Lägern

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Lägern
Lägerngrat aus Westen von Ennetbaden

Lägerngrat aus Westen von Ennetbaden

Höhe 859 m ü. M.
Lage Kanton Zürich und Kanton Aargau, Schweiz
Gebirge Jura
Koordinaten 671999 / 25944247.48188.39387859Koordinaten: 47° 28′ 54″ N, 8° 23′ 38″ O; CH1903: 671999 / 259442
Lägern (Zürich)
Lägern
Typ Faltenjura
Gestein Malmkalk
Lägern von Osten, aus dem Neeracher Ried gesehen.

Lägern von Osten, aus dem Neeracher Ried gesehen.

Die Lägern (seltener: der Lägern, veraltet auch Lägeren) ist ein gut zehn Kilometer langer, schmaler Höhenrücken zwischen Baden und Dielsdorf in den Schweizer Kantonen Aargau und Zürich.

Geologie[Bearbeiten]

Gipsgruebe bei Ehrendingen

Die Lägern ist der östlichste Ausläufer des Faltenjuras und verläuft in Ost-West-Richtung. Der zu einem Grat zugespitzte Höhenzug wurde vor etwa 9 bis 4 Millionen Jahren im späten Tertiär durch Schub der Alpen nach Nordwesten aufgefaltet.[1] Er besteht vor allem aus Malmkalk, der bei Baden und auf dem Grat freiliegt. Abgesehen davon ist der ganze Berg bewaldet.

Überkippte Gesteinsplatten am Geissberggrat bei Ennetbaden (Süden ist rechts); rechts im Hintergrund die Lägern mit Wettingerhorn und Burghorn (hinten)

Durch die Tektonik wurden die Gesteinsschichten nach Norden gedrückt, wobei es zur Faltung kam, die stellenweise in eine Überschiebung überging. Ein Grossteil des aufgefalteten Materials wurde im Laufe der Zeit durch Erosion wieder abgetragen, wodurch sich Antiklinaltäler bildeten, z.B. das Tal, in dem der Ort Ennetbaden liegt. Die Lägern selbst stellt weitgehend nur den südlichen Teil der ursprünglichen Antiklinale dar, Überreste des nördlichen Gegenstücks findet man noch im Geissberg nördlich von Ennetbaden und am Steinbuck bei Ehrendingen. Durch die Abtragung liegen am Nordhang und auf dem Grat der Lägern (und entsprechend am Südhang z.B. des Geissbergs) die Kanten der Platten frei. Am Geissberg stehen die Platten praktisch senkrecht bzw. sind durch die Überschiebung sogar teilweise nach Norden hin «überkippt» (s. Bild).

Auf der Lägern kann man Fossilien finden. Zu den häufigsten Funden gehören Ammoniten aus der Jurazeit. Am Nordhang der Lägern, in Oberehrendingen wurde in der so genannten Gipsgruebe (s. Abbildung) bis 1901 Gips abgebaut. In dieser offen gelassenen Grube ist am Abbruch die für den Jura charakteristische Faltung der Gesteinsschichten besonders gut zu erkennen. In Steinmaur bei Dielsdorf wird heute noch Kalkstein gebrochen.

Der Geologe Casimir Mösch trug wesentlich zur Erforschung des Aargauer Jura bei und die Lägern war sein bevorzugtes Forschungsgebiet.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die höchstgelegenen Punkte sind von West nach Ost der Punkt 802 m, auch Wettingerhorn genannt, das Burghorn (859 m), die höchste Erhebung bei der Ruine Alt-Lägern 866 m ü. M. und die Hochwacht (856 m).

Der Blick vom Aussichtspunkt auf dem Burghorn nach Süden erstreckt sich vom Säntis in den Appenzeller Alpen (nur im Winter gut sichtbar, da der Blick im Sommer durch Vegetation versperrt ist) über die Glarner Alpen mit dem Tödi, die Urner Alpen mit dem Titlis bis zu den Berner Alpen mit einigen Viertausendern (Finsteraarhorn, Lauteraarhorn, Schreckhorn, Gross Fiescherhorn, Aletschhorn und Jungfrau). Im Vordergrund lassen sich einige markante Punkte im Mittelland und den Voralpen ausmachen, z.B. der Zürichsee mit Uetliberg und die Berge um den Vierwaldstätter See mit Rigi und Pilatus. Gegen Norden bietet sich ein Ausblick in den Schwarzwald mit dem Feldberg als höchste Erhebung.

Auf der Hochwacht wurde bereits 1895 ein Ausflugsrestaurant gebaut. In unmittelbarer Nähe befindet sich eine nach Süden ausgerichtete, grosse Aussichtsplattform, die einen weitläufigen Blick auf die Alpen erlaubt. Im Vergleich zum Burghorn hat man von hier aus auch freie Sicht nach Osten auf den Zürcher Flughafen und den Säntis.

Westlich der Hochwacht liegt die Ruine Alt-Lägern. Sie wurde von den Freiherren von Regensberg erbaut und vermutlich 1267 zerstört. Noch heute sichtbar ist die rechteckige Umfassungsmauer 20 x 67 m und der 1982 instand gestellte Sodbrunnen. Die Hochwacht war Teil des im 17. Jahrhundert von der Zürcher Regierung erstellten militärischen Alarmsystems. Es verband mehrere Hochwachten u.a. auf dem Uetliberg und dem Irchel.

Neuere Bauten auf der Lägern sind in Wettingen das Schlossrestaurant Schartenfels, weiter östlich am Südhang unterhalb des Burghorns ein Messturm des Nationalen Beobachtungsnetzes für Luftfremdstoffe der Schweiz, sowie die Radarkuppel der Schweizer Flugsicherung Skyguide auf der Hochwacht. Diese Radarstation wurde 2006/7 erneuert. Nahe Dielsdorf liegt auf einem Felssporn das Burgstädtchen Regensberg.

Höhenweg[Bearbeiten]

Zwischen Baden und Dielsdorf verläuft ein Höhenweg, ein Teilstück des Jurahöhenweges. Die etwa vierstündige Wanderung ist besonders an Wochenenden beliebt.

Nach dem Schloss Schartenfels teilt sich der Weg. Der interessantere Weg verläuft direkt auf dem Grat und ist als Bergweg weiss-rot-weiss signalisiert. Der Weg ist oft nur etwa zwanzig Zentimeter breit und verlangt Trittsicherheit. Auf dieser Route kam es auch schon zu tödlichen Abstürzen von Wanderern. Die Normalroute verläuft nördlich der Krete.

Planetenweg[Bearbeiten]

Beim Parkplatz Linden in Regensberg beginnt ein Planetenweg, der über die Hochwacht zum Burghorn führt. Das Modell des Sonnensystems ist im Massstab 1:1 Milliarde gehalten. Der Weg verläuft ab dem Planeten Erde auf dem Höhenweg in Richtung Westen.[2]

Bildergalerie[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Rolf Meier und Bruno Meier (Hg.): Die Lägern – eine Gratwanderung: Landschaft und Kultur eines Grenzberges. Verlag hier + jetzt. 2003. ISBN 3-906419-67-3
  • Hans Burger: Neujahrsblatt Ennetbaden 2013 - Der Untergrund von Ennetbaden. Herausgegeben durch die Gemeinde Ennetbaden

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stadt Baden: Geo Pfad (PDF; 1 MB), abgerufen am 1. Februar 2014
  2. Tages-Anzeiger, 21. Juni 2008:Die Lägern hat jetzt einen Planetenweg (PDF-Datei; 373 kB)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lägern – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien