Kingsley Amis

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Sir Kingsley William Amis (eigentlich Kingley Amis, * 16. April 1922 in London; † 22. Oktober 1995 ebenda) war ein englischer Schriftsteller und Dichter.

Leben[Bearbeiten]

Kingsley Amis − Sohn eines Angestellten und seiner Frau − besuchte die City of London School. Er studierte Anglistik in Oxford und war nach seiner Militärzeit als Leutnant beim Royal Corps of Signals (Fernmeldekorps) von 1948 bis 1961 Englisch-Dozent an den Universitäten in Swansea und Cambridge.

Amis war in seiner Jugend Mitglied der kommunistischen Partei und wurde zu den heimatkritischen zornigen jungen Männern gezählt. Amis erster Roman Glück für Jim (Lucky Jim), den er seinem Studienkollegen Philip Larkin widmete, wurde mit dem Somerset Maugham Award ausgezeichnet. Der Roman ist eine Satire auf das akademische Leben, und er gilt als typisches Werk dieser Zeit.

Amis zählte zunächst zu den linken Intellektuellen seiner Generation, nach und nach folgte aber die Desillusionierung über den Stalinismus und nach dem Ungarn-Aufstand. 1956 entwickelte er eine antikommunistische Haltung. Als konservativer Tory stand Amis schließlich in Opposition zur intellektuellen Linken.

Kingsley Amis war ein vielseitiger Schriftsteller, der in verschiedenen und über verschiedene Genres schrieb, zum Beispiel Science Fiction und Phantastik. 1959 hielt er eine Vorlesungsreihe über SF an der Princeton University, die er in überarbeiteter Form als Buch veröffentlichte. Dieser lange Essay über die zeitgenössische SF-Literatur von 1960, New Maps of Hell, zeigte sein jahrelanges Interesse für dieses Genre und war weltweit eines der ersten Bücher, das sich ernsthaft auf akademischer Ebene mit SF auseinandersetzte (das Buch lieh später seinen Titel für ein Rock-Album). Amis gab auch Anthologien mit SF-Erzählungen heraus, etwa die Spectrum- Reihe 1960 bis 1965. Sein Augenmerk lag auf den literarischen Dystopien, und er selbst mit seinem Freund Robert Conquest verfasste auch eine, den Roman The Egyptologists 1965. Darin wird eine autoritäre Gesellschaft beschrieben, mit ausufernden Sicherheitsbehörden und starker Regulation. Der Plot der Novelle kam von Conquest und Amis schmückte die Geschichte mit sexuell expliziten Schilderungen aus.

Eine besondere Vorliebe hatte Amis für die Spionageromane von Ian Fleming, mit dem er auch persönlich befreundet war. Mit Geheimakte 007 schrieb er eine umfangreiche Analyse des berühmtesten Geheimagenten der Welt, James Bond, und nach dem Tod Flemings wurde ihm als Erstem die Ehre zuteil, die Serie fortsetzen zu dürfen (James Bond auf der griechischen Spur, 1968).

Der Alternativweltroman The Alteration (1976) schildert eine Welt, in der es weder Reformation noch Kirchenspaltung gegeben hat, und die Geschichte eines Jungen, der in guter katholischer Tradition kastriert werden soll, um seine schöne Stimme zu bewahren. Das Buch wurde mit dem John W. Campbell Memorial Award ausgezeichnet. Russian Hide and Seek (1980) spielt auf ähnliche Weise mit den Realitäten und stellt Amis' ironische Abrechnung mit dem Sozialismus dar: Hier ist Großbritannien von der Sowjetunion besetzt worden und um Jahrhunderte in seiner Entwicklung zurückgeworfen. Für einen weiteren, gesellschaftskritischen Roman The Old Devils bekam Kingsley Amis 1986 den Booker Prize. 1990 erhielt er von der britischen Königin den Ritterschlag (KBE).

Kingsley Amis war von 1965 bis 1983 mit der Schriftstellerin Elizabeth Jane Howard verheiratet. Er ist der Vater des ebenfalls sehr erfolgreichen Schriftstellers Martin Amis.

Er starb 1995 an den Folgen einer Wirbelsäulenverletzung, die er sich einen Monat zuvor bei einem Sturz zugezogen hatte.

Werke[Bearbeiten]

  • 1947: Bright November
  • 1953: A Frame of Mind
  • 1954 Poems: Fantasy Portraits
  • 1954: Glück für Jim (Lucky Jim)
  • 1955: That Uncertain Feeling
  • 1956: A Case of Samples: Poems 1946-1956
  • 1957: Socialism and the Intellectuals. A Fabian Society Pamphlet
  • 1958: I Like It Here
  • 1960: Take A Girl Like You
  • 1960: New Maps of Hell. A Survey of Science Fiction
  • 1962: My Enemy's Enemy
  • 1962: The Evans County
  • 1963: One Fat Englishman
  • 1965: The Egyptologists (mit Robert Conquest).
  • 1965: Geheimakte 007. Die Welt des James Bond (The James Bond Dossier) - Sachbuch
  • 1966: The Anti-Death League - Science Fiction
  • 1968: 007 James Bond auf der griechischen Spur (Colonel Sun, unter dem Pseudonym Robert Markham; auf einigen deutschen Ausgaben wird fälschlich Ian Fleming als Autor genannt) - Spionagethriller
  • 1968: I Want It Now
  • 1968: A Look Round the Estate: Poems, 1957-1967
  • 1969: Zum grünen Mann [Der grüne Mann] (The Green Man) - Horror
  • 1970: What Became of Jane Austen?, and Other Questions
  • 1971: Girl, 20
  • 1972: Anständig Trinken. (On Drink) Rogner & Bernhard, Berlin 2008, ISBN 978-3-8077-1044-0
  • 1973: Die Falle am Fluss (The Riverside Villas Murder) - Kriminalroman
  • 1974: Ending Up
  • 1974: Rudyard Kipling and his World
  • 1975: The Crime Of The Century
  • 1976: Die Verwandlung (The Alteration) - Science Fiction
  • 1978: Jake's Thing
  • 1979: Collected Poems 1944-78
  • 1984: Das Auge des Basilisken (Russian Hide and Seek) - Science Fiction
  • 1980: Collected Short Stories
  • 1983: Every Day Drinking
  • 1984: How's Your Glass?
  • 1984: Stanley and the Women
  • 1986: The Old Devils
  • 1988: Difficulties With Girls
  • 1990: The Folks That Live on the Hill
  • 1991: Memoirs
  • 1991: Mr Barrett's Secret and Other Stories
  • 1991: We Are All Guilty
  • 1992: The Russian Girl
  • 1994: You Can't Do Both
  • 1995: The Biographer's Moustache
  • 1997: The King's English: A Guide to Modern Usage
  • 2001: The Letters of Kingsley Amis, hrsg. von Zachary Leader

Verfilmungen[Bearbeiten]

  • 1957: Volltreffer ins Glück (Lucky Jim), Regie: John Boulting
  • 1961: Lieben kann man nur zu zweit (Only two can play)
  • 1970: Take a Girl Like You, Regie: Jonathan Miller
  • 1990: Zum grünen Mann - Eine Geistergeschichte (The green man, dreiteilige TV-Serie)
  • 1992: The Old Devils (TV-Film), Regie: Andrew Davies
  • 2000: Take a Girl Like You, (dreiteilige TV-Serie) Regie: Andrew Davies
  • 2003: Lucky Jim (TV-Adaption), Regie: Robin Shepperd

Herausgeber[Bearbeiten]

  • 1962: Spectrum (mit Robert Conquest, Nachdrucke von SF-Erzählungen)
  • 1962: Spectrum 2 (mit Robert Conquest)
  • 1963: Spectrum 3 (mit Robert Conquest)
  • 1965: Spectrum 4 (mit Robert Conquest)
  • 1966: Spectrum 5 (mit Robert Conquest)
  • 1976: Dreizehn Prisen Mitternacht (The Times Anthology Of Ghost Stories, mit Patricia Highsmith und Christopher Lee)
  • 1978: The Faber Popular Reciter
  • 1978: The New Oxford Book of English Light Verse
  • 1981: The Golden Age of Science Fiction
  • 1988: The Amis Anthology: Personal Choice
  • 1990: The Pleasure of Poetry
  • 1992: The Amis Story Anthology

Literatur[Bearbeiten]

  • Matthias Mader: The Alteration (Die Verwandlung) von Kingsley Amis - ein gattungstypologischer Einordnungsversuch, in: Quarber Merkur Nr. 71, Bremerhaven 1989, S. 21–32.
  • Franz Rottensteiner: Nachwort. In: Kingsley Amis: Die Verwandlung. Wilhelm Heyne Verlag München, 1986, S. 249–254.
  • Merrit Meseley: Understanding Kingsley Amis. University of South Carolina Press, 1993. ISBN 978-0872498617 (engl.)
  • Gerd Dose: Alternate Worlds: Kingsley Amis' The Alteration und Keith Roberts' Pavane. In: Rüdiger Ahrens u. Fritz-Wilhelm Neumann (Hrsg.): Fiktion und Geschichte in der anglo-amerikanischen Literatur: Festschrift für Heinz-Joachim Müllenbrock zum 60. Geburtstag. Winter, Heidelberg 1998 (Anglistische Forschungen, 256), ISBN 3-8253-0725-5

Weblinks[Bearbeiten]