum Feldwebel ist mit einem (Real-)Schulabschluss, bzw. Abschluss mittlerer Reife, und einem für die Verwendung verwertbaren Berufsabschluss auf Meisterebene direkt möglich. Daneben besteht die Möglichkeit aus den Reihen der Stabsunteroffiziere bei fachlicher Eignung und einer „Stehzeit“ von mindestens zwölf Monaten zum Feldwebel befördert zu werden.[4]

Im Unterschied zu vielen anderen Staaten gab es in Deutschland nie die Stellung eines Bataillons- oder Regimentsfeldwebels. Ebenfalls unbekannt ist der Warrant Officer.

Historische Verwendung in deutschen Streitkräften[Bearbeiten]

Historisch war der Feldwebel ein Unteroffizier mit besonderen Aufgaben innerhalb einer Kompanie bzw. der höchste Unteroffiziersdienstgrad. Der Feldwebel war in den deutschen Streitkräften ursprünglich der Gehilfe des Hauptmanns und wurde später zu einem Unterführerdienstgrad.

Ausgehendes Mittelalter[Bearbeiten]

Bereits gegen Ende des 15. Jahrhunderts gehörten die Aufgaben des Weibels, später des Feldweibels, zu den wichtigsten Funktionen im Fähnlein. Im Unterschied zu den gemeinen Weibels, die, von den Landsknechten gewählt, deren Interessen gegenüber den Offizieren vertraten, wurde der Feldwebel vom Obrist oder vom Hauptmann eingesetzt. Als taktischer Gehilfe des Hauptmanns hatte er bei der Einteilung und Aufstellung der Schlachtordnung des Fähnleins mitzuwirken. Eine vergleichbare Funktion übte in den Regimentern der Obristwachtmeister (später Major) aus. Im 17. und 18. Jahrhundert beschränkte sich die Tätigkeit des Feldwebels allmählich, ähnlich der des Majors, auf den inneren Dienst. Eine Sonderstellung nahm der Hurenweibel ein, der als Führer des Trosses, bei entsprechender Größe desselben, Hauptmannssold erhielt. Zu seiner Unterstützung standen ihm dann ein Leutnant und ein Fähnrich zur Verfügung, mit deren Hilfe er die innere Ordnung im Tross aufrechtzuerhalten hatte und dessen taktische Führung er sichern musste.

18. Jahrhundert bis Kaiserreich[Bearbeiten]

Mit der Herausbildung regulärer Dienstgrade zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde der Feldwebel zum ranghöchsten Unteroffizier der Kompanie. In einigen Armeen deutscher Staaten nannte man ihn zeitweilig Sergeant. Der Feldwebel war insbesondere verantwortlich für den inneren Dienst der Kompanie, den Befehlsempfang, das Schreib- und Rechnungswesen usw. Die Bezeichnung für diese Dienststellung änderte sich vom Kompaniefeldwebel der preußischen Armee über den etatmäßigen und den diensttuenden Feldwebel bis zum Hauptfeldwebel. Bei der Artillerie und der Kavallerie hieß der Feldwebel Wachtmeister.

Im Jahre 1789 erhielt der etatmäßige Feldwebel der preußischen Armee das Recht, das Offiziersportepee zu tragen, 1844 die Offiziersschirmmütze mit Kokarde. Mit der weiteren Entwicklung des Militärwesens seit Mitte des 19. Jahrhunderts gewann der Feldwebeldienstgrad zunehmend an Bedeutung. Die von ihnen zu besetzenden Dienstposten wurden zahlreicher und erforderten, vor allem im Zusammenhang mit der Technisierung der Streitkräfte, in steigendem Maße Spezialkenntnisse.

Kaiserreich[Bearbeiten]

Der (etatmäßige) Feldwebel (Spieß) war in Deutschland bis 1918 der höchste Unteroffizierdienstgrad. Im kaiserlichen Heer waren ihm die nicht etatmäßigen überzähligen Feldwebel (Vizefeldwebel), die Sergeanten und die Unteroffiziere untergeordnet. Der Etatmäßige war mit dem inneren Dienst und Verwaltungsaufgaben betraut und arbeitete eng mit dem Kompaniechef zusammen.

Der Dienstgrad Vizefeldwebel wurde in den kaiserlichen Streitkräften 1873 eingeführt. Seine Aufgaben waren die Anleitung der jüngeren Unteroffiziere und nötigenfalls zur Vertretung eines Offiziers (vgl. Offiziersstellvertreter). In den folgenden Jahrzehnten bildeten sich schrittweise die speziellen Dienstgradbezeichnungen Sanitäts-, Waffen- oder Bekleidungsfeldwebel sowie Schirrmeister, Feuerwerker und Funkmeister heraus.

Auch gab es Feldwebel bis 1920 in der Regel bei der Marineinfanterie, in den Flottenstamm-/Matrosendivisionen und im Sanitätsdienst der Marine.

Reichswehr und Wehrmacht[Bearbeiten]

In der Reichswehr wurden 1920 die neuen Dienstgrade Ober- und Unterfeldwebel (Letzterer entsprechend dem früheren Sergeanten) eingeführt. Die Kompetenzen der bis dato höchsten Unteroffiziersverwendungen im Kompaniebereich übernahm der „truppendiensttuende planmäßige Oberfeldwebel“/„Oberwachtmeister“, später in der Wehrmacht der „Oberfeldwebel der Truppe“ bzw. (ab 1938) der Hauptfeldwebel (hier nur eine Dienststellung, jedoch kein Dienstgrad). Diese Funktion heißt in der Bundeswehr Kompaniefeldwebel (ebenfalls eine Dienststellung).

Ab 22. Oktober 1922 wurden die Dienstgrade Feldwebel und Oberfeldwebel als Unteroffiziere mit Portepee auch in der Reichsmarine (später Kriegsmarine) eingeführt, jedoch galt die alte Dienstgradbezeichnung für Deckoffiziere, wie Steuermann, Bootsmann usw., weiter.

In Deutschland war der ranghöchste Feldwebeldienstgrad seit 1938 der Stabsfeldwebel in Heer und Luftwaffe bzw. der Stabsoberfeldwebel (ab 1939) in der Kriegsmarine. Diese wurden, wie der Name schon andeutet, nicht in Kompanien, sondern üblicherweise in höheren Stäben eingesetzt.

In der deutschen Wehrmacht war der Dienstgrad Feldwebel der niedrigste Rang der Unteroffiziere mit Portepee der aus der Reichswehr übernommen wurde. In den Waffengattungen Kavallerie, Artillerie und Flak lautete die Rangbezeichnung Wachtmeister. Dieser Rang entsprach aber auch dem SS-Oberscharführer der Waffen-SS, dem SA-Truppführer sowie dem Bootsmann der Kriegsmarine.

Gemäß den heutigen NATO-Rangcodes wären diese Ränge mit OR-6 vergleichbar.[5]

Rangabzeichen Wehrmacht (Heer, Luftwaffe, Marine) und SS bis 1945[Bearbeiten]

Das Äquivalent zu diesem Dienstgrad war der Bootsmann der Reichsmarine und der Kriegsmarine bis 1945. Der entsprechende Dienstgrad in der Waffen-SS war SS-Oberscharführer.

Dienstgrad
niedriger:
Unterfeldwebel

Deutsches ReichDeutsches Reich (Reichskriegsflagge)
Feldwebel

(Wachtmeister)

höher:
Oberfeldwebel

Siehe auch:

Nationale Volksarmee[Bearbeiten]

In der NVA und den Grenztruppen der DDR konnten in der Regel Berufssoldaten nach erfolgreichem Abschluss der 6-monatigen Unteroffiziersschule und nach einem praktischen Dienstjahr zum Unterfeldwebel (Obermaat), nach weiteren 18 Monaten zum Feldwebel (Meister) befördert werden. Nach der Änderung der Beförderungsregelungen im Frühjahr 1989 für Berufsunteroffiziere dauerte die jeweilige Dienstzeit, in den nächsthöheren Dienstgrad befördert zu werden, nur jeweils ein halbes Jahr. Man konnte demnach den Dienstgrad Feldwebel bereits nach zwei Jahren Gesamt-Dienstzeit erreichen.

Feldwebel Pioniertruppe
Meister Volksmarine

Die folgenden Dienstgrade der Dienstgradgruppe der Unteroffizier mit Portepee waren:

Als Berufsunteroffiziere und Militärspezialisten konnten sich Feldwebel/ Meister bei entsprechender Eignung und bei Erfüllung der erforderlichen Voraussetzungen auch für das Dienstverhältnis des Fähnrichs der NVA oder Berufsoffiziers bewerben.

Die Verwendung des Feldwebels erfolgte als Gruppenführer und stellvertretender Zugführer sowie in verschiedenen Stabsverwendungen.

Als Hauptfeldwebel oder "Spieß" (nach NATO-Verständnis Kompaniefeldwebel) wurde der Dienststellung nach derjenige Unteroffizier oder Fähnrichdienstgrad bezeichnet, der in der Kompanie für die Dienstdurchführung der Unteroffiziere und Soldaten, die Disziplin, Ordnung und Einsatzbereitschaft der materiellen Mittel verantwortlich war.

Dienstgrad
niedriger:
Unterfeldwebel

Flag of NVA (East Germany).svg
Feldwebel
(Wachtmeister)
höher:
Oberfeldwebel

Andere Länder[Bearbeiten]

In der Schweizer Armee wird der Grad als Feldweibel bezeichnet.

Im „modernen“ österreichischen Bundesheer bilden die Wachtmeister eine eigene Dienstgradgruppe.

Der Begriff Feldwebel wurde auch in mehrere andere Sprachen übernommen, darunter schwedisch (fältväbel), russisch (фельдфебель) und bulgarisch (фелдфебел). Von Webel leiten sich finnisch vääpeli und estnisch veebel ab.

Österreich[Bearbeiten]

Rangabzeichen, Feldwebel eines Infanterieregiments mit blassroter Eaglisierung

Zur Zeit der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie wurde der Dienstgrad Feldwebel bei der Infanterie geführt. Ihm kam der Feuerwerker der Artillerie gleich, bei der Kavallerie und beim Train der Wachtmeister.

Seit 1913 war dem Feldwebel der Stabsfeldwebel vorgesetzt. Der dienstführende Feldwebel (äußeres Kennzeichen war in den meisten Truppengattungen der Offizierssäbel mit kaisergelb-schwarzem Unteroffiziersportepee) stand dem Rechnungsfeldwebel sowie den übrigen Unteroffizieren (Zugsführer, Korporale) der Kompanie vor. Unmittelbar vor dem Stabsfeldwebel rangierten der Einjährig-Freiwillige Feldwebel und der Kadett-Feldwebel. Mit diesem Offiziersanwärterdienstgrad wurden all jene Absolventen der Kadettenschulen in die Truppe eingegliedert, die ihre Ausbildung mit „Gut“ abgeschlossen hatten. Der Kadett-Feldwebel (1909 in Kadett umbenannt) kam nach 1891 weitestgehend außer Gebrauch, verschwand aber nie gänzlich. Am Ende des Ersten Weltkrieges waren ihm der Offiziersstellvertreter und der Fähnrich unmittelbar vorgesetzt.

Mit dem Untergang der k.u.k. Armee 1918 fielen die Bezeichnungen Feldwebel und Feuerwerker weg, an ihre Stelle trat in allen Truppengattungen der Wachtmeister bzw. Stabswachtmeister. Gleichzeitig erfolgte die Rückstufung des Wachtmeisterdienstgrades: Seit 1921 war nunmehr der rangniederste Unteroffiziersgrad dem Unterfeldwebel der deutschen Reichswehr gleichgesetzt (ein Pendant zum deutschen Dienstgrad „Unteroffizier“ existierte in Österreich nicht). Der Stabswachtmeister rangierte mit dem Reichswehr-Feldwebel, der Offiziersstellvertreter mit dem Reichswehr-Oberfeldwebel (Zugsführer und Korporal entsprachen nun dem Obergefreiten bzw. Stabsgefreiten).

Verweise[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Feldwebel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Literatur[Bearbeiten]

  • Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch 16 Bde. [in 32 Teilbänden]. Leipzig: S. Hirzel 1854-1960.
  • Georg Ortenburg, Hrsg.: Heerwesen der Neuzeit, Abt. I, Das Zeitalter der Landsknechte, Bd. 2, Siegfried Fiedler: Kriegswesen und Kriegführung im Zeitalter der Landsknechte, Bernard & Graefe Verlag Koblenz, 1985, ISBN 3-7637-5462-8

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. The abbreviation "OR" stand for "other ranks / sous-officiers et militaires du rang" see: NATO glossary abbreviations used in NATO documents and publications / Glossaire OTAN des abréviations utilisées dans les documents et publications OTAN 2010.
  2. Grimm, Bd. XIV, Sp. 379: urspr. gerichtsbote; militär: unteroffiziersrang „allen hauptleuten, fenderichen, weybeln und befelchsleuten, so von gedachten obersten gesetzt werden, gehorsam zu seyn “
  3. Grimm, Bd. III, Sp. 1474: 8) sehr häufig bezieht sich feld, gleich dem sl. pole, auf kampf und krieg und ist nicht nur das schlachtfeld, campus certaminis, proelii, sondern überhaupt das feld, in das ein heer zieht b) feld, auf welchem man dem feind entgegen zieht, feld des heerzugs, des lagers; ins feld gehn oder ziehn kann zwar heiszen in die schlacht, aber auch blosz den heerzug unternehmen, in den krieg ausziehen, zu felde liegen.
  4. http://www.bundeswehr.de/fileserving/PortalFiles/C1256EF40036B05B/N264JEVD352MMISDE/Feldwebel+SanDienst.pdf?yw_repository=youatweb
  5. Anmerkung: OR steht für englisch Other (enlisted) Ranks (OR) in Abgrenzung zu OF (Officers) und WO (Warrant Officers, in Deutschland ohne Entsprechung). Vgl. NATO glossary abbreviations used in NATO documents and publications / Glossaire OTAN des abréviations utilisées dans les documents et publications OTAN 2010.