Legio III Italica
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Der Zweck dieser Prägung ist umstritten. Möglicherweise wurde damit die Legion für die Niederwerfung des Ingenuus in Pannonien und des Regalianus an der unteren Donau oder aufgrund von zwei Siegen des Gallienus über Germanen in Oberitalien um 260 geehrt.
Die Legio III Italica Concors (lat. die Einträchtige) war eine Legion der römischen Armee, die von Kaiser Marcus Aurelius um das Jahr 165 im Zuge der Markomannenkriege zur Verstärkung der Donaulegionen ausgehoben wurde (dilectus).
Der Beiname lässt annehmen, dass ihr Rekrutierungsgebiet das bevölkerungsreiche Oberitalien war und die Soldaten anfänglich auch größtenteils von dort stammten. Die Legion war bis 170 in Dalmatia und anschließend bis Mitte des 5. Jahrhunderts n. Chr. in Raetien stationiert. Ihr Wappentier war der Storch, dass Sinnbild für pietas (Frömmigkeit).
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[Bearbeiten] Kommandeure
Der Befehlshaber der Legion, ein legatus legionis aus dem Senatorenstand, war seit 180 auch Statthalter der Provinz Rätien. Die Amtsbezeichnung hierfür lautete legatus Augusti pro praetore provinciae Raetiae. Dessen Amtszeit belief sich in der Regel auf ein bis zwei Jahre. Sein Amtssitz befand sich in Augusta Vindelicum/Augsburg. Dieser hatte für Verwaltungs- und Logistikaufgaben einen umfangreichen Stab (officium) aus Offizieren und Soldaten zur Verfügung deren Anwesenheit durch Inschriften nachgewiesen werden konnte, man weiß von:
- drei centuriones,
- einen oder möglicherweise auch zwei beneficiarii consularis,
- ein librarius consularis (Finanzen),
- ein exactus consularis (Schreiber).
Seit Gallienus wurden die senatorischen Statthalter zunehmend durch Männer aus dem Ritterstand abgelöst, danach übernahm ein Präfekt die Führung der Regensburger Legion (praefecti legionum). Ab den 90er Jahren des 3.Jahrhunderts wurden duces (Dux Raetiae) als Oberbefehlshaber der rätischen Provinzstreitkräfte eingesetzt, die Legionspräfekten sanken auf den Status von regionalen Unterführern herab.
Namentlich bekannte Legaten/Präfekten:
- C.Vettius Sabinianus Iulius Hospes (166 bis 168)
- Caerellius Priscus (nach 173)
- Marcus Helvius Clemens Dextrianus (179 bis 180)
- Q.Spicius Cerialis (181 bis 184)
- C.Caerellius Sabinus (um 185)
- App.Claudius Lateranus (vor 190)
- Porcius Optatus Flamma (197)
- A.Terentius Pudens Uttedianus (zwischen 198 und 211)
- C.Iulius Avitus Alexianus (204 bis 207)
- C.Octavius App. Suetrius Sabinus (213, nur 3 Monate im Amt)
- Dionysius (zwischen 218 und 222)
- Secundius [1] (Präfekt, Anfang 4. Jahrhundert)
[Bearbeiten] Funktion
Zuerst mit dem Schutz Italiens und der Alpenregionen befasst bekämpfte sie ab 170, die Stämme der Markomannen, Quaden und Jazygen die massiv in die Donauprovinzen Raetia, Pannonia, Moesia und Dacia, zum Teil auch Noricum eingefallen waren, im 3.Jhdt. vor allem Iuthungen und Alamannen. Weiters stellte die Legion zusammen mit anderen Alen und Kohorten der Grenzarmee die Leibgarde des rätischen Statthalters, die singulares. Neben Regensburg finden sich die meisten Belege für die Anwesenheit von Angehörigen der Legion in der Provinzmetropole und Sitz des Statthalters in Augsburg. Aber auch noch in anderen Teilen der Provinz waren zahlreiche ihrer Legionäre in Verwaltungs- und Kontrollämtern tätig. Ein beneficiarius consularis hatte z. B. seinen Standort in der Etappe Brigantium (Bregenz)[2]. Durch den plötzlichen Zuzug von mehr als 6000 römischen Bürgern in Rätien trug die Legion wohl auch nicht unwesentlich zur weiteren Romanisierung dieser Provinz bei. In der Spätantike sicherte sie u.a. auch den Nachschub aus Italien und den Limes an Donau und Iller.
[Bearbeiten] Standorte und Einsätze
[Bearbeiten] 2.Jahrhundert
Unmittelbar nach ihrer Aufstellung setzte die Legion wohl sofort Vexillationen in das krisengeschüttelte Pannonien in Marsch und in weiterer Folge kämpfte sie unter Marc Aurel in den Markomannenkriegen. Doch sollte die III. Italica auch eine Linie zum Schutz Italiens aufbauen [3], wobei sie nebenbei als strategische Reserve diente. 170 rückte die Legion bis nach Tridentum (Trient) vor. Die Legion entsendete in diesem Jahr auch (zusammen mit der II. Italica) eine Abteilung für den Ausbau der Befestigungsanlagen der dalmatinischen Hafenstadt Salona:
„vexillationes leg(ionum) II Piae et III Concordiae ped(es) (ducentos) sub cura P. Aelii Amyntioni (centurionis) frumentari leg(ionis) II Traian(ae) Übersetzung:(' (Die) Abteilungen der Legionen II Pia und III Concors (haben) 200 Fuß (weit die Mauer erbaut), unter der Aufsicht von Publius Aelius Amyntionus, dem Centurio für die Getreideversorgung der Legio II Traiana. [4]“
Bis zum Ende der 170er Jahre hatte die Legion noch kein gemeinsames Standlager und operierte nur mit Vexillationen. Ihr Hauptquartier befand sich vermutlich in Mogontiacum/Mainz. Bald nach ihrer Ankunft in Raetien entwickelte die Legion eine umfassende Bautätigkeit und war u.a. an der Beseitigung von Schäden an den Limeskastellen, die im Zuge der Markomannenkriege entstanden waren, beteiligt (Ellingen, Künzing, Passau, Straubing). Eine Abteilung errichtete lt. einer Inschrift im Jahr 181 unter Aufsicht eines Zenturios die Umwehrung des Kastells Böhming:
„Abkommandierte Soldaten (vexillarii) der Leg III Ital haben die Mauer (vallum) erbaut, unter Aufsicht von Iulius Iulinus, Centurio der Leg III Italia. [5]“
Hierfür betrieb die Legion u.a. eine Ziegelei in Bad Abbach. Zwischen 172 und 179 war die Legion in Lagern bei Eining-Unterfeld, vermutlich auch in Alkofen und Regensburg-Kumpfmühl stationiert. Ab 175 begann sie lt. einer Inschrift am Osttor mit dem Bau ihrer Stammfestung und Hauptquartiers Castra Regina/Regensburg. Ab 179 war die Legion dann vollständig in Castra Regina stationiert.
Den Großteil seines Nachschubes konnte die Legion anfangs wohl aus den zahlreichen villae rusticae in Raetien selbst decken. Aber aufgrund der katastrophalen Germaneneinfälle ab Mitte des 3.Jh. wurden viele dieser Höfe wieder zerstört und nicht mehr aufgebaut. Schon früher wurde der Nachschub wohl teilweise aus Oberitalien herangeschafft, in Trient wurde eine Inschrift aus dem späten 2. oder frühen 3. Jh. entdeckt, nach der ein gewisser C. Valerius Marianus dort als adlectus annon(ae) leg(ionis) III Italicae eingesetzt war – (wörtlich: ausgewählt für die Lebensmittelversorgung der Legio III Italica) [6]. Die Route über den Brenner war jedoch nicht die einzige Versorgungslinie, vom Großen St. Bernhard ist eine Weihinschrift eines T. Claudius Severus [7], ein frumentarius legionis (Nachschuboffizier) bekannt. Aurelius Silvinus, ein weiterer frumentarius legionis, hinterließ in der Hauptstadt Rom eine Weihinschrift [8].
182 nahm die Legion an einem Feldzug gegen die germanischen Buren teil. Im Bürgerkrieg von 193 unterstützte sie Septimius Severus gegen Pertinax und Didius Julianus, später auch gegen Pescennius Niger und Clodius Albinus im Kampf um den Kaiserthron. Als Belohnung für die Treue der Legionäre wurden Münzen geschlagen die am Revers einen von Standarten flankierten Legionsadler und die Inschrift LEG(io) III ITAL(ica) zeigen.
[Bearbeiten] 3.Jahrhundert
Ihre Loyalität galt auch Severus’ Nachfolger und Sohn Caracalla, unter dessen Führung sie 213 an einem Feldzug gegen die Alamannen teilnahm, 214 gegen die Carpen in Dacia und 217 in Syrien. Ab diesem Zeitpunkt führte sie den Ehrennamen ANTONINIANA. Zwei Inschriften aus der dacischen Garnisonsstadt Alba Iulia belegen die Anwesenheit von zwei Zenturionen der III. Legion, M. Ulpius Caius und M. Ulpius Vitalis [9].
Als Teil der besonders kampfkräftigen Donauarmee war die III. Italica häufig in die Auseinandersetzungen der sog. Soldatenkaiser im 3. Jahrhundert involviert. Einzelne ihrer Abteilungen müssen auch unter den beiden letzten Severern Elagabal (218-222) und Severus Alexander (222-235) wiederholt im Einsatz gewesen sein. Severus Alexander verlieh der Legion den Ehrennamen SEVERIANA. [10] Auf einer Inschrift aus Bregenz wird ein weiterer Ehrennamen der III. Italia überliefert, GORDIANA, [11]was vermuten lässt, dass sich eine Vexillation der Legion unter Gordian III. in einer Kampangne gegen die Sassaniden (242-244) bewährte.
253 unterstützte sie die Erhebung ihres Befehlshabers Valerian zum Kaiser, eine Vexillation zog mit ihm 259/60 neuerlich in den Osten. Auch eine Inschrift des Sassanidenkönigs Schapur I. - der Valerian bei Edessa besiegte und gefangen nahm - spricht von Soldaten „aus dem Volk der Raeter“ im römischen Heer [12]. Währenddessen errang sie im Westen unter der Führung seines Sohnes und Mitkaisers Gallienus mehrfach Siege gegen Germanenstämme. Merkwürdigerweise wird die III. Italica nicht auf der historisch bedeutsamen Weihinschrift des Augsburger Siegesaltars erwähnt, was Anlass zu Spekulationen bezüglich ihres damaligen Verbleibs gegeben hat. Ein kompletter Abzug der Legion aus Raetien ist wohl auszuschließen, da zu dieser Zeit ohnehin nur noch mit den flexibleren Vexillationen ins Feld marschiert wurde. Die Legion hatte zwar schon wiederholt Abteilungen für die Perserfront, den Kampf gegen den Usurpator Ingenuus und gegen die Alamannen abgestellt, ein vollkommener Abzug der Legion wäre aber sicherheitspolitisch unklug gewesen.
Im Jahre 273 wurde sie im Zuge des Krieges von Kaiser Aurelian gegen die Sezession der Königin von Palmyra, Zenobia, wieder in den Osten des Reiches in Marsch gesetzt. Am palmyrenischen Feldzug waren auch eine Vexillation ihrer Schwesterlegion, der norischen II. Italica, beteiligt. 272 kam es bei Emesa zur entscheidenden Schlacht:
„…die palmyrenische Armee war 70 000 Mann stark [...] und versammelte sich in der Ebene vor Emesa. Ihnen gegenüber stellte sich [Aurelian] mit seiner Dalmatinischen Kavallerie auf, sowie mit den Moesiern, den Pannoniern [...], und den Norikern und Raetern, die keltische Legionen sind… [13]“
Laut der Historia Augusta unternahm Aurelian 275 auch eine Expidition nach Raetien um dort eingefallene Barbaren wieder zurückzuschlagen [14]. Auch Kaiser Probus (276-282) wurde militärisch in Raetien aktiv und errang am Lech 278/279 einen vernichtenden Sieg über eine Koalition der Burgunder und Vandalen, dennoch hoben die II. und III. Italica 282 den Ursurpator Carus als neuen Kaiser auf den Schild.
[Bearbeiten] 4. bis 5. Jahrhundert
Seit Ende des 4./Anfang des 5. Jahrhunderts trat die rätische Hauslegion nicht mehr als geschlossene Einheit auf. Vielmehr hatte man sie unter Führung von Unterpräfekten in sechs größeren Vexillationen neu organisiert. Ungefähr 1000 Mann blieben wohl weiterhin in Regensburg stationiert. Da die Hauptquelle hierfür, die Notitia Dignitatum (ND), offenbar nicht mehr den ursprünglichen Gesamtbestand mit dem pars inferior (Abschnitt zwischen Regensburg und Passau) wiedergibt, lassen sich für das frühe 4. Jahrhundert wahrscheinlich noch mehr Vexillationen annehmen [15].
- Die Nordgrenze Raetiens bildete nun laut ND die pars superior (oberer Teil), größere Abteilungen der Legion waren in Submuntorio und Vallato stationiert.
- Die Westgrenze bildete die pars media (mittlerer Teil) mit der Stadt Cambodunum und Grenzposten von Vemania bis Cassilacum.
In der Notitia Dignitatum heißt es dazu:
- Praefectus legionis tertiae Italicae partis superioris, Castra Regina, nunc Vallato (Manching oder Weltenburg),
- Praefectus legionis tertiae Italicae partis superioris deputatae ripae primae, Submuntorio (Burghöfe),
- Praefectus legionis tertiae Italicae pro parte media praetendentis a Vimania (Isny) Cassiliacum usque, Cambidano (Kempten),
- Praefectus legionis tertiae Italicae transvectioni specierum deputatae, Foetibus „Präfekt der Legio III Italica, Abteilung zur Sicherung des Nachschubes im Kastell Foetibus“ (Füssen/Tirol) und ein
- Praefectus legionis tertiae Italicae transvectioni specierum deputatae, Teriolis,
Abteilung zur Sicherung des Nachschubes im Kastell Teriolis“ (Zirl bei Tirol).
Die Soldaten aus Zirl transportierten und sicherten wahrscheinlich die mit Tragtieren über den Brenner herangeschafften Lebensmittel und Gebrauchsgüter bis zum Seefelder Sattel und übergaben sie dort der Kohorte aus Füssen. Von Füssen aus konnte der Nachschub mit Booten das Lechtal hinab weitertransportiert werden, um z. B. die Abteilungen in Submuntorio (Burghöfe) u. a. Einheiten zu versorgen. Die Straße von Füssen Richtung Nordwesten führte auch nach Cambodunum/Kempten, von wo aus wiederum die Kastelle an der Iller erreicht werden konnten.
Die Vexillation im Kastell Burghöfe überwachte wohl den Straßenabschnitt zur nahegelegenen Provinzhauptstadt Augsburg. Vermutlich war diese Einheit auch mit Ruderschiffen ausgestattet und kontrollierte damit u. a. die Donaumarschen westlich und östlich der Lechmündung.
Die Vexillation in Kempten war wohl auch an der Verteidigung der Kastellkette an der Iller mitbeteiligt.
Eine besonders kampfstarke Vexillation war als legionis comitatenses - unter der Einheitsbezeichnung „Tertiani“ - in die Feldarmee des Comes Illyrici eingegliedert worden.
[Bearbeiten] Anmerkungen
- ↑ Nach einer undatierten Inschrift aus Augsburg: [..]VQ[…..] v(ir) p(erfectissimus) p(raeses) p(rovinciae) R(aetiae) [et] Secundinus praef(ectus) leg(ionis) eiusdem.
- ↑ IBR 74B
- ↑ praetentura Italiae et Alpium - ILS 8977
- ↑ CIL III 1980
- ↑ CIL III 143702
- ↑ CIL V 5036
- ↑ Inscr. Ital. XI 1,63
- ↑ AE 1991, 266
- ↑ CIL III 1178 u. 7785
- ↑ AE 1991, 266
- ↑ CIL III 5760
- ↑ Res gestae divi Saporis
- ↑ Zosimos 1, 52-53
- ↑ (Vindelicos obsidione barbarica liberavit)
- ↑ vgl. hierzu auch Dietz 1993 und 1999
[Bearbeiten] Literatur
- Karlheinz Dietz und Thomas Fischer: Die Römer in Regensburg, Verlag Friedrich Pustet, 1996, ISBN 3-7917-1484-8,
- Yann Le Bohec: Die römische Armee, Von Augustus zu Konstantin den Großen, Stuttgart, 1993,
- Arnold Hugh Martin Jones: The Later Roman Empire. 284–602, a social, economic and administrative survey. Johns-Hopkins-Univ. Pr., Baltimore, Md,
- 1. - 1986, ISBN 0-8018-3353-1
- 2. - 1986, ISBN 0-8018-3354-X,
- Michael Sommer: Die Soldatenkaiser. Reihe Geschichte kompakt. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2004, ISBN 3-534-17477-1
[Bearbeiten] Weblinks
- Jona Lendering: Artikel bei Livius.org (englisch)
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