Sokolov

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Dieser Artikel beschreibt die Stadt Sokolov. Für Personen dieses Namens, siehe Sokolow.
Sokolov
Wappen von Sokolov
Sokolov (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Karlovarský kraj
Bezirk: Sokolov
Fläche: 2291,6563[1] ha
Geographische Lage: 50° 11′ N, 12° 39′ O50.1812.645277777778401Koordinaten: 50° 10′ 48″ N, 12° 38′ 43″ O
Höhe: 401 m n.m.
Einwohner: 23.981 (1. Jan. 2013) [2]
Postleitzahl: 356 01 - 356 05
Kfz-Kennzeichen: K (alte SO)
Verkehr
Bahnanschluss: Chomutov–Cheb
Sokolov–Klingenthal
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 4
Verwaltung
Bürgermeister: Karel Jakobec (Stand: 2007)
Adresse: Rokycanova 1929
356 01 Sokolov 1
Gemeindenummer: 560286
Website: www.sokolov.cz
Lageplan
Lage von Sokolov im Bezirk Sokolov
Karte

Sokolov (deutsch Falkenau an der Eger, bis 1948 tschechisch Falknov nad Ohří) ist eine Stadt im Karlovarský kraj in Nordwestböhmen. Sie befindet sich 401 m ü. NN an der Mündung der Zwodau in die Eger.

Geschichte[Bearbeiten]

Falkenau wurde erstmals 1279 urkundlich erwähnt und hat eine lange Geschichte als Bergbaustadt. Als Ministerialen trugen die Notthafft zur Kultivierung der Region bei. Spätere Adelsgeschlechter, die sich auch Besitz des Schlosses befanden, waren die von Schlik und die von Nostitz.

1870 erhielt Falkenau einen Bahnhof an der Strecke Prag–Priesen–Karlsbad–Eger der Buschtěhrader Eisenbahn. 1873 wurde noch die abzweigende Nebenbahn nach Graslitz in Betrieb genommen.

1872 erteilte das k.k. Handelsministerium dem Kohlenwerksbesitzer J. R. Caton die Vorkonzession für eine Locomotiv-Eisenbahn von Falkenau über Lauterbach, Haberspirk, Katzengrün, Mühlessen nach Voitersreuth und nach Haslau [3], eine annähernd geradlinige Ost-West-Verbindung, die der Linie über den Knoten Eger, vor allem im Gütertransport, Konkurrenz gemacht hätte.

Nach dem Ersten Weltkrieg gehörten das Egerland und damit auch Falkenau nicht mehr zur österreichisch-ungarischen Monarchie, sondern zur neu gegründeten Tschechoslowakischen Republik.

Die ehemalige Erzdekanatkirche war dem heiligen Apostel Jacobus geweiht. Das Erzdekanat umfasste im Jahr 1938 im Bezirk Falkenau die Orte Falkenau, Grasset, Haselbach, Königswerth, Ober-Reichenau, Prösau, Schäferei, Teschwitz, Unter-Reichenau, Wudingrün und im Bezirk Elbogen den Ort Albernhof.

Während der Zeit des Nationalsozialismus war in Sokolov in Sichtweite der Wohnhäuser ein Außenlager des KZ Flossenbürg eingerichtet, dessen Insassen im Mai 1945 von US-amerikanischen Truppen befreit wurden. Ein Hauptmann der Division („Big Red One“) kommandierte in der Folge 14 Bürger des Ortes, dessen Einwohner beteuerten, nichts von dem Außenlager gewusst zu haben, dazu ab, die im Lager vorgefundenen Leichen zu bergen, zu kleiden und am Dorffriedhof zu beerdigen. Der Infanterist Samuel Fuller, später bekannt geworden als Schauspieler, Drehbuchautor und Regisseur, hielt diese Vorgänge mit einer 16-mm-Kamera fest.[4]

Die Stadt Falkenau an der Eger hatte am 1. Dezember 1930 11.381 Einwohner, am 17. Mai 1939 waren es 11.291 und am 22. Mai 1947 8.112 Bewohner. Aufgrund der Beneš-Dekrete wurde der größte Teil der deutschböhmischen Bevölkerung 1945 enteignet und vertrieben. 1948 wurde der deutsch klingende Name Falknov nad Ohří in Sokolov („Falke“ = tschechisch „Sokol“) geändert. Bis Ende 2002 war Sokolov Sitz des Bezirksverwaltung des Okres Sokolov.

Wappen[Bearbeiten]

Beschreibung: In Silber auf einem grünen Dreiberg ein nach rechts flugbereiter naturfarbener Falke mit einem goldenen Glöckchen am goldenen Fang.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Die Stadt Sokolov besteht aus den Ortsteilen Hrušková (Birndorf), Novina (Grün), Sokolov (Falkenau an der Eger) und Vítkov (Wudingrün).[5] Grundsiedlungseinheiten sind Hrušková, K nemocnici, Ke stadiónu, Nad rybníkem, Nad zastávkou, Novina, Ovčárna (Schäferei), Pod pekárnou, Pod vodojemem, Průmyslový obvod, Před nádražím, Rekultivace dolu Antonín, Seifertova, Sokolovská, Sokolov-střed, U dolu Antonín, Vítkov, Za Hornickým domem und Za nádražím.[6]

Das Gemeindegebiet gliedert sich in die Katastralbezirke Hrušková, Novina u Sokolova, Sokolov und Vítkov u Sokolova.[7]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

St.-Jakobs-Kirche
Denkmal für die tschechischen Soldaten der Kämpfe bei Sokolowo (Sowjetunion)

Die wichtigsten interessanten Gebäude scharen sich um den Alten Platz (Staré Namestí). Informationstafeln berichten jeweils über die geschichtlichen Hintergründe.

  • Schloss Sokolov: Die jetzige Gestalt erhielt das Schloss bei Umbauten im klassizistischen Stil im 19. Jahrhundert. Heute beherbergt es das Bezirksmuseum Sokolov und die Stadtbibliothek.
  • Historisches Rathaus: Es handelt sich um ein Renaissance-Gebäude aus dem Jahr 1540 und diente bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts als Rathaus. Heute hat dort die Firmenleitung der Bergbaugesellschaft Sokolvská uhelná ihren Sitz.
  • Falkenbrunnen: Auf dem aus dem Jahre 1717 stammenden Brunnen ist der sagenhafte Gründer der Stadt, ein falkenzüchtender Ritter mit seinem Hund und einem Falken, abgebildet.
  • Haus der Bergleute (Bergarbeiterheim): Der Entwurf von diesen Haus stammt von einem Schüler von Adolf Loos, dem Architekten Rudolf Wels. Die Außenfassade dieses in den Jahren 1923/24 entstandenen Gebäudes ziert ein großes achtteiliges Relief zum Thema „Ein Tag im Leben eines Bergmanns“. Hier ist das städtische Kulturzentrum untergebracht.
  • St.-Jakobs-Kirche: Die Gründung der Kirche liegt im 13. Jahrhundert. Die heutige barocke Kirche ist einschiffig mit einem Westturm.
  • Kapuzinerkloster der Kirche: Das im 17. Jahrhundert gegründete Kloster dient nach Umbauten heute als Konzertsaal. Die Gruft der Familie Nostitz wurde 1999 renoviert.
  • Dreifaltigkeitskapelle: 1719 als Friedhofskapelle erbaut, in den Jahren 1772-74 barocke Umgestaltung, u.a. mit Fresken von Elias Dollhopf. Die Kapelle wird heute von der orthodoxen Kirche genutzt.
  • Mariensäule
  • Hügel "Na Hardu" (Hardhöhe) mit Aussichtsturm, östlich des Stadtzentrums

Verkehr, Industrie und Wirtschaft[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Bahnhof Sokolov

Bahnverkehr[Bearbeiten]

Sokolov besitzt einen Bahnhof an der elektrifizierten Hauptbahn Chomutov–Cheb. In Sokolov zweigt von dieser Strecke die grenzüberschreitende Nebenbahn nach Klingenthal ab. Direkte Zugverbindungen bestehen mit Cheb, Chomutov, Ústí nad Labem, Prag und Zwickau.

Der Bahnhof Sokolov ist in das System ČD-Kurýr (Expressbeförderung von kleinen Sendungen) einbezogen.

2008 wurde der Bahnhof im Bahnsteigbereich renoviert. Das Bahnhofsgebäude ist noch in altem Zustand. Auch ein Busbahnhof ist neben dem Bahnhof vorhanden.

Stadtbusverkehr[Bearbeiten]

Für den innerstädtischen ÖPNV gibt es 6 Buslinien, die von 4.00 h früh bis 23.00 h betrieben werden.

Zu einer grundsätzlichen Umstrukturierung des Busverkehrs kam es zum Fahrplanwechsel am 1. Juli 2004. Vorher gab es 14 Linien, die nach einem sehr komplizierten Plan fuhren: Einzelne Linien fuhren teilweise unterschiedliche Routen, die Intervalle waren sehr unregelmäßig, und die meisten Linien hatten nur wenige Fahrten an Arbeitstagen.

Industrie[Bearbeiten]

Wichtigster Betrieb ist die Bergbaugesellschaft, die in der Umgebung Sokolovs den Abbau von Braunkohle betreibt. Mit zunehmender Erschöpfung der Lagerstätten verschiebt sich der Schwerpunkt der Aktivitäten mehr und mehr auf die Rekultivierung des Geländes.

Ein weiterer bedeutender Industriebetrieb Sokolovs ist der Maschinenbauer Sokolovská strojírna, ein im Jahr 1931 gegründetes Unternehmen, das aus dem Reparaturbetrieb der Braunkohlefördergesellschaft hervorging.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Kultur und Sport[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Zum Gedenken an die Besuche von Karl May in Sokolov

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die mit dem Ort in Verbindung stehen[Bearbeiten]

  • Johann Habermann (1516–1590), Pfarrer in Falkenau
  • Karl May (1842–1912), deutscher Schriftsteller, zur Erinnerung an seinen Besuch wurde eine Gedenktafel angebracht
  • Franziskus von Paula Schönborn (1844–1899), Kardinal und Erzbischof von Prag, starb hier
  • Rudolf Wels (1882–1944), Architekt des örtlichen Bergarbeiterheimes
  • Hans-Christoph Seebohm (1903–1967), deutscher Bundesverkehrsminister, verbrachte bis 1945 viele Jahre in Falkenau, wo seine Eltern lebten
  • Samuel Fuller (1912-1997), US-amerikanischer Schauspieler, Drehbuchautor und Regisseur, drehte hier mit einer 16-mm-Kamera seinen ersten Film, dessen Material in Emil Weiss' Dokumentation Falkenau: The Impossible. (über die Vorgänge im KZ Falkenau während der Befreiung 1945 durch die Amerikaner) verarbeitet wurde.
  • Ernst Mosch (1925-1999), Blasmusikkomponist und Kapellmeister der Original Egerländer Musikanten

Literatur[Bearbeiten]

  • Pelleter: Denkwürdigkeiten der Stadt Falkenau. Falkenau 1876-82, 2 Tle.
  • Hugo Theisinger und Josef Fritsch: Falkenau, Stadt und Land. Aus dem Egerland. Obermayer, Buchloe 1983

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sokolov – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Sokolov – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.uir.cz/obec/560286/Sokolov
  2. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2013 (PDF; 543 KiB)
  3. Volkswirthschaftliche Zeitung. […] (Eisenbahnnachrichten.) […] Das Handelsministerium hat … Das Vaterland, 17. August 1872[1]
  4. einestages[2]
  5. http://www.uir.cz/casti-obce-obec/560286/Obec-Sokolov
  6. http://www.uir.cz/zsj-obec/560286/Obec-Sokolov
  7. http://www.uir.cz/katastralni-uzemi-obec/560286/Obec-Sokolov