Alternativweltgeschichte

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Alternativweltgeschichten sind eine Ausformung des Science-Fiction-Genres und unter den Bezeichnungen Allohistoria, Parahistorie, Virtuelle Geschichte, Imaginäre Geschichte, Ungeschehene Geschichte, Potentielle Geschichte, Eventualgeschichte, Alternate History, Alternative History oder Uchronie bekannt.

In der Geschichtswissenschaft werden derartige Gedankenspiele, die allerdings Bezug auf die historischen Quellen nehmen, als kontrafaktische Geschichte bezeichnet.

Die Geschichten dieser Bücher spielen in einer Welt, in der der Lauf der Weltgeschichte irgendwann (am so genannten Point of Divergence) von dem uns bekannten abgewichen ist. Während Science-Fiction mit dem Potentialis operiert, operiert die kontrafaktische Geschichte mit dem Irrealis, stellt also die Frage: „Was hätte sein können, wenn ...?“. Das Genre wurde insbesondere in der englischsprachigen Literatur der Nachkriegszeit entwickelt.

Inhalte[Bearbeiten]

Alternativweltgeschichten werden gerne als Mittel der Satire benutzt.

Als Hintergrund für Alternativweltgeschichten dienen historische Ereignisse - zumeist markante wie Schlachten oder politische Entscheidungen -, welche als Ausgangspunkt für einen alternativen Geschichtsverlauf hergenommen werden, indem bestimmte Faktoren dieser Ereignisse verändert oder entfernt werden. Bekannte und oft genutzte Ereignisse sind u. a.:

Darüber hinaus gibt es auch Parallelwelterzählungen, in denen sich beide Möglichkeiten der Geschichte unabhängig voneinander weiterentwickeln und später, meist in der Gegenwart, miteinander in Verbindung treten.

Literarische Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

Filme[Bearbeiten]

Fernsehserien[Bearbeiten]

Computerspiele (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Command & Conquer: Alarmstufe Rot: 1946 beschließen Wissenschaftler in New Mexico unter Leitung Professor Albert Einsteins, den Zweiten Weltkrieg zu verhindern, indem sie Adolf Hitler ausschalten, noch bevor er in Deutschland die Macht ergreifen kann. Dadurch wird der Zweite Weltkrieg von Stalin ausgelöst.
  • Enigma: Rising Tide: Die RMS Lusitania wird 1915 nicht von einem deutschen U-Boot versenkt. Die USA treten nicht in den Ersten Weltkrieg ein und das Deutsche Reich gewinnt den Krieg. 1937 kämpfen somit drei Mächte (Deutsches Kaiserreich, USA und eine Allianz aus Japan und den britischen Kolonien) um die Vorherrschaft.
  • Interstate ’76: Die Ölkrise verschärft sich soweit, dass die gesamte öffentliche Ordnung der USA zusammenbricht und sich auf den Überlandstraßen Polizei, Banditen und Selbstjustizler bekriegen.
  • World in Conflict: Ende der 1980er Jahre überfällt die UdSSR überraschend mehrere europäische Länder und startet mit der Hilfe Chinas eine Invasion an der Nordwestküste der USA.
  • Turning Point: Fall of Liberty: Winston Churchill ist bereits 1931 gestorben und Großbritannien kann Deutschland und den Achsenmächten nicht standhalten. Diesen gelingt es später, in den USA einen von ihnen kontrollierten Präsidenten zu installieren.

Rollenspiele[Bearbeiten]

  • GURPS Infinite Worlds: Durch eine Maschine namens Parachronator ist es der Menschheit gelungen, Parallelweltreisen durchzuführen und diese Welten zum eigenen wirtschaftlichen Zweck auszubeuten.
  • Deadlands: Nach einer Anrufung beherrschen böse Geister den Westen der USA, Kalifornien wurde durch ein Erdbeben in eine Insellandschaft verwandelt und der Sezessionskrieg tobt bereits 15 Jahre.
  • Space: 1889: Ein Steampunk-Setting im ausgehenden 19. Jahrhundert, in dem sich die Äthertheorie bewahrheitet und die Menschheit mit Luftschiffen den Mars kolonisiert.
  • Crimson Skies: Im Zuge der Weltwirtschaftskrise sind die USA in mehrere, einander bekriegende Einzelstaaten zerfallen, die auch von den übrig gebliebenen Großmächten bedrängt werden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Emmanuel Carrère: Kleopatras Nase: Kleine Geschichte der Uchronie, Gatza, Berlin 1993, ISBN 3-928262-09-2.
  • Uwe Durst: Zur Poetik der parahistorischen Literatur, in: Neohelicon, XXXI, 2/2004, S. 201-220.
  • Uwe Durst: Drei grundlegende Verfremdungstypen der historischen Sequenz, in: Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte DVjs, 2/2009, S. 337-358.
  • Hans-Heinrich Freitag / Peter Hühn (Hg.): Literarische Ansichten der Wirklichkeit. Studien zur Wirklichkeitskonstitution in englischsprachiger Literatur. To honour Johannes Kleinstück, Frankfurt a.M., Bern, Cirencester/U.K.: Lang 1980 [Anglo-American forum; Bd. 12].
  • Jörg Helbig: Die Vergangenheit, die keine war. Über parahistorische Literatur. In: Wolfgang Jeschke (Hrsg.): Das Science Fiction Jahr 1989, Wilhelm Heyne Verlag, München, ISBN 3-453-03139-3, S. 391–403.
  • Jörg Helbig: Was wäre wenn... 150 Jahre parahistorische Literatur in Großbritannien und den USA, in: Quarber Merkur 91/92, Franz Rottensteiners Literaturzeitschrift für Science Fiction und Phantastik, Passau 2000. ISBN 978-3-932621-32-1
  • Harald Husemann: When William Came; If Adolf Had Come. In: Anglistik und Englischunterricht: Images of Germany 29/30, 1986, S. 57-83.
  • Gavriel David Rosenfeld: The World Hitler Never Made. Alternate History and the Memory of Nazism. 2005, ISBN (Rezension)
  • Georg Ruppelt: Nachdem Martin Luther Papst geworden war und die Alliierten den Zweiten Weltkrieg verloren hatten. Literarische Alternativen zur besten der Welten. Wehrhahn Verlag, 2007. ISBN 978-3-86525-096-4.
  • Erik Simon (Hrsg.): Alexanders langes Leben, Stalins früher Tod, und andere abwegige Geschichten. Erzählungen und Berichte aus Parallelwelten, München 1999, ISBN 3-453-14912-2.
  • J.C. Squire (Hrsg.): Wenn Napoleon bei Waterloo gewonnen hätte, und andere abwegige Geschichten. Erzählungen und Berichte aus Parallelwelten, München 1999, ISBN 3-453-14911-4.
  • Andreas Martin Widmann: Kontrafaktische Geschichtsdarstellung: Untersuchungen an Romanen von Günter Grass, Thomas Pynchon, Thomas Brussig, Michael Kleeberg, Philip Roth und Christoph Ransmayr. (= Heidelberg Studien zur historischen Poetik. 4). Winter, Heidelberg 2009, ISBN 978-3-8253-5610-1 (zugleich: Dissertation, Universität Mainz).

Weblinks[Bearbeiten]