Marienberg (Nordstemmen)

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Der Marienberg (früher Rehberg) ist eine Erhebung bei Nordstemmen in Niedersachsen, auf der sich das Schloss Marienburg befindet. Der Marienberg enthält die nördlichsten Buntsandstein-Aufschlüsse im Weser-Leine-Bergland. Sie geben Auskunft über die Entstehung des Marienberges in den Perioden der Unteren Trias und der Oberen Kreide.

Der Marienberg mit dem Schloss Marienburg im Herbst.

Lage[Bearbeiten]

Blick im Jahr 1910 von dem Aussichtsturm der Waldgaststätte Marienberg auf das Schloss Marienburg und auf Nordstemmen.

Der Marienberg liegt in Niedersachsen im Süden der Region Hannover im Bereich der Stadt Pattensen in der Gemarkung von Schulenburg. Er wird nordwestlich vom Schulenburger Berg und westlich vom Adenser Berg begrenzt und südöstlich von dem Fluss Leine und der Kreisstraße K 505 berührt. Die K 505 überquert die Leine auf der Marienbergbrücke. Von dem Schlossturm und von der Südseite des Schlosses Marienberg aus hat man einen weiten Blick über das Leinetal.

Die Nordhänge des Adenser Berges, des Schulenburger Berges und des Marienbergs gehören seit 1997 zu dem Landschaftsschutzgebiet Calenberger Leinetal.

Beim Bau von Schloss Marienburg wurde der Marienberg zum romantischen Schlosspark umgestaltet und Fußwege angelegt, die zum Wandern auf dem Marienberg und dem benachbarten Adenser Berg einladen. Die mittelalterlichen Wallanlagen um die Marienburg und am ehemaligen Wartturm können begangen werden. Von den Wegen am Waldrand des Adenser Berges ergeben sich Ausblicke in das Hallertal und das Calenberger Land.

Name[Bearbeiten]

Die Namen Marienberg und Marienburg gehen auf König Georg V. von Hannover zurück, der Burg und Berg seiner Frau Marie zu ihrem 39. Geburtstag schenkte. Georg V. gab dem Rehberg als angekauften Teil des Schulenburger Berges in der Schenkungsurkunde den neuen Namen Marienberg. Die geplante Burg nannte er Marienburg. Beide Namen enthalten den Rufnamen seiner Frau Marie.

Geologie[Bearbeiten]

Aufschlüsse aus der Zeit des Unteren Buntsandsteins am Hang des Marienbergs neben der K 505

In der Periode der Unteren Trias befand sich hier vor etwa 251 bis 245 Millionen Jahren das Ufer eines riesigen warmen und flachen Salzsees am Westrand der Hessischen Senke. Aus diesem Binnensee strömten zeitweise Flüsse heraus, die rotbraunen Sandstein ablagerten, auf dessen Schichtflächen zuweilen Rippelmarken entstanden. Hier sieht man deutlich, wie jede einzelne Schichtfläche einmal die Oberfläche des Strandes gewesen ist und wie auf den einzelnen Schichtflächen sich die Wellenfurchen in ganz verschiedener Ausbildung gröber, feiner, auch oft Wechsel der Windrichtung anzeigend, ausgebildet haben, heißt es 1914 in dem Sammlungsführer des Römer-Museums in Hildesheim. Der Salzsee lagerte bei starker Wellenbewegung Oolith ab, das sich aus kleinen konzentrischen Kalkkügelchen zusammensetzt. Außerdem entstanden hier Tonsteine, deren Trockenrisse ein häufiges Trockenfallen des Salzsees anzeigen.

In der Periode der Oberen Kreide wurden vor etwa 135 Millionen Jahren die ursprünglich horizontal abgelagerten Gesteinsschichten durch Salzbewegungen im Untergrund nach Osten gekippt, so dass die ursprünglich waagerechten Schichtungen hier am Marienberg als schräge Schichtungen fast senkrecht stehen. Die jüngeren (ursprünglich höheren) Gesteinsschichten aus der Zeit des Mittleren Buntsandsteins stehen unter der Marienburg und an deren Ostseite, während die älteren (ursprünglich tieferliegenden) Gesteinsschichten aus der Zeit des Unteren Buntsandsteins sich an der Westseite der Marienburg befinden. An der Südkante des Marienberges entstanden durch Steinbrüche und durch den Bau der Kreisstraße K 505 zahlreiche Aufschlüsse, an denen der Buntsandstein und seine schrägen Schichtungen sichtbar sind. Diese Aufschlüsse sind die nördlichsten Buntsandstein-Aufschlüsse im Weser-Leine-Bergland. Die Felsanschnitte im Bereich der Schlossmauer sind stark versturzgefährdet und sollten deshalb nicht mit dem Hammer abgeklopft werden.

Beim Bau der Marienburg sind in diesen Steinbrüchen Buntsandstein-Quadern gebrochen worden, die in die Außenmauern der Marienburg eingefügt wurden.

Hügelgräber aus der Bronzezeit[Bearbeiten]

Hügelgrab am Waldrand des Marienbergs

Im Norden des Schulenburger Bergs befand sich am Waldrand auf der Höhe von 135 m eine Gruppe von neun Hügelgräbern mit einem Durchmesser von ca. fünfzehn Metern und einer Höhe von ca. einem Meter, die hauptsächlich in der Mittlere Bronzezeit (1600–1200 v. Chr.) entstanden sind. Bei dem Anlegen eines Weges am Waldrand wurden Hügelgräber eingeebnet; dabei sind Äxte, Messer, Armringe aus Bronze, Steingeräte und Keramik mit Merkmalen der endsteinzeitlichen Michelsberger Kultur gefunden worden. Im Wald sind dicht am Waldrand noch drei Hügelgräber zu sehen, ein Fußweg führt über zwei von ihnen hinweg (Stand 2007). Die Karte GLL, LGN weist 2007 auf 4 Hügelgräber hin.[1]

Ringwall und Wartturm aus dem Mittelalter[Bearbeiten]

Ringwallanlage auf dem Marienberg
Wallkrone der Ringwallanlage um das Schloss Marienburg.
Ringwallanlage um das Schloss Marienburg.
Walldurchbruch mit Steinen nachträglich befestigt.
Historische Karten vom Marienberg 1895
Marienberg und Schloss Marienburg 1895.
Kartenausschnitt mit braun markiertem Verlauf des Ringwalls (A. Umlauff 1895).

Das Schloss Marienburg wurde in eine ältere 6,22 ha große Ringwallanlage (Höhenlinien 110 bis 120 m) hineingebaut. Vielfach ist die Anlage in die Eisenzeit (etwa 750 v. Chr. bis Chr. Geburt) datiert worden. Sie gehört aber eher in das frühe Mittelalter. Sie bestand aus einem etwa 700 m langen Erdwall (Sachsenwall genannt), der fast die gesamte Kuppe des Marienberges umschließt. Unter Berücksichtigung der Hanglage erreicht der Wall noch heute stellenweise eine Höhe von 6 Metern und eine Breite von 10 bis 15 Metern. An besonders gefährdeten Stellen wurde dem Wall ein Graben vorgelagert. Die Ausgangslage zum Bau der Wallburg war auf der Bergkuppe günstig, da die Südwestseite durch die Sachsenschlucht und die Südseite durch einen natürlichen Steilhang gesichert war, den man nur geringfügig nachzuarbeiten brauchte. Eine archäologische Untersuchung des Walles hat bisher nicht stattgefunden, so dass keine gesicherten Angaben zu seinem Aufbau und seiner Entstehungszeit gemacht werden können. Wie andere Anlage in der Umgebung dürfte es sich um eine Fliehburg gehandelt haben, die bei Gefahr der Bevölkerung mit ihrem Hab und Gut, einschließlich des Viehs, Zuflucht bieten konnte. Die Wasserversorgung konnte durch eine Quelle gesichert werden, die sich am östlichen Wallabschnitt befindet und dort durch eine Lücke nach außen in den Sachsenhain abfließt.

Nach der Veröffentlichung von J. H. Müller aus dem Jahr 1893 wurden beim Durchbruch des Walles für die nördliche Zufahrt zum Schloss bronzezeitliche Funde gemacht, darunter das Bruchstück einer Schwertklinge.[2]

Wappen von Nordstemmen

Dieses Fundstück inspirierte die Gemeinde Nordstemmen 1939 in der Zeit des Nationalsozialismus zu dem Nordstemmer Wappen. Wilhelm Barner schrieb im Jahr 1940 am Anfang des Zweiten Weltkrieges "Die Gemeinde Nordstemmen benutzte dieses so prachtvolle Zeichen der Wehrhaftigkeit ihrer Vorfahren, um es in Schild und Siegel in sinnvoller Weise sprechen zu lassen" und beschrieb das Wappen so: "In goldenem Schild ein roter Pfahl, belegt mit einem gestürzten goldenen Schwert der Bronzezeit."[3]

August Kreipe schrieb 1926: Innerhalb der alten Schanzfeste auf dem Marienberge befand sich im Mittelalter ebenfalls eine Burg. Grupen, der mit großem Fleiß unsere vaterländische Geschichte erforschte, erzählt: „An dem Adenoyser Berge an der nach Poppenburg hin liegenden Seite sind noch Ruinen einer alten Burg sichtbar, weshalb jener Teil des Berges im Volksmunde ‚Burgberg‘ heißt.“[4] Auch beim Bau des jetzigen Schlosses fand man noch Spuren einstiger Gebäude. Wahrscheinlich hatte die Dynastenfamilie der Herren von Adenoys (1150–1320), deren Besitz größtenteils in diesem Winkel des Merstemgaues lag, ein castrum (Burgsitz) errichtet.[5]

Östlich von Schloss Marienburg befand sich im 17. Jahrhundert auf dem Schulenburger Berg mit Blick in Richtung Rössing ein Turmrest der Burgstätte Ordenberg, der auf einer Karte (vermutlich aus der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts) verzeichnet ist.[6]

Im Nordwesten auf der Anhöhe Hohe Warte (Höhe 172,5 m) stand ein spätmittelalterlicher rundlicher Wartturm mit einem auf der Südostseite vorgelagerten Graben und einem 100 m langen und hohen Wall, der auf einem Weg begangen werden kann, sowie alte südwestliche Befestigungen.

Der Graben wurde seit 1857 für die Marienburg als Modernes Wasserreservoir genutzt. Deshalb ist es möglich, dass dieser Graben und die Wallanlagen, die den Graben umgeben, im 19. Jahrhundert errichtet wurden. Am Hang oberhalb des Wasserreservoirs befand sich im Jahr 1898 neben der Waldgaststätte Marienberg ein Aussichtsturm, von dem Teile des Fundamentes noch erhalten sind.[7] Die Anhöhe Hohe Warte ist ein Trigonometrischer Punkt. Nach dem Zweiten Weltkrieg stand dort vorübergehend ein hoher Mast, der die Bäume überragte und der der Vermessung diente; in der umliegenden Feldmark und auf Kirchtürmen (beispielsweise in Adensen) wurden seinerzeit weitere Trigonometrische Punkte angelegt und markiert.

Außenanlagen von Schloss Marienburg[Bearbeiten]

Südostansicht von Schloss Marienburg um 1864, Aquarell von H. Kretschmer
Blick auf den Südflügel von Schloss Marienburg. Die Postkarte entstand um 1920 in dem "Verlag Albert Alves". Die dafür verwendete kolorierte Radierung könnte aber am Anfang des letzten Drittel des 19. Jahrhunderts entstanden sein.
Hauptartikel: Schloss Marienburg

Das für den Bau von Schloss Marienburg vorgesehene rund 30 Morgen große Waldgrundstück am Südwesthang des Schulenburger Berges wurde von dem Ingenieurmajor Witte ausgewählt und Anfang des Jahres 1857 von dem Ackermann Rössing und dem Höfling Ziesenitz angekauft. Zum Geburtstag am 14. April 1857 übertrug König Georg V. von Hannover den Schulenburger Berg und das darauf zu erbauende Schloss in einer Schenkungsurkunde seiner Gemahlin, der Königin Marie, als Privateigentum. Das Schloss sollte als ländliche Sommerresidenz, Jagdschloss und späterer Witwensitz dienen.

Die Königin Marie plante ihr „Eldorado“ in Form einer mittelalterlichen, gotischen Höhenburg in romantischer Lage weit über dem Leinetal. Dafür war das in Aussicht genommene Grundstück bestens geeignet. Es lag in der Nähe des ehemaligen Stammhauses der Welfen, der Burg Calenberg, und befand sich dicht bei dem vor kurzem gebauten Bahnhof Nordstemmen, in dem der königliche Salonwagen nach der Bahnfahrt untergestellt werden durfte. Außerdem bot es sich an, dass die Höhenburg in die bereits vorhandene Ringwallanlage hineingebaut wurde, und der Abhang zur Leine hin konnte dank eines Steinbruches so schroff abgetragen werden, dass die Marienburg vom Leinetal aus wie eine mittelalterliche Festung aussehen musste. In dem zu einer wilden Schlucht vertieften Steinbruch sollte schließlich ein romantischer Wasserfall unter einer Zugbrücke in die Leine hinabstürzen. Günstig war auch, dass der Marienberg ein sagenumwobener Ort war, der – wie es hieß – von Zwergen bewohnt war, denen die Königin an den Zufahrten und Ausfahrten des Schlosses kleine Denkmale setzen konnte.

Das Schloss Marienburg wurde in den Jahren 1857 bis 1867 von den Architekten der Hannoverschen Architekturschule Conrad Wilhelm Hase und Edwin Oppler erbaut. Der Hofgarteninspektor Schaumburg legte die Außenanlagen von Schloß Marienburg im Stil eines englischen Landschaftsgartens an. Innerhalb des Ringwalls entstanden verschlungene Wege, künstliche Felsformationen, Steintreppen und ein künstlicher Wasserfall, der die Schlucht hinabstürzen sollte. Die Gartenanlagen wie der Prinzessinnengarten vor dem Westflügel und der Garten unterhalb der Terrasse besaßen Blumengärten mit Beeten, die von der schloßeigenen Gärtnerei gepflegt wurden.

Denkmal an der Ernst-August-Eiche

Die Pferde erhielten einen runden Reitplatz im südlichen Bereich des vorderen Parkplatzes. In der Nähe des Reitplatzes befand sich auf dem Gelände des hinteren Parkplatzes eine Gärtnerei mit dem Gärtnerhaus. Der Förster bewohnte das Schweizerhaus südwestlich des Schlosses. Diese beiden Gebäude waren bis etwa 1970 bewohnt. Danach standen sie einige Zeit leer, bis sie abgerissen wurden. Die Fundamente und ein Stück der Mauer des Schweizerhauses waren im Jahr 2008 noch erhalten.

Das Schloss ist von König Georg V. nach der Fertigstellung nicht bewohnt worden, da er 1866 wegen des verlorenen Krieges gegen Preußen nach der Schlacht bei Langensalza zusammen mit seinem Hofstaat ins österreichische Exil fliehen musste. Er lebte dort mit seinem Sohn Ernst August und seiner Tochter Friederike im Wiener Vorort Hietzing in der Villa Hügel, die dem Herzog von Braunschweig gehörte. Am 24. Juli 1867 verließ auch die Königin Marie mit ihrer Tochter Mary das Schloss Marienburg und folgte ihrem Mann ins österreichische Exil. Zur Erinnerung an die Flucht von Kronprinz Ernst-August wurde im Jahr 1866 im Buchenwald im Norden des Marienberges neben dem Waldweg auf einem aufgeschütteten Plateau die Ernst-August-Eiche gepflanzt. Auf dem runden bemoosten Gedenkstein vor der mächtigen Eiche steht die verwitterte Inschrift: Kronprinz Ernst-August – Gepflanzt 1866. Die ursprüngliche Wegführung ist im 20. Jahrhundert südlich der Ernst-August-Eiche verändert worden. Von dem vorderen Parkplatz führt jetzt ein Waldweg unterhalb der ehemaligen Waldgaststätte Marienberg und oberhalb der Autostraße in Richtung Norden zu der Ernst-August-Eiche hin. Reste von alten elektrischen Straßenlampen zeigen, dass bestimmte Waldwege des Marienberges nachts beleuchtet wurden.

Waldgaststätte Marienberg[Bearbeiten]

Die Waldgaststätte Marienberg.
Das Marienbergfest des Heimatbundes Niedersachsen am 1. Juli 1967 vor der Waldgaststätte Marienberg.
Blick im Jahr 1932 von der Waldgaststätte Marienberg in das Leinetal.

An der Nordostseite der Hohen Warte stand die große Waldgaststätte Marienberg[8] mit tausend Plätzen, die von dem Schulenburger Gastwirt und Waldbesitzer Albert Alves noch vor der Grundsteinlegung der Marienburg auf eigenem Grund und Boden gebaut wurde. Für die Trinkwasserversorgung führte eine Wasserleitung aus dem Dorf Schulenburg zu einem Wassertank, der seinen Platz oberhalb der Gaststätte auf der Bergspitze der Hohen Warte fand. Die Waldgaststätte wurde am Pfingstsonntag 1857 mit einem Militärkonzert eröffnet. Albert Alves gründete den Verlag A. Alves, in dem er Postkarten veröffentlichte, die er in seiner Waldgaststätte Marienberg verkaufte. Einige dieser Postkarten werden hier gezeigt.

Ursprünglich bestand die Waldgaststätte nur aus einem aus Holz gebauten rechteckigen Saal mit einem langen Tresen und einem Wintergarten, der den Blick nach Osten über den jungen Buchenwald zur Marienburg und auf das Leinetal freigab. Später wurden an diesen Saal im Süden eine zum Raum hin offene Konzertmuschel und im Norden ein mehrstöckiges Gasthaus angebaut, das die Wirtswohnung, Fremdenzimmer und Gasträume enthielt. Vor dem Gasthaus befand sich ein Musikpavillon mit einer prächtigen Baumkulisse und eine große Tanzfläche, von der zum Gasthaus hin Steintreppen zu zwei Terrassen hinaufstiegen, die im Sommer als Biergärten genutzt wurden.

Bei den Söhnen und Töchtern der Landwirte in Südniedersachsen war die Brautschau am Pfingstdienstag beliebt, bei der sich viele Ehepaare kennengelernt haben. Im Volksmund hieß es scherzhaft, beim Heiratsmarkt seien regelmäßig sämtliche Büsche im Marienberg verpachtet worden.

Eine Attraktion für Kinder war der südlich gelegene Vergnügungspark mit Karussell und weiteren Spielgeräten sowie ein Tierpark mit den Volieren und einem Esel, der die Lebensmittel im Eselswagen zur Waldgaststätte heraufbrachte. Die Betonfundamente des Karussells sind noch vorhanden.

Die Waldgaststätte Marienberg hielt für ihre Gäste über tausend Sitzplätze bereit. Deshalb fanden hier oft überregionale Veranstaltungen statt. Beispielsweise führte hier die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Hannovers am 8. September 1935 ihren 10. Jugendtag durch.

In den Jahren 1934 bis 1939 und 1947 bis 1974 fanden nach der Heuernte um den Johannistag herum in der Waldgaststätte Marienberg die Marienbergfeste mit der Jahreshauptversammlung des Heimatbundes Niedersachsen (HBN) statt. Diese Marienbergfeste wurden im Dritten Reich von bis zu 1.000 Gästen und in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg von bis zu 3.000 Gästen besucht.

In der Eröffnungsveranstaltung des Jahres 1934 betonte der Vorsitzende Walther Lampe in seinem Grußwort die Eigenständigkeit der Arbeit des Heimatbundes mit den Worten, „dass der Heimatbund nur eine einzige Aufgabe kenne, nämlich die, unter seinen Mitgliedern die Kunde von der Heimat zu vertiefen, mit ihnen im Dienste der Heimat zu stehen und die Liebe zur Heimat zu wecken. “[9] Aber seit 1935 wurden die Marienbergfeste in zunehmender Weise von den Nationalsozialisten okkupiert und für die NS-Propaganda missbraucht. 1938 war die nationalsozialistische Gleichschaltung erreicht, und der Kreisleiter Albert Kopprasch sprach als Hauptredner über das Thema „Nationalsozialismus und Heimatpflege“.

Im Zweiten Weltkrieg beschlagnahmte die Luftwaffe Hannover die Waldgaststätte Marienburg. In der Standortgebührnisstelle der Luftwaffe Hannover arbeiteten rund 100 Personen. Großhandlungen hatten sich hier Auslagerungsräume für ihre Waren besorgt. Ein Teil des großen Saales wurde Auslagerungsraum der Firma Hanomag in Hannover, die Zigarettenfirma Reemtsma hatte den Seegerschen Saal belegt.[10]

Nach dem Zweiten Weltkrieg standen Vorträge über den Bauernstand, den Lärmschutz, die Umweltverschmutzung und den Umweltschutz im Mittelpunkt der Marienbergfeste. Zu den regelmäßig wiederkehrenden Themen gehörten Heimat, Heimatgefühl, Heimatschutz, Heimatpflege und die Verantwortung für die Mitgestaltung der Heimat. Die Vorträge wurden umrahmt von plattdeutschen Lesungen und dem Gesang von Volksliedern, von Vorführungen der Volkstanzgruppen und dem allgemeinen Tanz am Abend.

Zu den prominenten Gäste der Marienbergfeste gehörten die Ministerpräsidenten Hinrich Wilhelm Kopf und Heinrich Hellwege, die Regierungspräsidentin Theanolte Bähnisch, der Hildesheimer Bischof Heinrich Maria Janssen sowie die Herzogin Victoria Luise und ihr Sohn Ernst August IV. Die Ortswahl der Marienbergfeste und die Anwesenheit von Vertretern des Welfenhauses zeigten nach Waldemar R. Röhrbein, dass der Heimatbund Niedersachsen seinerzeit nicht frei war von „monarchistischen Sehnsüchten“.

Die Feuerwehrkapelle der Freiwilligen Feuerwehr Nordstemmen (ab 1971 Blasorchester Nordstemmen und ab 1993 Blasorchester Nordstemmen von 1883 e. V.) führte ihre jährlichen Oster- und Pfingstkonzerte im Saal der Waldgaststätte Marienberg oder draußen im Freien durch. Seit dem Jahr 1958 gab es zusätzlich jährliche Wertungskonzerte zusammen mit anderen Musikzügen bzw. Orchestern, bei denen die Feuerwehrkapelle der Freiwilligen Feuerwehr Nordstemmen jeweils einen der vordersten Plätze belegen konnte.[11]

Am Ostersonntag 1976 führte die Feuerwehrkapelle in der Waldgaststätte Marienberg ihr Osterkonzert auf. In der folgenden Nacht zum Ostermontag, den 19. April 1976, brach dort ein Feuer aus. Die Brandbekämpfung erwies sich als äußerst schwierig, weil Teile der Gebäude aus Holz erbaut waren und weil die Feuerwehrschläuche im Dunkel der Nacht bis zur Leine hin verlegt werden mussten. Gegen vier Uhr wurde die Waldgaststätte Marienberg mit den hier gelagerten Musikinstrumenten durch das Großfeuer zerstört. Der Bauschutt wurde später fortgeräumt, aber die Sandsteintreppen, die über zwei Terrassen zur Gaststätte hinaufführten, sind ebenso erhalten wie die Zufahrtsstraße, die Stützmauern der Terrassen, der Wassertank, die Kläranlage und ein Hinweisschild zum „Schlossmuseum“. Der Vorschlag von Ernst August IV., die Waldgaststätte Marienberg auf dem Gelände der früheren Gärtnerei am Schloss Marienburg wieder aufzubauen, ließ sich wegen der Kosten für eine große Kläranlage nicht verwirklichen. Heute befindet sich auf dem Gelände der früheren Gärtnerei der hintere Parkplatz des Schlosses Marienburg.

Sage von den Zwergen im Marienberg[Bearbeiten]

Der Radabweiser am Eingangstor der Marienburg zeigt den König der Zwerge mit seinem Geschenk

Ein Musikant aus Elze musste einst bei einer Hochzeit in Jeinsen zum Tanz aufspielen. Anschließend wankte er betrunken heimwärts.

Am Fuß des Marienbergs fiel er ins Gebüsch und schlief ein.

Da weckte ihn ein wundersamer Gesang, der aus einer Höhle herausschallte. Als er in den Marienberg hineinging, erblickte er einen großen Saal, der von lauter Gold und Silber glänzte. Dort sangen die Zwerge und tanzten dazu. Der König der Zwerge kam und bat ihn, den Zwergen zum Tanz aufzuspielen. Flugs griff er nach seiner Geige und spielte lange, und die Zwerge tanzten und tanzten.

Am Ende hielt der Zwergenkönig ein Geschenk in seiner Hand, steckte es dem Musikanten in die Tasche und sagte: Fasse nicht eher in die Tasche, als bis du bei deiner Familie angekommen bist; dann wirst du ein reicher Mann.

Auf dem Heimweg nach Elze merkte der Musikant, dass seine Tasche schwer und immer schwerer wurde. Aber er bezwang seine Neugier und griff nicht in seine Tasche hinein.

Als er am Stadttor von Elze angekommen war, pöbelte er den Torwächter an: Mit meck kannste deck doch nich mäten. Eck kann jetzt ganz Elze köpen. Als der Torwächter ihn auslachte, griff der Musikant in seine Tasche, um seinen Goldschatz zu zeigen. Wie er aber die Hand aus der Tasche zog, hatte er nur ein paar Roßäpfel darin.[12]

Ein Radabweiser in der Marienburg zeigt den König der Zwerge mit seinem Geschenk.

Literatur[Bearbeiten]

Weitere Literaturangaben befinden sich bei den Einzelnachweisen.

Karten zur Vorgeschichte[Bearbeiten]

  • Geländeaufnahme 1:2500 Die Marienburg bei Nordstemmen durch Studenten der Technischen Hochschule Hannover im Juli 1960. Feldvergleich und Ergänzungen durch H. Weber im Mai 1984. In: Flurnamenkarte 1:10.000 Blatt 5/2 Alferde, Landkreis Hannover o. J. (nach 1984).
  • Geländeaufnahme 1:3125 von A. Umlauff, Herbst 1895, Blatt XXXII Ringwall der Marienburg bei Nordstemmen. Siehe auch die Seiten 11, 14 und 50. In: Atlas vorgeschichtlicher Befestigungen in Niedersachsen. Original-Aufnahmen und Ortsuntersuchungen bearb. von August von Oppermann und Carl Schuchhardt. Hannover 1888–1916.

Geologie des Marienberges[Bearbeiten]

  • Manfred Boetzkes (Hrsg.): Welten in Vitrinen. Die Sammlung des Römer-Museums in Hildesheim. Faksimile des Sammlungsführers von 1914. S. 7+8 mit Abbildungen. Römer-Museum, Hildesheim 1994.
  • Jochen Lepper, Michael Szurlies: Steinbrüche und Straßenanschnitt im Buntsandstein an der Marienburg. In: Bericht der Naturhistorischen Gesellschaft Hannover. 143 (2001) S. 1-7. Hannover 2001. - ISSN 0365-9844.
  • Jochen Lepper, Michael Szurlies: Der Untere und Mittlere Buntsandstein in den Aufschlüssen an der Marienburg (Leinebergland). In: Bericht der Naturhistorischen Gesellschaft Hannover. 143 (2001) S. 9-18. Hannover 2001. - ISSN 0365-9844.

Vorgeschichte des Marienberges[Bearbeiten]

  • W. Netzel: Vor- und frühgeschichtliche Befestigungen im Großraum Hannover Schriftenreihe zur Heimatkunde, herausgegeben vom Kreislehrerverein Hannover-Land Nr. 10/11, 1968. Seite 21
  • Hans-Wilhelm Heine: Die Befestigungen auf dem Marienberg bei Schulenburg in: Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern, Band 49, Teil II Exkursionen, Mainz 1981, Seite 198
  • Hery A. Lauer: Archäologische Wanderungen in Südniedersachsen. Ein Führer zu Sehenswürdigkeiten der Ur- und Frühgeschichte. Band III. Verlag H. Lauer, Angerstein 1988, Seite 60

Sagen und Märchen vom Marienberg[Bearbeiten]

  • Wilhelm Barner: Hoike. Sagen und Erzählungen aus dem Land zwischen Hildesheimer Wald und Ith. Schriftenreihe des Heimatmuseums Alfeld Nr. 7. Alfeld o. J. (1960). S. 24f, 119 und 162.
  • Isabel Arends, Hrsg. Ernst August Prinz von Hannover: Märchen für die Königin. Zauberhaftes aus Kunst und Geschichte im Schloss Marienburg. MatrixMedia Verlag, Göttingen 2013. ISBN 978-3-932313-50-9

Die Marienbergfeste des Heimatbundes[Bearbeiten]

  • Waldemar R. Röhrbein: Die Marienbergfeste. In: Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.): Heimat bewahren, Heimat gestalten. Beiträge zum 100jährigen Bestehen des Heimatbundes Niedersachsen. Hannover 2001. Seiten 108-113.
  • Heinz-Siegfried Strelow: "Heerschau" der niedersächsischen Heimatpflege. Zur Geschichte der Marienbergfeste des Heimatbundes Niedersachsen. In: Heimatland. Zeitschrift für Heimatkunde, Naturschutz, Kulturpflege. Mit ständigen Berichten und Bildern aus dem Historischen Museum am Hohen Ufer Hannover. Hrsg.: Heimatbund Niedersachsen e.V., Hannover. Hannover 2005, S. 38 - 40.

Archive[Bearbeiten]

  • Niedersächsisches Hauptstaatsarchiv Dep. 103 (historische Dokumente zum Bau der Marienburg)
  • Archiv der Marienburg (fast 2000 Bauzeichnungen mit Vorskizzen, Entwürfen und Werkzeichnungen)
  • Stadtarchiv Hannover (Nachlass des Architekten Edwin Oppler mit über 100 Zeichnungen zum Ausbau der Marienburg, Fotografien und seinen Veröffentlichungen während der Bauzeit der Marienburg)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. August Kreipe schreibt im Jahr 1926 a.a.O. Seite 4, dass noch die Reste von 4 Hügelgräbern erkennbar seien, und fügt hinzu: eine größere Anzahl wird dort eingeebnet sein. Die Geologische Wanderkarte Leinebergland, Hannover 1989 (2. Auflage) spricht von 9 Grabhügeln.
  2. Quelle: Andrea Moser: "Die archäologischen Fundstellen und Funde im Landkreis Hannover." Katalog. Hannover 1998, Seite 334, Nr. 2745.
  3. Quelle: Wilhelm Barner: Wappen und Siegel des Kreises Alfeld, Hildesheim 1940 und 1953².
  4. Siehe Burchard Christian von Spilcker: Beiträge zur Geschichte der edlen Herren von Adenoys. In: Vaterländisches Archiv für Hannoverisch-Braunschweigische Geschichte Jahrgang 1833, Bd. I., Seite 4. Als Quelle nennt Spilcker das handschriftliche Manuskript De Dynastia et Nobilibus Dominis de Adenois von Grupen, das er in dem Tom. II. de Comitibus der Bibliothek des Königlichen Oberappellationsgerichtes in Celle eingesehen hat.
  5. August Kreipe: Historische Gedenkmale im Leinetal von Elze bis Alt-Calenberg Gerstenberg, Hildesheim 1926, Seite 9.
  6. Quelle: Niedersächsisches Hauptstaatsarchiv Hannover, Karte 22f Bordstemmen 2pm.
  7. Der Aussichtsturm ist auf der Karte der Preußischen Landesaufnahme von 1898 (TK 25, Blatt 3824 Elze) angegeben.
  8. Frühere Namen der Waldgaststätte Marienberg waren "Restaurant Tivoli" (1904) und "Waldwirtschaft Marienberg" (1930).
  9. Jahresbericht des Heimatbundes Niedersachsen 1934, Seite 3.
  10. Quelle
  11. Quelle.
  12. Kurzfassung einer Sage aus der Sagensammlung von Wilhelm Barner: Hoike. Sagen und Erzählungen aus dem Land zwischen Hildesheimer Wald und Ith. Schriftenreihe des Heimatmuseums Alfeld Nr. 7. Alfeld o. J. (1960). S. 24f.

Weblinks[Bearbeiten]

52.1727777777789.7661111111111Koordinaten: 52° 10′ 22″ N, 9° 45′ 58″ O