Stolzenau

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Stolzenau (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Stolzenau
Stolzenau
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Stolzenau hervorgehoben
52.5166666666679.066666666666729Koordinaten: 52° 31′ N, 9° 4′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Nienburg/Weser
Samtgemeinde: Mittelweser
Höhe: 29 m ü. NHN
Fläche: 65 km²
Einwohner: 7471 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 115 Einwohner je km²
Postleitzahl: 31592
Vorwahlen: 05761, 05765 (Nendorf)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: NI
Gemeindeschlüssel: 03 2 56 032
Gemeindegliederung: 9 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Am Markt 4
31592 Stolzenau
Webpräsenz: www.stolzenau.de
Bürgermeister: Bernd Müller
Lage der Gemeinde Stolzenau im Landkreis Nienburg/Weser
Steinhuder Meer Nordrhein-Westfalen Landkreis Diepholz Landkreis Oldenburg Landkreis Schaumburg Landkreis Heidekreis Landkreis Verden Region Hannover Balge Binnen Binnen Binnen Binnen Bücken Diepenau Drakenburg Estorf (Weser) Eystrup Eystrup Gandesbergen Hämelhausen Hämelhausen Haßbergen Haßbergen Hassel (Weser) Hassel (Weser) Heemsen Hilgermissen Hoya Hoyerhagen Husum (bei Nienburg) Landesbergen Leese Liebenau (Niedersachsen) Linsburg Linsburg Marklohe Nienburg/Weser Pennigsehl Raddestorf Rehburg-Loccum Rodewald Rohrsen Schweringen Steimbke Steyerberg Steyerberg Stöckse Stolzenau Uchte Warmsen Wietzen WarpeKarte
Über dieses Bild

Stolzenau ist eine Gemeinde im Landkreis Nienburg/Weser in Niedersachsen an der Weser. Die Gemeinde ist Mitgliedsgemeinde und Sitz der Samtgemeinde Mittelweser.

Geografie[Bearbeiten]

Stolzenau liegt an der Mittelweser in der Marsch- und Geestlandschaft des Mittleren Wesertals, südwestlich der Kreisstadt Nienburg/Weser am linken Weserufer.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Die Gemeinde grenzt im Norden an den Flecken Steyerberg und im Osten an die Gemeinden Landesbergen und Leese (ebenfalls Teil der Samtgemeinde Mittelweser). Im Südosten bilden das Land Nordrhein-Westfalen (Landkreis Minden-Lübbecke, Petershagen) und im Südwesten und Westen die Samtgemeinde Uchte die Grenze.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Seit der Gebietsreform vom 1. März 1974 besteht die Gemeinde Stolzenau aus den Ortsteilen

  • Stolzenau (Zentrum)
  • Schinna
  • Frestorf
  • Hibben
  • Müsleringen
  • Nendorf
  • Holzhausen
  • Anemolter
  • Diethe

Des Weiteren gehören die Ortschaften Alterkamp, Böthel, Sögeberg und Kohlenweyhe zur Gemeinde Stolzenau.

Geschichte[Bearbeiten]

Auf eine frühe Besiedlung der Gegend bereits während der Steinzeit weist das 2008 zwischen Stolzenau und Müsleringen entdeckte Erdwerk von Müsleringen hin.

1346 errichteten die Grafen von Hoya die Burg Stolzenau in der Nähe einer Ansiedlung, aus der sich der Ort Stolzenau entwickelte.[2]

Stolzenau wurde erstmals urkundlich am 23. Februar 1370 erwähnt. Der Name bedeutet Stolze Aue und ist aus den Schreibweisen Stoltenouwe, Stoltenow, Stotzenow, Stoltzenaw und Stoltzenawe entstanden.[3]

Der Ort war zeitweise Residenz der Grafen von Hoya. Durch den Tod Graf Friedrichs im Jahre 1503 wurde die Grafschaft Hoya als Lehen von den Herzögen von Braunschweig und Lüneburg übernommen. Sie diente bis zum Tode des letzten Grafen von Hoya, Otto VIII. im Jahre 1582 als Teilgrafschaft für nicht regierende Grafen. Mit dem Aussterben der Grafen fiel Stolzenau an das Herzogtum Braunschweig-Lüneburg.

1594 wurde der Flecken durch eine große Feuersbrunst heimgesucht, bei der 85 Bürgerhäuser abbrannten.

Merian-Stich von Stolzenau 1647

Während des Dreißigjährigen Krieges eroberte der Söldnerführer Tilly Stolzenau am 15. August 1625. Am 26. Oktober 1625 wurde der Ort wieder den Dänen übergeben. Der Flecken litt bei den vielfachen Herrschaftswechseln und wiederkehrenden Belagerungen. Epidemien, wie die Blutpest (1624) und eine hitzige Hautkrankheit, forderten viele Opfer unter der Bevölkerung.

Nach dem westfälischen Frieden waren das Amt und der Flecken so sehr in Verfall geraten, dass sie sich in vielen Jahren nicht wieder erholen konnten. Von Kriegshandlungen während des Siebenjährigen Krieges war Stolzenau weniger betroffen; dafür hatte der Flecken während der französischen Besetzung zu leiden.

Erst nach 1815 begann der wirtschaftliche Aufschwung des Fleckens. 1828 wurde die heutige Kirche errichtet. 1884 wurde der Flecken Sitz des neu gebildeten Kreises Stolzenau. Die Kreisverwaltung war bis 1932 im alten Schloss untergebracht. Später wurde das Schloss als Arbeitsdienstlager genutzt. Nach 1945 diente es Wohnzwecken. 1885 wurde der Grundstein für das heutige Rathaus gelegt. Das Schloss wurde im Jahre 1965 abgebrochen und an dieser Stelle die neue Realschule (Schlossschule) errichtet.

Im Jahre 1907 wurde auf Veranlassung des Landrats Hugh Wilhelm Bergmann (1902–1917 im Amt) und des Bürgermeisters W. Schröder eine Freiwillige Feuerwehr ins Leben gerufen, der 80 Bürger beitraten.[4]

Trotz der regen Bautätigkeit nach 1950 blieb der mittelalterliche Charakter des alten Ortskernes in seinen Grundzügen erhalten. Die Bedeutung, die dem Flecken Stolzenau heute für den südlichen Teil des Kreises zukommt, wird durch die im Raumordnungsprogramm für den Regierungsbezirk Hannover vorgenommene Ausweisung als Grundzentrum besonders zum Ausdruck gebracht.

Am 1. November 2011 fusionierte Stolzenau mit den Mitgliedsgemeinden der Samtgemeinde Landesbergen zur Samtgemeinde Mittelweser.[5]

Religionen[Bearbeiten]

Überwiegend sind in Stolzenau die evangelisch-lutherische und römisch-katholische Kirche vertreten. Außerdem gibt es Anhänger der Neuapostolischen Kirche und des Islam.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. März 1974 wurden die Gemeinden Anemolter, Diethe, Frestorf, Hibben, Holzhausen, Müsleringen, Nendorf und Schinna in die Gemeinde Stolzenau eingegliedert.[6]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

31. Dezember 2011 7355 Einwohner
1. Juli 2008 7650 Einwohner
28. November 2006 7714 Einwohner
30. Juni 2006 7527 Einwohner
16. März 2006 7638 Einwohner
31. Dezember 2005 7536 Einwohner
30. Juni 2005 7511 Einwohner
31. Dezember 2004 7532 Einwohner

Politik[Bearbeiten]

Rat[Bearbeiten]

Der Rat der Gemeinde Stolzenau setzt sich aus zzt. 21 Ratsfrauen und Ratsherren zusammen.

CDU SPD WG Bündnis 90/Die Grünen FDP Die Linke Gesamt
2006 9 7 2 1 1 - 20 Sitze
2011 9 8 2 1 - 1 21 Sitze

(Stand: Kommunalwahl am 11. September 2011)

Bürgermeister[Bearbeiten]

Zum 1. November 2006 übernahm Bernd Müller vom vormaligen Bürgermeister Ulrich Rokahr das Amt. Bernd Müller gewann nach einer Stichwahl gegen Doris Engelking. Am 1. November 2011 wurde Müller von Klaus Dera (CDU) abgelöst. Wegen des Todes von Klaus Dera wurde am 11. Dezember 2013 Hans-Hermann Steinmann (CDU) zum Bürgermeister gegen Friedhelm Siemann gewählt.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „Gespalten durch einen von Silber und Blau gespaltenen gesenkten Anker von Rot und Gold; vorne ein silberner Rundturm mit Spitzdach und Erker und einer zum Schildrand durchgehenden silbernen Zinnenmauer; hinten eine aufrechte, rot bewehrte schwarze Bärentatze“. Bereits im 15. Jahrhundert befand sich im Weichbild Stolzenaus ein Siegel, das nebeneinander eine zweitürmige Burg sowie eine Bärentatze zeigt. Da die Grafen von Hoya Stolzenau seit dem 14. Jahrhundert in ihrem Besitz hatten und dort 1525 ihre Residenz ausbauten, nimmt das frühe Siegel Anlehnung an das Wappen der Grafen. In der Burg ist die Grenzfeste Stolzenau der beiden, seit 1345 getrennten Linien des Grafengeschlechts versinnbildlicht. Das Ortswappen wurde 1930 vom Preußischen Staatsministerium verliehen, der Anker ist neueren Datums und unterschreicht die Bedeutung der Schifffahrt auf der Weser.[7]

Städtepartnerschaft[Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Museen[Bearbeiten]

  • Heimatmuseum
  • Puppenmuseum
Kloster Schinna

Schlösser, Kirchen und Kloster[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Stolzenau, Weserbrücke
Stolzenau, Kriegerdenkmal
Altar, St.-Vitus-Kirche in Schinna
  • Schnitzaltar in St.-Vitus-Kirche in Schinna
  • St.-Jacobi-Kirche (mit dem eingedrehten Kirchturm)
  • Naturbelassene Umgebung, in der sich viele Möglichkeiten für Wassersport finden (Weser)
  • Weserbrücke
  • Rathaus in Backsteingotik (1885 erbaut)
  • Jüdischer Friedhof
  • Sanierter Ortskern mit seinen Fachwerkhäusern
  • Kriegerdenkmal
  • Normaluhr
  • Mühlenteich

Parks[Bearbeiten]

  • Bürgerpark (wurde im 19. Jahrhundert vom Kaufmann Oldemeyer aus Bremen, dem Sohn des damaligen Bürgermeisters Oldemeyer von Stolzenau, dem Orte Stolzenau als Geschenk angelegt)

Sport[Bearbeiten]

  • Sportplätze in Stolzenau (Weserkampfbahn an der Thingstätte), Nendorf und Schinna
  • Dreifachsporthalle
  • beheiztes Freibad
  • Tennishalle
  • Motorboothafen

Der 2009 aus einer Fusion des SC Stolzenau und dem MTV Stolzenau entstandene VfB Stolzenau ist mit über 750 Mitgliedern und zehn verschiedenen Sportangeboten der größte Sportverein in der Gemeinde Stolzenau.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Volksfeste[Bearbeiten]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Als ehemalige Kreisstadt und Unterzentrum weist Stolzenau eine gute Infrastruktur auf, die Mittelzentren gleichkommt. Etliche Behörden haben hier ihren Sitz. Stolzenau ist die Einkaufsstadt des Südkreises Nienburg/Weser. Neben einem Ortskern gibt es viele am Stadtrand liegende Einkaufszentren. Viele Bewohner des Südkreises haben ihren Arbeitsplatz in Stolzenau.

Die Wirtschaft in Stolzenau ist vor allem durch Landwirtschaft, Kunststoffverarbeitung und Kiesabbau geprägt. Hier hat sich die größte Kunstlederfabrik Deutschlands angesiedelt (Hornschuch Stolzenau, vormals Era). Diese beliefert indirekt Automobilhersteller wie VW oder Opel.

Verkehr[Bearbeiten]

Wasserstraßen[Bearbeiten]

Die Weser verbindet Stolzenau mit dem internationalen Binnenschifffahrtsverkehr unter anderem über das nahe gelegene Wasserstraßenkreuz in Minden.

Schienenverkehr[Bearbeiten]

Der nächste Bahnhof ist Leese-Stolzenau an der Bahnstrecke Nienburg–Minden (Weser-Aller-Bahn), etwa drei Kilometer östlich des Ortszentrums. Der Bahnhof wird werktags alle zwei Stunden vom „Porta-Express“ Nienburg–Minden–Bielefeld und an Wochenenden im gleichen Takt von der „Weser-Aller-Bahn“ Rotenburg–Verden–Nienburg–Minden bedient.

Busverkehr[Bearbeiten]

Buslinien der Verkehrsgesellschaft Landkreis Nienburg verbinden Stolzenau mit Uchte, Nienburg/Weser, Steyerberg und Rehburg-Loccum; die Verbindung nach Wunstorf wird durch RegioBus Hannover betrieben.

Straßenverkehr[Bearbeiten]

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten]

Medien[Bearbeiten]

Stolzenau hatte früher mit dem "Stolzenauer Wochenblatt" eine Tageszeitung. Heute wird der Ort mit der Nienburger Tageszeitung Die Harke versorgt. Zusätzlich erscheinen monatlich die "Rund um Stolzenau" mit einer Auflage von etwa 15.000 Exemplaren und der "Blickpunkt Nienburg".

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Personen, die mit der Gemeinde in Verbindung stehen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinrich Gade: Geschichte des Fleckens Stolzenau. Nienburg 1871

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Stolzenau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, 102 Bevölkerung - Basis Zensus 2011, Stand 31. Dezember 2013 (Tabelle K1020014) (Hilfe dazu)
  2. Vgl. Herbert Obenaus (Hrsg. in Zusammenarbeit mit David Bankier und Daniel Fraenkel): Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen. Band 2, Wallstein, Göttingen 2005, S. 1433; ISBN 3-89244-753-5.
  3. von Hodenberg, Wilhelm (Hrsg.), Hoyer Urkundenbuch, Bd. 1, Verlagshandlung der Gebrüder Jänecke, Hannover 1855, S. xxxi, Nr. 207.
  4. Blazek, Matthias, Die Geschichte der Ortsfeuerwehr Wiedensahl 1909-2009. Oesselmann, Wiedensahl 2009, S. 29, ISBN 978-3-00-024676-0.
  5. http://www.landesbergen.de/internet/page.php?naviID=907000020&site=907000015&typ=2&rubrik=7000006
  6.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 199.
  7.  Klemens Stadler: Deutsche Wappen Bundesrepublik Deutschland. Die Gemeindewappen der Bundesländer Niedersachsen und Schleswig-Holstein. 5, Angelsachsen-Verlag, Bremen 1970, S. 76.