Loccum

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52.4527777777789.146944444444455Koordinaten: 52° 27′ 10″ N, 9° 8′ 49″ O

Loccum
Wappen bis 1974
Höhe: 55 m
Fläche: 31 km²
Einwohner: 2973 (2011)
Eingemeindung: 1974
Postleitzahl: 31547
Vorwahl: 05766

Loccum ist seit 1974 ein Stadtteil von Rehburg-Loccum im Landkreis Nienburg/Weser in Niedersachsen (Deutschland).

In Loccum, das sich auf rund 31 km² Fläche erstreckt, leben 2973 Einwohner (2011).[1]

Geographie[Bearbeiten]

Loccum liegt etwa 50 km nordwestlich von Hannover in der Nähe des Steinhuder Meers. Es befindet sich westlich der Rehburger Berge und wird in Süd-Nord-Richtung von der Fulde (Zufluss des Steinhuder Meerbachs) durchflossen. Die Grenze zu Nordrhein-Westfalen verläuft entlang der Loccumer Gemarkung rund 3 km westlich des Ortskerns.

Namensursprung[Bearbeiten]

Der Namensursprung von Loccum wird im Namen Lucca gesehen. Es gab hier ein Adelsgeschlecht derer von Lucca, Erbauer der Luccaburg. Die Namensherkunft könnte im Slawischen liegen, wo Lucca als Ausdruck für dt. 'Wiese' gedeutet werden kann. Es wird vermutet, dass sich hier im sächsischen Siedlungsraum um das 8. Jahrhundert slawischsprachige Wenden niederließen.

Geschichte[Bearbeiten]

  • In Loccum wurden von 1581 bis 1661 etwa 33 Menschen in Hexenprozessen hingerichtet, überwiegend Frauen. Erstes Opfer der Hexenverfolgungen war 1628 Magdalene bey der Koppeln, einer der anderen Prozesse wurde gegen Gesche Köllers geführt.[2] Die meisten Verurteilten wurden auf dem "Rosenbraken" verbrannt, einem Flurstück zwischen Klosterforst und Bundesstraße 441. In der Loccumer Überlieferung gilt der kleine Teich am Hang oberhalb von Bachteich und Fulde als sogenannter Hexenteich, an dem die Wasserproben vermeintlich stattfanden. Der Rat der Stadt Rehburg-Loccum hat am 25. September 2013 einen Beschluss zur sozialethischen Rehabilitation der Opfer der Hexenprozesse gefasst.
  • Eine Schule wurde erstmals 1593 erwähnt. Das Kloster hatte diese eingerichtet und in der ehemaligen Frauenkapelle untergebracht. In diesem Gebäude wurden die Kinder bis zu einem Schulneubau 1963 unterrichtet.
  • Von 1936 bis 1945 gab es in der Loccum-Heide ein Tanklager (Lufttanklager Loccum) der Luftwaffe, das Ende des Zweiten Weltkrieges von den Engländern gesprengt wurde. Heute sind in der Loccumer Heide noch Reste zu erkennen. Die ehemalige Kaserne, die bis Anfang der 1990er genutzt wurde, ist heute Gewerbegebiet. Dort werden unter anderem Dinosauriermodelle gebaut, die im Dinosaurier-Park Münchehagen ausgestellt sind. Ein Großteil des Geländes gehört noch immer zur Bundeswehr, und es werden dort noch regelmäßig Übungen abgehalten.[3]
  • Von Dezember 1898 bis Sommer 1936 war Loccum an die Steinhuder Meer-Bahn angeschlossen, diese führte von Wunstorf nach Uchte.
  • Von 1921 bis Anfang der 1980er Jahre war Loccum ebenfalls an das Netz der Deutschen Reichsbahn bzw. Deutschen Bundesbahn angeschlossen (Bahnstrecke Stadthagen–Stolzenau). Die Strecke führte von Leese über Loccum und Münchehagen weiter in Richtung Wiedensahl nach Stadthagen. Noch heute sind Streckenverläufe und alte Bahndämme auf Luftbildern zu erkennen. Das ehemalige Bahnhofsgebäude dient heutzutage als Wohnhaus.
  • Am 19. März 1955 wurde im Kloster Loccum ein Staatskirchenvertrag für das Land Niedersachsen unterzeichnet. (Loccumer Vertrag)
  • Die Gemeinde Loccum besaß ein eigenes Wappen, bis sie am 1. März 1974 mit vier weiteren Gemeinden in die neue Stadt Rehburg-Loccum eingegliedert wurde.[4]

Politik[Bearbeiten]

Ortsbürgermeisterin ist Dörte Zieseniß (SPD).

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Blick auf Kloster Loccum
Burghügel der Luccaburg

Kloster Loccum[Bearbeiten]

Das 1163 gegründete Zisterzienser-Kloster Loccum ist in seiner Schlichtheit eines der am besten erhaltenen seiner Art in Deutschland. Seit etwa 1600 besteht in den ehemaligen Klostergebäuden ein lutherischer Konvent, der auch weiterhin einen Abt wählt.

Burgstelle Luccaburg[Bearbeiten]

Die vom 9. bis zum 12. Jahrhundert bestehende Luccaburg war eine kleine frühmittelalterliche Niederungsburg in der Bauweise einer Turmhügelburg. Ihre Reste finden sich 1 km südlich des Klosters Loccum, für das es namensgebend war.

Einrichtungen[Bearbeiten]

Loccum ist der Sitz der folgenden Institutionen:

Weitere Einrichtungen sind:

  • Freiwillige Feuerwehr Loccum (gegründet 1909)
  • Jugendhaus
  • Sportplatz

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten]

  • Loccum besitzt ein Gewerbegebiet auf dem Gelände der ehemaligen Kaserne. In dem Gebiet befinden sich heute eine Tischlerei, ein Zeltverleih, ein Abschleppdienst sowie eine Werkstatt für Dinosauriermodelle, die teilweise in alle Welt versendet werden.
  • Wenn man weiter in die Loccumer Heide hineinfährt, findet man in einem anderen Teil der ehemaligen Kaserne noch eine Blinden- und Behindertenwerkstatt.
  • Die Evangelische Akademie Loccum ist heute der größte Arbeitgeber in Loccum.
  • Es gibt drei Supermärkte und zwei Tankstellen

Verkehr[Bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten]

  • Im Ort ist die Oberschule (ehemals Haupt- und Realschule) der Stadt Rehburg-Loccum untergebracht.
  • Für den vorschulischen Bereich gibt es einen Kindergarten (Kindergarten Uhlenbusch).
  • Religionspädagogisches Institut Loccum (RPI). Es bietet zentrale Fort- und Weiterbildungen für Lehrerinnen, Lehrer sowie kirchliche Mitarbeiter an.

Gesundheit[Bearbeiten]

In Loccum gibt es eine große Arztpraxis, zwei Zahnarztpraxen, eine Kieferorthopädiepraxis und eine Apotheke.

Freizeit[Bearbeiten]

Für Kinder und Jugendliche gibt es ein Jugendhaus. Darüber hinaus hat Loccum einen Sportverein (TSV) mit den Sparten Fußball, Tischtennis und Handball, einen Tennisverein, einen Spielmannszug, den Schützenverein Loccum e.V. 1923 mit einer „Bogensparte“ (Sparte Bogenschießen), sowie die Kyffhäuser Kameradschaft Loccum.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Jährlich gibt es am Wochenende vor dem Martinstag einen Herbstmarkt auf dem Marktplatz mit mehreren Fahrgeschäften. Alle zwei Jahre findet das Schützenfest statt, alle vier Jahre ein Erntedankfest.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jens Gundlach: Zwischen Loccum und Volkenroda. Ein Pilgerbuch. LUTHERISCHES VERLAGSHAUS 2005, ISBN 3-7859-0914-4
  • Hartmut Freimann: Die Loccumer Evangelische Unterweisung. Karl Witts Hermeneutischer Ansatz der Evangelischen Unterweisung in Theorie und Praxis. Dissertation LIT Theologie Bd.53, 2004, ISBN 3-8258-8103-2
  • Rehburg-Loccum/Topographische Karten Niedersachsen (1 : 50.000), 7. Aufl. 2000, ISBN 3-89435-513-1.
  • Konrad Droste: Loccum. Ein Dorf. Das Kloster. Der Wald. Beiträge zu einer bemerkenswerten Geschichte. Eigenverlag Gustav Schumacher, 1999
  • Peter Beer, „Hexenprozesse im Kloster und Klostergebiet Loccum“, Band 41 der „Studien zur Kirchengeschichte Niedersachsens“

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Daten & Zahlen. Webauftritt der Stadt Rehburg-Loccum.
  2. Peter Beer: Hexenprozesse im Kloster und Klostergebiet Loccum, Studien zur Kirchengeschichte Niedersachsens, Band 41, Göttingen 2007, S. 158-164.
  3. Das Lufttanklager Loccum
  4.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 199.

Weblinks[Bearbeiten]