Kingsley Amis

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Sir Kingsley William Amis (eigentlich Kingley Amis, * 16. April 1922 in London; † 22. Oktober 1995 ebenda) war ein englischer Schriftsteller und Dichter. Glück für Jim, sein Erstlingswerk machte ihn sowohl in Nordamerika als auch in Europa sehr bekannt. Das US-amerikanische Magazin Time wählte den Roman zu den besten englischsprachigen Romanen, die zwischen 1923 und 2005 erschienen. 1986 wurde Kingsley Amis für seinen Roman The Old Devils mit dem angesehenen Booker Prize ausgezeichnet.

Leben[Bearbeiten]

Kingsley Amis − Sohn eines Angestellten und seiner Frau − besuchte die City of London School. Er studierte Anglistik in Oxford und war nach seiner Militärzeit als Leutnant beim Royal Corps of Signals (Fernmeldekorps) von 1948 bis 1961 Englisch-Dozent an den Universitäten in Swansea und Cambridge.

Amis war in seiner Jugend Mitglied der kommunistischen Partei und wurde zu den heimatkritischen zornigen jungen Männern gezählt. Amis erster Roman Glück für Jim (Lucky Jim), den er seinem Studienkollegen Philip Larkin widmete, wurde mit dem Somerset Maugham Award ausgezeichnet. Der Roman ist eine Satire auf das akademische Leben, und er gilt als typisches Werk dieser Zeit.

Amis zählte zunächst zu den linken Intellektuellen seiner Generation, nach und nach folgte aber die Desillusionierung über den Stalinismus und nach dem Ungarn-Aufstand. 1956 entwickelte er eine antikommunistische Haltung. Als konservativer Tory stand Amis schließlich in Opposition zur intellektuellen Linken.

Kingsley Amis war ein vielseitiger Schriftsteller, der in verschiedenen und über verschiedene Genres schrieb, zum Beispiel Science Fiction und Phantastik. 1959 hielt er eine Vorlesungsreihe über SF an der Princeton University, die er in überarbeiteter Form als Buch veröffentlichte. Dieser lange Essay über die zeitgenössische SF-Literatur von 1960, New Maps of Hell, zeigte sein jahrelanges Interesse für dieses Genre und war weltweit eines der ersten Bücher, das sich ernsthaft auf akademischer Ebene mit SF auseinandersetzte (das Buch lieh später seinen Titel für ein Rock-Album). Amis gab auch Anthologien mit SF-Erzählungen heraus, etwa die Spectrum- Reihe 1960 bis 1965. Sein Augenmerk lag auf den literarischen Dystopien, und er selbst mit seinem Freund Robert Conquest verfasste auch eine, den Roman The Egyptologists 1965. Darin wird eine autoritäre Gesellschaft beschrieben, mit ausufernden Sicherheitsbehörden und starker Regulation. Der Plot der Novelle kam von Conquest und Amis schmückte die Geschichte mit sexuell expliziten Schilderungen aus.

Eine besondere Vorliebe hatte Amis für die Spionageromane von Ian Fleming, mit dem er auch persönlich befreundet war. Mit Geheimakte 007 schrieb er eine umfangreiche Analyse des berühmtesten Geheimagenten der Welt, James Bond, und nach dem Tod Flemings wurde ihm als Erstem die Ehre zuteil, die Serie fortsetzen zu dürfen (James Bond auf der griechischen Spur, 1968).

Der Alternativweltroman The Alteration (1976) schildert eine Welt, in der es weder Reformation noch Kirchenspaltung gegeben hat, und die Geschichte eines Jungen, der in guter katholischer Tradition kastriert werden soll, um seine schöne Stimme zu bewahren. Das Buch wurde mit dem John W. Campbell Memorial Award ausgezeichnet. Russian Hide and Seek (1980) spielt auf ähnliche Weise mit den Realitäten und stellt Amis' ironische Abrechnung mit dem Sozialismus dar: Hier ist Großbritannien von der Sowjetunion besetzt worden und um Jahrhunderte in seiner Entwicklung zurückgeworfen. Für einen weiteren, gesellschaftskritischen Roman The Old Devils bekam Kingsley Amis 1986 den Booker Prize. 1990 erhielt er von der britischen Königin den Ritterschlag (KBE).

Kingsley Amis war von 1965 bis 1983 in zweiter Ehe mit der Schriftstellerin Elizabeth Jane Howard verheiratet. Amis, der bereits vorher zahlreiche außereheliche Beziehungen unterhielt, hatte seine erste Ehefrau Hilly und seine Kinder 1962 verlassen.[1] Er ist der Vater des ebenfalls sehr erfolgreichen Schriftstellers Martin Amis.

Er starb 1995 an den Folgen einer Wirbelsäulenverletzung, die er sich einen Monat zuvor bei einem Sturz zugezogen hatte.

Kingsley und Martin Amis[Bearbeiten]

Sowohl Kingsley als auch Martin Amis zählen zu den bedeutenden britischen Schriftstellern. Beide wurden für ihr jeweiliges Erstlingswerk (Glück für Jim, 1954 und Das Rachel-Tagebuch, 1973) mit dem Somerset Maugham Award ausgezeichnet. Martin Amis wurde auch wegen seiner Tätigkeit als Literaturkritiker für The Times und New Statesman azu einem der einflussreichsten britischen Schriftstellern. Er stand außerdem wegen seiner Lebensweise in Großbritannien in großem öffentlichen Interesse und überstrahlte an Ruhm und Bekanntheit auch dann noch den Vater, als dieser für The Old Devise mit dem angesehenen britischen Booker Prize ausgezeichnet wurde. Bereits Briefe von Kingsley Amis aus den 1980er Jahren belegen, dass dieser den Erfolg seines Sohnes zunehmend distanziert, aber auch neidisch sah. An Philip Larkin schrieb Kingsley beispielsweise 1984, als Gierig erschien, dass sein Sohn nun wohl berühmter sei als er.[2] Kingsley Amis kritisierte bis an sein Lebensende öffentlich vehement die Werke seines Sohnes; er warf ihm vor, dass sein Stil von „schrecklich zwanghafter Lebhaftigkeit“ (im Original terrible compulsive vividness in his style)[3] geprägt sei, machte Vladimir Nabokov dafür verantwortliche, dass sein Sohn mit jedem Satz seine stilistischen Fähigkeiten unter Beweis stellen müsse und behauptete, dass er sich außer Stande sähe, die Romane seines Sohnes zu Ende zu lesen. Julian Barnes, ein langjähriger Freund von Martin Amis, nannte Kingsley Amis öffentliche Angriffe auf das Werk seines Sohnes skandalös, Christopher Hitchens, der ebenfalls mit Martin Amis befreundet war, dagegen nannte die in der Presse verbreiteten Spitzen nur Theaterdonner. Martin Amis verzichtete darauf, auf die Angriffe seines Vaters öffentlich zu antworten, hielt aber gleichfalls fest, dass sein Vater tatsächlich nur drei seiner Romane gelesen habe und die übrigen nach zwanzig oder dreißig Seiten durch den Raum gefeuert habe.[4] Er fügte aber philosophisch hinzu:

„..ältere Schriftsteller sollten gegenüber den jüngeren Schriftstellern feindselig sein, denn die jüngeren Schriftsteller schicken ihnen [mit ihren Werken] eine unwillkommene Nachricht. Sie sagen: Es ist so nicht mehr. Es ist jetzt wie das.“[5]

Es wird Martin Amis unterstellt, dass sowohl seine kantige Persönlichkeit, seine stilistische Virtuosität, seine patriarchalischen Ansichten und seine regelmäßig betonte Verehrung für das Schaffen von Vladimir Nabokov und Saul Bellow seinen Ursprung in der ungewöhnlich schwierigen Beziehung zu seinem Vater habe.[6] Kingsley Amis selber berichtete, dass sein Sohn in der Zeit, in der er noch zu Hause lebte, jeglichen literarischen Versuch vor ihm zu verbergen suchte. Umgekehrt warf Martin Amis seinem Vater vor:

„Mein Vater, nicht zuletzt - wie ich denke - auch wegen einer gewissen Trägheit, nahm von meinen frühen Schreibversuchen keine Notiz bis ich ihm endlich die Korrekturfahne meines ersten Romans auf den Schreibtisch warf.“[7]

Nach dem Tod des Vaters im Oktober 1995 beschrieb Martin Amis das Verhältnis zunehmend positiv. Im Nachwort zu seinem Sachbuch Koba der Schreckliche – die zwanzig Millionen und das Gelächter mit dem Titel Brief an den Geist meines Vaters verwies Amis sogar darauf, dass - wäre ihr Geburtsjahr vertauscht - jeder von ihnen im Stil des anderen geschrieben hätte. 1997 gab Amis allerdings zu, dass es ihn gekränkt habe, dass sein Vater so unwillig war, seine Romane zu lesen:

„Wie konnte er nur so wenig neugierig über mich sein?“[8]

Werke[Bearbeiten]

  • 1947: Bright November
  • 1953: A Frame of Mind
  • 1954 Poems: Fantasy Portraits
  • 1954: Glück für Jim (Lucky Jim)
  • 1955: That Uncertain Feeling
  • 1956: A Case of Samples: Poems 1946-1956
  • 1957: Socialism and the Intellectuals. A Fabian Society Pamphlet
  • 1958: I Like It Here
  • 1960: Take A Girl Like You
  • 1960: New Maps of Hell. A Survey of Science Fiction
  • 1962: My Enemy's Enemy
  • 1962: The Evans County
  • 1963: One Fat Englishman
  • 1965: The Egyptologists (mit Robert Conquest).
  • 1965: Geheimakte 007. Die Welt des James Bond (The James Bond Dossier) - Sachbuch
  • 1966: The Anti-Death League - Science Fiction
  • 1968: 007 James Bond auf der griechischen Spur (Colonel Sun, unter dem Pseudonym Robert Markham; auf einigen deutschen Ausgaben wird fälschlich Ian Fleming als Autor genannt) - Spionagethriller
  • 1968: I Want It Now
  • 1968: A Look Round the Estate: Poems, 1957-1967
  • 1969: Zum grünen Mann [Der grüne Mann] (The Green Man) - Horror
  • 1970: What Became of Jane Austen?, and Other Questions
  • 1971: Girl, 20
  • 1972: Anständig Trinken. (On Drink) Rogner & Bernhard, Berlin 2008, ISBN 978-3-8077-1044-0
  • 1973: Die Falle am Fluss (The Riverside Villas Murder) - Kriminalroman
  • 1974: Ending Up
  • 1974: Rudyard Kipling and his World
  • 1975: The Crime Of The Century
  • 1976: Die Verwandlung (The Alteration) - Science Fiction
  • 1978: Jake's Thing
  • 1979: Collected Poems 1944-78
  • 1984: Das Auge des Basilisken (Russian Hide and Seek) - Science Fiction
  • 1980: Collected Short Stories
  • 1983: Every Day Drinking
  • 1984: How's Your Glass?
  • 1984: Stanley and the Women
  • 1986: The Old Devils
  • 1988: Difficulties With Girls
  • 1990: The Folks That Live on the Hill
  • 1991: Memoirs
  • 1991: Mr Barrett's Secret and Other Stories
  • 1991: We Are All Guilty
  • 1992: The Russian Girl
  • 1994: You Can't Do Both
  • 1995: The Biographer's Moustache
  • 1997: The King's English: A Guide to Modern Usage
  • 2001: The Letters of Kingsley Amis, hrsg. von Zachary Leader

Verfilmungen[Bearbeiten]

  • 1957: Volltreffer ins Glück (Lucky Jim), Regie: John Boulting
  • 1961: Lieben kann man nur zu zweit (Only two can play)
  • 1970: Take a Girl Like You, Regie: Jonathan Miller
  • 1990: Zum grünen Mann - Eine Geistergeschichte (The green man, dreiteilige TV-Serie)
  • 1992: The Old Devils (TV-Film), Regie: Andrew Davies
  • 2000: Take a Girl Like You, (dreiteilige TV-Serie) Regie: Andrew Davies
  • 2003: Lucky Jim (TV-Adaption), Regie: Robin Shepperd

Herausgeber[Bearbeiten]

  • 1962: Spectrum (mit Robert Conquest, Nachdrucke von SF-Erzählungen)
  • 1962: Spectrum 2 (mit Robert Conquest)
  • 1963: Spectrum 3 (mit Robert Conquest)
  • 1965: Spectrum 4 (mit Robert Conquest)
  • 1966: Spectrum 5 (mit Robert Conquest)
  • 1976: Dreizehn Prisen Mitternacht (The Times Anthology Of Ghost Stories, mit Patricia Highsmith und Christopher Lee)
  • 1978: The Faber Popular Reciter
  • 1978: The New Oxford Book of English Light Verse
  • 1981: The Golden Age of Science Fiction
  • 1988: The Amis Anthology: Personal Choice
  • 1990: The Pleasure of Poetry
  • 1992: The Amis Story Anthology

Literatur[Bearbeiten]

  • Matthias Mader: The Alteration (Die Verwandlung) von Kingsley Amis - ein gattungstypologischer Einordnungsversuch, in: Quarber Merkur Nr. 71, Bremerhaven 1989, S. 21–32.
  • Franz Rottensteiner: Nachwort. In: Kingsley Amis: Die Verwandlung. Wilhelm Heyne Verlag München, 1986, S. 249–254.
  • Merrit Meseley: Understanding Kingsley Amis. University of South Carolina Press, 1993. ISBN 978-0872498617 (engl.)
  • Gerd Dose: Alternate Worlds: Kingsley Amis' The Alteration und Keith Roberts' Pavane. In: Rüdiger Ahrens u. Fritz-Wilhelm Neumann (Hrsg.): Fiktion und Geschichte in der anglo-amerikanischen Literatur: Festschrift für Heinz-Joachim Müllenbrock zum 60. Geburtstag. Winter, Heidelberg 1998 (Anglistische Forschungen, 256), ISBN 3-8253-0725-5

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelbelege[Bearbeiten]

  1. James Diedrick: Understanding Martin Amis. University of South Carolina Press, Columbia 2004, ISBN 1-57003-516-4, S. 6.
  2. James Diedrick: Understanding Martin Amis. University of South Carolina Press, Columbia 2004, ISBN 1-57003-516-4, S. 10.
  3. James Diedrick: Understanding Martin Amis. University of South Carolina Press, Columbia 2004, ISBN 1-57003-516-4, S. 13.
  4. James Diedrick: Understanding Martin Amis. University of South Carolina Press, Columbia 2004, ISBN 1-57003-516-4, S. 13. Im Original spricht Martin Amis von [sent the others] windmilling through the air after twenty or thirty pages.
  5. James Diedrick: Understanding Martin Amis. University of South Carolina Press, Columbia 2004, ISBN 1-57003-516-4, S. 13. Im Original spricht Martin Amis von ... older writers should find young writers inimical, because younger writers are sending them an unwelcome message. They are saying, It's not like that anymore. It's like this.
  6. James Diedrick: Understanding Martin Amis. University of South Carolina Press, Columbia 2004, ISBN 1-57003-516-4, S. 11.
  7. zitiert nach James Diedrick: Understanding Martin Amis. University of South Carolina Press, Columbia 2004, ISBN 1-57003-516-4, S. 12. Im Original lautet das Zitat: My father, I think, aided by a natural indolence, didn't really take much notice of my early efforts to write until I plonked the proof of my first novel on his desk.
  8. zitiert nach James Diedrick: Understanding Martin Amis. University of South Carolina Press, Columbia 2004, ISBN 1-57003-516-4, S. 12. Im Original lautet das Zitat: How could he be so incurious about me?