Kreis Kempen

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Der Kreis Kempen war von 1816 bis 1929 ein Landkreis im Regierungsbezirk Düsseldorf in der Rheinprovinz. Er umfasste den nordwestlichen Teil des heutigen Kreises Viersen. Kreisstadt war Kempen. Zur Unterscheidung von dem Kreis Kempen in Posen wurde er auch Kreis Kempen im Rheinland genannt. 1928 bestand der Kreis Kempen aus 4 Stadtgemeinden (Dülken, Kaldenkirchen, Kempen und Süchteln) sowie 16 Ämtern mit 18 Gemeinden. Laut Volkszählung im Juni 1925 hatte der Kreis 104.469 Einwohner.[1]

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Im Ersten Koalitionskrieg eroberten französische Revolutionstruppen im Spätherbst 1974 das linke Rheinufer. Frankreich annektierte das Gebiet; die Annexion wurde im Vorfrieden von Leoben (1797) vorbereitet sowie im Frieden von Campo Formio (1797) und im Frieden von Lunéville (1801) abschließend geregelt. Man bildete vier Departments; Kempen gehörte zum Département de la Roer (Rur-Département; Hauptort Aachen).

Alle in Frankreich geltenden Gesetze wurden eingeführt. Dazu gehörte die Aufhebung aller ständischen Privilegien, die Herstellung der bürgerlichen Gleichheit, die Etablierung einer neuen Gerichtsordnung und die Einführung des Code civil. Der geistliche Besitz wurde säkularisiert; es kam zu einer fundamentalen Umschichtung der gesamten Besitz- und Vermögensverhältnisse.

Nach der Niederlage Napoleons (1814) begann beim Wiener Kongress eine Phase der Restauration. Der nördliche Teil des linken Rheinufers kam zu Preußen. Aus den beiden preussischen Provinzen Jülich-Kleve-Berg und Großherzogtum Niederrhein entstand 1822 die Rheinprovinz.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Kreis Kempen wurde mit Verfügung vom 4. April 1816 gebildet und dem Regierungsbezirk Kleve zugeordnet. Anfänglich bestand er aus den Bürgermeistereien der vormaligen Kantone Kempen (ohne Aldekerk) und Bracht sowie den Bürgermeistereien Grefrath und Lobberich. 1818 erhielt er durch die Eingliederung der Bürgermeisterei Süchteln und der Bauernschaft Kehn seinen endgültigen Umfang. Am 1. Januar 1822 wurde der Regierungsbezirk Kleve aufgelöst und der Kreis Kempen dem Regierungsbezirk Düsseldorf zugeordnet.

Laut einer statistischen Beschreibung aus dem Jahr 1830 lebten zu diesem Zeitpunkt im Kreis Kempen insgesamt 49.741 Menschen, von denen 48.109 römisch-katholischen, 1.192 evangelischen und 440 jüdischen Glaubens waren. Die katholischen Einwohner hatten 20 Kirchen und 9 Kapellen, die evangelischen Einwohner 5 Kirchen und die Juden 6 Synagogen. Insgesamt waren 8.184 Wohngebäude, 7.148 Ställe, Scheunen und Schoppen sowie 11 Fabrikgebäude vorhanden. In Kempen, Dülken und Lobberich war je ein Friedensgericht.[2]

Der Süchtelner Bürgermeister initiierte 1875, auf dem höchsten Punkt der Süchtelner Höhen (zugleich höchster Punkt des Kreises) ein Denkmal zu errichten, das den aus dem Kreis Kempen stammenden 147 Gefallenen des Deutsch-Französischen Kriegs (1870/71) gewidmet ist. im September 1879 wurde das Denkmal eingeweiht. [3]

1929 wurde der Kreis Kempen aufgelöst. Aus ihm und Teilen anderer Kreise, insbesondere den nicht dem neu gegründeten Stadtkreis Krefeld-Uerdingen zugeschlagenen Orten des Kreises Krefeld, wurde der Kreis Kempen-Krefeld gebildet.

Im Rahmen der 1929er Umgestaltung machte man aus bis dahin fünf Kreisen um mittleren Niederrhein - Kreis Gladbach, Kreis Grevenbroich, Kreis Kempen, Kreis Krefeld und Kreis Neuss) zwei Kreise. Der Kempener Karl von Hartmann-Krey (dessen Posten durch die Umgestaltung wegfiel) warnte scharf vor der Umgestaltung; er ließ Ende 1928 ein Buch in Druck geben, das die Vitalität des Kreises belegen sollte (siehe 'Literatur'), und einen Stummfilm drehen (Titel: Der schöne Kreis Kempen).[4]

Politik[Bearbeiten]

Landräte des Kreises Kempen[Bearbeiten]

  • 1816 – 1938: Peter von Monschaw
  • 1838 – 1839: Graf von Luckner
  • 1839 – 1876: Maximilian Anton Foerster
  • 1877 – 1903: Rudolf von Bönninghausen
  • 1903 – 1917: Hermann Strahl
  • 1917 – 1929: Karl von Hartmann-Krey

Landräte des Kreises Kempen-Krefeld[Bearbeiten]

Siehe hier

Archiv[Bearbeiten]

In der Burg Kempen ist das Archiv des Kreises Viersen. Dort lagern auch Dokumente des 'Kreis Kempen' und des 'Kreis Kempen-Krefeld'. Auch Privatleute können es nutzen. [5] [6]

Literatur[Bearbeiten]

  • Heimatbuch des Landkreises Kempen. Unveränd. Nachdruck der Ausgabe von 1929, Krefeld 2004, ISBN 3-935526-07-5.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kreis Kempen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Heimatbuch des Landkreises Kempen, Nachdruck der Auflage von 1929, S. 38.
  2. Leo Peters: Der Kreis Kempen 1816-1929. In: Der Kreis Viersen. Hrsg.: Oberkreisdirektor Rudolf H. Müller, Stuttgart 1978, ISBN 3-8062-0184-6, S. 97-112.
  3. Das vergessene Denkmal in Süchteln
  4. heute als DVD erhältlich; diese DVD liegt dem 2004 wiederaufgelegten Buch bei
  5. www.kreis-viersen.de Das Kreisarchiv
  6. [1]