Würenlingen

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Würenlingen
Wappen von Würenlingen
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Badenw
BFS-Nr.: 4047i1f3f4
Postleitzahl: 5303
Koordinaten: 661933 / 26505847.5333328.261118370Koordinaten: 47° 32′ 0″ N, 8° 15′ 40″ O; CH1903: 661933 / 265058
Höhe: 370 m ü. M.
Fläche: 9.37 km²
Einwohner: 4301 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 459 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 24,0 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.wuerenlingen.ch
Ansicht des Dorfes mit katholischer Kirche

Ansicht des Dorfes mit katholischer Kirche

Karte
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Würenlingen (schweizerdeutsch: ˈʋʏrˌliŋːə, ˈʋʏrəˌliŋːə)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Baden im Schweizer Kanton Aargau. Sie liegt im unteren Aaretal zwischen Brugg und Waldshut unweit des Wasserschlosses der Schweiz.

Geographie[Bearbeiten]

Das Dorf liegt etwa zwei Kilometer östlich der Aare am Übergang vom Aare- ins Surbtal, am Nordwesthang des zum Tafeljura gehörenden Siggenbergs. Das Oberdorf, die eigentliche Kernzone, schmiegt sich um einen Hügelsporn, auf dem sich die Kirche und der Friedhof befinden. Das Mitteldorf und das Unterdorf, die im 17. Jahrhundert entstanden sind, erstrecken sich in die Ebene nordwestlich des Oberdorfs. In der Ebene zwischen dem Oberdorf und der zwei Kilometer südsüdwestlich gelegenen Bahnstation Siggenthal-Würenlingen liegen ausgedehnte moderne Wohnquartiere, rund um die Bahnstation eine grosse Industriezone.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 937 Hektaren, davon sind 452 Hektaren bewaldet und 195 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt liegt auf 555 Metern an der südöstlichen Gemeindegrenze, der tiefste auf 325 Metern an der Aare.

Nachbargemeinden sind Böttstein im Nordwesten, Döttingen im Norden, Tegerfelden im Nordosten, Endingen im Osten, Obersiggenthal im Südosten, Untersiggenthal im Süden und Villigen im Westen.

Geschichte[Bearbeiten]

Verschiedene Gräberfunde weisen auf eine Besiedlung während der Hallstattzeit vor rund 2600 Jahren hin. Die Römerstrasse von Vindonissa (Windisch) nach Tenedo (Bad Zurzach) führte durch das heutige Gemeindegebiet. Die erste urkundliche Erwähnung von Wirnaningum erfolgte im Jahr 828. Der Ortsname stammt vom althochdeutschen Wirantingun und bedeutet «bei den Leuten des Wirant».[3] Im Mittelalter lag Würenlingen im Herrschaftsbereich der Habsburger, die sowohl die niedere als auch die hohe Gerichtsbarkeit ausübten. Die bedeutendsten Lehnsherren waren neben den weltlichen Eigentümern die Klöster in Konstanz, Sankt Blasien, Säckingen und Klingnau.

Im Jahr 1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau und Würenlingen war nun Bestandteil des Siggenamts in der Grafschaft Baden, einer gemeinen Herrschaft. Zur Zeit der Reformation blieb die Bevölkerung katholisch und deswegen von den konfessionellen Konflikten in der Grafschaft Baden weitgehend verschont. Ab 1779 bildete das Dorf eine eigene Pfarrei, vorher unterstand es der Pfarrei Klingnau. 1790 zerstörte eine Feuersbrunst fast das gesamte Oberdorf. Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein und riefen die Helvetische Republik aus. Würenlingen wurde eine Gemeinde im kurzlebigen Kanton Baden, seit 1803 gehört sie zum Kanton Aargau.

Am 18. August 1859 erhielt Würenlingen mit der Eröffnung einer Bahnstation an der Grenze zu Untersiggenthal Anschluss an die Bahnstrecke Turgi–Koblenz–Waldshut, was die Ansiedlung von Industriebetrieben begünstigte. Zwischen 1900 und heute stieg die Einwohnerzahl um fast das Vierfache. 1960 wurde das Eidgenössische Institut für Reaktorforschung eröffnet, das 1990 mit dem Schweizerischen Institut für Nuklearphysik in Villigen zum Paul Scherrer Institut fusionierte. Am 21. Februar 1970 stürzte eine Convair CV 990 auf Swissair-Flug 330 in den Unterwald westlich des Dorfes; dabei kamen alle 47 Insassen ums Leben.

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Weiss zweiblättriger grüner Eichenzweig mit Frucht.» Das Gemeindesiegel von 1872 zeigte eine unübliche Verschmelzung von Kantons- und Gemeindewappen. 1934 tauchte der Eichenzweig erstmals alleine im Wappenschild auf. Das Motiv erinnert an die ausgedehnten Eichenwälder, von denen in der Geschichte Würenlingens immer wieder die Rede ist.[5]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[6]

Jahr 1487 1780 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 55 719 1130 1055 1242 1525 2005 2490 2831 3052 3647 4241

Am 31. Dezember 2013 lebten 4301 Menschen in Würenlingen, der Ausländeranteil betrug 24 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 59,0 % römisch-katholisch, 20,6 % reformiert, 2,6 % christlich-orthodox und 5,6 % moslemisch; 1,2 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[7] 88,5 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 2,8 % Albanisch, 2,0 % Italienisch, 1,1 % Serbokroatisch, 0,9 % Portugiesisch, je 0,5 % Englisch und Türkisch.[8]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Baden zuständig. Würenlingen gehört zum Friedensrichterkreis Kirchdorf.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Zementwerk

In Würenlingen gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 3300 Arbeitsplätze, davon 2 % in der Landwirtschaft, 40 % in der Industrie und 58 % im Dienstleistungssektor.[9] Die früher dominierende Landwirtschaft wurde schon im 19. Jahrhundert durch Industrie- und Dienstleistungsbetriebe fast vollständig verdrängt, heute gibt es nur noch zehn Landwirtschaftsbetriebe. Am Südhang des Bollhölzli, einem Hügel nördlich des Dorfes, wird Weinbau betrieben. Ausserdem besitzt Würenlingen eine renommierte Rebbauschule. Der Weinbau hat im Dorf eine lange Tradition.

In der Industriezone rund um die Bahnstation sind zahlreiche Industriebetriebe angesiedelt. So hat beispielsweise Holcim, der grösste Zementkonzern der Welt, hier eine Zweigstelle. Würenlingen ist Hauptsitz von Rotho, einem der grössten europäischen Markenhersteller von Konsumgütern aus Kunststoff. Daneben existieren zahlreiche Dienstleistungsunternehmen. National bekannt ist Würenlingen als Standort des Paul Scherrer Instituts (PSI) (einem Nuklearforschungszentrum) und der Zwilag, dem Zwischenlager für leicht radioaktive Abfälle. Beide Institutionen liegen weit ausserhalb des Dorfkerns am Ostufer der Aare.

Verkehr[Bearbeiten]

Die vielbefahrene Hauptstrasse 5 zwischen Brugg und Waldshut führt etwa einen halben Kilometer westlich an Würenlingen vorbei, so dass das Dorf mit Ausnahme des Bahnhofquartiers weitgehend vom Durchgangsverkehr verschont bleibt. An der Bahnstation Siggenthal-Würenlingen halten Regionalzüge der SBB zwischen Baden und Bad Zurzach bzw. Waldshut. In Würenlingen kreuzen sich die Postautolinien Brugg–Bad Zurzach und GebenstorfVilligen.

Bildung[Bearbeiten]

Würenlingen besitzt drei Kindergärten und zwei Schulhäuser, in denen die Primarschule, die Realschule und die Sekundarschule unterrichtet werden. Die Bezirksschule kann entweder in Endingen oder in Turgi besucht werden. Die nächstgelegenen Kantonsschulen (Gymnasien) befinden sich in Baden und Wettingen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Würenlingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. a b  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 479–480.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1070, Swisstopo
  5.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 322.
  6. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  7. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 26. August 2012.
  8. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 26. August 2012.
  9. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 26. August 2012.