Brüggen

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Dieser Artikel behandelt die Gemeinde Brüggen in Nordrhein-Westfalen, zur Gemeinde Brüggen in Niedersachsen siehe Brüggen (Leine), zu anderen Bedeutungen siehe Brüggen (Begriffsklärung)
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Brüggen
Brüggen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Brüggen hervorgehoben
51.2416666666676.182222222222250Koordinaten: 51° 15′ N, 6° 11′ O
Basisdaten
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Regierungsbezirk: Düsseldorf
Kreis: Viersen
Höhe: 50 m ü. NHN
Fläche: 61,25 km²
Einwohner: 15.482 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 253 Einwohner je km²
Postleitzahl: 41379
Vorwahlen: 0 21 63 (Brüggen u. Born) 0 21 57 (Bracht)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: VIE
Gemeindeschlüssel: 05 1 66 004
Gemeindegliederung: 3 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Klosterstraße 38
41379 Brüggen
Webpräsenz: www.brueggen.de
Bürgermeister: Gerhard Gottwald (CDU)
Lage der Gemeinde Brüggen im Kreis Viersen
Kreis Viersen Nordrhein-Westfalen Kreis Kleve Kreis Wesel Duisburg Krefeld Rhein-Kreis Neuss Mönchengladbach Kreis Heinsberg Niederlande Nettetal Tönisvorst Grefrath Niederkrüchten Brüggen Viersen Willich Kempen SchwalmtalKarte
Über dieses Bild

Brüggen ist eine Gemeinde in der Region Niederrhein im Westen des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen und eine kreisangehörige Gemeinde des Kreises Viersen im Regierungsbezirk Düsseldorf. Seit 19. März 2012 darf Brüggen den offiziellen Zusatz Burggemeinde führen.[2]

Geografie[Bearbeiten]

Brüggen liegt im Naturpark Maas-Schwalm-Nette.

Das Gemeindegebiet umfasst neben den drei Ortsteilen Brüggen (9.198 Einw.), Bracht (6.797 Einw.) und Born folgende weitere Ortschaften (z. T. ehemalige Honnschaften): Alst, Angenthoer, Borner Mühle, Boerholz, Dilborn, Genholt, Genrohe, Haverslohe, Heide, Heidhausen, Hülst, Lüttelbracht, Oebel, Stevensend und Woltersheide.

Geschichte[Bearbeiten]

Seine Entstehung verdankt Brüggen seiner geografischen Lage. An der einzigen passierbaren Furt über die Schwalm gelegen, bildete sich an der Kreuzung zweier Handelswege zwischen Rhein und Maas eine erste Siedlung (erstmals 897 urkundlich erwähnt [3]). Die Grafen von Kessel sicherten diesen Etappenort mit einer Burganlage (erste urkundliche Erwähnung 1289), die sie nach niederländischen Vorbildern auf eine 16 m hohe, mächtige Kiesinsel setzen ließen, die ihrerseits auf dem Moor schwimmt. Mit der Errichtung der Burg wurde Brüggen zum Zentrum des gleichnamigen Amtes.

Im Jahr 1473 nahm der Burgunder Herzog Karl der Kühne die Burg Brüggen ein (im gleichen Feldzug unter anderem auch Venlo und Nijmegen). Karl starb im Januar 1477. Über drei Jahrhunderte bis 1794 war die Burg im Besitz des Herzogtums Jülich und stellte eine starke Grenzfeste (Landesburg) des Herzogtums dar. 1794 marschierten Truppen Napoleons am linken Niederrhein ein; die Franzosenzeit begann.

Die französischen Besatzer verkauften die Burg 1804 an einen Privatmann. Danach fielen drei Viertel der ehemals viertürmigen Burg wie auch das gewaltige Festungswerk Schleifung und Wiederverwendung von Baumaterialien zum Opfer.

Nach dem Ende der Operation Blackcock (Januar 1945) und nach dem Beginn der Operation Grenade räumte die Wehrmacht das Maas-Rur-Dreieck zwischen Venlo, Roermond und Wassenberg (namentlich die dortige Maas-Rur-Stellung) am 27./28. Februar kampflos, um einer Einschließung zu entgehen. Am 1. März 1945 stieß eine Kampfgruppe der US Army (im Rücken der Maas-Rur-Stellung) über Niederkrüchten- Brüggen- Bracht- Kaldenkirchen nach Venlo vor. [4]

Brüggen wurde Teil der Britischen Besatzungszone.

Der britische Stützpunkt RAF Brüggen im Süden bestand bis 2001. Unter anderem lagerten auf ihm auch Atomwaffen.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Juli 1970 wurden die Gemeinde Bracht und Teile der Gemeinden Breyell und Kaldenkirchen eingemeindet.[5]

Das Kreuzherrenkloster und die Klosterkirche[Bearbeiten]

1479 gründete der Orden vom Heiligen Kreuz, dessen Kleriker auch Kreuzherren genannt wurden, in der Ortsmitte von Brüggen ein Kloster. Ein Jahr später begannen sie mit dem Bau der Klosterkirche St. Nikolaus. Nachdem diese im Jahr 1751 abbrannte, wurde sie bis 1756 als Barockkirche wieder aufgebaut. Auch die übrigen Klostergebäude brannten 1751 teilweise ab. 1756 entstand das Konventsgebäude, das heute noch erhalten ist. Der Orden unterhielt von 1630 bis 1794 im Kloster eine philosophische und theologische Fakultät zur Bildung seiner Angehörigen. Eine Lateinschule diente dem Unterricht der Kinder des Kirchspiels Brüggen. 1802 erfolgte durch die damalige französische Regierung die Säkularisation des Klosters. 1840 gründete Friedrich von Diergardt in dem ehemaligen Konventsgebäude die erste mechanische Seiden-Weberei des europäischen Festlands.[6] Später wurde das Gebäude als Waisenhaus, Schule, Postamt und Pastorat genutzt. Heute befindet sich darin die Gemeindeverwaltung.

Archiv[Bearbeiten]

Das Stadtarchiv Brüggen ist, zusammen mit dem Archiv Kreis Viersen und anderen, in der Kempener Burg und öffentlich zugänglich.[7]

Politik[Bearbeiten]

Brüggen wird zur Zeit von einer CDU-/FDP-Koalition regiert. Bürgermeister ist Gerhard Gottwald (CDU). Der Gemeinderat hat 34 Sitze, die folgendermaßen verteilt sind[8]:

  • CDU: 16 Sitze
  • SPD: 4 Sitze
  • FDP: 4 Sitze
  • Grüne: 3 Sitze
  • UBW (Unabhängige Brachter Wählergemeinschaft): 3 Sitze
  • AWB (Alternative Wählergemeinschaft Brüggen): 2 Sitze
  • Parteilose: 2 Sitze

Wappen und Banner[Bearbeiten]

Burg Brüggen (Rückseite)
Der Turm der Burg Brüggen, erst seit wenigen Jahren mit einem neuen Dach ausgerüstet

In Gold (Gelb) rechts die auf einer silbernen (weißen) Bank sitzende Muttergottes mit rotem Unterkleid, blauem Mantel und blauer Lilienkrone. Gesicht, Hände und Haar sind silbern (weiß). Mit der linken Hand umfasst sie auf dem Schoß das silberne (weiße), von einem rot-silbernen (weißen) Heiligenschein umgebene Jesuskind. In der rechten Hand hält sie einen Rosenzweig mit drei roten Blüten. Links ein steigender, rot-bewehrter und rot-bezungter schwarzer Löwe, der einen blauen Wimpel an schwarzem Schaft mit silberner (weißer) Spitze in den Tatzen hält.

Das gezeigte Wappen entstand nach der kommunalen Zusammenlegung der ehemaligen Gemeinden Brüggen und (Mühl-)Bracht. Das erheblich ältere Wappen Mühlbrachts zeigte die Patronin der Brachter Pfarrkirche St. Mariae Himmelfahrt in rot-grüner Kleidung auf der linken Seite und den gelben Löwen Gelderns mit einem Lehensstander mit dem schwarzen Löwen Jülichs. Dieses alte Wappen war bereits im 12. Jh. das Siegel eines Schöffengerichts und galt als eines der schönsten in Deutschland.

Beschreibung des Banners: "Blau-gelb-blau-gelb-blau im Verhältnis 1:1:7:1:1 längsgestreift mit dem Gemeindewappen im Schild etwas oberhalb der Mitte."[9]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Ein Narr auf der Eingangstür der „Kaschemme“, einem Kneipen-Café in der Brüggener Altstadt

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkaufsoffene Sonntage[Bearbeiten]

Eine Besonderheit sind die verkaufsoffenen Sonn- und Feiertage von Anfang März bis Ende Oktober. An diesen etwa 40 Tagen haben viele Geschäfte der Klosterstraße (Fußgängerzone), Hochstraße und Bornerstraße geöffnet, so dass dann viele Touristen in die Stadt kommen. Diese Gäste sind ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor für die Geschäfte und Gaststätten Brüggens.

Darüber hinaus finden mehrmals im Jahr Markt-Veranstaltungen, Altstadtfeste, Burg-Festivals und ähnlich gelagerte Veranstaltungen statt, die ebenfalls zumeist stark frequentiert werden.

Infrastruktur[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten]

Die Verfilmung Die Vorstadtkrokodile des Kinderbuches Vorstadtkrokodile von Max von der Grün wurde 1977 größtenteils im Brüggener Ortsteil Bracht gedreht.

Im Ortsteil Oebel befindet sich das Töpfereizentrum von Brüggen-Oebel.

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Josef Deilmann: Geschichte des Amtes Brüggen. 1. und 2. Teil. Nachdruck der Ausgaben 1927 und 1930. Köln 1986
  • K.-H. Hohmann: Brüggen im Naturpark Schwalm-Nette. Rheinische Kunststätten Nr. 154. Neuß 1973
  • Leo Peters (Redaktion): Brüggen, Bracht, Born. Aufsätze zur Landschaft, Geschichte und Gegenwart. Kempen 1979
  • Leo Peters: Vestung besehn, Kaninchen gehetzt. Vor 400 Jahren, im Oktober 1600, besuchte Brüggens späterer Landesherr Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg erstmals die jülichsche Amtsstadt an der Schwalm, Heimatbuch des Kreises Viersen 51 (2000), S. 47–55
  • Brüggen gestern und heute. Brüggener Schriftenreihe Nr. 1–3. Gemeinde Brüggen 1991, 1995 und 1998
  • Hans Kaiser: Brüggen. Bracht. Born. Aufsätze zur Landschaft, Geschichte und Gegendwart. Schriftenreihe des Kreises Viersen Band 30. 1979.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Brüggen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungszahlen auf Basis des Zensus vom 9. Mai 2011. Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW), abgerufen am 31. Juli 2013. (Hilfe dazu)
  2. http://www.nrw.de/landesregierung/kommunalminister-jaeger-genehmigt-die-ersten-zusatzbezeichnungen-bei-staedten-und-gemeinden-12669/ PM Innenministerium
  3. Bürgermeister HEINEN (1928): Brüggen. – in: Kreisverwaltung Kempen (Hrsg.): Heimatbuch des Landkreises Kempen, Düsseldorf (Otto Fritz)
  4. www.feststellung-weststellung.de
  5.  Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 114.
  6. Jürgen Brand: Untersuchungen zur Entstehung der Arbeitsgerichtsbarkeit in Deutschland, Band 2 Von der Ehre zum Anspruch, Frankfurt am Main 2002, ISBN 978-3-465-03185-7
  7. www.kreis-viersen.de
  8. Politik in Brüggen Gemeindeverwaltung Brüggen, abgerufen am 18. Oktober 2011
  9. Hauptsatzung der Gemeinde Brüggen, § 2, S.33. Abgerufen am 5. Dezember 2012 (PDF; 1,6 MB).