James M. Buchanan

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James M. Buchanan (2010)

James McGill Buchanan Jr. (* 3. Oktober 1919 in Murfreesboro, Tennessee; † 9. Januar 2013 in Blacksburg, Virginia[1][2]) war ein US-amerikanischer Ökonom und Träger des von der Schwedischen Reichsbank in Erinnerung an Alfred Nobel gestifteten Preises für Wirtschaftswissenschaften des Jahres 1986. Sein Lebenswerk bestand in der Erarbeitung einer ökonomischen Theorie des Staates. Er galt als einer der Pioniere der Neuen Politischen Ökonomie.

Leben und Werk[Bearbeiten]

James M. Buchanans Großvater war John P. Buchanan (1847–1930), von 1891 bis 1893 Gouverneur von Tennessee.

Buchanans Arbeiten, insbesondere zur Public Choice Theory, sind interdisziplinär angelegt und haben Einfluss in die Sozialwissenschaften weit über den engen Kreis der Ökonomik hinaus. Unter anderem war es sein Ziel, der Wirtschaftswissenschaft ihre gesellschaftspolitische Bedeutung zurückzugeben (politische Ökonomik). So bediente er sich in seinem 1975 erschienenen Buch Limits of Liberty. Between Anarchy and Leviathan unter anderem einiger Modelle und Verfahren der politischen Philosophie, um eine theoretische Begründung seines ökonomischen Liberalismus zu finden. Anknüpfend an die Vertragslehre Thomas Hobbes’ versuchte er dabei, Rechtsordnung, Rechtsschutzstaat und Leistungsstaat in einer vertraglichen Einigung rationaler und realistischer Individuen zu verankern. Buchanans Werk kann durch folgende zentrale Merkmale charakterisiert werden:

  • Strikte Unterscheidung in die Auswahl von Regeln und Entscheidung über Handlungen unter Regeln
  • Normativer und methodologischer Individualismus (Homo-oeconomicus-Modell)
  • Interessenlogischer Politikbegriff: Politik ist kein Wahrheitsbetrieb, sondern handelt vom Austauschprozess angesichts divergierender Interessen
  • Veränderungsvorschläge haben sich stets am Status Quo zu orientieren
  • Eine Bewertung sozialer Ergebnisse ist nur über die Bewertung der maßgeblichen Entscheidungsregeln möglich („that which emerges from the interaction process is, quite simply, that which emerges. It is inappropriate to classify any outcome or end-state as better than another“ (2001, S. 270).)
  • Maßgebliches Bewertungskriterium ist der Konsens der Betroffenen, bezogen auf das Entscheidungsverfahren, nicht die emergierenden Ergebnisse unter diesen Verfahren.

Eine bedeutungsvolle Erkenntnis der Public-Choice-Theorie ist insbesondere, dass Politiker ihr Handeln eher auf ihre Wiederwahl oder ein möglichst hohes Steueraufkommen ausrichten, als auf das Gemeinwohl. Buchanans Public-Choice-Theorie legt daher nahe, den Handlungsspielraum der politischen Entscheidungsträger bei der Staatsverschuldung durch entsprechende Verbote zu begrenzen. Insbesondere die Regelungen über die Schuldenbremse folgen dieser Einsicht. [3]

Buchanan lehrte den größten Teil seines Lebens in Virginia, an der University of Virginia in Charlottesville und an der George Mason University in Fairfax.

Er war Mitglied der Mont Pelerin Society und Ehrenpräsident des Walter Eucken Instituts.

Zudem war er Mitglied der Union Mundial pro Interlingua, der Weltunion der Plansprache Interlingua.[4]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Primärliteratur[Bearbeiten]

  • James M. Buchanan: The Collected Works of James M. Buchanan – Volume 17 – Moral Science and Moral Order. Indianapolis, 2001.
    • insgesamt 20 Bände: Liberty Fund, Indianapolis, Indiana.
  • James M. Buchanan: Constitutional Economics. Cambridge, 1991.
  • James M. Buchanan: Politische Ökonomie als Verfassungstheorie. Zürich, 1990.
  • James M. Buchanan: Liberty, Market and State: Political Economy in the 1980s. New York, 1986.
  • James M. Buchanan: The Reason of Rules – Constitutional Political Economy. Indianapolis, 1985, 2000.
  • James M. Buchanan: What Should Economists Do?. Indianapolis, 1979.
  • James M. Buchanan: Die Verfassung der Freiheit. In: Otto Molden: Zu den Grenzen der Freiheit. Wien [u.a.], 1977.
  • James M. Buchanan: The Limits of Liberty. Between Anchary and Leviathan. Chicago [u.a.], 1975, 1987.
  • James M. Buchanan, Gordon Tullock: The Calculus of Consent – Logical Foundations of Constitutional Democracy. Ann Arbor, 1962, 1989.

Sekundärliteratur[Bearbeiten]

  • Thomas Petersen: Individuelle Freiheit und allgemeiner Wille: Buchanans politische Ökonomie und die politische Philosophie. Tübingen, 1996.
  • Ingo Pies, Martin Leschke: James Buchanans konstitutionelle Ökonomik. Tübingen, 1996.
  • Wolfgang Kersting: Die politische Philosophie des Gesellschaftsvertrages. Darmstadt, 1994.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: James M. Buchanan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. James M. Buchanan, Nobel Prize-Winning Economist, Dies at 93
  2. Nobel prize winner, MTSU alumnus Buchanan dies
  3. Spiegel 3/2013, Nachruf auf James Buchanan, Seite 138
  4. Union Mundial pro Interlingua (Interlingua, abgerufen am 5. Oktober 2014)