Nostitz (Adelsgeschlecht)

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Wappen der von Nostitz

Nostitz ist der Name eines alten Adelsgeschlechts aus der Oberlausitz, das sich im 15. Jahrhundert bis nach Schlesien, Böhmen und Polen weiter verzweigte. Johann Hartwig, 1646 in den böhmischen und 1651 in den Reichsgrafenstand erhoben, erwarb 1673 die unterfränkische Herrschaft Rieneck und wurde Begründer des für Böhmen bedeutenden Zweiges Nostitz-Rieneck. [1]

Geschichte[Bearbeiten]

Oberlausitz[Bearbeiten]

Die Herren von Nostitz sind ab 1280 auf ihrer Stammburg in Nostitz bei Weißenberg nachweisbar, die sie 1439 verkauften.

Das Geschlecht zerfällt in drei Stämme: (i) Unwürde (bei Kittlitz) mit den Linien Unwürde und Cunewalde, (ii) Ullersdorf (bei Jänkendorf) mit den zwei Linien Ullersdorf und Schönbrunn (zu letzterer gehören die schlesischen Nebenlinien Damitsch, Ransau, Lampertsdorf und Zedlitz) sowie (iii) Rothenburg/O.L. mit den Linien Rothenburg, Guttau und Tzschocha. Die ordentliche Stammreihe der Rothenburger Nostitz beginnt mit Caspar von Nostitz († 1484), dessen drei Söhne, Hartwig, Georg und Otto, die Linien zu Tzschocha, Guttau und Rothenburg stifteten, die wiederum in mehrere Äste zerfielen.

Die Nostitz gehörten zu den sieben alten Geschlechtern der Oberlausitz und schlossen sich noch in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts wohl vollständig der Reformation an. Kaiser Rudolf II. belehnte alle Namensträger 1577 gemeinsam „zur ganzen Hand“.

Böhmen[Bearbeiten]

Graf Johann Hartwig von Nostitz-Rieneck (1610–1683), Kanzler von Böhmen

Der böhmische, gräfliche Zweig stammt aus der von Hartwig von Nostitz gestifteten Tzschochaer Linie. Der Aufstieg dieses Zweiges zu einer der reichsten und einflussreichsten Familien des böhmischen Hochadels erfolgte um 1600 durch juristisch geschulte Angehörige, die nach dem Übertritt zum Katholizismus am kaiserlichen Hof Karriere machten und in Böhmen nach der Niederwerfung der Stände (Schlacht am Weißen Berg 1620) höchste Landesämter einnahmen, konfiszierte Güter evangelischer Adliger erwarben und daraus mehrere große Grundherrschaften bildeten.

Hartwigs Urenkel Johann von Nostitz († 1619), Landeshauptmann des Fürstentums Wohlau, hinterließ zwei Söhne, Otto (II.) und Johann Hartwig, von denen ersterer Ahnherr der Linie zu Rokitnitz wurde, die 1681 den Freiherrenstand, 1675 den böhmischen und 1692 den Reichsgrafenstand erlangte und 1890 mit Joseph Graf Nostitz erlosch.

Des letztgenannten Onkel, Graf Joseph Dittmar Nostitz (* 2. Mai 1794; †  15. Dezember 1871), hinterließ als Witwe Mathilde Pauline Nostitz, geb. Baroness des Desgranges († 12. Juli 1881). Sie war in erster Ehe vermählt mit Johann Wilhelm Helfer (* 5.2.1810 in Prag), Arzt und Naturforscher bei der Euphrat-Expedition des britischen Obersten Chesney und seit 1837 im Dienste der Ostindischen Compagnie in Hinterindien, welcher die Halbinsel Malakka und die Andamanen-Inseln erforschte, wo er am 30. Januar 1840 durch einen vergifteten Pfeil den Tod fand. Sie begleitet ihren Ehemann in den Orient und beschrieb dessen Reisen als Johann Wilhelm Helfers Reisen in Vorderasien und Indien [2]

Der Stifter der Linie Rieneck war des oben genannten Johann von Nostitz zweiter Sohn Johann Hartwig von Nostitz (1610–1683), der als wirklicher Geheimrat und oberster Kanzler von Böhmen wirkte. Er erhielt als testamentarischer Erbe eines bereits 1623 in den Freiherrnstand erhobenen Otto von Nostitz (III.) auf Falkenau 1631 dessen Freiherrenstand übertragen, 1641 den böhmischen Grafenstand, 1651 den Reichsgrafenstand und wurde 1673 mit einem Teil der Grafschaft Rieneck belehnt. Die Linie gehörte damit dem Fränkischen Reichsgrafenkollegium an. Den Hauptsitz der Linie Nostitz-Rieneck bildete zunächst das Schloss Pakoměřice, nach Errichtung des Schlosses Měšice wurde er 1775 nach Měšice verlegt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Grafen Nostitz-Rieneck aus Böhmen nach Österreich abgeschoben und ihre Güter konfisziert.

Schlesien[Bearbeiten]

Der schlesische, seit 1711 gräfliche Zweig stammt aus dem Ransauer Ast des Hauses Damitsch. Aus diesem Zweig stammte der preußische General August Ludwig von Nostitz.

Im Besitz dieses gräflichen Zweiges befand sich auch das Palais Nostitz-Dyhrn in der schlesischen Hauptstadt Breslau.

Wappenübersicht[Bearbeiten]

  • Das Stammwappen zeigt in Blau in einem aufwärts gekehrten goldenen Halbmond zwei von einander gekehrte von Silber und Rot geschachte Hörner. Auf dem Helm mit rot-silbernen Decken die Hörner.
  • Wappen Rieneck. In Rot drei goldene Balken. Kleinod: ein silbernen Schwan aus der Krone wachsend; Decken: rot-golden.
  • Wappen Nostitz-Rieneck: Geviert mit Rieneck als Herzschild, ausserdem die Spaltungslinie mit einem von Silber und Blau gespaltenen und verwechselt geteilten Anker, dessen Arme in das dritte und vierte Feld reichen, belegt. 1. Stammwappen; 2. schwarzer, von einem silbernen Falken durchzogener Adlerflügel, die Sachsen rechts gekehrt; 3. Silber; 4. Blau. Drei gekrönte Helme:I. Der Adlerflügel; Decken schwarz silbern. II. Rieneck; Decken rot-golden. III. zwischen den Hörnern von Alt-Nostitz drei - blau-silbern-blaue - Straussenfedern; Decken: blau-silbern.
  • Wappen Nostitz Rokytnic. Schild gleich Nostitz-Rieneck, nur der Anker von Gold und Blau gespalten und verwechselt geteilt. Helme I. und III. von Nostitz-Rieneck.[3]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Linie Nostitz-Rokitnitz[Bearbeiten]

Linie Nostitz-Rieneck[Bearbeiten]

Hermann von Nostitz-Wallwitz (1826–1906), sächsischer Minister

Linie Nostitz-Wallwitz[Bearbeiten]

Linie Nostitz-Jänkendorf[Bearbeiten]

Linie Nostitz-Unwürde[Bearbeiten]

Weitere[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Christian Knauth: Von dem Ursprunge, Herkommen, Alterthum und Ausbreitung des Hochberühmten Geschlechts derer Herren von Nostitz, und Deren ersten Stammhause in Ober-Lausitz. Fickelscherer, Görlitz 1764 (Digitalisat)
  • Gottlob Adolf von Nostitz und Jänckendorf, Karl von Nostitz-Wallwitz (Hrsg.): Beiträge zur Geschichte des Geschlechts von Nostitz. 4 Hefte. Gressner & Schramm, Leipzig 1874–1977.
  • Genealogisches Handbuch des Adels. Band 116, 1998, Adelslexikon.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Biographisches Lexikon zur Geschichte der böhmischen Länder. Herausgegeben im Auftrag des Collegium Carolinum (Institut) von Ferdinand Seibt, Hans Lemberg und Helmut Slapnicka, Band III. R. Oldenbourg Verlag München 2000, ISBN 3 486 55973 7, S. 64; mit weiteren Kurzbiographien von Namensträgern, S. 64 ff.
  2. 2 Bände, Leipzig 1873 - 1877).(Heribert Sturm: Biographisches Lexikon zur Geschichte der böhmischen Länder. Herausgegeben im Auftrag des Collegium Carolinum (Institut), Band I, 1979, R. Oldenbourg Verlag München Wien 1979, ISBN 3 486 49491 0, S. 586 mit weiteren Literaturhinweisen
  3. Die Wappen des böhmischen Adels, Band 30, J. Siebmacher´s grosses Wappenbuch, 1979 Neustadt an der Aisch, ISBN 3 87947 030 8, Wappentafel 70, Text Seite 153, Nachdruck von Siebmacher´s Wappenbuch, Nürnberg IV. Band, 9. Abt., (1886)
  4. Erich Weise (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten – Ost- und Westpreußen. Kröner, Stuttgart 1981 (unveränderter Nachdruck der 1. Auflage von 1966), ISBN 3-520-31701-X, S. 107–108.
  5. Kammerrat Kaspar von Nostiz II. (1500–1588)
  6. August Adolph Tuchatsch (Hrsg.): Geschichtliche Nachrichten über die Stadt Neu-Salza … Festgabe zum 200jährigen Bestehen der Stadt Neusalza 1870. Fotomechanischer Nachdruck. Neusalza-Spremberg: Michael Voigt 2000.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nostitz (Adelsgeschlecht) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien