Pattensen

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Dieser Artikel behandelt die Stadt Pattensen in der Region Hannover, zum Winsener Ortsteil Pattensen siehe Pattensen (Winsen)
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Pattensen
Pattensen
Deutschlandkarte, Position der Stadt Pattensen hervorgehoben
52.2666666666679.766666666666763Koordinaten: 52° 16′ N, 9° 46′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Region Hannover
Höhe: 63 m ü. NHN
Fläche: 67 km²
Einwohner: 13.834 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 206 Einwohner je km²
Postleitzahl: 30982
Vorwahlen: 05066, 05069, 05101, 05102
Kfz-Kennzeichen: H
Gemeindeschlüssel: 03 2 41 013
Adresse der
Stadtverwaltung:
Auf der Burg 1-2
30982 Pattensen
Webpräsenz: www.pattensen.de
Bürgermeister: Günther Griebe (parteilos)
Lage der Stadt Pattensen in der Region Hannover
Region Hannover Niedersachsen Wedemark Burgwedel Neustadt am Rübenberge Burgdorf Uetze Lehrte Isernhagen Langenhagen Garbsen Wunstorf Seelze Barsinghausen Sehnde Hannover Gehrden Laatzen Wennigsen Ronnenberg Hemmingen Pattensen Springe Landkreis Hameln-Pyrmont Landkreis Schaumburg Landkreis Nienburg/Weser Landkreis Heidekreis Landkreis Celle Landkreis Peine Landkreis Gifhorn Landkreis HildesheimKarte
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Pattensen ist eine Kleinstadt in der Region Hannover südlich der Stadt Hannover in Niedersachsen und gehört zum Calenberger Land. Es ist die kleinste Gemeinde in dieser Region und in seiner wirtschaftlichen Nutzung landwirtschaftlich geprägt. Viele der Bewohner sind Pendler in den Wirtschaftsraum Hannover.

Geografie[Bearbeiten]

Pattensen grenzt im Uhrzeigersinn, beginnend im Südwesten, an Springe, Hemmingen und Laatzen (Region Hannover), sowie an Sarstedt und Nordstemmen (Landkreis Hildesheim). Der Ort liegt in der historischen Landschaft des Calenberger Landes und innerhalb der Calenberger Lössbörde mit fruchtbaren Ackerböden.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Zu Pattensen gehören die Stadtteile Hüpede, Jeinsen, Koldingen, Oerie, Pattensen-Mitte, Reden, Schulenburg und Vardegötzen. und die Ortslage Thiedenwiese.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Gebiet um Pattensen wurde in frühen Zeiten von Cheruskern und später Sachsen bewohnt. Aus dieser Zeit stammt noch die Stammeseinrichtung des Gaugrafen, den Pattensen schon recht früh bekam. Auf dem Schulenburger Berg im Süden des heutigen Stadtgebietes findet sich noch der Wall eines alten Befestigungswerks, das von Cheruskern und Sachsen als Fluchtburg vor den Römern bzw. Franken genutzt worden sein könnte. Im 9. Jahrhundert wurde in Pattensen bereits eine Urpfarrei gegründet. In Jeinsen haben Ausschachtungen ergeben, dass sich zu der Zeit bereits ein Gebäude dort befand, wo heute die St.-Georgs-Kirche (12. bis 13. Jahrhundert) steht. Anfang des 11. Jahrhunderts findet man bereits urkundliche Erwähnungen der heutigen Stadtteile Hüpede (Hupida), Oerie (Oride), Thiedenwiese (Tiadikashem) und Vardegötzen (Fritegotessin).

Doch erst im ausgehenden 12. Jahrhundert erhält die Bürgerschaft die ersten Stadtrechte, als die Grafen von Hallermund eine Burg zur Überwachung der Handelswege erbauten. An dieser Stelle befindet sich heute das Rathaus. Mit den Welfenherzögen bekommt Pattensen im 13. Jahrhundert dann schließlich vollwertige Stadtrechte, woraufhin stadtübliche Wehranlagen errichtet werden. 1928 wurde eine Münze gefunden, die belegt, dass Pattensen schon zu Beginn des 13. Jahrhunderts ein wichtiger Handelsplatz war. 1227 wird das Rittergut Reden erstmals erwähnt. Nur wenige Jahrzehnte später errichtet Otto der Strenge in Schulenburg die Feste Calenberg, von der das Umland seinen Namen hat. Die Feste wurde gegen die Bischöfe von Hildesheim errichtet und diente lange Zeit als Residenz und Verwaltungssitz der welfischen Herzöge.

Schloss Coldingen (um 1900)

1353 wird erstmals das Schloss Coldingen erwähnt, das zum Ende des 14. Jahrhunderts an die Bischöfe von Hildesheim fällt, die es schließlich zum Amtsschloss umbauen. Coldingen lag im Grenzgebiet zwischen dem Hochstift Hildesheim und den Welfischen Territorien und war somit stets Anlass für Querelen.

Pattensen stieg zum Archidiakonat auf und erreichte schließlich seinen religiösen Höhepunkt zur Zeit der Reformation, als Antonius Corvinus als Landessuperintendent (auch Jeinsen war Sitz einer Superintendentur) hier seinen Amtssitz hatte. Die erste große Kirchensynode des Landes fand hier statt, bis Corvinus Mitte des 16. Jahrhunderts für drei Jahre in der Feste Calenberg eingekerkert wurde, als die Gegenreformation Einzug erhielt.

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde Pattensen gleich drei Mal in der Hildesheimer Stiftsfehde erobert und niedergerissen. Dabei geht eine ältere Wasserburg auf dem Gelände des Gutshofes in Hüpede verloren. 1523 wird Coldingen wieder welfisch, bleibt Amtssitz und erhält einen neuen Bezirk, der Mitte des 17. Jahrhunderts auf Kosten des Amts Calenberg vergrößert wird und bis 1852 Bestand hat. Noch verheerender waren die Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges, während dem das Calenberger Land vier Mal geplündert und unter anderem die Feste Calenberg zerstört wurde. Während dieser Zeit gilt Pattensen noch als wichtiger Versammlungsort vieler Landtage und verliert erst an Bedeutung, als der Sitz des Herzogs Georg von Calenberg nach Hannover verlegt wird.

Beinahe bezeichnend für Pattensen sind die großen Brände. Die verheerendsten fanden 1655 und 1733 statt. Ihnen fielen weit über 100 Wohnhäuser, 200 beziehungsweise 144 Scheunen und Ställe zum Opfer. Beim letzten Brand fanden 16 Menschen den Tod.

Zwischen 1857 und 1866 wurde das Schloss Marienburg auf dem Schulenburger Berg im Süden des heutigen Stadtgebietes errichtet. Das Schloss diente der Frau des Königs Georg V. von Hannover, Marie, als Sommerresidenz.

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren zeitweise über dreißig Prozent der Einwohner Pattensens Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten. Für die Katholiken unter ihnen wurde 1953 die Kirche St. Maria gebaut.

Bis zum 31. Dezember 2004 gehörte Pattensen zum ehemaligen Regierungsbezirk Hannover, der wie alle anderen niedersächsischen Regierungsbezirke aufgelöst wurde.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. März 1974 wurden die Gemeinden Hüpede, Jeinsen, Koldingen, Oerie, Reden, Schulenburg (Leine) und Vardegötzen eingegliedert.[2]

Politik[Bearbeiten]

Rat der Stadt[Bearbeiten]

Seit der Kommunalwahl am 11. September 2011 setzt sich der Rat der Stadt wie folgt zusammen:

Partei / Liste Sitze
CDU 10
SPD 10
UWG/UWJ-Gruppe 4
GRÜNE 2
Bündnis für Bürger Wählergemeinschaft 1
Freie Wähler 2

Zusätzlich gehört dem Rat der Bürgermeister an.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Pattensen unterhält eine Städtepartnerschaft mit Saint-Aubin-lès-Elbeuf (Normandie). Zudem gibt es patenschaftliche Verbindungen nach Wilkszyn-Pisarzowice (Wilxen-Schreibersdorf) und Karpniki (Fischbach in Schlesien), beide in Polen (Schlesien).

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

In Pattensen ist das Briefzentrum 30 der Deutschen Post AG angesiedelt.

Verkehr

Die Buslinien 300, 310, 320, 340, 341, 365, 366 und N31 des Großraum-Verkehrs Hannover bedienen in den Ortsteilen Pattensens zusammen 30 Haltestellen. Sie stellen die Binnenerschließung Pattensens sicher und bieten Fahrmöglichkeiten zu umliegenden Gemeinden und ins Zentrum Hannovers.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Altstadt[Bearbeiten]

Teile der Pattenser Altstadt wurden nach dem großen Brand von 1733 einheitlich neu aufgebaut. Statt der bis dahin vorherrschenden Giebelhäuser gibt es nun bis heute vor allem zweigeschossige traufständige Fachwerkhäuser. Besonders gut erhalten sind diese in der Dammstraße und am Marktplatz.

Kirchen[Bearbeiten]

Pattensen ist Sitz der Superintendentur im evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Laatzen-Springe des Sprengels Hannover. Dazu gehört in Pattensen die Stadtkirche St. Lucas am Corvinusplatz. Sie wurde um 1400 von einer dreischiffigen Basilika in eine Hallenkirche umgewandelt. Seit eines erneuten Umbaus 1801/1802 ist sie nun ein großer Saalraum, nur die Umfassungswände sind von der Hallenkirche erhalten geblieben.

Die katholische Kirche St. Maria am Ostlandplatz wurde 1953 erbaut. Seit 2006 gehört die Kirche zur Pfarrgemeinde St. Augustinus in Hannover-Oberricklingen.

Eine Neuapostolische Kirche befindet sich an der Straße „Lange Heese“, ihre Gemeinde gehört zum Kirchenbezirk Hannover-Südwest.

Alte Wache[Bearbeiten]

1838 wurde die Alte Wache anstelle der alten Steintorwache errichtet.

Weitere Bauwerke[Bearbeiten]

Auch die Leinebrücke „Zum Calenberg“ (1751), das Schloss Marienburg, das Koldinger Amtshaus (1593) und die Ruine der Feste Calenberg zählen zu Pattensens Sehenswürdigkeiten.

Vereine[Bearbeiten]

  • TSV Pattensen
  • SV Pattensen
  • MSC Pattensen 1928 e. V. im ADAC
  • Rettungsring e.V. Verein zur Förderung des örtlichen Hallen- und Freibades
  • Opel Club Pattensen e.V. seit 1997
  • Musikverein Pattensen von 1890

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Anton Corvinus (* 1501 in Warburg; † 5. April 1553 in Hannover), Reformator, 1542–1553 Pfarrer in Pattensen und General-Superintendent des Fürstentums Braunschweig-Calenberg
  • Johann Georg Conrad Oberdieck (* 30. August 1794 in Wilkenburg; † 24. Februar 1880 in Herzberg am Harz), evangelischer Pfarrer in Jeinsen und einer der bedeutendsten deutschen Pomologen des 19. Jahrhunderts
  • Per Mertesacker * 29. September 1984 in Hannover, Fußballspieler, Mitglied der Nationalmannschaft
  • Carl Bernhard Garve, 1763–1841, evangelischer Theologe und Kirchenlieddichter
  • Klaus Heuermann, * 5. März 1970 in Bremerhaven, Jazzgeiger, Jazzbratscher und Jazzgitarrist, wohnt in Pattensen

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Eckard Steigerwald: Pattensen. Zur Geschichte und Entwicklung einer Kleinstadt. Herausgabe und Vertrieb: Stadt Pattensen 1986.
  • Eckard Steigerwald: Pattensen. Zur Geschichte und Entwicklung der Dörfer (bis Ende des 16. Jahrhunderts). Herausgabe und Vertrieb: Stadt Pattensen 1986.
  • Ulrich Fliess: Volkskundliche Abteilung. Ausstellungskatalog des Historischen Museum am Hohen Ufer Hannover II. Hannover 1972. Seite 153f: „Trachtenmützen“ und Abbildung auf der Tafel 27: „Frauenmütze aus Pattensen“ aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pattensen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, Fortgeschriebene Einwohnerzahlen zum 31. Dezember 2012 (Hilfe dazu)
  2.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. Mai 1970 bis 31. Dezember 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 202.