Maria de Medeiros

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Maria de Medeiros (2007)

Maria de Medeiros [mɐˈɾiɐ ˌdɯmɯˈdɐi̯ɾuʃ] (* 19. August 1965 in Lissabon; eigentlich Maria de Medeiros Esteves Victorino de Almeida) ist eine portugiesische Schauspielerin, Sängerin, Regisseurin und Drehbuchautorin. Sie ist vor allem für ihre Rolle im Film Pulp Fiction bekannt geworden.

Biografie[Bearbeiten]

De Medeiros ist die älteste von drei Töchtern des Komponisten und Pianisten António Vitorino de Almeida und seiner Ehefrau Maria Armanda Esteves. Maria de Medeiros lebt in Frankreich und ist mit dem Tontechniker und Kameramann Agustí Camps verheiratet. Aus der Ehe gingen die beiden gemeinsamen Töchter Júlia (* 1997) and Leonor (* 2003) hervor. De Medeiros Schwestern Inês de Medeiros (* 1968) und Ana Medeiros wechselten ebenfalls ins Schauspielfach.

Ausbildung und erste Schauspielrollen[Bearbeiten]

Sie absolvierte ihre schulische Ausbildung am französischen Gymnasium Français Charles Le Pierre in Lissabon und studierte später in Paris Philosophie und Schauspielerei. Sie begann Anfang der 1980er Jahre in portugiesischen Kinofilmen aufzutreten, 1984 entdeckte sie die Regisseurin Chantal Akerman auch für den französischsprachigen Film. 1990 feierte De Medeiros mit einer Nebenrolle in Ken McMullens Historiendrama 1871 ihr Debüt im englischsprachigen Kino. Im selben Jahr porträtierte sie neben Fred Ward und Uma Thurman die bekannte französische Schriftstellerin Anaïs Nin (1903-1977) in Philip Kaufmans Henry & June (1990). Die Rolle hatte sie auch aufgrund ihrer optischen Ähnlichkeit zu Nin erhalten.

Vier Jahre später spielte sie Fabienne, die französische Freundin des Boxers Butch Coolidge (dargestellt von Bruce Willis), im Oscarprämierten Pulp Fiction (1994) von Quentin Tarantino. Im selben Jahr war sie mit Teresa Villaverdes Drama Geschwister bei den 51. Filmfestspielen von Venedig vertreten. Dort wurde sie für den Part der Maria mit der Coppa Volpi, dem Darstellerpreis des Filmfestivals ausgezeichnet.

Arbeit als Filmregisseurin[Bearbeiten]

Gegen Ende der 1980er Jahre widmete sich De Medeiros, parallel zu ihrer Schauspielkarriere, mit den Kurzfilmen Sévérine C. (1987) und Fragmento II (1988) ersten Arbeiten als Regisseurin. Im Jahr 2000 führte sie bei dem Film Capitães de Abril (dt.: Nelken für die Freiheit) Regie, der die Ereignisse der Nelkenrevolution in Portugal am 24. und 25. April 1974 nachzeichnet. 2007 wurde sie in die Wettbewerbsjury der 60. Filmfestspiele von Cannes berufen.

Arbeit als Sängerin[Bearbeiten]

Maria de Medeiros ist in den letzten Jahren neben ihren Aktivitäten im Film auch als Sängerin in Erscheinung getreten. Ihr Repertoire ist dabei ausgesprochen breit gefächert. Musikalisch wahrt sie Anspruch und bewegt sich meist in der Nähe zu Jazz, Bossa Nova, den Singer-Songwritern u.a. Ihr erstes Album nahm sie 2007 auf. Mit den Musikern Jeff Cohen, Emek Evci und Joël Grare interpretiert sie hier Lieder von Chico Buarque, Caetano Veloso, Gilberto Gil und Milton Nascimento.

Die Inspiration zu ihrem zweiten Album kam ihr bei einem Konzert, das sie in der UNESCO-Zentrale in Paris gab (infolge ihrer Ernennung zum UNESCO-Künstler für den Frieden 2008). Sie spielte es 2010 mit den Musikern Edmundo Carneiro, Bruno Rousselet, Rubem Dantas, Pascal Salmon, Itacyr Bocato und Manuel Martínez del Fresno ein. Die Liedauswahl umspannte hier namensgebend Länder und Kontinente. So sang de Medeiros hier nicht nur Portugiesisch, sondern auch Spanisch (Kastilisch), Italienisch, Kimbundu, Katalanisch und Valencianisch. Sie interpretierte hier Texte und Lieder von José Afonso, Joan Salvat-Papasseit, Víctor Jara, Nino Rota, Sérgio Godinho, Amélia Muge, El Último de la Fila, Lenine, Waldemar Bastos u.a., aber auch die volkstümliche angolanische Ballade Muxíma, 1960 durch das Duo Ouro Negro international bekannt geworden. 2012 erscheint ihr neues Album, Pássaros eternos ("Ewige Vögel").

Sie nahm in den letzten Jahren auch gelegentlich an Projekten anderer Künstler teil, etwa 2005 beim Album Drama Box der Sängerin Mísia, und 2009 bei den internationalen Tribut-Projekten für Joan Manuel Serrat und Nino Rota (mit u.a. Ute Lemper, Adriana Calcanhotto, Catherine Ringer und der Texas-Sängerin Sharleen Spiteri), und dem Feminia-Album des Legendary Tigerman.

Rezeption[Bearbeiten]

Als Schauspielerin ist sie mit ihren vielen internationalen Engagements etabliert, und ihre Regiearbeiten wie auch ihre Arbeit als Sängerin wurden von Kritik und Publikum positiv aufgenommen. Dabei ist ihr der Schritt in die vorderste Reihe der öffentlichen Aufmerksamkeit nicht gelungen, bedingt durch ihr nicht immer dem medialen Zeitgeist entsprechendes Auftreten und den ausgebliebenen kontinuierlichen Engagements in internationalen Blockbustern. Dies hat sie dabei nie als ihr Ziel angegeben, vielmehr zeichnet sich die Wahl ihrer Rollen durch eine große Vielfalt und nicht immer durch besondere Publikumswirksamkeit aus.

In Portugal ist sie recht bekannt, durch die Medienmeldungen über ihre internationalen Auftritte und durch ihre Arbeit als Schauspielerin und Sängerin[1], aber auch durch öffentliche Auftritte in Portugal, etwa bei Protesten gegen die Sparprogramme zu Lasten der Bevölkerung, oder auch bei der Unterstützung der kuriosen Präsidentschaftskandidaturen des Sängers und Künstlers Manuel João Vieira[2]. Ihre Bekanntheit ist in Deutschland geringer als etwa in Frankreich und vor allem als in Spanien, wo sie häufiger als in anderen Ländern auch als politisch engagierte Künstlerin wahrgenommen wird[3][4]. Sie gewann Sympathien durch ihre bescheidene und freundliche Art des publikumsnahen Auftretens, aber auch durch ihre engagierte Haltung gegen gesellschaftliche Missstände im Allgemeinen und die anhaltende aktuelle Finanzkrise im Besonderen, etwa wenn sie für die konservative spanische Zeitung El Mundo Fragen der Leser beantwortete[5][6]

Ihre anspruchsvollen, breitgefächerten Arbeiten, und ihr stetes überparteiliches Engagement in sozialen Fragen, veranlassten die UNESCO, sie 2008 als Künstlerin für den Frieden auszuzeichnen[7]. Sie ist zudem Botschafterin des Europäischen Filmpreises, "Europas Oscar" von der europäischen Filmakademie[8].

Diskografie[Bearbeiten]

  • 2007: A little more blue
  • 2010: Penínsulas & Continentes
  • 2012: Pássaros Eternos

Filmografie[Bearbeiten]

Schauspielerin[Bearbeiten]

  • 1982: Silvestre
  • 1983: A Estrangeira
  • 1984: Paris vu par … vingt ans après
  • 1984: J’ai faim, j’ai froid
  • 1985: Vertiges
  • 1987: O Bobo (Sprechrolle)
  • 1987: Der Mönch und die Hexe (Le moine et la sorcière)
  • 1988: Die Vorleserin (La lectrice)
  • 1988: Elvire-Jouvet 40 (TV)
  • 1989: Onde Bate o Sol (Sprechrolle)
  • 1989: Les nuits révolutionnaires (TV-Mehrteiler)
  • 1989: Les dossiers secrets de l’inspecteur Lavardin (2 Folgen der TV-Serie)
  • 1990: Henry & June
  • 1990: 1871
  • 1990: L’ourse bleue
  • 1991: Zauber der Venus (Meeting Venus)
  • 1991: Die göttliche Komödie (A Divina Comédia)
  • 1991: Am Ende einer Kindheit (A Idade Maior)
  • 1991: Simon courage
  • 1991: Alcibiades
  • 1991: A Morte do Príncipe
  • 1992: Retrato de Família
  • 1992: L’homme de ma vie
  • 1992: R: Rembrandt (TV)
  • 1993: Macho (Huevos de oro)
  • 1994: El detective y la muerte
  • 1994: Geschwister (Três Irmãos)
  • 1994: Pulp Fiction
  • 1994: Des feux mal éteints
  • 1994: Jenseits der Brandung (TV)
  • 1995: Adão e Eva
  • 1995: Paraíso Perdido
  • 1995: A comme acteur
  • 1995: Maria fille de Flandre (TV)
  • 1996: Sans mentir (TV)
  • 1996: Attends-moi (TV)
  • 1996: Tiré à part
  • 1996: The Woman in the Moon
  • 1996: Nachrichten vom lieben Gott (Des nouvelles du bon Dieu)
  • 1996: Saint-Exupéry: La dernière mission (TV)
  • 1996: Le polygraphe
  • 1996: La femme rêvée (TV)
  • 1997: Le comédien
  • 1997: Les mille merveilles de l’univers
  • 1997: Airbag – Jetzt knallt’s richtig! (Airbag)
  • 1997: Go for Gold!
  • 1997: Tempête dans un verre d’eau
  • 1998: Spanische Fliege – Den Machos auf der Spur (Spanish Fly)
  • 1998: A Tempestade da Terra
  • 1998: Guerra e Liberdade – Castro Alves em São Paulo
  • 1999: Das Wesen der Schönheit (Les infortunes de la beauté)
  • 1999: Die Babels retten die Welt (Babel)
  • 1999: El sudor de los ruiseñores
  • 2000: Zurück in die Vergangenheit (Deuxième vie)
  • 2000: Nelken für die Freiheit (Capitães de Abril)
  • 2001: Náufragos - Gestrandet
  • 2001: Das Porto meiner Kindheit (Porto da Minha Infância)
  • 2001: Água e Sal
  • 2001: L’homme des foules
  • 2001: Honolulu Baby
  • 2001: Marafona (TV)
  • 2001: O Xangô de Baker Street
  • 2002: Les enquêtes d’Éloïse Rome (TV-Serie, 2 Folgen)
  • 2002: Single Again
  • 2003: The Saddest Music in the World
  • 2003: Ich, Caesar. 10 ½ Jahre alt, 1,39 Meter groß (Moi César, 10 ans 1/2, 1m39)
  • 2003: Der kleine Unterschied (Anomalies passagères)
  • 2003: Mein Leben ohne mich (My Life Without Me)
  • 2003: Confessions de minuit
  • 2004: Il resto di niente
  • 2004: Marlene de Sousa
  • 2004: A Trip to the Orphanage
  • 2004: A Dama da Lapa
  • 2005: Riquet (TV)
  • 2005-2009: Venus und Apoll (Vénus & Apollon) TV-Serie
  • 2006: Je m’appelle Elisabeth
  • 2006: Cuéntame (TV-Serie, eine Folge)
  • 2006: Monógamo sucesivo
  • 2007: Médée miracle
  • 2007: Nessuna qualità agli eroi
  • 2007: Riparo – Zuhause (Riparo)
  • 2007: Midsummer Madness
  • 2007: La belle et le sauvage (TV)
  • 2007: Dans les cordes
  • 2008: Mes stars et moi
  • 2008: Liberdade 21 (TV-Serie)
  • 2009: Davids Geburtstag (Il compleanno)
  • 2009: O Contador de Histórias
  • 2010: HH, Hitler à Hollywood
  • 2010: Crooner (TV)
  • 2011: Huhn mit Pflaumen (Poulet aux prunes)
  • 2011: Ni à vendre ni à louer
  • 2011: Viagem a Portugal

Regisseurin[Bearbeiten]

  • 1987: Sévérine C.
  • 1988: Fragmento II
  • 1991: A Morte do Príncipe
  • 2000: Je t’aime … moi non plus: Artistes et critiques
  • 2000: Nelken für die Freiheit (Capitães de Abril)
  • 2004: Bem-Vindo a São Paulo
  • 2004: Mathilde au matin
  • 2011: Mundo Invisível (Folge von As Aventuras do Homem Invisível)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Maria de Medeiros – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://noticias.sapo.pt/info/artigo/1051341
  2. Dokumentation "O Candidato Vieira", Bruno de Almeida, 2005
  3. http://elpais.com/diario/2012/02/04/madrid/1328358259_850215.html
  4. http://www.elcultural.es/noticias/BUENOS_DIAS/2726/Maria_de_Medeiros
  5. http://www.elmundo.es/encuentros/invitados/2010/02/4060/
  6. http://www.elmundo.es/elmundo/encuentros/invitados/2012/01/16/maria-de-medeiros/index.html
  7. http://www.portugalvivo.com/spip.php?article3205
  8. http://www.europeanfilmawards.eu/en_EN/efaambassadors