Paulo Roberto Falcão

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Falcão
Spielerinformationen
Voller Name Paulo Roberto Falcão
Geburtstag 16. Oktober 1953
Geburtsort Abelardo LuzBrasilien
Größe 183 cm
Position Mittelfeld
Vereine als Aktiver
Jahre Verein Spiele (Tore)1
1972–1980
1980–1985
1985–1986
SC Internacional
AS Rom
FC São Paulo
157 (21)
107 (22)
10 0(0)
Nationalmannschaft
1976–1986 Brasilien 34 0(7)
Stationen als Trainer
1990–1991
1991–1992
1993
1994
2011
2012
Brasilien
CF América
SC Internacional
Japan
SC Internacional
EC Bahia
1 Angegeben sind nur Liga-Spiele.

Paulo Roberto Falcão (* 16. Oktober 1953 in Abelardo Luz, Bundesstaat Santa Catarina) ist ein ehemaliger brasilianischer Fußballspieler. In den 1970er und 1980er Jahren spielte der Spielmacher für SC Internacional und den AS Rom. Mit der brasilianischen Nationalmannschaft nahm er an zwei Weltmeisterschaften teil, konnte den Titel jedoch nicht gewinnen. Im Jahr 2004 wurde er von Pelé für die Liste der besten 125 noch lebenden Fußballer nominiert (FIFA 100). Er arbeitet heute als Kommentator.

Vereinskarriere[Bearbeiten]

Der Sohn italienischer Einwanderer aus der Region Kalabrien rückte mit 19 Jahren in den Profikader des SC Internacional aus Porto Alegre auf. Der technisch beschlagene Mittelfeldspieler konnte sich erst nach einem Jahr in der Mannschaft etablieren, die zu den stärksten des Landes gehörte. Mit den „Roten“ gewann er fünfmal die Meisterschaft des Bundesstaates Rio Grande do Sul und sogar dreimal die nationale Meisterschaft. 1980 erreichte sie das Finale der Copa Libertadores, wo man jedoch Nacional Montevideo unterlag. Falcão selbst hatte sich zu einem Spielmacher der Extraklasse entwickelt und galt als einer der hoffnungsvollsten Spieler des Landes, weshalb er zweimal als „Fußballer des Jahres“ ausgezeichnet wurde (1978 und 1979).

Dadurch zog der Ballvirtuose das Interesse finanzkräftiger europäische Vereine auf sich. Im Sommer 1980 wurde Falcão für umgerechnet knapp zwei Millionen DM an den italienischen Erstligisten AS Rom verkauft. Nach einem, für Brasilianer oft typischen „Eingewöhnungsjahr“, machte er auch bei Rom seinen Weg und führte hervorragend Regie im Mittelfeld. Er harmonierte mit Mittelfeldspieler Agostino Di Bartolomei und Stürmerstar Roberto Pruzzo, den er mit maßgerechten Vorlagen versorgte. Nach einem Pokalsieg (1981) sicherte er sich mit der Roma 1982/83 die Meisterschaft (Scudetto), der ersten seit 41 Jahren. Die Fans verliehen Falcao den Titel „Achter König von Rom“ und die ganze Stadt lag der Mannschaft zu Füßen. Er war mit einem Wochengehalt von 30.000 DM der zeitweise am besten bezahlte Fußballer der Welt. Als die „Giallorossi“ 1984 im Finale des Europapokals der Landesmeister standen, musste man sich mit dem FC Liverpool im Elfmeterschießen messen. Falcão hatte sich im Spiel eine Blessur zugezogen und verweigerte seinen Elfmeter, weshalb er hart kritisiert wurde und der Pokal ging an Liverpool. Danach begann sein Stern bei den „Giallorossi“ zu sinken. Falcão machte mehr Schlagzeilen neben dem Platz, als durch seine Leistungen. Eine komplizierte Knieverletzung hinderte stoppte ihn zu Beginn der Saison 1984/85. Auch durch seine Beziehung zu der Schauspielerin Ursula Andress stand er häufig im Rampenlicht. Als der Spielmacher ohne Einwilligung seines Vereins nach New York reiste, um sich am verletzten Knie operieren zu lassen, löste Rom seinen Vertrag auf. Nach fünf Jahren in der „ewigen Stadt“ kehrte er nach Brasilien zurück.

Falcão unterzeichnete beim FC São Paulo einen Zweijahresvertrag und konnte erst 1986 wieder spielen. Doch seine Topform erreichte er nicht mehr und blieb ohne Einsatz, als Sao Paulo 1985 die Staatsmeisterschaft gewann.

Nationalmannschaft[Bearbeiten]

Sein erstes Länderspiel für die Seleção bestritt er am 12. Januar 1976 gegen die Sowjetunion. Als amtierender „Fußballer des Jahres“ hoffte Falcão zwei Jahre später auf eine Nominierung für den WM-Kader in Argentinien, doch Nationaltrainer Cláudio Coutinho setzte auf Roberto Rivelino und Zico im Mittelfeld, weshalb er Falcão nicht nominierte. Erst nach dessen Entlassung kehrte er in den Kader zurück und belegte bei der Copa América 1979 den dritten Platz.

1982 nahm Falcão an seiner ersten Weltmeisterschaft teil. Brasilien war klarer Turnierfavorit und Trainer Telê Santana setzte dabei auf sein überragendes Mittelfeld, bestehend aus Zico, Sócrates, Toninho Cerezo und eben Falcão („Dream Team“). Die Mannschaft startete gut ins Turnier und wurde souveräner Gruppensieger. Falcão war einer der stärksten Akteure und er traf jeweils gegen Schottland (4:1) und Neuseeland (4:0). In der Zwischenrunde wurde das von Diego Maradona angeführte Argentinien souverän geschlagen. Gegen ein bisher durchschnitllich aufgetretenes Italien hätte somit ein Unentschieden genügt, um ins Halbfinale einziehen zu können. Falcão, der den italienischen Fußball aus der Serie A bestens kannte, schlug dem Trainerstab und seinen Mitspielern vor, defensiver zu spielen, doch wurde überstimmt. Italien siegte mit 3:2 (Falcão hatte das zwischenzeitliche 2:2 erzielt) und Brasilien war damit ausgeschieden. Falcão wurde in das WM-All-Star-Team gewählt und belegte den zweiten Platz bei der Wahl zum besten Spieler des Turniers (Silver Ball).

Nach der WM wurde Falcão vier Jahre lang nicht mehr für die Nationalmannschaft nominiert und kehrte erst für die WM 1986 in den Kader zurück, wo er an seiner zweiten Weltmeisterschaft teilnahm. Bei der Endrunde in Mexiko hatte er noch an den Folgen seiner Verletzung zu kämpfen und kam lediglich zu zwei Kurzeinsätzen als Einwechselspieler. Sein letztes Länderspiel bestritt er in der Gruppenphase am 6. Juni 1986 gegen Algerien (1:0-Sieg); nach dem erneuten vorzeitigen Ausscheiden (im Viertelfinale gegen Frankreich) beendete er seine Karriere in der Nationalelf.

Erfolge[Bearbeiten]

Vereine:

Individuell:

  • Bola de Ouro (Wahl in Brasiliens Mannschaft des Jahres): 1978, 1979
  • Silver Ball als Zweitbester Spieler der WM 1982
  • FIFA 100

Nach der aktiven Karriere[Bearbeiten]

Falcão wurde Trainer und übernahm nach der Weltmeisterschaft 1990 die brasilianische Nationalmannschaft, musste den Posten nach nur einem Jahr wieder räumen. Als Anfänger hatte sich die Selecao als eine Nummer zu groß erwiesen. Danach arbeitete er als Vereinstrainer in Mexiko (CF América) und für seinen ehemaligen Verein SC Internacional.

Nach einem kurzen Intermezzo als japanischer Nationaltrainer zog er sich aus dem Fußballgeschäft zurück und wechselte in die Medienbranche. Zurzeit arbeitet er als Kolumnist und Fußballkritiker bei Rede Globo.

Im April 2011 kehrte er jedoch ins Fußballtagesgeschäft zurück. Am 10. April 2011 gab sein alter Club SC Internacional bekannt, dass Falcão als Nachfolger von Interimscoach Andre Doring mit dem Ziel verpflichtet wurde, die Copa Libertadores zu verteidigen, doch bereits im August 2011 wurde er durch seinen Landsmann Doriva abgelöst.[1]

Trivia[Bearbeiten]

Der fußballbegeisterte Vater des kolumbianischen Stürmers Radamel Falcao García Zárate gab seinem Sohn den Zweitnamen Falcao nach Paulo Roberto Falcão.[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dorival Jr. é o novo técnico do Inter, Mitteilung auf der Webseite von SC Internacional Porto Alegre vom 12. August 2011 (portugiesisch, abgerufen am 13. August 2011)
  2. Artikel in der Daily Mail (engl.)