Kyrgys Temir Dscholu

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Кыргыз Темир Жолу
Logo KTJ.jpg
Rechtsform Geschlossene Aktiengesellschaft
Sitz Bischkek, KirgisistanKirgisistan Kirgisistan
Leitung Argynbek Dschumabekowitsch Malabaew (seit April 2010)
Mitarbeiter 5.486 (2010)
Bilanzsumme Gewinn von 518 Mil. Som = 8,45 Mil. Euro (2011)[1]Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Bilanzsumme
Branche Eisenbahnunternehmen
Website www.ktj.kg

Kyrgys Temir Dscholu (KTJ) (kirgisisch Кыргыз Темир Жолу; russisch Кыргызская железная дорога; deutsch Kirgisische Eisenbahn) ist die staatliche Eisenbahngesellschaft und nationaler Dienstleister im Personen- und Güterverkehr Kirgisistans. Sie ist Mitglied der Organisation für die Zusammenarbeit der Eisenbahnen (OSShD).

Streckennetz[Bearbeiten]

Infrastrukturkarte Kirgisistans (1996)

Das kleine, von der kirgisischen Eisenbahn betriebene Netz, ein Breitspurnetz mit einer Spurweite von 1520 Millimetern, umfasst nur eine Streckenlänge von insgesamt 423,9 Kilometern. Der nördliche Abschnitt ist 322,7 Kilometer lang und verläuft auf einer Länge von 60,3 Kilometer auf Gebiet Kasachstans. Die im Süden des Landes gelegenen Streckenabschnitte sind insgesamt 101,2 Kilometer lang, aber nicht zusammenhängend, Die Strecken wurden vor dem Zerfall der Sowjetunion gebaut, und der heute auf kirgisischem Gebiet verbliebene Teil ist daher bruchstückhaft und durch die Grenzziehung mit den Nachbarstaaten zerstückelt.

Bahnhof Bischkek

Anknüpfungspunkte zu anderen Eisenbahnverwaltungen bestehen in Lugowoi (Kasachstan) und in Karasuu, Taschkumyr und Kysyl-Kija (Usbekistan).

Personenzüge fahren ganzjährig nur im nördlichen Abschnitt zwischen Lugowoi und Tokmok (Fernverkehrszüge zwischen Bischkek und Lugowoi bzw. Nahverkehrszüge im Abschnitt Tokmok – Merki). Während der Sommersaison fahren zusätzlich Züge zwischen Bischkek und Balyktschy (ehemals Rybatsche) am westlichen Ende des Issyk-Kul-Sees. Das südliche Streckennetz im kirgisisch-usbekischen Grenzbereich wird nur von Güterverkehr befahren.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Geschichte der Kirgisischen Eisenbahn beginnt am 8. August 1924 mit der Eröffnung der Strecke zwischen Lugowoi und dem damaligen Pischkek (Bischkek). Bis 1948 wurde die Strecke von Bischkek nach Rybatsche verlängert.

Mit dem Ausbau der Transkaspischen Eisenbahn wurden von Usbekistan kommende Teilstrecken nach Kirgisistan verlängert:[2]

  • Karasuu – Dschalalabat (1915)
  • Dschalalabat – Kok-Dschangak (1932)
  • Karasuu – Osch (1932)
  • Margilan – Kysyl-Kyja (1926)
  • Utschkurgan – Tasch-Kumyr (1935)

Zukünftige Entwicklung[Bearbeiten]

Anbindung des Chinesischen an das Kirgisische und Usbekische Eisenbahnnetz[Bearbeiten]

In Zukunft soll die als neue Seidenstraße bezeichnete Eisenbahnlinie die im Nordwesten Chinas gelegene Stadt Kaschgar (Kaxgar) und die südwestkirgisische Stadt Karasuu miteinander verbinden. Die 270 km lange Strecke führt über den Turugart-Pass – Tuzbel-Pass – Arpatal – Ösgön nach Karasuu. Wegen des topographisch anspruchsvollen Geländes, die Strecke führt überwiegend durch Hochgebirgsland, sind für den Bau zahlreiche Kunstbauwerke (48 Tunnel [49 Kilometer] und 95 Brücken [21 Kilometer]) erforderlich. Die Kosten sind mit mehr als 2 Milliarden US $ veranschlagt und sollen sowohl von staatlichen als auch privaten Investoren aufgebracht werden.[3]

Folgende Wirkungen und Vorteile sollen mit dem Bau der Eisenbahnlinie verbunden sein:

  • verbesserte Entwicklungspotenziale im Außenhandel
  • beschleunigte wirtschaftliche Integration und enge Zusammenarbeit mit den CAREC-Ländern
  • Tourismusförderung
  • Zugang zu den chinesischen Häfen, Häfen im Persischen Golf und im Mittelmeer
  • industrielle und wirtschaftliche Entwicklung des Ferghanatals
  • Verkürzung der Transportwege zwischen Ostasien, dem Nahen Osten und Südeuropa

Elektrifizierung der Bahnstrecke Lugowoi–Bischkek (2015–2017)[Bearbeiten]

Die Elektrifizierung der bisher bedeutendsten Eisenbahnlinie Kirgisistans bedeutet eine Erhöhung der Maximalgeschwindigkeit von heute 60 km/h auf 120 km/h. Dergleichen verdoppelt sich die Durchschnittsgeschwindigkeit für Personenzüge von 33 km/h auf 70–80 km/h sowie für Güterzüge auf 90 km/h. Nunmehr kann anstelle von Erdölimporten für Dieselkraftstoff die günstigere inländische Wasserkraft Verwendung finden.[4]

Verbindung zwischen Balyktschy und Dschalalabat[Bearbeiten]

Zur Überwindung der Teilung des Streckennetzes in zwei voneinander getrennte Teilnetze ist seit langem eine mehr als 350 Kilometer lange Eisenbahnlinie zwischen Balyktschy und Dschalalabat geplant. Neben ihrer verbindenden Funktion würde sie in erster Linie der Erschließung reicher Kohlelagerstätten um Karaketsche (Gebiet Naryn) dienen. Bislang liegt der Bau auf Eis.

Fuhrpark[Bearbeiten]

Diesellokomotive Et E7939 überquert eine Hauptstraße in Bischkek

Aus dem Bestand der Sowjetische Eisenbahnen (SŽD) wurden nach Auflösung der UdSSR insgesamt 2500 Güterwagen, 450 Personenwagen und 50 Diesellokomotiven übernommen. Wegen rückgängiger Beförderungsleistungen im Güter- wie auch im Personenverkehr wurden 2010 nur noch 1808 Güterwagen, 434 Personenwagen und 43 Diesellokomotiven gezählt. 51 Personenwagen bzw. 413 Güterwagen sind 2007 und 2008 in Ausbesserungswerken Russlands und Usbekistans generalüberholt worden. 2010 und 2011 sollen weitere Modernisierungsmaßnahmen des durchschnittlich 28 Jahre alten Fuhrparks erfolgen.

Fahrpläne[Bearbeiten]

Die Betriebsabwicklung erfolgt analog zur Russischen Staatsbahn nach Moskauer Zeit. Alle Fahrpläne und Bahnhofsuhren zeigen jeweils die Zeit der russischen Hauptstadt an.

Beförderungsleistungen[Bearbeiten]

Nach der Unabhängigkeit Kirgisistans von der UdSSR ist die Industrieproduktion um 70 Prozent gesunken. In demselben Maße sank nach 1991 die Güterbeförderungsleistung der Kirgisischen Eisenbahn. Haupttransportgüter sind Buntmetalle, Kohle, Baumwolle, Zement, Getreide, Zucker und Erdölprodukte.

Der Eisenbahnpersonenverkehr spielt eine nur sehr geringe Rolle. Zugunsten des rentableren Schienengüterverkehrs wurde der defizitäre Personenverkehr stark ausgedünnt. Dies führte dazu, dass im Süden Kirgisistans der Personenverkehr komplett eingestellt und im Norden die Anzahl der Züge stark reduziert wurde.

Güter- und Personenbeförderungen[5][6][7]
Art 1990 1992 1993 1994 1995 1996 1999 2000 2002 2007 2010
Beförderte Güter in Mio. t 8,0 5,5 3,0 1,4 0,9 1,3 1,0 0,9 2,6 6,9 5,5
Güterbeförderungsleistung in Mio. tkm 2619,6 1588,9 923,0 628,9 402,6 480,0 353,8 338,0 332,0 848,7 737,7
Beförderte Personen in Mio. 1,4 1,7 2,3 1,1 0,8 0,9 0,4 0,6 0,6 0,44 0,71
Personenbeförderungsleistung in Mio. Pers. km 205,0 234,9 295,3 172,4 87,0 91,8 31,3 44,2 50,0 59,9 98,7

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.vb.kg/news/economy/2012/01/23/176254_na_kyrgyzskoi_jeleznoi_doroge_nabludaetsia_rost_dohodov.html
  2. Geschichte der Mittelasiatischen Eisenbahn-rus.
  3. Vereinte Nationen: Vorrangige Zukunftsinvestitionen für die Entwicklung des transasiatischen Eisenbahnnetzes (englisch; PDF; 987 kB)
  4. http://www.adb.org/Documents/Events/2009/8th-meeting-CAREC-TSCC/TTFS-Country-Progress-Report-KGZ.pdf
  5. http://www.welcome.kg/ru/economics/facilities/redfg/
  6. OsshD-2002: Zeitschrift der OsshD, 47. Jahrgang, 2004, S. 37
  7. Allgemeine Übersicht zum Eisenbahnverkehr der Länder der OsshD 2010

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kirgisische Eisenbahn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien