Schlüsselburg

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Schlüsselburg (Begriffsklärung) aufgeführt.
Stadt
Schlüsselburg
Шлиссельбург
Flagge Wappen
Flagge
Wappen
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Leningrad
Rajon Kirowsk
Erste Erwähnung 13. Jahrhundert
Stadt seit 1780
Fläche 16 km²
Bevölkerung 13.170 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Bevölkerungsdichte 823 Einwohner/km²
Höhe des Zentrums 15 m
Zeitzone UTC+3
Telefonvorwahl (+7) 81362
Postleitzahl 187320
Kfz-Kennzeichen 47
OKATO 41 475
Geographische Lage
Koordinaten 59° 57′ N, 31° 2′ O59.95383333333331.03852777777815Koordinaten: 59° 57′ 14″ N, 31° 2′ 19″ O
Schlüsselburg (Europäisches Russland)
Red pog.svg
Lage im Westteil Russlands
Schlüsselburg (Oblast Leningrad)
Red pog.svg
Lage in der Oblast Leningrad
Liste der Städte in Russland

Schlüsselburg (russisch Шлиссельбург / Schlisselburg; 1944–92 Петрокрепость / Petrokrepost; im Mittelalter Орешек / Oreschek; historisch schwedisch Nöteborg, finnisch Pähkinälinna) ist der Name einer russischen Festung auf einer Insel im Abfluss der Newa aus dem Ladogasee sowie einer Stadt am linken Ufer der Newa. Die zur Oblast Leningrad gehörende Stadt hat 13.170 Einwohner (Stand 14. Oktober 2010).[1]

Die Festung Schlüsselburg sowie die historische Altstadt wurden 1990 von der UNESCO in die Liste des Weltkultur- und Naturerbes der Menschheit aufgenommen.

Geschichte[Bearbeiten]

13. und 14. Jahrhundert[Bearbeiten]

Festung Schlüsselburg
Ansicht der Festung

Die Festung wurde laut der russischen Geschichtsschreibung im 14. Jahrhundert von Juri I. Daniilowitsch angelegt, der Großfürst von Moskau und gleichzeitig Fürst von Nowgorod war. Nach dem russischen Wort für die auf der Insel wachsenden Haseln (nach einer anderen Version nach der Form der Insel, einer weiteren nach im Sinne von harte Nuss) nannte er sie Orechowez (Ореховец), die Festung Oreschek' (Орешек). Nach der schwedischen Version wurde die Insel erstmals 1299 vom Schweden Torgils Knutsson befestigt. Auch der schwedische Name hat etwas mit Nuss zu tun: nöt heißt auf schwedisch Nuss, borg bedeutet Burg.

1323 wurden in der Festung Verhandlungen um den russisch-schwedischen Grenzverlauf in Karelien geführt, der Abschluss wird in der deutschsprachigen Geschichtsschreibung meist als Vertrag von Nöteborg benannt. Die Festung selbst verblieb bei Nowgorod bzw. Russland und wurde 1352 mit steinernen Mauern sowie in den folgenden Jahrhunderten zudem mit mehreren Türmen verstärkt.

Großer Nordischer Krieg[Bearbeiten]

Im Inneren

Im Mai 1612 fiel die Festung nach neunmonatiger Belagerung an Schweden. 1656 wurde die Festung von den Russen unter Pjotr Potjomkin erobert, fünf Jahre später im Frieden von Kardis allerdings wieder an Schweden zurückgegeben. Während des Großen Nordischen Krieges konnte Peter I. die Festung im Jahr 1702 nach einem zehntägigen Beschuss für Russland endgültig zurückerobern. Er gab der Festung daraufhin den deutschen Namen „Schlüsselburg“, wohl weil er sie als „Schlüssel“ zur Eroberung Finnlands ansah. Am linken Ufer der Newa entwickelte sich in dieser Zeit auch die Siedlung Schlüsselburg. Sie erhielt im Jahre 1780 Stadtstatus. Ihre Anlage wurde durch die Kanal- und Schleusenanlagen des seit 1719 entstandenen, für die Newa-Schifffahrt wichtigen Ladogakanals geprägt.

Mit dem Sieg Russlands im Nordischen Krieg und der Gründung Sankt Petersburgs verlor die Festung Schlüsselburg an strategischer Bedeutung und wurde in der Folge vornehmlich als politisches Gefängnis genutzt. Berühmtester Gefangener war Zar Iwan VI., der nach seiner Absetzung im Jahr 1741 von 1756 bis zu seiner Ermordung 1764 in der Festung gefangen gehalten wurde. Auch Uschurma Sheikh Mansur, ein maßgeblicher militärischer und religiöser Führer des Widerstandes der nordkaukasischen Bergvölker gegen die russische Eroberung, wurde nach seiner 1791 erfolgten Gefangennahme in Schlüsselburg inhaftiert, wo er 1794 starb.[2]

Neuzeit[Bearbeiten]

Ein Verlies in der Festung

Der deutschbaltische Dissident Timotheus Eberhard von Bock wurde nach seiner 1818 formulierten Kritik am Zaren Alexander I. in der Schlüsselburg inhaftiert bis 1827. Nach der Oktoberrevolution wurden die Gefängnisbauten niedergebrannt. Von 1928 bis 1940 befand sich in der Festung ein Revolutionsmuseum. Am 8. September 1941 wurde die Stadt Schlüsselburg nach schweren Kämpfen von der deutschen Wehrmacht erobert. Die Festung Schlüsselburg auf der Insel Orechowy („Nussinsel“) wurde von den Deutschen durch Artilleriebeschuss stark zerstört, allerdings nie eingenommen. Am 18. Januar 1943 wurde die Stadt Schlüsselburg von der Roten Armee zurückerobert.[3]

Im Jahr 1944 wurde die Stadt im Zuge der Tilgung deutscher Ortsnamen nach Peter dem Großen in Petrokrepost (Петрокрепость, wörtlich „Petersfestung“) umbenannt. Diese Umbenennung wurde 1992 wieder rückgängig gemacht.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Einwohner
1897 5.284
1959 7.164
1970 8.466
1979 10.212
1989 12.589
2002 12.401
2010 13.305

Anmerkung: Volkszählungsdaten

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Tom 1. Čislennostʹ i razmeščenie naselenija (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Band 1. Anzahl und Verteilung der Bevölkerung). Tabellen 5, S. 12–209; 11, S. 312–979 (Download von der Website des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. Thomas M. Barrett, The Remaking of the Lion of Dagestan: Shamil in Captivity. In: Russian Review. Jg. 53, Nr. 3, 1994, S. 354.
  3. Harrison E. Salisbury, 900 Tage Belagerung von Leningrad, S. 319/320

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schlüsselburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien