Michael Kohlhaas

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Dieser Artikel beschreibt die Novelle. Für den Film von 1969 siehe Michael Kohlhaas – der Rebell, für jenen von 2013 Michael Kohlhaas (Film).
Beginn der Erzählung
im Novellenband von 1810

Michael Kohlhaas ist eine Novelle von Heinrich von Kleist. Ein erstes Fragment erschien bereits in der Juniausgabe 1808 von Kleists Literaturzeitschrift Phöbus. In vollständiger Form wurde sie 1810 im ersten Band von Kleists Erzählungen veröffentlicht.

Die Erzählung spielt in der Mitte des 16. Jahrhunderts und handelt vom Pferdehändler Michael Kohlhaas, der gegen ein Unrecht, das man ihm angetan hat, zur Selbstjustiz greift und dabei nach der Devise handelt: „Fiat iustitia, et pereat mundus“ (dt.: „Es soll Gerechtigkeit geschehen, und gehe auch die Welt daran zugrunde!“). Ernst Bloch nannte daher Michael Kohlhaas auch den „Don Quijote rigoroser bürgerlicher Moralität“.[1]

Historisches Vorbild der Figur war Hans Kohlhase.

Hintergrund[Bearbeiten]

Politischer Hintergrund[Bearbeiten]

Um 1800 sorgten sowohl die außenpolitischen Misserfolge (Niederlage im Krieg gegen Napoleon) als auch die unklaren innenpolitischen Verhältnisse (unterschiedliches Verhalten deutscher Fürsten gegenüber Napoleon) für Unzufriedenheit in Preußen. Kleist stellte sich entschieden gegen Frankreich, seine Haltung war reformbestimmt. „Kohlhaas lebt in jenen Dekaden des frühen 16. Jahrhunderts, als sich der absolutistische Staat zu etablieren beginnt, gleichzeitig aber das staatsrechtliche Denken des Mittelalters seinen Einfluss noch nicht verloren hat. Im absolutistischen Staat ist der Selbsthilfe kein Raum mehr gegeben. Das unterscheidet ihn von der mittelalterlichen Gesellschaftsverfassung. Der mittelalterliche Sachsenspiegel drückte nicht nur das Recht, sondern gar die Pflicht des Einzelnen aus, die ungesetzlichen Handlungen der Obrigkeit zurückzuweisen. Von hier aus gesehen, kann man sagen, dass in Kleists Kohlhaas mittelalterliche und frühabsolutistische Rechtsvorstellungen miteinander im Streit liegen.“[2] Seine rechtlich-politischen Forderungen brachte er in seinem Kohlhaas zum Ausdruck, ohne dabei politischer Agitation verdächtigt zu werden.

Der historische Kohlhaas[Bearbeiten]

Hauptartikel: Hans Kohlhase

Im 19. Jahrhundert verarbeitete Heinrich von Kleist die Geschichte von Hans Kohlhase in der Novelle Michael Kohlhaas. Dabei blieb er in der Schilderung der Ereignisse jedoch nicht authentisch, da ihm die Untersuchungsakten von 1539 nicht zugänglich waren. Hans Kohlhase lebte im 16. Jahrhundert als Kaufmann im brandenburgischen Cölln an der Spree. Am 1. Oktober des Jahres 1532 begab er sich auf eine Reise zur Leipziger Messe. Auf dem Weg dorthin wurden ihm jedoch auf Geheiß des Junkers Günther von Zaschwitz (auch: Zaschnitz) zwei seiner Pferde abgenommen mit der Begründung, er habe sie gestohlen. Kohlhase versuchte, juristisch dagegen vorzugehen. Vergleichsverhandlungen fanden am 13. Mai 1533 auf der Burg Düben statt, führten jedoch zu keiner friedlichen Beilegung des Konfliktes. Ein Grund bestand vor allem darin, dass der Ritter von Zaschwitz inzwischen verstorben war und seine Erben eine angemessene Entschädigungszahlung verweigerten. Aus diesem Grund erklärte Kohlhase 1534 die Fehde und es wird berichtet, daß er Häuser in Wittenberg niederbrannte. Er beging weitere Verbrechen. Schließlich wurde er ergriffen und am 22. Mai 1540 in Berlin öffentlich durch Rädern hingerichtet.

Inhalt[Bearbeiten]

Handlung[Bearbeiten]

Die Personenkonstellation von Michael Kohlhaas

Der im Brandenburgischen lebende, angesehene Rosshändler Michael Kohlhaas reitet mit zum Verkauf bestimmten Reitpferden nach Sachsen. Unterwegs wird er jedoch an der Burg des Junkers Wenzel von Tronka mit der willkürlichen Forderung nach einem Passierschein aufgehalten. Nachdem Kohlhaas in Dresden feststellt, dass es einen solchen Passierschein nicht gibt, erfährt er bei seiner Rückkehr, dass seine beiden als Pfand zurückgelassenen Pferde durch den Einsatz in harter Feldarbeit abgemagert und damit wertlos geworden sind.

Gegen dieses Unrecht reicht Kohlhaas beim Kurfürsten von Sachsen eine Klage ein, die jedoch auf Dringen der Familie von Tronka abgewiesen wird. Weitere Versuche Kohlhaasens, sich Gehör zu verschaffen, enden im Tod seiner Frau. Enttäuscht darüber, dass er auf juristischem Weg keine Gerechtigkeit erfährt, beginnt Kohlhaas nach dem Verlust seiner Frau einen Rachefeldzug gegen den Junker Wenzel von Tronka. Er überfällt die Tronkenburg und tötet alle Bewohner. Den Junker selbst, der als einziger entkommen konnte, verfolgt er mit einem wachsenden Heerhaufen zunächst bis zum Klosterstift Erlabrunn und schließlich bis nach Wittenberg, das er mehrmals in Brand setzt. Einem Gerücht folgend gelangt Kohlhaas schließlich nach Leipzig, das er ebenfalls anzünden lässt. Infolgedessen kommt es zu einem Gespräch mit Martin Luther, der Kohlhaas zuvor öffentlich verurteilt hatte. Nachdem dieser ihm jedoch seine Situation schildert, erwirkt Luther durch eine Bittschrift für Kohlhaas dessen freies Geleit nach Dresden, um die Klage erneut vor Gericht bringen zu können.

In Dresden lebt Kohlhaas zunächst unbehelligt im Schutz des freien Geleits. In der Zwischenzeit haben sich versprengte Reste seines aufgelösten Heerhaufens gesammelt und ziehen raubend und plündernd durch das Land. Ihr Anführer ist Johann Nagelschmidt, der vorgibt, der Statthalter und Vertraute von Kohlhaas zu sein. Tatsächlich aber hatte Kohlhaas diesen wegen verschiedener Gräueltaten hängen lassen wollen. Nur die Entlassung des Haufens aufgrund der Amnestie rettete Nagelschmidts Leben. Kohlhaas kann den Verdacht entkräften, mit Nagelschmidt zu kollaborieren. Bald darauf jedoch bemerkt Kohlhaas, dass er unter Hausarrest steht. Da erreicht ihn ein Bote von Nagelschmidt. Der will ihn aus Dresden befreien und bietet ihm das Kommando über den inzwischen in militärische Bedrängnis geratenen Haufen an. Kohlhaas nimmt dieses Angebot an, jedoch nur, damit er aus Dresden entkommt, um sich „nach der Levante oder Ostindien“ einzuschiffen. Die Behörden haben sowohl die Botschaft als auch die Antwort abgefangen. Dies liefert schließlich den Grund für seine Verhaftung.

Zu der Zeit ersucht der König von Polen, im Streit mit dem Haus Sachsen stehend, den Kurfürsten von Brandenburg, gemeinsam gegen dieses vorzugehen. Nun betreibt der Kurfürst die Sache von Kohlhaas. Um diesen vor weiterem Unrecht zu bewahren, bietet er ihm einen erneuten fairen Prozess an. Der führt zwar zur Verurteilung des Junkers von Tronka auf Schadensersatz, allerdings wird zugleich auch Kohlhaas wegen Landfriedensbruch zum Tode verurteilt.

Kurz vor der Hinrichtung erfährt der Kurfürst von Sachsen, dass sich Kohlhaas im Besitz einer Zigeuner-Prophezeiung befindet. Diese beinhaltet den Namen des letzten Kurfürsten aus seinem Hause, das Datum, wann er sein Reich verlieren werde und den Namen, durch den das Reich ende. Alle Versuche, ihm diese Prophezeiung abzunehmen, scheitern. Auf dem Schafott verschluckt Kohlhaas schließlich den Zettel mit der Prophezeiung und macht ihn so endgültig unzugänglich für den Kurfürsten, der daraufhin einen Nervenzusammenbruch erleidet.

Spannungsfelder[Bearbeiten]

Michael Kohlhaas sieht sich Gegensätzen ausgeliefert, die zum Teil heute noch Bestand haben:

Verschiedene Rechtsauffassungen[Bearbeiten]

Michael Kohlhaas reflektiert den ständigen Konflikt zwischen verschiedenen Rechtsauffassungen, insbesondere denen des Mittelalters und denen der Aufklärung. Kohlhaas selbst scheint sich in seinen Gedanken bzw. Handlungen nahe an denen aufklärerischer Philosophen, beispielsweise John Lockes, zu bewegen. Seine Selbstjustiz könnte dementsprechend als Austritt aus dem Gesellschaftsvertrag gedeutet werden: Nachdem der Staat seiner Pflicht, Gerechtigkeit zu schaffen, nicht nachgekommen ist, nimmt Kohlhaas das Gesetz selbst in die Hand. Kohlhaas: „Verstoßen […] nenne ich den, dem der Schutz der Gesetze versagt ist! […] und wer ihn mir versagt, der stößt mich zu den Wilden der Einöde hinaus; er gibt mir […] die Keule, die mich selbst schützt, in die Hand“.[3]

Auch Kohlhaas’ Rechtsübertretungen lassen sich durch die Philosophie Lockes rechtfertigen, der in „Die natürlichen Rechte des Menschen“ schreibt: „Ein jeder hat somit das Recht, diejenigen, die das Gesetz überschreiten, in dem Maße zu strafen, wie es nötig ist, eine neue Verletzung zu verhindern“. Andererseits stehen Kohlhaas’ Taten in keinem Verhältnis zu dem an ihm verübten Unrecht; insbesondere durch seine Mordbrennereien kommen viele Unbeteiligte und Unschuldige zu Schaden. Bei seinen Gesetzesüberschreitungen spielen neben seinem Rechtsgefühl Faktoren wie z. B. verletzter Stolz oder der Wunsch nach Rache (für seine getötete Frau) eine wesentliche Rolle.

Kohlhaasens aufklärerische Gedanken stellen einen Anachronismus dar. Da Kohlhaas laut der Erzählung in der „Mitte des 16. Jahrhunderts“, also vor der Zeit der Aufklärung lebte, liegt es nahe, dass Kleist Vorstellungen seiner eigenen Epoche auf seine (historische) literarische Figur projizierte.

Widersprüchlich ist auch Kohlhaasens juristische Forderung nach Genugtuung – ein Begriff, der an die (mittelalterliche) Duell- und Fehdepraxis erinnert. Auch seine „Kohlhaasischen Mandate“ lassen einen solchen Schluss zu; das Fehderecht war allerdings zu Kohlhaas’ Zeit schon außer Kraft, was jedoch von großen Teilen des Adels, aus dem von Kleist ja selber stammte, ignoriert wurde.

Kohlhaas’ unerschütterliches Verlangen nach Gerechtigkeit findet im Laufe der Erzählung auf verschiedene Weise Ausdruck: Nachdem der legale Weg fehlschlägt und Kohlhaas dabei sogar seine Frau verliert, weiß er sich nicht mehr anders zu helfen als durch Selbstjustiz. In diesem Vorhaben wird er allerdings vollkommen maßlos, sein persönlicher Racheakt gegen den Junker weitet sich zu einem blutigen Feldzug gegen alles und jeden aus. Das später über ihn verhängte Todesurteil akzeptiert Kohlhaas wiederum als gerechte Strafe, wodurch sich abschließend bestätigt, dass Gerechtigkeit für ihn allerhöchsten Wert hat.

Kritik[Bearbeiten]

Franz Kafka erwähnte in einem Brief[4] an Felice Bauer die Novelle:
"Gestern abend habe ich Dir nicht geschrieben, weil es über Michael Kohlhaas zu spät geworden ist (kennst Du ihn? Wenn nicht, dann lies ihn nicht! Ich werde Dir ihn vorlesen!), den ich bis auf einen kleinen Teil, den ich schon vorgestern gelesen hatte, in einem Zug gelesen habe. Wohl schon zum zehnten Male. Das ist eine Geschichte, die ich mit wirklicher Gottesfurcht lese, ein Staunen faßt mich über das andere, wäre nicht der schwächere, teilweise grob hinuntergeschriebene Schluß, es wäre etwas Vollkommenes, jenes Vollkommene, von dem ich gern behaupte, daß es nicht existiert. (Ich meine nämlich, selbst jedes höchste Literaturwerk hat ein Schwänzchen der Menschlichkeit, welches, wenn man will und ein Auge dafür hat, leicht zu zappeln anfängt und die Erhabenheit und Gottesähnlichkeit des Ganzen stört.)"[5]

Literatur[Bearbeiten]

  • Wilhelm Amann: Heinrich von Kleist, Michael Kohlhaas. Oldenbourg Textausgaben – Text, Kommentar und Materialien. Oldenbourg, München 2009, ISBN 978-3-637-00794-9.
  • Wolfgang Barthel: Heinrich von Kleists „Michael Kohlhaas“ (1808–1810). Werden und Wirkung. Kleist-Archiv Sembdner, Heilbronn 1993, ISBN 3-931060-07-1.
  • Tilman von Brand, Jörg Scherz: Heinrich von Kleist, Michael Kohlhaas. Oldenbourg Unterrichtsmaterial Literatur – Kopiervorlagen und Module für Unterrichtssequenzen. Oldenbourg, München 2008, ISBN 978-3-637-00796-3.
  • Tilman von Brand: Heinrich von Kleist, Michael Kohlhaas. Oldenbourg Textnavigator für Schüler – Inhaltsangabe, Analyse des Textes und Abiturvorbereitung. Oldenbourg, München 2008, ISBN 978-3-637-00795-6.
  • Tilman von Brand: Heinrich von Kleist: Michael Kohlhaas. Oldenbourg Interpretationen. Oldenbourg, München 2007, ISBN 978-3-637-00387-3.
  • Claus August Burghardt: Der historische Hans Kohlhase und Heinrich von Kleist's Michael Kohlhaas, 1864 [2]
  • Klaus-Michael Bogdal, Heinrich von Kleist: Michael Kohlhaas. Fink, München 1981, ISBN 3-7705-1943-4.
  • Helga Gallas: Das Textbegehren des Michael Kohlhaas. Die Sprache des Unbewußten und der Sinn der Literatur. Rowoldt, Reinbek bei Hamburg 1981. ISBN 3-499-25162-0
  • Bernhard Greiner: Kleists Dramen und Erzählungen: Experimente zum ‚Fall‘ der Kunst. UTB / Francke, Stuttgart / Tübingen / Basel 2000, ISBN 3-8252-2129-6 (UTB) / ISBN 3-7720-2276-6 (Francke).
  • Bernd Hamacher: Erläuterungen und Dokumente: Heinrich von Kleist. Michael Kohlhaas. Reclam, Stuttgart 2003, ISBN 3-15-016026-X.
  • Dirk Jürgens: Textanalyse und Interpretation zu Heinrich von Kleist: Michael Kohlhaas, Königs Erläuterungen und Materialien (Bd. 421), Hollfeld: C. Bange Verlag 2012, ISBN 978-3-8044-1963-6.
  • Wolf Kittler: Die Geburt des Partisanen aus dem Geist der Poesie: Heinrich von Kleist und die Strategie der Befreiungskriege. Erw. Neuausgabe. Kleist-Archiv Sembdner, Heilbronn 2011, ISBN 978-3-940494-42-9.
  • Manfred Mitter: Heinrich von Kleist: Michael Kohlhaas. Interpretationsimpulse. Merkur, Rinteln 2007. Textheft: ISBN 978-3-8120-0852-5, CD-ROM: ISBN 978-3-8120-2852-3.
  • Andrea Rinnert: Michael Kohlhaas. Interpretationshilfe. Deutsch. Stark, Hallbergmoos 2006, ISBN 978-3-89449-500-8.
  • Ditmar Skrotzki: Ist Kleists Erzählung vom Kohlhaas wirklich die Geschichte des Rebellen Kohlhaas? Oder: Wie stoppt man den Teufel, der auf zwei Rappen durch Sachsen reitet?. Kleist-Archiv Sembdner, Heilbronn 1993, ISBN 3-931060-08-X.
  • Andreas Voßkuhle, Johannes Gerberding: Michael Kohlhaas und der Kampf ums Recht, in: Juristenzeitung 2012, S. 917 ff.

Verfilmungen[Bearbeiten]

Im kinematografischen Bereich werden Filme wie Sugarland Express (1974) von Steven Spielberg oder Zeit der Vergeltung (1985) von Matthew Robbins dem Kohlhaas-Motiv zugeschrieben[7].

Hörspiel[Bearbeiten]

Hörbuch[Bearbeiten]

  • 2008: Edition Hörbuch – Heinrich von Kleist: Michael Kohlhaas, Vollständige Lesung Klett Verlag
Gelesen von Axel Thielmann, MP3-Format
Gelesen wird die Textausgabe, zusätzlich enthält die CD den Text vollständig als PDF-Datei.
  • 2008: Michael Kohlhaas von Heinrich von Kleist, Ungekürztes Hörbuch, LibriVox
Gemeinfreies, also kostenlos verfügbares, Hörbuch
Gelesen wird vom gemeinfreien Text, der auf Gutenberg DE abrufbar ist.
Verfügbar in m4b, mp3 und ogg
  • 2001: Der Hörverlag – Novellen, gelesen von Rolf Boysen, in dieser Ausgabe auch die Lesung von Michael Kohlhaas

Literarische Bearbeitungen, Adaptationen und Anspielungen[Bearbeiten]

J. G. A. Ludwig Helling erwähnt: "Diese Begebenheit hat v. Maltitz dramatisch bearbeitet auf die Bühne gebracht."[8] Vermutlich ist Gotthilf August Freiherr von Maltitz (1794–1837) gemeint, ein dramatischer Dichter und Schriftsteller. Er war 1821 in Preußen Oberförster, ging später nach Berlin, Hamburg und Paris und ließ sich 1833 in Dresden nieder.

Ein Bühnenstück von Willy Winkler Eines Menschen Recht aus dem Jahre 1951 wurde 1958 in Bad Düben aufgeführt.

Die Tragödie Palmsonntag eines Rosshändlers (Egy lócsiszár virágvasárnapja) des ungarischen Schriftstellers András Sütő, erschienen 1975 und verarbeitet die Geschichte von Michael Kohlhaas, um die Umstände des Ceaușescu-Regimes mit einem historischen Beispiel zu beleuchten.

1978 dramatisierte Frieder Schuller, der damalige Dramaturg des deutschen Theaters von Hermannstadt in Rumänien, Kleists Novelle unter dem Titel „Viele Grüße Michael Kohlhaas“. Es kam zu ersten Proben, doch dann erhielt Schuller den Pass zur Ausreise und musste Rumänien verlassen. Die Aufführung, in der es um Willkür, Pass- und Grenzkonflikte ging, wäre im damaligen kommunistischen Rumänien vorhersehbar verboten worden.

Elisabeth Plessen griff in ihrem 1979 erstmals erschienenen Roman Kohlhaas (3. Auflage Berlin 2011) die Kleistsche Geschichte auf und rekonstruierte sie teilweise aus historischen Dokumenten und Gerichtsakten. Insbesondere schildert sie Episoden aus Kohlhaas’ Kindheit und Jugend. Der Roman wurde von der Kritik positiv aufgenommen und war ein Verkaufserfolg.

In dem Roman Ragtime von Edgar Lawrence Doctorow ist der Erzählstrang über das Leben des schwarzen Musikers Coalhouse Walker deutlich an Michael Kohlhaas angelehnt, worauf auch der Vorname anspielt. 1981 wurde das Buch unter der Regie von Miloš Forman verfilmt.

Christoph Hein bezog die Thematik auf die DDR in Der neuere (glücklichere) Kohlhaas. Bericht über einen Rechtshandel aus den Jahren 1972/73 (In: Ders.: Nachtfahrt und früher Morgen. Berlin 1994, S. 81-101).

In Pascal Merciers Roman Der Klavierstimmer (1998) spielt die Geschichte von Michael Kohlhaas eine entscheidende Rolle. Dort ist er nicht nur eine der Hauptfiguren und Inspirationsquelle für eine Oper, sondern das Thema Selbstjustiz und die unterschiedlichen Auffassungen von Gerechtigkeit ziehen sich leitmotivisch durch den gesamten Roman.

Eine andere literarische Bearbeitung ist der historische Roman von Corinna Bethke Bis vor den Richterstuhl Gottes: Die Fehde des Hans Kohlhase (Halle 2007).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Abschnitt Unverworrene Idee, Übereinstimmung des Willens mit dem Endzweck im Aufsatz Über den Begriff Weisheit, 1953, Gesamtausgabe in 16 Bänden (Suhrkamp), Band 10, S. 355–395, S. 376.
  2. Wörtlicher Auszug aus dem Nachwort von Paul Michael Lützer in Michael Kohlhaas von Heinrich Kleist, Reclam, 1982, S. 121.
  3. Reclam-Ausgabe, S. 44, Z. 13 ff.
  4. Kafkas Brief an Felice Bauer vom 9. zum 10. November 1913.
  5. Erich Heller, Jürgen Born (Hrsg.): Briefe an Felice und andere Korrespondenz aus der Verlobungszeit, 11. Aufl. 2009 (Taschenbuch), S. 291 f.
  6. „Ewiger Kampf um Gerechtigkeit“ – Neu im Kino: „Michael Kohlhaas“ von Arnaud de Pallières, Rezension von Jörg Taszman im Deutschlandradio Kultur vom 18. September 2013, abgerufen 19. September 2013
  7. Youth in Revolt: The Legend of Billie Jean. WordPress.com, 20. November 2009, abgerufen am 4. April 2013 (englisch).
  8. J. G. Helling (Hg.): Geschichtlich-statistisch-topographisches Taschenbuch von Berlin und seinen nächsten Umgebungen. Berlin 1830, S. 209 [1]