Kreis Kempen-Krefeld

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Kreises Kempen-Krefeld
Kreis Kempen-Krefeld
Deutschlandkarte, Position des Kreises Kempen-Krefeld hervorgehoben
51.3658336.419444Koordinaten: 51° 22′ N, 6° 25′ O
Basisdaten (Stand 1974)
Bestandszeitraum: 1929–1974
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Regierungsbezirk: Düsseldorf
Landschaftsverband: Rheinland
Verwaltungssitz: Kempen
Fläche: 530,8 km²
Einwohner: 257.352 (27. Mai 1970)
Bevölkerungsdichte: 485 Einwohner je km²
Kfz-Kennzeichen: KK
Kreisschlüssel: 05 1 35
Kreisgliederung: 32 Gemeinden
Adresse der
Kreisverwaltung:
Burg, 4152 Kempen
Landrat: Peter van Vlodrop (CDU)

Der Kreis Kempen-Krefeld war bis zur kommunalen Neugliederung (1970 und 1975) ein Kreis im Westen von Nordrhein-Westfalen, aus ihm wurde im Wesentlichen der Kreis Viersen gebildet. Er grenzte im Westen an die Niederlande, im Norden an die damaligen Kreise Geldern und Moers (heute: Kreise Kleve bzw. Wesel), im Osten an die kreisfreie Stadt Krefeld und an den Rhein, im Südosten an den damaligen Landkreis Grevenbroich-Neuß (ab 1946 Kreis Grevenbroich, heute: Rhein-Kreis Neuss), im Süden an die kreisfreien Städte Mönchengladbach und (bis 1969) Viersen sowie im Südwesten und an den damaligen Landkreis Erkelenz (heute: Kreis Heinsberg). Der Kreis Kempen-Krefeld gehörte zum Regierungsbezirk Düsseldorf.

Geografie[Bearbeiten]

Höchster und tiefster Punkt[Bearbeiten]

Die höchste Erhebung waren die Süchtelner Höhen mit 90,70 m. Der tiefste Punkt befand sich im Pielbruch (St. Hubert) mit 29,00 m.

Flüsse[Bearbeiten]

Durch das Kreisgebiet flossen der Rhein, die Niers, die Nette und die Schwalm.

Nachbarkreise[Bearbeiten]

Der Kreis Kempen-Krefeld grenzte 1974 im Uhrzeigersinn im Norden beginnend an die Kreise Geldern und Moers, an die kreisfreie Stadt Krefeld, an den Kreis Grevenbroich, an die kreisfreien Städte Viersen und mönchengladbach sowie an den Kreis Erkelenz. Im Westen grenzte er an die Niederlande.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Kreisgebiet gehörte seit dem Ende des 13. Jahrhunderts bis 1794 drei verschiedenen Territorien an: dem Kurfürstentum Köln, dem Herzogtum Jülich und dem Herzogtum Geldern. In der Zeit der französischen Herrschaft (Franzosenzeit, 1794-1815) lag das ganze Gebiet im Département de la Roer mit Verwaltungssitz in Aachen. Nach der Besitzergreifung durch Preußen wurden 1816 die Kreise Kempen und Krefeld gebildet.

Durch die Neuordnung des rheinisch-westfälischen Industriegebietes wurden 1929 unter anderem die Landkreise Kempen, Krefeld und Gladbach aufgelöst. Dabei entstanden die Stadtkreise Krefeld-Uerdingen (heute Krefeld), Gladbach-Rheydt (heute: Mönchengladbach) und Viersen. Große Teile aus den aufgelösten Landkreisen wurden zum neuen Landkreis Kempen-Krefeld zusammengeschlossen. Zusätzlich kamen aus dem Kreis Geldern die Gemeinden Hinsbeck und Leuth hinzu.

Die Gemeinde Born wurde 1936 nach Brüggen eingemeindet. Im selben Jahr wurden Amern Sankt Georg und Amern Sankt Anton zur Gemeinde Amern zusammengeschlossen.

Mit Wirkung vom 1. Oktober 1969 wurde die Bezeichnung "Landkreis" durch "Kreis" ersetzt.[1][2]

Am 1. Januar 1970 wurde die bis dahin kreisfreie Stadt Viersen in den Kreis eingegliedert.[3]

Am 1. Januar 1972 und am 1. Januar 1975 wurden die Gemeinden des Kreises neu geordnet. Der Kreis erhielt den neuen Namen Kreis Viersen.[4] Kreissitz blieb bis 1984 die Stadt Kempen. Dann wurde der Sitz des Kreises nach Viersen verlegt.

Politik[Bearbeiten]

Ergebnisse der Kreistagswahlen ab 1946[Bearbeiten]

In der Liste werden nur Parteien und Wählergemeinschaften aufgeführt, die mindestens zwei Prozent der Stimmen bei der jeweiligen Wahl erhalten haben.[5]

Stimmenanteile der Parteien in Prozent

Jahr CDU SPD UWG FDP DZP BHE KPD
1946 52,3 26,5 1,3 12,7 6,2
1948
1952 37,7 27,6 14,8 12,9 4,2 2,8
1956 42,6 32,8 11,8 9,7 3,1
1961 56,0 29,6 10,8 3,6
1964 52,3 34,0 4,2 9,5
1970 54,4 32,9 7,1 5,6

Landräte des Kreises Kempen[Bearbeiten]

Hauptartikel: Kreis Kempen

Landräte des Kreises Kempen-Krefeld[Bearbeiten]

Oberkreisdirektoren[Bearbeiten]

  • 1945–1960: Ludwig Feinendegen
  • 1960–1984: Rudolf H. Müller (ab 1. Januar 1975 des Kreises Viersen)[6]

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen, das der Kreis seit 1932 führt[7] und das der Kreis Viersen nach der Umbenennung übernahm, ist das Kreuz als Hoheitszeichen des Kurfürsten von Köln mit dem schwarzen Löwen als Wappenbild des Herzogs von Jülich und dem goldenen Löwen als Wappenbild des Herzogtums Geldern vereinigt. Bis zum Ende des Alten Reiches unterstand das Gebiet des Kreises diesen Landesherren.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die Wirtschaft im Kreis Kempen-Krefeld war sehr vielseitig. Neben der Textilindustrie war die Landwirtschaft im Kreis immer ein sehr wichtiger Wirtschaftszweig.

Verkehr[Bearbeiten]

Autobahnen:
Der Kreis Kempen-Krefeld hatte 1969 Anschluss an die gerade neu gebauten Autobahnen Neersen - Neuss - Düsseldorf (heute A 52) und Neuwerk - Neersen - Willich (heute A 44)

Die A 2 [E 3] (heute: A 40 Venlo-Dortmund) wurde erst Mitte der 70er Jahre gebaut.

Die A 61 wurde in den 1970er Jahren von Süden her Richtung Venlo (NL) verlängert. Um 1974 erreichte die A 61 Viersen.

Bundesstraßen, Landesstraßen:
Durchzogen war der Kreis Kempen-Krefeld durch eine dichtes Netz von Bundes- und Landesstraßen, u.a. führten 1969 die B 7, die B 9, B 57 und die B 509 durch den Kreis.

ÖPNV:
Durch den Kreis führten 1969 die Bahnlinien Venlo - Dülken - Mönchengladbach - Köln, Duisburg - Krefeld - Anrath - Mönchengladbach - Aachen, Kleve - Kempen - Krefeld - Köln, Kaldenkirchen - Grefrath - Kempen, Schiefbahn-Nord - Willich - Krefeld. Eine Straßenbahnlinie führte von St. Tönis, eine andere von Hüls in das benachbarte Krefeld. Außerdem gab es zahlreiche Busverbindungen.

Städte und Gemeinden[Bearbeiten]

(Einwohner am 30. Juni 1969)

Städte

  1. Dülken (21.668), heute zu Viersen
  2. Kaldenkirchen (8.853), heute zu Nettetal
  3. Kempen (16.435)
  4. Lobberich (11.365), heute zu Nettetal
  5. Süchteln (17.150), heute zu Viersen

Amtsfreie Gemeinden

  1. Amern (5.537), heute zu Schwalmtal
  2. Anrath (9.448), heute zu Willich
  3. Boisheim (1.797), heute zu Viersen
  4. Bracht (5.082), heute zu Brüggen
  5. Breyell (10.020), heute zu Nettetal
  6. Brüggen (6.062)
  7. Grefrath (7.771)
  8. Hinsbeck (4.408), heute zu Nettetal
  9. Hüls (12.606), heute zu Krefeld
  10. Leuth (2.038), heute zu Nettetal
  11. Neersen (5.286), heute zu Willich
  12. Oedt (5.743), heute zu Grefrath
  13. Osterath (12.695), heute zu Meerbusch
  14. St. Hubert (6.703), heute zu Kempen
  15. St. Tönis (13.898), heute zu Tönisvorst
  16. Schiefbahn (9.910), heute zu Willich
  17. Schmalbroich (1.469), heute zu Kempen
  18. Tönisberg (3.020), heute zu Kempen
  19. Vorst (5.992), heute zu Tönisvorst
  20. Waldniel (8.423), heute zu Schwalmtal
  21. Willich (14.823)

Amt mit Gemeinden

  1. Amt Lank
    1. Lank-Latum, heute zu Meerbusch
    2. Ilverich (486), heute zu Meerbusch
    3. Langst-Kierst (715), heute zu Meerbusch
    4. Nierst (761), heute zu Meerbusch
    5. Ossum-Bösinghoven (967), heute zu Meerbusch
    6. Strümp (2.489), heute zu Meerbusch

Kfz-Kennzeichen[Bearbeiten]

Am 1. Juli 1956 wurde dem damaligen Landkreis bei der Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen das Unterscheidungszeichen KK zugewiesen. Es wurde bis zum 31. Dezember 1974 ausgegeben.

Im März 2012 beschloss der Kreistag, dass das Kennzeichen "KK" für alle historischen Fahrzeuge wieder zugelassen ist. Alle Fahrzeuge mit H-Kennzeichen (= "Oldtimerkennzeichen) sollen auf Wunsch das Kürzel KK tragen dürfen.[8]

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Das ist der Landkreis Kempen-Krefeld.. Krefeld 1965.
  • Dieter Hangebruch: Der Landkreis Kempen-Krefeld von 1929 bis 1960. In: Der Kreis Viersen am Niederrhein. Hrsg.: Rudolf H. Müller, Stuttgart 1978, ISBN 3-8062-0184-6, S. 113-136.
  • Heimatbuch des Kreises Kempen-Krefeld (1950-1974)

Verwaltungsgeschichtliche Literatur[Bearbeiten]

  • Max Bär: Die Behördenverfassung der Rheinprovinz seit 1815, Bonn 1919.
  • Rüdiger Schütz (Bearb.): Grundriß zur deutschen Verwaltungsgeschichte, Reihe A, Preußen, Band 7: Rheinland, Marburg 1978.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bekanntmachung der Neufassung der Kreisordnung für das Land Nordrhein-Westfalen vom 11. August 1969 im Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Nordrhein-Westfalen, Jahrgang 1969, Nr. 2021, S. 670 ff.
  2. Heimatbuch des Kreises Kempen-Krefeld. 21. Band 1970, Kempen-Ndrh. 1969, S. 5.
  3.  Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 115.
  4.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- u. Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen u. Reg.-Bez. vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 295.
  5. Quelle: Jeweiliges Heft des Statistischen Landesamtes (LDS NRW), Mauerstr. 51, Düsseldorf, mit den Wahlergebnissen auf der Kreisebene. Die Zahlen von 1948 liegen nicht vor.
  6. Rheinische Post/Grenzlandkurier vom 1. Dezember 2014: Ein außergewöhnlicher Verwaltungschef (Seite C5, Autor: Leo Peters)
  7. Heimatbuch des Landkreises Kempen-Krefeld. 20. Band 1969, S. 61.
  8. rp-online.de (Rheinische Post): [1] (Meldung vom 31. März 2012)