Leese

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Leese (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Leese
Leese
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Leese hervorgehoben
52.59.116666666666734Koordinaten: 52° 30′ N, 9° 7′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Nienburg/Weser
Samtgemeinde: Mittelweser
Höhe: 34 m ü. NHN
Fläche: 29,65 km²
Einwohner: 1653 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 56 Einwohner je km²
Postleitzahl: 31633
Vorwahl: 05761
Kfz-Kennzeichen: NI
Gemeindeschlüssel: 03 2 56 018
Adresse der Verbandsverwaltung: Am Markt 4
31592 Stolzenau
Webpräsenz: www.leese.de
Bürgermeister: Grant Hendrik Tonne (SPD)
Lage der Gemeinde Leese im Landkreis Nienburg/Weser
Steinhuder Meer Nordrhein-Westfalen Landkreis Diepholz Landkreis Oldenburg Landkreis Schaumburg Landkreis Heidekreis Landkreis Verden Region Hannover Balge Binnen Binnen Binnen Binnen Bücken Diepenau Drakenburg Estorf (Weser) Eystrup Eystrup Gandesbergen Hämelhausen Hämelhausen Haßbergen Haßbergen Hassel (Weser) Hassel (Weser) Heemsen Hilgermissen Hoya Hoyerhagen Husum (bei Nienburg) Landesbergen Leese Liebenau (Niedersachsen) Linsburg Linsburg Marklohe Nienburg/Weser Pennigsehl Raddestorf Rehburg-Loccum Rodewald Rohrsen Schweringen Steimbke Steyerberg Steyerberg Stöckse Stolzenau Uchte Warmsen Wietzen WarpeKarte
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Leese ist eine Mitgliedsgemeinde der Samtgemeinde Mittelweser im Landkreis Nienburg/Weser in Niedersachsen an der Weser.

Geografie[Bearbeiten]

Leese liegt an der Mittelweser in einer Marsch- und Geestlandschaft.

Geschichte[Bearbeiten]

Leese war eine der ersten Siedlungen im Mittelwesergebiet. Archäologische Funde weisen auf eine jungsteinzeitliche Besiedlung vor rund 4000 Jahren im Bereich von Leese hin. Die Bewohner bearbeiten die leichten Flugsandböden im Osten des heutigen Dorfes mit primitiven Pflügen. Die Bestattung der Verstorbenen erfolgte unter Hügelgräbern. Rund 20 Hügelgräber konnten nachgewiesen werden, deren Alter auf etwa 1800 Jahre vor Christus geschätzt wird. Weitere Ansiedlungen lagen am Terrassenrand zur Weser (Zappenberg).

Bei der Ausgrabung des Urnengräberfeldes Leese durch das Instituts für Denkmalpflege zwischen 1978 und 1980 im „Kleinen Feld“ wurde das größte Urnengräberfeld der vorrömischen Eisenzeit Norddeutschlands mit etwa 1100 Bestattungen entdeckt. Die Urne im Leeser Wappen weist darauf hin. Um Christi Geburt wohnten hier die germanischen Angrivarier (= Wiesenleute), südlich davon die Cherusker.

Lange galt Leese als Ort der Schlacht am Angrivarierwall um 16 nach Christus zwischen den Römern unter Germanicus und den Germanen unter Hermann, dem Cherusker.[2] Die Reste eines alten Verteidigungswalls, der wohl quer durch das Dorf führte und anfangs als Beleg für diese Vermutung diente, wurde allerdings später als „aus dem Mittelalter stammend“ eingeschätzt. Die Gründung des heutigen Ortes Leese wird von Fachleuten etwa 400 Jahre nach Christus angenommen. Die Ersterwähnung von „Kerclese“ erfolgte 1164 in einem Dokument, das sich im Staatsarchiv Münster befindet.

In der Gemarkung befinden sich die wüsten Orte Om, Marslo und Osterleese. In alten Aufzeichnungen des Klosters Loccum tauchen die Namen dieser vergessenen Dorfschaften auf. Die Bewohner gaben ihre Dörfer wegen der dauernden Fehden zwischen den Grafen von Hoya und den Bischöfen von Minden auf und siedelten sich im späteren Leese an. Im Dreißigjährigen Krieg litt der Ort stark, profitierte aber später als bedeutende Poststation vom Handel auf der alten Route längs und über die Weser. 1790 wurde der kleine Nachbarort Hahnenberg gegründet und kirchlich Leese zugeordnet.

Das ehemals durch die Landwirtschaft geprägte Dorf hat sich seit Beginn des 20. Jahrhunderts durch den Bau mehrerer Eisenbahnlinien und den Kreuzungspunkt der Bundesstraßen 215, 441 und 482, allesamt alte Heerstraßen, erheblich gewandelt. Im Jahre 1937 erregte die Ermordung der Jagdpächter Hambster und Thürnau bei Leese durch zwei einheimische Wilddiebe großes Aufsehen, ein Gedenkstein am Tatort in der Seggeriede erinnert an die Tat.

In den Jahren 1937 bis 1943 wurde nordöstlich des Ortes eine Kampfstofffabrik angelegt.[3]

Zum Ende des Zweiten Weltkrieges sprengen deutsche Soldaten am 5. April 1945 die Weserbrücke zwischen Leese und Stolzenau. Die Ortschaft wurde hartnäckig verteidigt, doch den englischen Truppen gelang die Überquerung der Weser. Die Leeser Bevölkerung floh in die östlich gelegenen Wälder. 21 Häuser wurden durch die Kriegseinwirkungen zerstört. Über hundert englische und deutsche Soldaten fielen bei den Kämpfen. Dazu entstand eine Kriegsgräberstätte in der Ortsmitte. Soldaten der britischen Besatzungsmacht besetzen die fast betriebsbereite, im Oehmer Feld befindliche Rüstungsfabrik und sprengten viele Bunker.

In der Nachkriegszeit nahm Leese über 1000 Heimatvertriebene aus dem Osten des früheren Deutschen Reichs auf, von denen viele blieben und sich integrierten. Bis Anfang der 1980er-Jahre ging man davon aus, dass die erste schriftliche Urkunde über Leese aus dem Jahre 1183 stammte. Diese ist in den Calenberger Urkunden des Klosters Loccum aufgezeichnet. Folgerichtig feierte die Gemeinde Leese im Jahr 1983 ihren 800. Geburtstag. Erst kurze Zeit danach stellte sich heraus, dass Leese bereits seit 1164 existiert.

Die Gewerbe- und Industrieansiedlung der letzten Jahrzehnte und die langjährige Stationierung der Bundeswehr haben den dörflichen Charakter des Ortes nicht wesentlich beeinflusst. Allerdings verliert die plattdeutsche Sprache immer weiter an Bedeutung.

Leese hat eine uralte Grenzlage, zunächst zwischen den Angrivariern und Cheruskern, später zwischen der Grafschaft Hoya und dem Bistum Minden, danach zwischen dem Königreich Hannover und Preußen sowie heute zwischen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Rat der Gemeinde Leese besteht aus 11 Ratsfrauen und Ratsherren.

  • SPD – 8 Sitze
  • CDU – 3 Sitze

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Rot ein silberner schräglinker Wellenbalken, begleitet oben von einem goldenen Posthorn und unten von einer goldenen Urne.“

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

In der Region spricht man bis heute häufig Plattdeutsch.

Musik[Bearbeiten]

Spielmannszug, Fanfarenzug, Feuerwehrmusikzug, Posaunenchor.

Bauwerke[Bearbeiten]

Sehenswert sind die Kirche, das Kriegerdenkmal, der 2004 neu gestaltete Marktplatz und der alte Ziehbrunnen am Kirchplatz.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • jährliches Schützenfest (erstes Juli-Wochenende)
  • Jahrmarkt im Frühjahr
  • Sportwerbewoche

Kulinarische Spezialitäten[Bearbeiten]

Neben den Kartoffelprodukten spielt der Spargelanbau eine große Rolle. Am 11. Februar 2006 fand die größte Spargelmesse Europas in Leese statt.

Bildung[Bearbeiten]

  • Kindergarten Leese
  • Grundschule Leese

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Durch Leese führen die Bundesstraßen 215, 441 und 482.

Der Bahnhof Leese-Stolzenau liegt an der Bahnstrecke Nienburg–Minden (Weser-Aller-Bahn). Er wird werktags alle zwei Stunden vom „Porta-ExpressNienburg–Minden–Bielefeld und an Wochenenden im gleichen Takt von der „Weser-Aller-Bahn“ Rotenburg–Verden–Nienburg–Minden bedient.

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinrich Munk: 1183–1983 : 800 Jahre Gemeinde Leese. Leese 1983, DNB 860795802.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, 102 Bevölkerung - Basis Zensus 2011, Stand 31. Dezember 2013 (Tabelle K1020014) (Hilfe dazu)
  2. G. Bersu, G. Heimbs, H. Lange, C. Schuchhardt: Der Angrivarisch-Cheruskische Grenzwall und die beiden Schlachten des Jahres 16 nach Chr. zwischen Arminius und Germanicus. In: Praehistorische Zeitschrift. 17, 1926, S. 100–131, doi:10.1515/prhz.1926.17.1.100.
  3. Die Kampfstoffabrik Leese bei relikte.com

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Leese – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien