Nickelin (Mineral)

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Nickelin
Nickeline-51154.jpg
Nickelin vom St. Andreasberg im Harz
Andere Namen
  • Arsennickel
  • Kupfernickel bzw. Koppernickel
  • Niccolit
  • Nickelit
  • Rotnickelkies
Chemische Formel

NiAs

Mineralklasse Sulfide und Sulfosalze
2.CC.05 (8. Auflage: II/C.20) nach Strunz
02.08.11.01 nach Dana
Kristallsystem hexagonal
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin dihexagonal-dipyramidal 6/m 2/m 2/m[1]
Raumgruppe (Raumgruppen-Nr.) P63/mmc (Raumgruppen-Nr. 194)
Farbe helles kupferrot, grau bis schwarz anlaufend
Strichfarbe helles schwarzbraun
Mohshärte 5 bis 5,5
Dichte (g/cm3) 7,78 bis 7,8
Glanz Metallglanz
Transparenz undurchsichtig
Spaltbarkeit keine
Bruch muschelig
Habitus gestreifte Kristalle, traubige, dendritische, körnige, massige Aggregate
Zwillingsbildung Vierlinge nach {1011}; allgemein möglich nach {3141}

Nickelin, auch unter den veralteten bergmännischen Bezeichnungen Kupfernickel oder Rotnickelkies bekannt, ist ein häufig vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“. Es kristallisiert im hexagonalen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung NiAs, ist also chemisch gesehen ein Nickelarsenid.

Nickelin entwickelt entweder gestreifte Kristalle oder häufiger traubige, dendritische, körnige bis massige Aggregate in hell kupferroter Farbe, die nach einiger Zeit an der Luft grau bis schwarz anläuft.

Besondere Eigenschaften[Bearbeiten]

Nickelin besteht aus Nickel und Arsen mit einem Nickelgehalt von etwa 43,61 Prozent. Bis zu einem Prozent des Nickel kann durch Eisen und bis zu 2,9 Prozent Arsen kann durch Schwefel und Antimon (bis über 30 Prozent) diadoch (gleichwertig) ersetzt sein.

Sein Nickelgehalt verrät sich häufig durch die grünliche Färbung seiner Oxidationshaut (Nickelarseniat) im Gegensatz zu den rötlichen Ausblühungen der gewöhnlich mit ihm brechenden Kobalterze. Diese Erzgemenge bilden meist Gänge, seltener Lager und Nester in den azoischen und den älteren Sedimentformationen (besonders im Perm) und werden gleichzeitig auf Kobalt und Nickel verarbeitet.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Als Kupfernickel bzw. Koppernickel (schwedisch kopparnickel) wurde früher im mittelalterlichen Erzgebirge ein wie Kupfererz aussehendes Material bezeichnet, aus dem sich aber kein Kupfer gewinnen ließ, als sei es von Berggeistern bzw. Bergwerksdämonen (Nickeln) behext, weswegen es die Bergleute auch Teufelskupfer nannten. Eine der frühesten Erwähnung des Minerals findet sich im 1694 verfassten Mineralogiebuch des Schweden Urban Hjärne.[2]

Erst 1751 gelang es Axel Frederic Cronstedt, aus dem Kupfernickel ein reines Metall darzustellen, das er der Überlieferung entsprechend Nickel nannte. Die Namen für Cobalt (Kobold) und Wolfram haben ähnliche Hintergründe. Das Nickel selber wird wiederum mit Kupfer als Kupfernickel verwendet, etwa in antiken Münzen und in Euromünzen.

Die bergmännische Bezeichnung Rotnickelkies ist unter anderem durch Ernst Friedrich Glocker (1793–1858) überliefert und bezieht sich auf die typische Farbe des Minerals, seinen Nickelgehalt und der Zuordnung zur veralteten Mineralklasse der "-kiese"; einer Gruppe verwandter Minerale mit starkem Metallglanz, aber im Gegensatz zu den "-glanzen" größeren Härte.

Seinen bis heute gültigen und von der International Mineralogical Association (IMA) anerkannten Mineralnamen erhielt prägte 1832 François Sulpice Beudant.[2]

Im übertragenen Sinne dient Kupfernickel bzw. Koppernickel auch als Ausdruck für etwas, das nicht das enthält was sein Anschein verspricht. So etwa habe der österreichisch-amerikanische Mathematiker, Astronom und Forscher auf dem Gebiet der Geschichte der Astronomie Otto E. Neugebauer (1899–1990) den preußischen Astronomen Nicolaus Copernicus (Niklas Koppernigk, 1473–1543) für überbewertet gehalten und als Koppernickel[3] bezeichnet.

Klassifikation[Bearbeiten]

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Nickelin zur Abteilung der „Sulfide mit dem Stoffmengenverhälntis Metall : S,Se,Te ≈ 1 : 1“, wo er als Namensgeber die „Nickelin-Gruppe“ mit der System-Nr. II/C.20 und den weiteren Mitgliedern Breithauptit, Cherepanovit, Freboldit, Hexatestibiopanickelit, Kotulskit, Langisit, Polarit, Ruthenarsenit, Sederholmit, Sobolevskit, Sorosit, Stumpflit, Sudburyit und Vavřínit bildete..

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Nickelin ebenfalls in die Abteilung der „Metallsulfide, M : S = 1 : 1 (und ähnliche)“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorherrschenden Metallen, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „mit Nickel (Ni), Eisen (Fe), Cobalt (Co) usw.“ zu finden ist, wo es zusammen mit Achavalit, Breithauptit, Freboldit, Hexatestibiopanickelit, Jaipurit, Kotulskit, Langisit, Sederholmit, Sobolevskit, Stumpflit, Sudburyit, Vavřínit und Zlatogorit ebenfalls die „Nickelin-Gruppe“ mit der System-Nr. 2.CC.05 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana ist Nickelin ebenfalls als Namensgeber der „Nickelingruppe (Hexagonal: P63/mmc)“ mit der System-Nr. 02.08.11 innerhalb der Unterabteilung der „Sulfide – einschließlich Seleniden und Telluriden – mit der Zusammensetzung AmBnXp, mit (m+n):p=1:1“ zu finden.

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Nickelin (grau-schwarz angelaufen) aus Pöhla, Landkreis Schwarzenberg im Erzgebirge

Nickelin bildet sich aus hydrothermalen Lösungen in Ganglagerstätten, aber auch in magmatischen Gesteinen wie Norit und Peridotit. Begleitminerale sind unter anderem Bismut, Bismuthinit, Breithauptit, Gersdorffit, Maucherit, Michenerit, Nickelskutterudit, Safflorit, Skutterudit und Rammelsbergit.

Gefunden wurde das Mineral weltweit bisher (Stand: 2009) unter anderem in Argentinien (Jaguel, Jujuy, La Rioja), Äthiopien, Australien (New South Wales, Tasmanien), Belgien, Bolivien, Brasilien, Bulgarien, China, Finnland, Frankreich (Dauphiné), Ghana, Griechenland, Grönland (Kitaa), Großbritannien (England, Schottland, Wales), Iran, Irland (Tipperary), Italien (Sardinien), Japan, Kanada (Ontario, Québec), Demokratische Republik Kongo, Mexiko, Marokko, Norwegen, Oman, Österreich (Salzburg), Polen, Portugal, Russland (Ost-Sibirien), Schweden, Schweiz, Simbabwe, Slowakei, Spanien (Andalusien), Südafrika, Südkorea, Tschechien (Böhmen und Mähren), Ungarn (Baranya), USA (Colorado, Nevada), sowie in Vietnam. [4]

Die wichtigsten Fundorte Deutschlands sind unter anderem das Richelsdorfer Gebirge in Hessen, Bieber am westlichen Abhang des Spessart, Saalfeld in Thüringen, Schneeberg in Sachsen, Wolfach im Schwarzwald, das Mansfelder Kupferschiefer-Revier (z. B. Eisleben, Hettstedt, Sangerhausen) und Wolfshagen im Harz.

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Nickelin kristallisiert im hexagonalen Kristallsystem in der Raumgruppe P63/mmc (Raumgruppen-Nr. 194) mit den Gitterparametern a = 3,602 Å und c = 5,009 Å[5] sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.[1]

Detaillierte Beschreibung siehe Nickelarsenid-Struktur.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Martin Okrusch, Siegfried Matthes: Mineralogie: Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. 7. Auflage. Springer Verlag, Berlin / Heidelberg / New York 2005, ISBN 3-540-23812-3, S. 36.
  •  Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S. 33.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nickeline – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Webmineral - Nickeline (englisch)
  2. a b  Hans Lüschen: Die Namen der Steine. Das Mineralreich im Spiegel der Sprache. 2. Auflage. Ott Verlag, Thun 1979, ISBN 3-7225-6265-1, S. 260-261.
  3. Philip J. Davis: Opinions of the Famous: Otto E. Neugebauer. In: The education of a mathematician. A K Peters, Ltd., 2000, ISBN 1568811160, S. 173 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche): thought that Copernicus was overrated — he called him Koppernickel. Kepler was much better […]
  4. MinDat - Localities for Nickeline (englisch)
  5. American Mineralogist Crystal Structure Database - Nickeline (englisch)