Koch Industries

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Koch Industries, Inc.
Logo Koch Industries.svg
Rechtsform Incorporated
Gründung 1940
Sitz Wichita, Vereinigte Staaten
Leitung Charles G. Koch, Präsident
David H. Koch, Vize-Präsident
Mitarbeiter 100.000 (2014)[1]
Umsatz ca. 100 Mrd. USD (2009)[2]
Branche Mischkonzern
Website Koch Industries

Koch Industries ist ein US-amerikanisches Unternehmen mit Firmensitz in Wichita, Kansas. Das Mischunternehmen ist in 50 Ländern unter anderem in den Produktionsbereichen Erdöl, Chemie, Energie, Asphalt, Erdgas, Kunstdünger, Nahrungsmittel und Kunststoff tätig. Koch Industries ist die nach Cargill zweitgrößte nicht börsennotierte Gesellschaft in den Vereinigten Staaten (Forbes-Daten von 2012).[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Im Jahre 1925 gründete Fred C. Koch zusammen mit seinem Klassenkameraden Lewis E. Winkler ein Ingenieurbüro in Wichita (Kansas) mit dem Namen Winkler-Koch Engineering Company. Zwei Jahre später entwickelten beide ein effizienteres thermisches Crackverfahren, um aus Rohöl Benzin zu gewinnen, und bedrohten damit den Wettbewerbsvorteil der etablierten Ölgesellschaften, die daraufhin Klage wegen Patentverletzung erhoben. Vorübergehend war das Unternehmen von Geschäften in den Vereinigten Staaten ausgeschlossen und wandte sich anderen Märkten zu, beispielsweise der Sowjetunion, wo Winkler-Koch 15 Crackanlagen zwischen 1929 und 1932 baute. Während dieser Zeit lernte Koch den Kommunismus und das Stalin-Regime kennen. In seinem 1960 erschienenen Buch A Business Man Looks at Communism beschreibt er die Sowjetunion als ein „Land mit Hunger, Armut und Terror“.

Im Jahr 1940 gründete Fred Koch mit neuen Partnern die Wood River Oil and Refining Company, die nach seinem Tod in Koch Industries umbenannt wurde. Das Unternehmen expandierte vor allem, indem es andere Firmen und Erschließungsrechte kaufte.

Geschäftstätigkeit[Bearbeiten]

Genauere Unternehmensinformation veröffentlicht Koch Industries nicht, lediglich eine ungefähre offizielle Umsatzangabe des Unternehmens von 100 Mrd. USD existiert.[4] Wichtige Teile des Konzerns sind Flint Hills Resources, das unter anderem Raffinerien in Alaska, Minnesota und Texas betreibt, sowie der Papierhersteller Georgia-Pacific LLC.[2] Seit 2014 ist bekannt, dass ein Tochterunternehmen von Koch Industries der größte ausländische Partner an der Erschließung der kanadischen Athabasca-Ölsande ist.[5] Allerdings ist umstritten, ob sie zugleich der größte Anteilseigner sind oder unmittelbar hinter zwei kanadischen Unternehmen auf Platz 3 liegen.[6]

Koch Industries gehört mehrheitlich den Brüdern Koch (jeweils zu 42 Prozent). Präsident und Vorstandschef ist Charles G. Koch und Vize-Präsident ist sein Bruder David H. Koch. Chief Financial Officer ist Steve Feilmeier.

Die Geschäftsmethoden von Koch Industries gerieten zwischen 1999 und 2003 in den Blickpunkt der Justiz, das Unternehmen wurde in diesem Zeitraum fünfmal strafrechtlich verurteilt und musste 400 Millionen Dollar an Strafen zahlen.[7] Unter anderem hatte das Unternehmen Öl von fremdem Land gestohlen, Umweltvergehen durch Datenfälschungen verschleiert, Sicherheitsvorkehrungen vernachlässigt und Pipelines mangelhaft gewartet. Zu einer besonders hohen Strafe wurde das Unternehmen 1999 verurteilt, nachdem bei einer Pipeline-Explosion zwei Menschen getötet wurden.[4] Auf politischer Ebene setzt sich Koch Industries dafür ein, entsprechende Vorschriften abzubauen (siehe Abschnitt Politische Aktivitäten) und hat seit 2006 über 50 Millionen Dollar für Lobbyarbeit in der US-Hauptstadt ausgegeben.[4] Nach eigenen Angaben hat Koch Industries mittlerweile gute Beziehungen zur Environmental Protection Agency und hält sich an bestehende Gesetze.[4] Laut der früheren Kontrollmanagerin Ludmila Egorova-Farines sollen außerhalb der USA zudem zahlreich Schmiergelder für Auftragsvergaben geflossen sein.[4]

Entwicklung und Unternehmensaufkäufe[Bearbeiten]

Nachfolgend eine unvollständige Liste der Akquisitionen und die damit verbundenen Ereignisse:

  • 1940: Fred Koch ist Mitbegründer der Wood River Oil and Refining Company
  • 1946: Das Unternehmen erwirbt Rock Island Oil & Refining Co. in Oklahoma
  • 1959: Umbenennung in Rock Island Oil and Refining
  • 1959: Fred Koch beteiligt sich mit 35 Prozent an der Great Northern Oil Company in Saint Paul (Minnesota)
  • 1967: Nach dem Tode des Firmengründers Fred Koch übernimmt sein Sohn Charles Koch die Unternehmensleitung
  • 1967: Umbenennung in Koch Industries
  • 1969: Charles Koch und J. Howard Marshall II erhalten eine Mehrheit an der Great Northern Oil Company,
Die Raffinerie wird in Koch Refining umbenannt.
  • 1977: Koch übernimmt Abcor, die im Jahre 1985 in Koch Membrane Systems umbenannt wird
  • 1981: Das Unternehmen übernimmt eine Raffinerie von Sun Oil in Corpus Christi (Texas)
  • 1986: Übernahme der C. Reiss Coal Company
  • 1989: Übernahme der Vermögenswerte der John Zink Company
  • 1992: Erwerb der United Gas Pipeline
  • 1993: Erwerb der Elf Asphalt
  • 1997: Erwerb der Delhi Group
  • 1998: Purina Mills, ein amerikanischer Futtermittelhersteller, wird übernommen
  • 1998: Erwerb von Anteilen an der Polyester-Sparte der Hoechst AG, hieraus wird das spätere Tochterunternehmen KoSa gebildet
  • 2000: Ein US-Konkursgericht storniert die Übernahme der Purina, um sie zu erhalten
  • 2001: Partnerschaft mit Entergy Corporation, in die auch die United Gas Pipeline eingebracht wird
  • 2003: Erwerb der Düngemittelsparte aus der Konkursmasse von Farmland Industries
  • 2004: Entergy-Koch wird wieder verkauft
  • 2004: Erwerb der INVISTA Fasern und Harze von DuPont und Zusammenschluss mit KoSa (ehem. PE-Sparte von Hoechst). - In Deutschland dann tätig als INVISTA Resins & Fibres GmbH
  • 2005: Erwerb der italienischen Industrie Meccaniche di Bagnolo SpA und Umbenennung in Koch Heat Transfer Company Srl
  • 2005: Erwerb der Georgia-Pacific ist die größte Übernahme in den USA
  • 2005: Übernahme der Puron AG aus Aachen, einem Membran-Hersteller für Wasseraufbereitungsanlagen
  • 2013: Ankündigung der Übernahme von Molex für rund 7,2 Milliarden US-Dollar

Politische Aktivitäten[Bearbeiten]

Die Koch-Brüder leiten die Koch Family Foundation, eine politische Stiftung. In ihrer konservativen und libertären Ausrichtung unterstützt sie auch die politischen Denkfabriken Cato Institute und Mercatus Center. David Koch wurde als Vize-Präsidentschafts-Kandidat von Edward Clark für die Libertarian Party in den Präsidentschaftswahlen 1980 ernannt. Ed Clark konnte mit 921.299 Stimmen und 1,1 Prozent Stimmenanteil nur auf Platz 4 kommen. Koch unterstützt die Organisation Americans for Prosperity, eine Nachfolgeorganisation von Bürger für eine gesunde Wirtschaft (Citizens for a Sound Economy). Im April 2006 hat die Fred C. und Mary R. Koch Foundation mit einer Spende über eine Million Dollar den Erhalt der Prärie im Tallgrass Prairie National Preserve in Chase County (Kansas) unterstützt.

Koch Industries und die Koch-Brüder unterstützen die libertär-konservative Tea-Party-Bewegung finanziell und organisatorisch.[8][9][10]

Laut Greenpeace unterstützte das Unternehmen zwischen 1997 und 2008 mit fast 48 Millionen US-Dollar auch die Arbeit von Gruppierungen, die die Globale Erwärmung bzw. deren Ursachen leugnen.[11][12] Koch Industries finanziert ein „Netzwerk der Verleugnung“ um die Glaubwürdigkeit der Wissenschaft systematisch zu diskreditieren und Klimagesetze zu verhindern.[13][14][15][16]

Im Jahr 2014 wurde bekannt, dass die Koch-Stiftung über Spenden an die Florida State University versuchte, gezielt Professoren mit libertären Ansichten in der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften zu platzieren und so Einfluss auf das Lehrangebot zu nehmen.[17]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Homepage Koch Inc. 2014
  2. a b Forbes: #2 Koch Industries, 2010.
  3. Forbes
  4. a b c d e Koch Brothers Flout Law Getting Richer With Secret Iran Sales, Bloomberg Markets Magazine, 3. Oktober 2011.
  5. The biggest foreign lease holder in Canada’s oil sands isn’t Exxon Mobil or Chevron. It’s the Koch brothers. In: Washington Post. 20. März 2014.
  6. Does Koch Industries hold most Canadian oil sands leases? It’s complicated. In: Washington Post. 7. April 2014.
  7. ORF: Iran-Embargo umgangen, 18. Dezember 2011/
  8. Libertäre als Tea-Party-Großsponsoren. In: Telepolis, 1. September 2010.
  9. Heike Buchter: Big Brothers. In: Die Zeit, 28. Oktober 2010.
  10. Moritz Koch: Die großen Erbfälle: Geld – Macht – Hass – Zwei Brüder auf Kreuzzug. In: Süddeutsche Zeitung. 25. September 2010.
  11. John Vidal: US oil company donated millions to climate sceptic groups, says Greenpeace. In: The Guardian. 30. März 2010.
  12. George Monbiot: Think of a Tank.
  13. The Koch Brothers & Their Amazing Climate Change Denial Machine.
  14. Kampagne gegen Klimaforscher: Wo Wüsten Hokuspokus sind. In: Süddeutsche Zeitung. 30. März 2010.
  15. Greenpeace: Koch Industries - Still Fueling Climate Denial (2011 Update)
  16. Peter Jacques, Riley Dunlap, Mark Freeman: The organisation of denial: Conservative think tanks and environmental scepticism. In: Environmental Politics. 17: 3, 2008, S. 349–385. doi:10.1080/09644010802055576.
  17. Ed Pilkington: Koch brothers sought say in academic hiring in return for university donation. In: The Guardian. 12. September 2014, abgerufen am 26. September 2014.