Lammersdorf

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Lammersdorf (Begriffsklärung) aufgeführt.

50.6316676.279444539Koordinaten: 50° 37′ 54″ N, 6° 16′ 46″ O

Lammersdorf
Gemeinde Simmerath
Höhe: 505–575 m ü. NHN
Fläche: 16,42 km²
Einwohner: 2456 (31. Dez. 2011)[1]
Eingemeindung: 1. Januar 1972
Postleitzahl: 52152
Vorwahl: 02473
Lammersdorf (Nordrhein-Westfalen)
Lammersdorf

Lage von Lammersdorf in Nordrhein-Westfalen

Lammersdorf, Kirche

Lammersdorf ist ein Ortsteil von Simmerath in der Städteregion Aachen in Nordrhein-Westfalen. Mit seinen 2596 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2011) ist Lammersdorf die zweitgrößte Ortschaft in der Gemeinde Simmerath. Der westliche Teil von Lammersdorf wird durch die Vennbahntrasse vom übrigen Ort staatsrechtlich getrennt, da die Bahnkörper belgisches Staatsgebiet sind. Faktisch ist dieser Teil somit von deutschem Boden nur mittels Grenzübertritt aus erreichbar und gehört zu den wenigen deutschen Exklaven. Das Gebiet der Exklave erstreckt sich von Lammersdorf zwischen der Grenze zu Belgien und der Vennbahn bis nach Roetgen.

Geschichte[Bearbeiten]

Bis Ende 1971 gehörte Lammersdorf als eigenständige Gemeinde zum ebenfalls aufgelösten Kreis Monschau (siehe Aachen-Gesetz). Am 1. Januar 1972 wurde Lammersdorf nach Simmerath eingemeindet.[2]

Der Eifelort „Lammersdorf“, welcher in früheren Jahren den Beinamen „Am Fusse des Hohen Venns“ trug, wurde nachweislich im Jahre 1361 erstmals in einer Urkunde als „Lamberscheyt“ erwähnt und gehört somit zu den ältesten Dörfern des Monschauer Landes. Die Entwicklung der kleinen Gemeinde verlief zunächst ähnlich wie in den meisten Dörfern der Nordeifel. Bis zur Eroberung des Linken Rheinufers durch die französischen Revolutionstruppen (1794) gehörte Lammersdorf zum Herzogtum Jülich und wurde 1798 als Teil des Rur-Départements Sitz einer Mairie. Nach der Niederlage Frankreichs kam der Eifelort 1815 zum Königreich Preußen und wurde 1816 Sitz einer Bürgermeisterei. 1850 wurde diese Bürgermeisterei aufgelöst und die Gemeinde Lammersdorf der Bürgermeisterei Simmerath zugeordnet.[3]

Noch bis etwa 1900 reichte das moorige Venngebiet, unterbrochen von urwaldähnlichen Eichen- und Buchenwäldern bis unmittelbar an den Ortskern. Dieser bestand aus einigen stattlichen Bauernhöfen und einer kleinen, um 1700 erbauten Kirche. Der karge Boden gab kaum mehr her als das Gras, auf dem die Kühe weiden konnten. Die Schweine wurden zur Mast in die umliegenden Eichenwälder getrieben. Das harte Leben der Bauern und Handwerker zeichnete sich durch eine starke Bindung an die katholische Kirche aus.

Mit der Ansiedlung der Firma Otto Junker GmbH im Jahre 1924 wurde vieles anders. Immer mehr Menschen kamen nach Lammersdorf, um hier Arbeit und eine neue Heimat zu finden. Um 1960 erreichte die Industrieöfen- und Maschinenbaufirma Junker mit rund 1200 Mitarbeitern ihren Höchststand. Kein Wunder, dass mit der Expansion des Unternehmens gleichzeitig auch die Einwohnerzahl stieg. Wo viele Menschen leben, floriert auch das Geschäftsleben. So gab es um 1955 in Lammersdorf mehr als 50 Geschäfte und Handwerksbetriebe.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Lammersdorf zum Aufmarschgebiet für die Kämpfe im Hürtgenwald. Mehr als 300 Bewohner, die sich der Evakuierung widersetzt hatten und in ihren Häusern geblieben waren, mussten den Granatenbeschuss durch die deutsche Wehrmacht und die fast sechsmonatige Besatzung durch alliierte Truppen aushalten. Man schätzt, dass zwischen 4.000 und 6.000 Granaten auf Lammersdorf abgeschossen wurden. Mit Beginn der 1950er Jahre brach auch für Lammersdorf und seine Bewohner eine neue, bessere Zeit an.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges plante Belgien, die durch die Vennbahn entstandene Exklave zu annektieren, ließ diese Pläne aber im April 1949 wieder fallen.[4]

Der Deutsch- Belgischer Grenzvertrag von 1956 regelte letztmals unter anderem die Rückgabe bestimmter Teilgebiete im Bereich der heutigen Gemeinde Lammersdorf. Dies erfolgte am 28. August 1958.[5]

In der Zeit des Kalten Krieges war Lammersdorf einer der Senderstandorte des NATO-Kommunikationssystems ACE High.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauernmuseum Lammersdorf

Museen[Bearbeiten]

Bauernmuseum Lammersdorf[Bearbeiten]

Die Idee, in Lammersdorf/Eifel ein Heimatmuseum gründen, entstand 1983, als der Lammersdorfer Lehrer und Heimatfreund H. Jürgen Siebertz auf den Gedanken kam, möglichst viele noch erhaltene bäuerliche Gerätschaften zusammenzutragen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Innerhalb weniger Monate kamen hunderte Exponate zusammen, die vorerst Aufnahme in einem Keller und einem Lagerschuppen fanden. Ein Jahr später war es dann so weit: Am 23. September 1984 wurde das Bauernmuseum im Rahmen eines Dorffestes eröffnet.

Der Verein für Heimatgeschichte und Dorfkultur Lammersdorf e.V. ist der Betreiber des Museums. Viele ehrenamtliche Mitarbeiter und Helfer haben über viele Jahre dieses alte eifeler Bauernhaus und die dort ausgestellten Exponate restauriert und instand gehalten. Unterhalten und finanziert wird dieses Museum durch Mitgliederbeiträge, Spenden, Eintrittsgeldern und Veranstaltungen wie beispielsweise durch das alljährliche Kindertheater kurz vor Weihnachten. Die Ausstattung des Museums ist so gestaltet, als ob die Bewohner erst eben das Haus verlassen hätten, um ihrer täglichen Arbeit nach zu gehen.

Bauwerke[Bearbeiten]

  • Naturkundliche Bildungsstätte Nordeifel
  • Fernsehsender Monschau, auch Fernmeldeturm Lammersdorf, Fernsehsendeantenne abgebaut

Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • alljährliche Highland Games Nordeifel

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Otto Junker GmbH, der größte Arbeitgeber in Simmerath–Lammersdorf

Größter Arbeitgeber in der Gemeinde Simmerath ist die Firma Otto Junker GmbH mit Stammsitz in Lammersdorf.

Ehrenbürger[Bearbeiten]

  • Nikolaus Jansen (1880–1965), römisch-katholischer Prälat und Politiker

Literatur[Bearbeiten]

  • H. Jürgen Siebertz: Die Geschichte der Volksschule Lammersdorf. Helios-Verlag, Aachen 2012, ISBN 978-3-86933-086-0.
  • H. Jürgen Siebertz: Höhe 554 – Die Kämpfe an der ersten Westwall-Linie im Abschnitt Roetgen-Lammersdorf und um den Paustenbacher Berg Herbst 1944. Helios-Verlag, Aachen 2010, ISBN 978-3-86933-036-5.
  • H. Jürgen Siebertz, Bernd Läufer: Das war Lammersdorf.Band 2: Die 1930er und 1940er Jahre. Helios-Verlag, Aachen 2009, ISBN 978-3-86933-011-2.
  • H. Jürgen Siebertz, Bernd Läufer: Das war Lammersdorf. Band 1: Von den Anfängen bis in die 1920er Jahre. Helios-Verlag, Aachen 2008, ISBN 978-3-938208-81-6.
  • H. Jürgen Siebertz: Die Blütezeit – Industrie, Handwerk und Geschäftsleben in Lammersdor/Eifel. Helios-Verlag, Aachen 2007, ISBN 978-3-938208-60-1.
  • H. Jürgen Siebertz: Alles in Butter – Die 50er Jahre in Lammersdorf/Eifel. Helios-Verlag, Aachen 2007, ISBN 978-3-938208-46-5.
  • H. Jürgen Siebertz: Schwellmänn, Trevvel und Makkei – Die Nachkriegsjahre in Lammersdorf/Eifel. Helios-Verlag, Aachen 2006, ISBN 3-938208-25-2.
  • H. Jürgen Siebertz: Rette sich – wer kann! Der 2. Weltkrieg in Lammersdorf/Eifel – Eine Dokumentation. Helios-Verlag, Aachen 2005, ISBN 3-938208-08-2.
  • H. Jürgen Siebertz: Die Pocken, Chronologie einer Katastrophe im Monschauer Land 1962. Dokumentation. Helios-Verlag, Aachen 2011, ISBN 978-3-86933-065-5.
  • H. Jürgen Siebertz: Der 2. Weltkrieg in Rollesbroich und die Jahre danach, Dokumentation, Helios-Verlag Aachen, 2013, ISBN 978-3-86933-100-3
  • Läufer, Bernd: Von der Brandhupe zum Martinshorn – die Geschichte einer Freiwilligen Feuerwehr, Eigenverlag 1988
  • Läufer, Bernd: Nachrichten der merkwürdigsten Begebenheiten, Chronik der Gemeinden Lammersdorf, Zweifall und Mulartshütte 1813 bis 1851, Helios-Verlag Aachen, 2006
  • Josef Kreitz, Herbert Arens: Katholische Pfarrgemeinde einst und jetzt, Offermann-Druck, Roetgen, 1980
  • H. Jürgen Siebertz "Wir Nachkriegskinder - Kindheit und Jugend im Monschauer Land", Helios-Verlag Aachen 2013, ISBN 9 783869 331041

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Einwohnerzahlen der Gemeinde Simmerath (Hauptwohnung) bei www.simmerath.de
  2.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- u. Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen u. Reg.-Bez. vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 309.
  3. Archive in NRW – Verwaltungszugehörigkeit Gemeinde Simmerath
  4. Bettina Blank: Die westdeutschen Länder und die Entstehung der Bundesrepublik, München 1995, S. 220 (online)
  5. Deutsch- Belgischer Grenzvertrag von 1956