Uetliberg

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Uetliberg
Der Uetliberg, von Zollikon aus gesehen

Der Uetliberg, von Zollikon aus gesehen

Höhe 869 m ü. M.
Lage Kanton Zürich, Schweiz
Gebirge Albiskette
Koordinaten 679461 / 24485147.3497222222228.4902777777778869Koordinaten: 47° 20′ 59″ N, 8° 29′ 25″ O; CH1903: 679461 / 244851
Uetliberg (Zürich)
Uetliberg
Gestein Nagelfluh

Der Uetliberg oder Üetliberg (ausgesprochen auf Zürichdeutsch: [ˈyə̯tlib̥ɛːrɡ̊]) ist ein Hausberg von Zürich und ein beliebtes Naherholungsgebiet.

Als nördlicher Abschluss der Albis-Bergkette erhebt er sich mit einer Höhe von 869.2 Metern über Meer (Uto Kulm) über den Zürcher Quartieren Leimbach, Wiedikon, Albisrieden (mit Triemli) und Altstetten, auf der Südseite schliessen das Reppischtal mit Uitikon und Stallikon (mit Sellenbüren) an. Geographisch gehört der Gipfel des Uetliberg zur Gemeinde Stallikon.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Uetliberg auf einer Altartafel von Hans Leu dem Älteren

Der Uetliberg war schon in der Bronzezeit eine keltische Fluchtburg beziehungsweise ein Oppidum; verschiedene archäologische Funde wie Wallanlagen und der Fürstengrabhügel Sonnenbühl sind heute noch zu besichtigen. Ab 1644 war er Standort einer Hochwacht.

Der Uetliberg und der nahe Albiskamm waren im Mittelalter Standort von sechs Burgen, von denen heute nur noch Reste vorhanden sind: Uetliburg, Sellenbüren, Friesenberg, Baldern, Schnabelburg und Manegg.

1210 wurde die Uotelenburg erstmals urkundlich erwähnt, benannt nach Uotilo oder Uatilo, dem späteren Bayern-Herzog Odilo, der dem Uetliberg als seinem einstigen Besitz seinen Namen gab.[1] 1267 zerstören angeblich die Zürcher unter Rudolf von Habsburg im Zuge der Regensberger Fehde die Uetliburg, dies gilt jedoch nicht als historisch gesichert. Im Jahr 1750 bestieg der Dichter Friedrich Gottlieb Klopstock den Berg.

1812 wurde die Hochwacht Uetliberg aufgehoben. 1815 eröffnete in der ehemaligen Hochwacht ein Gastwirtschaftsbetrieb. 1838 erwarb Friedlich Bluntschli das Gipfelgebiet von seinem Vetter Gerber Bluntschli; der Zürcher Architekt Johann Caspar Breitinger erbaut ihm das erste Kurhaus. Im Jahr 1840 eröffnete Friedrich Beyel das Gast- und Kurhaus Uetliberg. Am 8. März 1840 stürzte der Bergsteiger, Naturforscher und Zürcher Armensekretär Friedrich von Dürler nach dem Besuch des Gasthauses beim Abstieg zu Tode. Der Dürlerstein beim heutigen Bergrestaurant Uto Staffel erinnert an ihn.

Uetlibergbahn um 1910

1872 wurde die Uetlibergbahn-Gesellschaft gegründet. 1873 kaufte der Hotelier Caspar Fürst den Berggasthof. 1875 eröffnete die Uetlibergbahn. Das bestehende Haus wurde vergrössert und nördlich davon ein Hotel errichtet. 1894 entstand der Aussichtsturm.

1920 wurde die Uetlibergbahn stillgelegt, die Betriebsgesellschaft liquidiert. Zwei Jahre später nahm die neu gegründete Bahngesellschaft Zürich-Uetliberg den Bahnbetrieb wieder auf. 1923 erfolgte die Elektrifizierung der Bahnstrecke auf den Uetliberg. 1927 wurde das Hotel Uetliberg von der Stadt Zürich übernommen, der ETH-Lehrwald wird errichtet. Im Jahr 1935 erwarben die Brüder Niedermann, beide Grossmetzger in Zürich, das Hotel. 1943 wurde es abgebrochen.

Rund 100 Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg erinnern an die moderne Festung Uetliberg mit ihrer wichtigen Funktion als Teil der Stadtverteidigung und der Limmatstellung.

1953 wurde der 75 Meter hohe Fernsehsendeturm erbaut, es fanden erste Versuchsausstrahlungen statt. 1954 wurde die Skisprungschanze Alt Uetliberg erbaut. 1967 erfolgte die Übernahme das Restaurants Gmüetliberg von der Bahngesellschaft. 1968 ersetzte ein 132 Meter hoher Sendeturm den Turm aus dem Jahr 1953. Im Jahr 1968 wurde der Friedhof Eichbühl fertiggestellt, ein bedeutendes Werk Schweizerischer Landschaftsarchitektur. 1973 gelangte das Hotel in den Besitz der Generalunternehmung Karl Steiner. Die Bahngesellschaft Zürich-Uetliberg und die Sihltalbahn fusionierten zur SZU. 1983 kaufte die Schweizerische Bankgesellschaft das Berggasthaus Uto Kulm.

1990 wurde der Aussichtsturm durch einen Neubau ersetzt. 1999 kaufte der Bündner Giusep Fry das Hotel mit Aussichtsturm. Er nahm verschiedene in der lokalen Presse und Bevölkerung stark umstrittene Umbauten illegal vor.[2] 2009 wurde der Uetlibergtunnel als Teilstück der Autobahn A3 eröffnet.

Naherholungsgebiet[Bearbeiten]

Erschliessung und Infrastruktur[Bearbeiten]

Spaziergänger auf dem Planetenweg
Bergstation der Uetlibergbahn

Die touristische Erschliessung begann im 19. Jahrhundert mit der Uetlibergbahn (Eröffnung 1875) und dem Bau verschiedener Hotels und Gasthäuser auf dem Uetliberg und der Albiskette. Heute stehen auf dem Gipfel des Uetliberg das Traditionshotel Uto Kulm und der Aussichtsturm Uetliberg, der ganzjährig öffentlich zugänglich ist.

Erschlossen wird der autofreie Üetliberg durch die zum Zürcher S-Bahn-Netz gehörende Linie S 10 der Sihltal Zürich Uetliberg Bahn, die als steilste normalspurige Adhäsionsbahn Europas vom Hauptbahnhof bis zur Station Uetliberg zehn Gehminuten unterhalb des Gipfels führt. Von der Bahnstation aus führt der Planetenweg Uetliberg–Felsenegg zur Felsenegg, wo die Luftseilbahn Adliswil-Felsenegg, die einzige Luftseilbahn des Kantons Zürich, nach Adliswil hinunter führt.

Von der Stadt Zürich führen verschiedene Wanderwege in etwa einer Stunde zum Gipfel:

  • Der abwechslungsreiche Denzlerweg führt vom Albisgüetli (Endstation Tramlinie 13) in ziemlich gerader Richtung zum Gipfel. Er ist benannt nach einem Bäcker Denzler, der auf diesem Weg seine Semmeln jeden Morgen ins Hotel auf dem Gipfel gebracht und diesen Weg etwa 4000 mal gemacht haben soll.
  • Ebenfalls vom Albisgüetli führt der Laternenweg etwas weiter westlich auf den Grat. Er hat seinen Namen von seiner früheren Gaslaternenbeleuchtung, die seit 2003 elektrifiziert ist.
  • Vom Triemli (Endstation Tramlinie 14) führt der Hohensteinweg über eine Bergschulter nach oben, der im Winter als Schlittelweg besonders beliebt ist.
  • Von Uitikon-Waldegg (Parkplatz) führt eine Waldstrasse zum Gipfel. Dieser Weg hat die geringste Steigung.

Im Winter ist der Uetliberg besonders beliebt, da sein Gipfel oft oberhalb der Zürcher Hochnebeldecke ist. Früher trugen bei solchen Inversionswetterlagen die Tramlinien, die zum Fuss des Uetlibergs fahren, die Tafel „Uetliberg hell“. Im Winter werden einige der Wanderwege als Schlittelwege genutzt.

Swisscom Broadcast betreibt auf dem Uetliberg eine bedeutende Fernmeldeanlage (den Fernsehturm Uetliberg) für die Weiterverbreitung von Radio- und Fernsehprogrammen.

Der Uetliberg bietet – vor allem von dem auf dem Berggipfel gelegenen Aussichtsturm Uetliberg aus – Aussicht über die ganze Stadt und den Zürichsee. Die Fernsicht erstreckt sich bei guter Witterung im Norden bis zum Hohentwiel, vom Osten bis Süden in die Glarner, Bündner und Berner Alpen. Weitere Höhenzüge in Deutschland (Schwarzwald), Frankreich (Vogesen) und Österreich sind ebenfalls zu erkennen.

Klettergebiet[Bearbeiten]

Kletterfelsen auf dem Uetliberg

Die etwa 20 Meter hohen Konglomeratfelswände des Uetlibergs haben besondere Bedeutung für die Entwicklung des Schweizer Sportkletterns. 1978 wurde der Kletterclub Üetliberg KCÜ gegründet, eine informelle Vereinigung von Bergsteigern aus Zürich und Umgebung.

Mitglieder der anarcho-dadaistischen Vereinigung, deren einzige Statute darin bestand, dass jegliche Statuten aufgehoben gehören, waren junge Sport- und Spitzenkletterer, die an den Nagelfluhfelsen des Uetlibergs trainierten. Initiant war Bergführer Walter Müller von der Jugendorganisation der Sektion Uto des Schweizer Alpen-Clubs. Zu den Gründern, die sich darauf auch als Alpinisten und Pioniere des alpinen Sportkletterns einen Namen machten, gehörten Martin Scheel, Gabriel Huber, Thomas Müller und Roland Heer[3]. Sie waren einige der ersten Freikletterer der Schweiz. Um in den KCÜ aufgenommen zu werden, musste lediglich der 35 Meter hohe Turm auf dem Uetliberg free solo, also seilfrei, erklettert werden samt Überwindung des Schlussüberhangs auf die Plattform. Der Club entstand im Umfeld der Zürcher Jugendbewegung von 1980.[4][5] Der politische Aktivismus der KCÜ-Mitglieder spiegelt sich oft auch in den Namen ihrer Erstbegehungen wider, zum Beispiel der Route Metzerstrasse 58/61 im Jura. Das war die Adresse eines besetzten Hauses, in dem einige Mitglieder lebten. Im Laufe der Zeit löste sich der informelle KCÜ wieder auf.

Noch heute trainieren Kletterer auf dem Uetliberg.[6] Nach heutigen Massstäben hat der Uetliberg als Klettergebiet jedoch nur noch eher untergeordnete Bedeutung. Es gibt zwölf Routen in den Schwierigkeitsgraden zwischen 6a+ und 7a+.[7]

Mountainbike-Trails[Bearbeiten]

Uetliberg Kulm, von Stallikon aus gesehen

Nachdem es zu starken Interessenkonflikten zwischen Wanderern und Bikern gekommen war, erarbeitete die Stadt Zürich ein Nutzungskonzept für den Uetliberg.[8] Im Frühsommer 2005 wurde der Biketrail Triemli eröffnet. Die Mountainbike-Strecke beginnt beim Fernsehturm und führt über eine Länge von 3.5 km und eine Höhendifferenz von 350 m zur SZU-Station Triemli.[9][10][11] Zudem gibt es den etwas kürzeren, südöstlich gelegenen Biketrail Höckler.[12] Gleichzeitig wurde der Velotransport durch die Bahn eingeschränkt. Insgesamt führte das Konzept zu einer deutlichen Verbesserung.[13]

Wenngleich sich der Biketrail Triemli grosser Beliebtheit erfreut, gibt es auch kritische Stimmen, die den losen steinigen Untergrund und eine unglückliche Linenwahl bemängeln. Ende 2010 wurde der Verein Züritrails gegründet. Ziel ist es, die Interessen der Mountainbiker zu vertreten und der Stadt Hilfe beim Unterhalt und der Konzeption bestehender und neuer Trails anzubieten.[14] Schnell kam es zu einer produktiven Zusammenarbeit zwischen Verein und Stadt, so dass bereits im April 2011 Trail-Bautage stattfanden. Bei diesem ersten Event wurde der Biketrail Triemli ausgebessert und die Attraktivität durch neue Elemente und flüssigere Kurven für Anfänger sowie Profis erhöht.[15]

Schreibweise[Bearbeiten]

Beide Schreibweisen Uetliberg und Üetliberg sind verbreitet und gebräuchlich. Offizielle Schreibweise ist gemäss Schreibweise auf der Landeskarte und in der amtlichen Vermessung Uetliberg.[16]

Vereinzelt ist in älteren Dokumenten auch die Schreibweise Hüetliberg anzutreffen.[17]

Galerie[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Stefan Schneiter: Der Uetliberg. Geschichte und Geschichten des Zürcher Hausbergs. hier + jetzt, Verlag für Kultur und Geschichte, Baden 2011, ISBN 978-3-03-919226-7.
  • Matthias Böhni: Uetliberg. Faszination und Vielfalt von Zürichs Zauberberg /The Fascination and Variety of Zurich's Magic Mountain, NZZ, Zürich 2006, ISBN 978-3-03823-194-3 (deutsch und englisch).
  • Willy Furter: Uetliberg hell!. Orell Füssli, Zürich 2003, ISBN 3-280-05085-5.
  • Frank R. Zwalen, Walter Drack, Paul Guyer, Hugo Schneider: Der Üetliberg, Orell Füssli, Zürich 1986, ISBN 3-280-01656-8 .
  • Paul Alfred Sarasin; Hanny Fries (Illustrationen): Nimm's gmüetli uf de Uetli. Zehn Kapitel über den Uetliberg. Tages-Anzeiger / Bahngesellschaft Zürich-Uetliberg, Zürich 1969 (ohne ISBN).

Quellen[Bearbeiten]

  1. Felix Marbach: Zürich-Wollishofen, in: Bischöfliches Ordinariat Chur (Hg.): Schematismus des Bistums Chur. Chur 1980, S. 272
  2. Verein pro Uetliberg
  3. Magazin Klettern 5/2008: Diese Wand ist besetzt. Interview mit Martin Scheel.
  4. Roland Heer: Das Klettern in Zeiten der Unruhe. In: Neue Zürcher Zeitung. 10. Oktober 2002.
  5. Die Phantasie wund klettern. In: Emil Zopfi: Dichter am Berg. AS Verlag, Zürich 2009.
  6. Klettertopos Üetliberg, abgerufen am 23. Februar 2011
  7. Das Klettergebiet in Stadtnähe, abgerufen am 23. Februar 2011
  8. 23. März 2007: Nutzungskonzept «Wandern und Velofahren am Uetliberg» wird weitergeführt, abgerufen am 22. November 2012
  9. Biken am Uetliberg
  10. Biken am Uetliberg (PDF)
  11. Karte Biketrail Triemli
  12. Karte Biketrail Höckler
  13. Untersuchung der ETH Zürich
  14. Züritrails - Mission
  15. Züritrails - Bericht Trailbautage
  16. Zur Schreibweise
  17. Christoph Esslinger, Der Baugarten, Zürich 1842, S. 5.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Uetliberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien